Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Phaedre lachte kurz auf.
»Hat er«, sagte sie. »Vorletzten Sonntag. Mickey und Drusus sind da gewesen – sie fanden es sehr komisch, aber Eure Tante nicht. Sie hat ihm den Anwalt Forbes auf den Hals geschickt, um ihn wegen Verleumdung anzuklagen, aber der alte Reverend Urmstone, er hat gesagt, wenn’s stimmt, ist’s keine Verleumdung.«
Brianna starrte das Dienstmädchen an.
»Und was genau hat er über mich gesagt?«
Phaedre schüttelte den Kopf und kramte weiter in dem Kleid herum.
»Das wollt Ihr gar nicht wissen«, sagte sie finster. »Aber wie auch immer, ob es der Distrikt weiß, ist nicht dasselbe, wie wenn Ihr Euren Bauch im Speisesaal spazieren tragt und Seiner Lordschaft jeden Zweifel nehmt, also zieht Ihr das Korsett an.«
Ihr autoritärer Ton ließ keine Diskussion zu. Brianna kämpfte sich widerwillig in das steife Kleidungsstück und ließ es sich von Phaedre fest zuschnüren. Ihre Taille war immer noch schlank, und die verbleibende Wölbung würde problemlos von dem weiten Rock und den Unterröcken verhüllt werden.
Sie starrte ihr Spiegelbild an, und Phaedres dunkler Kopf nickte neben ihren Oberschenkeln auf und ab, während das Dienstmädchen die grünen Seidenstrümpfe zu ihrer Zufriedenheit befestigte. Sie konnte nicht atmen, und es konnte nicht gut für das Baby sein, wenn es so eingequetscht wurde. Das Korsett wurde vorn geschnürt; sobald Phaedre sie allein ließ, würde sie es öffnen. Zum Teufel mit Seiner Lordschaft, wer auch immer er war.
»Und wer ist dieser Lord, der zum Abendessen kommt?«, fragte sie zum dritten Mal, während sie gehorsam in den Bausch aus gestärktem, weißem Leinen hineintrat, den Phaedre ihr hinhielt.
»Das ist Lord John William Grey von der Mount-Josiah-Plantage in Virginia.« Phaedre rollte die Silben mit großem Pomp, obwohl die unglückliche Kürze und Schlichtheit der Namen des Lords sie sehr zu enttäuschen schien. Brianna wusste, dass sie einen Lord FitzGerald Vanlandingham Walthamstead bevorzugt hätte, wenn sie ihn hätte haben können.
»Ein Freund von Eurem Papa, sagt jedenfalls Miss Jo«, fügte das Dienstmädchen etwas prosaischer hinzu. »Da, so ist’s gut. Ein Glück, dass Ihr hübsche Brüste habt, das Kleid ist dafür wie geschaffen.«
Brianna hoffte, dies würde nicht bedeuten, dass das Kleid ihre Brüste nicht bedecken würde; die Korsettstangen endeten kurz darunter und schoben sie nach oben, so dass sie erschreckend hoch aufragten wie etwas, das über den Rand eines Topfes quillt. Ihre Brustwarzen starrten sie im Spiegel an, tiefdunkel verfärbt wie Himbeerwein.
Doch es war nicht die Sorge darüber, welche Rundungen sie entblößte, die sie dazu brachte, Phaedres letzte schwungvolle Handgriffe zu ignorieren; es war das beiläufige Ein Freund von Eurem Papa.
Es war keine große Gesellschaft; bei Jocasta gab es selten große Gesellschaften. Da sie sich in Bezug auf gesellschaftliche Untertöne nur auf ihre Ohren verlassen konnte, riskierte sie keine Menschenmengen. Dennoch befanden sich mehr Leute als üblich im Empfangszimmer; Anwalt Forbes natürlich mit seiner unverheirateten Schwester; Mr. MacNeill und sein Sohn, Richter Alderdyce und seine Mutter, ein paar von Farquard Campbells unverheirateten Söhnen. Aber niemand, der nach Phaedres Lordschaft ausgesehen hätte.
Brianna lächelte säuerlich vor sich hin. »Sollen sie doch schauen«, murmelte sie und richtete sich gerade auf, so dass ihr Bauch sich stolz vorwölbte und unter der Seide glänzte. Sie klopfte ihn ermutigend. »Na komm, Osbert, dann wollen wir uns mal in Gesellschaft begeben.«
Ihr Eintreten wurde von einem allgemeinen Ausruf der Herzlichkeit begrüßt, bei dem sie sich ein wenig für ihren Zynismus schämte. Diese Männer und Frauen meinten es gut, Jocasta eingeschlossen; und schließlich waren nicht sie an der Situation schuld.
Trotzdem genoss sie den leicht schockierten Ausdruck, den der Richter zu verbergen suchte, und das allzu süße Lächeln im Gesicht seiner Mutter, als ihre kleinen Papageienknopfaugen Osberts unübersehbare, ungehemmte Anwesenheit registrierten. Jocasta würde sie vielleicht anbieten, doch die Mutter des Richters würde dankend ablehnen, kein Zweifel. Brianna begegnete ihrerseits Mrs. Alderdyce’ Blick mit einem betont vergnügten Lächeln.
Mr. MacNeills wettergegerbtes Gesicht zuckte sacht vor Belustigung, doch er verbeugte sich ernst und erkundigte sich ohne die geringste Spur von Verlegenheit nach ihrem Wohlbefinden. Was Anwalt Forbes anging – falls ihm irgendein Mangel an ihrer Erscheinung auffiel, so zog er den Schleier seiner professionellen Diskretion darüber und begrüßte sie auf seine übliche, liebreizende Weise.
»Ah, Miss Fraser!«, sagte er. »Auf Euch haben wir gewartet. Mrs. Alderdyce und ich waren gerade in eine freundschaftliche Auseinandersetzung über eine Frage der Ästhetik vertieft. Bei Eurem Instinkt für alles Schöne wäre mir Eure Meinung besonders wertvoll, falls Ihr geneigt wärt, sie mir mitzuteilen.« Er ergriff ihren Arm und zog sie glattweg an seine Seite – fort von MacNeill, dessen buschige Augenbraue in ihre Richtung zuckte, der aber keine Anstalten machte, einzuschreiten.
Er führte sie zum Kamin, wo vier kleine Kästchen auf dem Tisch standen. Indem er feierlich deren Deckel abnahm, enthüllte der Anwalt nacheinander vier Edelsteine, jeder von der Größe einer frischen Erbse, jeder auf ein dunkelblaues Samtkissen gebettet, um seine Leuchtkraft besser zu betonen.
»Ich habe vor, einen dieser Steine zu erwerben«, erklärte Forbes. »Um ihn in einen Ring zu fassen. Ich habe sie aus Boston kommen lassen.« Er grinste Brianna breit an, denn er stand offensichtlich unter dem Eindruck, dass er die Konkurrenz hinter sich gelassen hatte – und dem schwachen Funkeln in MacNeills Gesicht nach hatte er das wirklich.
»Sagt mir, meine Teuerste – welchen bevorzugt Ihr? Den Saphir, den Smaragd, den Topas oder den Diamanten?« Mit stolzgeschwellter Brust über seine eigene Gewitztheit sank er auf seine Absätze zurück.
Zum ersten Mal in ihrer Schwangerschaft spürte Brianna einen kurzen Anflug von Übelkeit. Ihr Kopf fühlte sich leicht und schwindelig an, und ihre Fingerspitzen waren taub und kribbelten.
Saphir, Smaragd, Topas, Diamant. Und der Ring ihres Vaters enthielt einen Rubin. Fünf Steine der Macht, die Spitzen des Pentagramms der Reisenden, die eine sichere Passage garantierten. Für wie viele? Unbewusst breitete sie schützend eine Hand über ihren Bauch.
Sie erkannte die Falle, in die Forbes sie zu locken gedachte. Wenn sie eine Entscheidung traf, würde er ihr auf der Stelle den ungefassten Stein schenken, ein öffentlicher Antrag, der – so dachte er – sie entweder dazu zwingen würde, augenblicklich einzuwilligen, oder dazu, durch ihre direkte Ablehnung eine unangenehme Szene zu verursachen. Gerald Forbes verstand wirklich nichts von Frauen, dachte sie.
»Ich – äh – ich möchte nicht gern meine eigene Meinung kundtun, ohne nicht zuerst Mrs. Alderdyce’ Entscheidung zu hören«, sagte sie und drängte der Mutter des Richters ein freundliches Lächeln und ein Kopfnicken auf. Diese sah zugleich überrascht und dankbar aus, dass man so auf sie zählte.
Briannas Magen ballte sich zusammen, und sie wischte sich unauffällig die verschwitzten Hände an ihrem Rock ab. Da waren sie, alle am selben Ort – die vier Steine, von denen sie gedacht hatte, es würde ein Leben lang dauern, sie zu finden.
Mrs. Alderdyce stieß gerade ihren arthritischen Finger in Richtung des Smaragds und erklärte die Vorzüge ihrer Wahl, doch Brianna achtete nicht darauf, was die Frau sagte. Sie sah Anwalt Forbes an, dessen rundes Gesicht immer noch Selbstzufriedenheit widerspiegelte. Ein plötzlicher, wilder Impuls stieg in ihr auf.
Wenn sie ja sagte, jetzt, heute Nacht, solange er noch alle vier Steine hatte … würde sie sich dazu durchringen können? Ihn zu umgarnen, ihn zu küssen, ihn in Sicherheit zu wiegen – und dann die Steine zu stehlen?
Ja, das würde sie. Und was dann? Mit ihnen in die Berge flüchten? Jocasta blamiert und den Distrikt in Aufruhr zurücklassen, weglaufen und sich verstecken wie eine gemeine Diebin? Und wie sollte sie zu den Westindischen Inseln gelangen, bevor das Baby kam? Sie rechnete im Kopf nach und wusste genau, dass es Wahnsinn war, und dennoch – es war zu schaffen.