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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Nachdem sie sich einmal in ihr Schicksal ergeben hatte, verlor Brianna keine Zeit mehr, sondern band Jemmy ein Geschirrhandtuch um den Hals und machte sich entschlossen mit der Schere ans Werk, so dass ein schimmernder Regen rotgoldener und kastanienbrauner Strähnen zu Boden fiel. Unterdessen las Roger mit dramatischer Betonung:

Über den jüngsten Akt bezüglich

der Spirituosen etc. –

Sagt mir, ist es zu verstehn,

Dass dieser Akt dient aller Wohlergehn?

Nein, wahrlich; das leugn’ ich:

Denn ist es, wie alle erzählen,

Besser, das kleinere Übel zu wählen,

Sag ich, recht hab ich.

Nehmt an – es könnt ja sein,

Zehn Tote gäb’s jahraus, jahrein,

Durch Überfluss an Alkohol.

Solln’ tausend Unschuld’ge der Not

Verfall’n und leben ohne Brot,

Für solcher Narren tumbes Wohl?

Glaubt nicht, dass fördern ich die Sünde will;

Dass den Gin verteidigen ich will,

Doch seht es einmal so:

Der Plan, ist er auch gut gemeint,

Des Allmächtgen Recht verneint,

Glaub ich der Bibel froh.

Als Sodoms Sünd nach Rache schrie,

Durch zehn Gerechte kam das Schicksal nie,

Und Gott persönlich Mitleid hatt.

Doch nun sind die, die heimlich gern genießen,

Durch zehn Enthemmte scheinbar zu verdrießen,

Und ordern den Ruin der halben Stadt.

»Gin, soso«, wiederholte Brianna kichernd. »Man beachte, dass er – oder sie – kein Wort von Whisky sagt. Hoppla, halt still, Schätzchen!«

Jamie zog sein Rasiermesser zum Schärfen über den Lederriemen, während er über Rogers Schulter hinweg mitlas. »So, Junge, bist du so weit?« Ohne eine Antwort abzuwarten, griff er nach dem Rasierpinsel und seifte Jemmy, von begeistertem Kreischen begleitet, den Kopf ein.

»Barbier, Barbier, rasier ein Schwein«, dichtete Brianna, die ihm zusah. »Wie viele Haare müssen in einer Perücke sein?«

»Jede Menge«, erwiderte ich und fegte die zu Boden gefallenen Haarbüschel zusammen, um sie ins Feuer zu werfen, was hoffentlich sämtlichen darin hausenden Läusen den Garaus bereitete. Es war eine Schande; Jemmy hatte wunderschönes Haar. Dennoch, es würde ja wieder wachsen – und der kurze Schnitt betonte seine hübsche Schädelform.

Jamie summte tonlos vor sich hin und zog seinem Enkelsohn das Rasiermesser so vorsichtig über die Kopfhaut, als rasierte er eine Honigbiene.

Jemmy wandte sacht den Kopf, und ich hielt den Atem an, weil mir eine flüchtige Erinnerung kam – Jamie, dem das kurzgeschorene Haar in Paris dicht am Schädel lag, während er sich bereitmachte, auf Jack Randall zu treffen; zu töten – oder getötet zu werden. Dann wandte sich Jemmy zurück und zappelte auf seinem Hocker, und die Vision verschwand – um sogleich etwas anderem zu weichen.

»Was ist das denn?« Ich beugte mich vor, um genauer hinzusehen, während Jamie das Rasiermesser mit einem ausladenden Schnörkel fortzog und den letzten Schaumklecks ins Feuer schnippte.

»Was denn?« Brianna trat an meine Seite und bekam große Augen, als sie den kleinen braunen Fleck entdeckte. Er hatte ungefähr die Größe eines Viertelpennys und war kreisrund, knapp über dem Haaransatz hinter dem linken Ohr.

»Was ist das?«, fragte sie stirnrunzelnd. Sie berührte es vorsichtig, doch Jemmy bemerkte es kaum, denn er zappelte jetzt noch heftiger, weil er von seinem Hocker hinunterwollte.

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht gefährlich ist«, beruhigte ich sie nach rascher Betrachtung. »Es sieht aus wie ein flaches Muttermal, normalerweise ist so etwas völlig harmlos.«

»Aber wo kommt es her? Bei seiner Geburt hatte er es nicht, das weiß ich!«, protestierte sie.

»Es kommt nur sehr selten vor, dass ein Baby ein Muttermal hat«, erklärte ich und knotete das Handtuch von Jemmys Hals los. »Ist ja gut, ja, du bist fertig! Geh jetzt und sei lieb – wir essen zu Abend, sobald es geht. Nein«, sagte ich, wieder an Brianna gerichtet, »sie bilden sich mit ungefähr drei – obwohl es natürlich mit dem Alter noch mehr werden können.«

Endlich frei, rieb sich Jemmy mit beiden Händen über den nackten Kopf. Er sah ganz zufrieden aus und sang leise vor sich hin.

»Bist du sicher, dass es nicht gefährlich ist?« Briannas Stirn war immer noch sorgenvoll in Falten gezogen.

»Oh, aye, das ist nichts«, versicherte Roger ihr und blickte von der Zeitung auf. »Ich habe genau so eins, schon seit ich ein Kind war. Genau … hier.« Sein Gesicht veränderte sich abrupt, als er das sagte, und seine Hand hob sich ganz langsam, bis sie auf seinem Hinterkopf lag – knapp über dem Haaransatz, hinter dem linken Ohr.

Er blickte mich an, und ich sah, wie sich seine Kehle bewegte, als er schluckte, die unebene Seilnarbe dunkel auf der verblüffend blassen Haut. Die Härchen auf meinen Armen richteten sich lautlos auf.

»Ja«, sagte ich. Ich erwiderte seinen Blick und hoffte, dass meine Stimme nicht allzu zittrig klang. »Solche Muttermale sind … oft erblich.«

Jamie sagte nichts, doch seine Hand schloss sich um die meine und drückte fest zu.

Jemmy kroch jetzt auf allen vieren herum und versuchte, Adso unter der Kaminbank hervorzulocken. Sein Hals war dünn und zerbrechlich, und sein kahlgeschorener Kopf sah gespenstisch weiß und schockierend nackt aus, wie ein Pilz, der aus dem Boden sprießt. Rogers Blick ruhte einen Moment darauf, dann wandte er sich Brianna zu.

»Ich glaube, ich habe mir auch ein paar Läuse eingefangen«, sagte er, und seine Stimme war ein winziges bisschen zu laut. Er hob die Hand, zog an dem Lederriemen, der sein dichtes, schwarzes Haar zusammenhielt, und kratzte sich mit beiden Händen heftig am Kopf. Dann griff er lächelnd nach der Schere und hielt sie ihr hin. »Wie der Vater, so der Sohn, finde ich. Hilf mir bitte mal, aye?«

Zehnter Teil

Wo ist Perry Mason, wenn man ihn braucht?

Kapitel 76

Gefahrvolle Korrespondenz

Von der Mount Josiah Plantage in der Kolonie Virginia,

Lord John Grey an Mr. James Fraser,

Esq., Fraser’s Ridge,

North Carolina, am 6. März 1775

Verehrter Mr. Fraser,

was in Gottes Namen führst Du im Schilde? Ich habe Dich im Lauf unserer langen Bekanntschaft als Mann mit vielen Eigenschaften kennengelernt, und Ungezügeltheit und Sturheit sind zwei davon. Aber ich habe Dich immer für einen Mann von Intelligenz und Ehrgefühl gehalten.

Und doch finde ich Deinen Namen trotz ausdrücklicher Warnungen gleich auf einer ganzen Reihe von Listen des Hochverrats und der Aufwiegelei Verdächtiger, die mit illegalen Versammlungen in Verbindung gebracht werden und denen daher die Verhaftung droht. Die Tatsache, dass Du noch auf freiem Fuße bist, mein Freund, spiegelt einzig den Mangel an Truppen wider, die derzeit in North Carolina verfügbar sind – und es ist gut möglich, dass sich dies schnell ändert. Josiah Martin hat London dringend um Hilfe gebeten, und sie wird kommen, das versichere ich Dir.

Wäre Gage nicht in Boston hinreichend beschäftigt, und wären Lord Dunsmores Truppen in Virginia nicht noch im Begriff, sich zu sammeln, hättest Du innerhalb von Monaten die Armee vor der Tür stehen. Mach Dir nichts vor; die Handlungen des Königs mögen zwar fehlgeleitet sein, doch die Regierung begreift – wenn auch etwas spät – das Ausmaß des Aufruhrs in den Kolonien und bemüht sich jetzt, ihn so schnell wie möglich zu unterdrücken, bevor es zu Schlimmerem kommt.

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