Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Roger rieb sich mit verblüffter Miene das Gesicht.
»Nun ja … aber …« Er warf Brianna einen flehenden Blick zu.
»Bist du in Schwierigkeiten, Lizzie?«, fragte Brianna direkt. Sie zündete eine zweite Kerze an und steckte sie in einen Wandhalter an der Tür. Jetzt, da sie mehr Licht hatte, konnte sie sehen, dass Lizzies Augenlider gerötet und geschwollen waren, als hätte sie geweint – obwohl sie eher nervöse Entschlossenheit auszustrahlen schien als Angst.
»Schwierigkeiten würde ich nicht direkt sagen. Aber ich – ich bekomme ein Kind, aye.« Lizzie kreuzte schützend die Arme vor ihrem Bauch. »Wir – wir wollten verheiratet sein, bevor ich es jemandem sage.«
»Oh. Nun ja …« Roger warf Jo einen missbilligenden Blick zu, hinter dem aber keine große Überzeugung steckte. »Aber dein Vater – wird er nicht –«
»Pa würde sich wünschen, dass wir von einem Pastor getraut werden«, erklärte Lizzie ernst. »Und das werden wir auch. Aber Ihr wisst doch, Sir, es wird Monate – vielleicht sogar Jahre – dauern, bis wir einen finden.« Sie senkte den Blick und errötete. »Ich – ich wäre gern verheiratet, mit dem richtigen Spruch, bevor das Baby kommt.«
»Ja«, sagte er, und sein Blick wurde unausweichlich von Lizzies Taille angezogen. »Ich verstehe. Aber ich kann die Eile nicht ganz begreifen, falls du mich verstehst. Ich meine, deine Schwangerschaft wird doch morgen nicht deutlicher zu sehen sein als heute Abend. Oder nächste Woche.«
Jo und Kezzie wechselten über Lizzies Kopf hinweg einen Blick. Dann legte Jo Lizzie die Hand um die Taille und zog sie sanft an sich.
»Sir. Es ist nur – wir möchten das Richtige tun. Aber wir hätten es gern nur unter uns, versteht Ihr? Nur ich, Lizzie und mein Bruder.«
»Nur wir«, wiederholte Kezzie und trat einen Schritt näher. Er sah Roger mit ernster Miene an. »Bitte, Sir?« Er schien sich irgendwie die Hand verletzt zu haben; es war ein Taschentuch darum gewickelt.
Brianna fand die drei so rührend, dass es beinahe unerträglich war; sie waren so unschuldig und so jung und hatten die frisch gewaschenen Gesichter so flehend auf Roger gerichtet. Sie trat näher und berührte Rogers Arm, dessen Wärme sie durch den Stoff seines Ärmels spüren konnte.
»Tu’s doch für sie«, sagte sie leise. »Bitte. Du kannst sie doch wenigstens für handfast erklären.«
»Aye, aber man sollte sie über ihre Verantwortung aufklären … ihr Vater …« Seine Einwände verstummten, als er von ihr zu dem Trio hinüberblickte, und sie konnte sehen, dass die Unschuld der drei ihn genauso rührte wie sie. Und, so dachte sie insgeheim belustigt, der Gedanke, seine erste, wenn auch noch unorthodoxe Eheschließung zu vollziehen, war sehr verlockend für ihn. Die Umstände würden romantisch und unvergesslich sein, hier in der Stille der Nacht, der Austausch der Gelübde bei Kerzenschein, während die Erinnerung an ihren eigenen Liebesakt das Zimmer noch wärmte und das schlafende Kind Zeuge war, zugleich Segen und Verheißung für die neue Ehe.
Roger seufzte tief, dann lächelte er ihr resigniert zu und wandte sich ab.
»Aye, also schön. Aber lasst mich erst meine Hose anziehen; ich werde meine erste Trauung nicht mit blankem Arsch durchführen.«
Roger hielt einen Löffel Marmelade über sein getoastetes Brot und starrte mich an.
»Sie was?«, sagte er in ersticktem Ton.
»Oh, das kann sie doch nicht!« Brianna schlug sich mit großen Augen die Hand vor den Mund und zog sie sofort wieder zurück, um zu fragen: »Alle beide?«
»Offensichtlich«, sagte ich und unterdrückte ein höchst unanständiges Bedürfnis zu lachen. »Du hast sie gestern Abend wirklich mit Jo verheiratet?«
»Gott steh mir bei, das habe ich«, murmelte Roger. Mit durch und durch erschütterter Miene steckte er den Löffel in seine Kaffeetasse und rührte mechanisch darin herum. »Aber sie ist handfast mit Kezzie?«
»Unter Zeugen«, versicherte ich ihm mit einem wachsamen Blick in Mr. Wemyss’ Richtung, der mir mit offenem Mund und allem Anschein nach versteinert am Frühstückstisch gegenübersaß.
»Meinst du –«, sagte Brianna zu mir, »ich meine, beide gleichzeitig?«
»Äh, sie hat nein gesagt«, erwiderte ich mit einem Seitenblick auf Mr. Wemyss, um anzudeuten, dass dies vielleicht in seiner Gegenwart nicht das passende Thema war, so faszinierend es auch war.
»O Gott«, sagte Mr. Wemyss mit Grabesstimme. »Sie ist verflucht.«
»Heilige Maria, Mutter Gottes.« Mrs. Bug, deren Augen die Größe von Untertassen angenommen hatten, bekreuzigte sich. »Möge der Himmel Erbarmen haben!«
Roger trank einen Schluck von seinem Kaffee, verschluckte sich und stellte die Tasse spuckend hin. Brianna hämmerte ihm hilfsbereit auf den Rücken, doch er wies sie mit einer Geste ab und riss sich mit tränenden Augen zusammen.
»Aber möglicherweise ist es ja gar nicht so schlimm, wie es den Anschein hat«, sagte er zu Mr. Wemyss, um der Sache eventuell doch etwas Gutes abzugewinnen. »Ich meine, vielleicht könnte man darauf plädieren, dass die Zwillinge eine Seele sind, die Gott zu einem nur Ihm bekannten Zweck auf zwei Körper verteilt hat.«
»Aye, aber – zwei Körper!«, verbesserte Mrs. Bug. »Meint Ihr – beide gleichzeitig?«
»Ich weiß es nicht«, sagte ich und gab auf. »Aber ich denke –« Ich blickte zum Fenster, wo der Schnee flüsternd gegen den geschlossenen Laden fiel. Es hatte in der Nacht zuvor heftig zu schneien begonnen, ein dichter, nasser Schnee, der inzwischen fast dreißig Zentimeter hoch lag, und ich war mir hinreichend sicher, dass sich alle am Tisch Versammelten exakt dasselbe ausmalten wie ich: eine Vision von Lizzie und den Beardsley-Zwillingen, die gemütlich am Kamin in einem warmen Bett aus Pelzen zusammengekuschelt ihre Flitterwochen genossen.
»Nun, es gibt wohl nicht viel, was irgendjemand dagegen tun könnte«, sagte Brianna realistisch. »Wenn wir in der Öffentlichkeit etwas sagen, werden die Presbyterianer Lizzie wahrscheinlich als Papistenhure steinigen, und –«
Mr. Wemyss stieß ein Geräusch aus, das klang, als sei jemand auf eine Schweinsblase getreten.
»Es wird sicher niemand etwas sagen.« Roger fixierte Mrs. Bug mit festem Blick. »Nicht wahr?«
»Nun, ich muss es Arch erzählen, sonst platze ich«, sagte sie unverblümt. »Aber sonst niemandem. Ich werde schweigen wie ein Grab, das schwöre ich. Soll mich der Teufel holen, wenn ich lüge.« Sie legte demonstrativ beide Hände vor den Mund, und Roger nickte.
»Ich gehe davon aus«, sagte er skeptisch, »dass die Ehe, die ich geschlossen habe, keine volle Gültigkeit hat. Aber –«
»Sie hat mit Sicherheit dieselbe Gültigkeit wie Jamies Handfasting«, sagte ich. »Und außerdem denke ich, dass es zu spät ist, sie zu einer Entscheidung zu zwingen. Sobald Kezzies Daumen heilt, wird niemand mehr in der Lage sein zu sagen …«
»Außer Lizzie wahrscheinlich«, sagte Brianna. Sie leckte sich eine Honigspur aus dem Mundwinkel und betrachtete Roger nachdenklich. »Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn es zwei von dir gäbe?«
»Wir wären beide ganz schön angeschmiert«, versicherte er ihr. »Mrs. Bug – gibt es noch Kaffee?«
»Wer ist angeschmiert?« Die Küchentür öffnete sich in einem Wirbel aus Schnee und kalter Luft, und Jamie kam mit Jem herein. Die beiden waren auf dem Abort gewesen. Ihre Gesichter waren rot und ihr Haar und ihre Augenwimpern mit schmelzenden Schneeflocken verziert.
»Du zum Beispiel. Du bist gerade von einer neunzehnjährigen Bigamistin an der Nase herumgeführt worden«, unterrichtete ich ihn.
»Was ist eine Bigamistin?«, erkundigte sich Jem.
»Ein sehr großer Kuhfladen«, sagte Roger, der nach einem Stück gebuttertem Toast griff und es Jemmy in den Mund steckte. »Da. Nimm das doch und …« Seine Stimme erstarb, als ihm klarwurde, dass er Jem nicht nach draußen schicken konnte.