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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Es folgte ein wütender Ringkampf um den Besitz des Autos, der damit endete, dass sie beide in einem Gewirr aus Bettwäsche und Nachthemden auf dem Boden landeten, keuchend und hilflos kichernd.

»Schhh! Du weckst noch Jemmy auf!« Sie bäumte sich auf und wand sich, um Rogers Gewicht loszuwerden. Gute zwanzig Kilo im Vorteil, entspannte er sich einfach nur auf ihr und hielt sie so am Boden fest.

»Den kriegst du mit Kanonendonner nicht wach«, sagte Roger mit der Gewissheit langer Erfahrung. Es stimmte, seit er das Stadium hinter sich gelassen hatte, in dem er alle paar Stunden aufgewacht war, um zu trinken, schlief Jemmy wie ein komatöser Hund.

»Glaubst du, du wirst jemals noch einmal mit Tempo hundert irgendwohin fahren?«

»Nur, wenn ich über die Kante einer sehr tiefen Schlucht stürze. Du bist nackt, weißt du das?«

»Tja, du ebenfalls.«

»Aye, aber ich war es von Anfang an. Wo ist das Auto?«

»Ich habe keine Ahnung«, log sie. In Wirklichkeit lag es unter ihrem Kreuz, was sehr unbequem war, aber sie hatte nicht vor, ihm weitere Vorteile zu verschaffen. »Was willst du denn damit?«

»Oh, ich wollte ein bisschen die Gegend erkunden«, sagte er. Er stützte sich auf seinen Ellbogen und wanderte mit den Fingern langsam über die Rundung ihrer Brust. »Ich könnte es aber wohl auch zu Fuß tun. Das dauert zwar länger, aber man hat mehr von der Landschaft. Sagt man.«

»Mmm.« Er konnte sie zwar mit seinem Gewicht am Boden halten, hatte aber keine Kontrolle über ihre Arme. Sie streckte den Zeigefinger aus und drückte mit dem Nagel genau auf seine Brustwarze, so dass er tief Luft holte. »Hattest du an eine lange Reise gedacht?« Sie schielte auf das kleine Wandbord am Bett, wo sie ihre Verhütungsmittel aufbewahrte.

»Geht so.« Er folgte ihrer Blickrichtung, dann sah er ihr direkt in die Augen, eine Frage in den seinen.

Sie wand sich, um es sich bequemer zu machen, und befreite unauffällig das Miniauto.

»Man sagt, eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt«, sagte sie. Dann hob sie den Kopf, legte den Mund auf seine Brustwarze und umschloss sie sanft mit den Zähnen. Einen Moment später ließ sie los.

»Leise«, sagte sie tadelnd. »Du weckst noch Jemmy auf.«

»Wo ist deine Schere? Ich schneide es ab.«

»Das sage ich dir nicht. Ich mag es lieber lang.« Sie strich ihm das weiche, dunkle Haar aus dem Gesicht und küsste ihn auf die Nasenspitze, was ihn leicht aus der Fassung zu bringen schien. Doch er lächelte und erwiderte ihren Kuss, bevor er sich hinsetzte und sich mit einer Hand das Haar aus dem Gesicht schlug.

»Das muss doch unbequem sein«, sagte er mit einem Blick auf die Wiege. »Ich lege ihn besser in sein Bett, oder?«

Brianna blinzelte von ihrer Position auf dem Fußboden zur Wiege auf. Jemmy, der jetzt vier war, war der Wiege längst summa cum laude entwachsen und in ein Rollbett umgezogen, doch hin und wieder bestand er darauf, um der alten Zeiten willen in seiner Wiege zu schlafen, in die er sich hartnäckig hineinquetschte, trotz der Tatsache, dass es ihm unmöglich war, den Kopf und alle vier Gliedmaßen gleichzeitig darin unterzubringen. Im Moment war er unsichtbar bis auf zwei rundliche nackte Beine, die an einem Ende senkrecht in die Höhe ragten.

Er wurde jetzt so groß, dachte sie. Er konnte noch nicht richtig lesen, konnte aber das Alphabet, und er konnte bis hundert zählen und seinen Namen schreiben. Und er wusste, wie man ein Gewehr lud; sein Großvater hatte es ihm beigebracht.

»Sagen wir es ihm?«, fragte sie plötzlich. »Und wenn ja, wann?«

Roger musste im selben Moment etwas Ähnliches gedacht haben, denn er schien genau zu wissen, was sie meinte.

»Himmel, wie soll man einem Kind so etwas sagen?«, sagte er. Er erhob sich und packte die Bettdecke, um sie auszuschütteln, weil er anscheinend hoffte, das Lederband zu finden, mit dem er sich die Haare zusammenbinden konnte.

»Würdest du einem Kind nicht sagen, dass es adoptiert ist?«, wandte sie ein. Sie setzte sich hin und fuhr sich ihrerseits mit der Hand durch die Haarmassen. »Oder wenn es einen Skandal in der Familie gibt, zum Beispiel, dass sein Vater nicht tot ist, sondern im Gefängnis? Wenn man es ihnen früh erzählt, glaube ich, dass es gar keine so große Bedeutung für sie hat; sie wachsen einfach damit auf. Wenn sie es später herausfinden, ist es ein Schock.«

Er sah sie ironisch von der Seite an.

»Du musst es ja wissen.«

»Du doch auch.« Die Worte kamen trocken, doch selbst jetzt spürte sie noch das Echo. Unglaube, Wut, Verleugnung – und der plötzliche Zusammenbruch ihrer Welt, als sie es gegen ihren Willen zu glauben begann. Das Gefühl der Leere und Verlassenheit – und der blinden Wut und des Verratenseins, als sie entdeckte, wie viel von dem, was für sie selbstverständlich gewesen war, eine Lüge war.

»Du brauchtest wenigstens keine Entscheidung zu treffen«, sagte sie und nahm eine bequemere Position am Bettrahmen ein. »Niemand wusste von dir; niemand hätte dir sagen können, was du warst, und hat es nicht getan.«

»Oh, und du meinst, sie hätten dir die Sache mit der Zeitreise schon als Kleinkind erzählen sollen? Deine Eltern?« Er zog zynisch belustigt die Augenbraue hoch. »Ich kann mir die Kommentare vorstellen, die du aus der Schule mit nach Hause gebracht hättest – ›Brianna hat eine sehr lebhafte Fantasie, sollte aber ermuntert werden, Situationen zu erkennen, in denen es nicht angebracht ist, diese zu benutzen‹.«

»Ha.« Sie strampelte das restliche Gewirr aus Kleidern und Bettwäsche beiseite. »Ich war auf einer katholischen Schule. Die Nonnen hätten gesagt, ich lüge, und hätten es unterbunden, Ende. Wo ist mein Hemd?« Sie hatte sich vollständig aus dem Kleidungsstück herausgewunden, und es war zwar warm, aber sie fühlte sich unangenehm entblößt, selbst im gedämpften Schatten des Zimmers.

»Hier.« Er zupfte ein Leinenknäuel aus dem Durcheinander und schüttelte es aus. »Meinst du?«, wiederholte er und sah sie mit hochgezogener Augenbraue an.

»Meine ich, sie hätten es mir sagen sollen? Ja. Und nein«, räumte sie widerstrebend ein. Sie griff nach dem Hemd und zog es sich über den Kopf. »Ich meine – ich verstehe, warum sie es nicht getan haben. Erst einmal hat Papa es gar nicht geglaubt. Und was er geglaubt hat … na ja, was immer es war, er hat Mama gebeten, mich in dem Glauben zu lassen, er wäre mein richtiger Vater. Sie hat ihm ihr Wort gegeben; ich denke nicht, dass sie es hätte brechen sollen, nein.« Soweit sie wusste, hatte ihre Mutter ihr Wort nur ein einziges Mal gebrochen – unfreiwillig, aber mit bahnbrechenden Folgen.

Sie strich den Leinenstoff über ihrem Körper glatt und fischte nach den Enden der Schnur, die den Halsausschnitt zusammenzog. Sie war jetzt bedeckt, fühlte sich aber immer noch so entblößt, als sei sie nackt. Roger saß auf der Matratze und schüttelte systematisch die Decken aus, doch seine grünen Augen waren nach wie vor fragend auf sie gerichtet.

»Trotzdem war es gelogen«, platzte sie heraus. »Ich hatte ein Recht, es zu erfahren!«

Er nickte langsam.

»Mmpfm.« Er ergriff das zusammengedrehte Bettlaken und begann, es auszurollen. »Aye, na ja. Ich kann mir vorstellen, dass man einem Kind erzählt, dass es adoptiert oder dass sein Vater im Gefängnis ist. Aber das hier ist doch eher so, als wollte man dem Kind erzählen, dass sein Vater seine Mutter ermordet hat, als er sie dabei erwischt hat, wie sie es in der Küche mit dem Briefträger und sechs guten Freunden getrieben hat. Vielleicht bedeutet es ihm nicht viel, wenn man es ihm früh erzählt – aber wenn es anfängt, seinen Freunden davon zu erzählen, sind ihm offene Ohren sicher.«

Sie biss sich auf die Lippe und fühlte sich unerwartet mürrisch und gereizt. Sie hatte nicht gedacht, dass ihre Gefühle immer noch so dicht unter der Oberfläche lauerten. Und es gefiel ihr gar nicht, dass es so war – und dass Roger es sehen konnte.

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