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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Das Schiff startet. Ende der Sequenz.

Warum haben die Erhabenen den Roboter in der Höhle auf dem scheußlichen Asteroiden zurückgelassen? Zur Strafe? Dafür scheinen Aufwand und Mühe zu groß zu sein. Um Feinde zu beobachten? Warum?

Und warum wird diese Szene so oft gezeigt, wenn wir die Kugel einschalten? Allein das macht deutlich, daß die Errichtung der Felsgruft und das Zurücklassen des Roboters von besonderer Bedeutung gewesen sind. Aber von welcher?

In der Zwischenzeit haben wir zu einer täglichen Routine gefunden und graben weiter. Seit meiner Entdeckung der Kugel ist nichts besonders Interessantes zum Vorschein gekommen. Doch Mirrik und Kelly sind unermüdlich. Sie graben und bohren an der Fundstelle, wir räumen beiseite, und Saul datiert Tausende von Artefakten. Auf der Grundlage der Art der Hieroglyphen, Kalium-Argon-Tests und anderen Hinweisen hat er das Alter unserer Fundstelle auf 925 Millionen Jahre bestimmt, mit einer möglichen Fehlerquote von 50 Millionen Jahren nach oben oder unten. Das ist ein ziemlich großer Abweichungsspielraum. Wenn ich an die Fundstelle denke, dann stelle ich mir auch weiterhin gern vor, daß die Erhabenen vor einer runden Milliarde von Jahren hier gewesen sind. An dem Wort „Milliarde“ ist etwas Beeindruckendes und Majestätisches. Ich lasse mir das M im Munde zergehen. Mir tun die armen Innungsgenossen leid, die für ihre Fundstellen nur ein Alter von ein paar jämmerlichen tausend Jahren geltend machen können.

Eine Milliarde. Eine Milliarde. Vor tausend Millionen und sieben Jahren kamen die Erhabenen zu diesem Planeten…

Ich möchte noch immer zu gern wissen, was es mit dieser Felsgruft-Szene auf sich hat.

Dein Bruder hat sich erneut mit Ruhm bekleckert, diesmal durch einen verrückten Einfall. Als mir die Idee in den Sinn kam, hielt ich sie für vollkommen idiotisch, aber ich brachte den Mut auf, sie Jan zu schildern, die daraufhin ganz aufgeregt war und darauf bestand, ich solle es bei der abendlichen Diskussionsrunde allen erzählen. Was ich auch tat. Doch als ich den Klang meiner eigenen Stimme hörte, während sie die ersten Worte meiner abenteuerlichen Vorstellung hervorbrachte, fühlte ich mich wie ein Drahtseiltänzer mit defektem Antigravgürtel, der tapfer mitten im Nichts hängt und nahe daran ist, in einen unter ihm gähnenden Abgrund zu stürzen.

Doch es gab kein Zurück mehr.

Alle sahen mich fest an, als ich sagte: „Nehmen wir einmal an — nur als Ausgangspunkt einer Argumentation —, die Erhabenen ließen jenen Roboter in der versiegelten Gruft und kehrten nie zurück, um ihn wieder herauszuholen. Auf einem luft- und wasserlosen Asteroiden kann ein Metallobjekt wie dieser Roboter, der mit der Technik der Erhabenen konstruiert wurde, ohne weiteres eine Milliarde Jahre überdauern, ohne zu korrodieren oder anderen Schaden zu erleiden. Diese Kugel hier ist unser Beweis dafür, daß so etwas möglich ist. Deshalb ist es zumindest theoretisch denkbar, daß der Roboter noch immer hinter dieser dicken Tür sitzt, in allerbestem Zustand.“

Meine Zuhörer begannen die Stirn zu runzeln, zu nicken oder unruhig hin und her zu rutschen. Ich spürte, wie ich in den Abgrund stürzte. Was ich von mir gab, war wirklich ausgemachter Unsinn! Und das in Gegenwart von Dr. Schein und Dr. Horkkk, von all diesen erfahrenen Archäologen!

Hilflos fuhr ich fort:

„Es stellt sich folgende Frage: Können wir den Asteroiden lokalisieren, auf dem sich die Gruft befindet? Ich glaube, ja. Wir haben einige bestimmte Anhaltspunkte. Das erste Bild der Sequenz zeigt uns einen umfassenden Ausblick auf zumindest einige tausend Parsek des Weltraums. Natürlich sind die sichtbaren Sternkonstellationen eine Milliarde Jahre alt und weisen heute nicht mehr diese Struktur auf, und außerdem wissen wir nicht, welcher Raumsektor fotografiert wurde. Ich glaube aber, jedes gute Observatorium könnte uns Computersimulationen darüber zur Verfügung stellen, wie bestimmte Regionen unserer Galaxis vor einer Milliarde Jahren ausgesehen haben. Vielleicht könnten wir hundert solcher Simulationen anfertigen lassen, die zeitlich gesehen zwei oder drei Millionen Jahre auseinander liegen, um mögliche Fehler in unserer Datierung der Kugel zu berücksichtigen.

Auf diese Weise können wir vielleicht den Teil der Galaxis bestimmen, der im ersten Bild dargestellt ist. Als nächstes konzentrieren wir uns auf die Nahaufnahme, jene kleine Sterngruppe: den Roten Riesen, den Doppelstern, die gelben Sonnen, die beiden blauweißen. Eine Milliarde Jahre, das ist natürlich selbst für eine Sonnenevolution eine lange Zeit. Vielleicht sind diese beiden Sterne vom O-Typ längst abgekühlt; vielleicht ist der Rote Riese inzwischen zu einem Weißen Zwerg geworden, und vielleicht ist der Weiße Zwerg vollkommen ausgebrannt. Es ist auch möglich, daß diese Sonnen sehr unterschiedliche Eigenbewegungen gehabt und sich inzwischen weit voneinander entfernt haben. Trotzdem: Für einen mit astronomischen Daten programmierten Computer sollte es nicht zu schwierig sein, die auffälligsten Vertreter jener Gruppe ausfindig zu machen, ihren Weg zurückzuverfolgen und so eine Simulation darüber herzustellen, wo sie sich vor einer Milliarde Jahre befunden haben. Mit ein bißchen Glück finden wir den Weißen Zwerg noch immer in der Nähe einer der Sonnen vor, die zur Gruppe gehört haben. Eine Expedition könnte dorthin fliegen, den Asteroiden suchen, und dann kann es kein allzu großes Problem mehr sein, die Gruft und den… Roboter… zu finden…“

Mein Schwung war dahin. Die Idee klang so absurd in meinen Ohren, daß ich nicht weitersprechen konnte. Ermattet sank ich auf meinen Platz zurück und wartete darauf, daß das Hohngelächter begann.

„Brilliant!“ rief Dr. Horkkk. Dr. Horkkk, kein Geringerer.

„Ein hervorragender Plan, Tom!“ sagte Dr. Schein.

„Einmalig!“, „Phantastisch!“, „Ausgezeichnet!“ und andere auserlesene Adjektive kamen von den anderen.

Mirrik schnaubte und brüllte enthusiastisch.

Jan strahlte mich stolz an.

Pilazinool rutschte auf seinem Platz hin und her, spielte an den Befestigungen seines linken Beins herum, als wolle er es abschrauben, überlegte es sich dann aber anders, winkte mit der Hand und bat um Aufmerksamkeit. Er sprach sehr langsam und sagte, wie sehr ihn meine Idee beeindruckt habe. Seiner Meinung nach sei es möglich, die Gruft zu finden, und er glaube, wir hätten eine ausgezeichnete Chance, daß sich der Roboter noch immer in ihrem Innern befände.

„Ich schlage vor“, sagte Pilazinool, „wir nehmen sofort Kontakt mit dem Computer eines Observatoriums auf und stellen fest, ob die Position des Asteroiden tatsächlich zu errechnen ist. Falls ja, dann spreche ich mich dafür aus, die Arbeiten hier abzubrechen und uns auf die Suche danach zu machen. Bis auf die Kugel haben wir hier überhaupt nichts entdeckt, was nicht auch schon in den anderen Fundstellen von Erhabenen-Artefakten ausgegraben worden wäre. Wir haben es hier mit einer routinemäßigen und gewöhnlichen Ausgrabung zu tun. Die Kugel aber halte ich für das erste Glied in einer Kette aus Hinweisen, die sich vielleicht über die ganze Galaxis erstreckt. Möglicherweise stellt die Gruft das zweite Glied dar. Sollen wir hierbleiben und uns weiterhin mit unseren unbedeutenden Arbeiten herumschlagen, oder machen wir uns auf, um woanders nach wichtigeren Erkenntnissen zu suchen?“

Sofort zerfielen wir wieder in einzelne Fraktionen. Die Konservativen — Saul, Mirrik und Kelly — waren dafür, hierzubleiben und die gegenwärtige Fundstelle völlig auszuschöpfen, bevor man etwas anderes in Angriff nahm. Die Romantischen — Jan, Leroy, Steen und ich — sprachen uns für Pilazinools Standpunkt aus und meinten, es sei besser, zu einer aufregenden Alles-oder-nichts-Suche quer durch die Galaxis aufzubrechen, als hier weitere zehntausend Inschriftsknoten auszugraben. 408b neigte unserer Auffassung zu, nicht aus einem romantischen Verlangen nach Abenteuer, sondern nur deswegen, weil es einen Roboter der Erhabenen in näheren Augenschein nehmen wollte. Dr. Schein schien zwischen zwei widerstrebenden Empfindungen hin und her gerissen zu sein: Er betrachtete es als unsere Pflicht, diese vielversprechende Fundstätte von Erhabenen-Artefakten bis zur letzten Schicht freizulegen, aber er sah auch die Chance, auf dem Asteroiden etwas von eminenter Bedeutung zu entdecken. Dr. Horkkk, der zuvor für die Beendigung der laufenden Arbeiten eingetreten war, schien nun aus reinem Eigensinn ganz erpicht darauf zu sein, hier weiterzumachen, aber ich spürte, daß auch er zumindest teilweise von der Möglichkeit fasziniert war, die Asteroidengruft ausfindig zu machen.

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