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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Was auch immer Du sonst sein magst, Du bist kein Narr, und so muss ich annehmen, dass Dir die Folgen Deiner Handlungsweise bewusst sind. Doch ich wäre alles andere als Dein Freund, wenn ich Dich nicht in aller Deutlichkeit warnen würde: Durch Deine Handlungsweise setzt Du Deine Familie der äußersten Gefahr aus, und Du steckst Deinen Kopf in eine Schlinge.

Um der Zuneigung willen, die Du mir gegenüber noch hegen magst, und um jener kostbaren Verbindung zwischen Deiner Familie und mir selbst willen – ich flehe Dich an, diese höchst gefährlichen Verbindungen zu leugnen, solange es noch geht.

John

Ich las mir den Brief durch, dann blickte ich zu Jamie auf. Er saß an seinem Schreibtisch, auf dem überall Papiere verstreut waren, übersät mit kleinen braunen Krümeln aus zerbrochenem Siegelwachs. Bobby Higgins hatte eine Menge Briefe, Zeitungen und Päckchen mitgebracht – Jamie hatte sich Lord Johns Brief bis zuletzt aufgehoben.

»Er hat große Angst um dich«, sagte ich und legte das einzelne Blatt oben auf den Rest.

Jamie nickte.

»Wenn ein Mann in seiner Stellung die Handlungen des Königs als ›möglicherweise fehlgeleitet‹ bezeichnet, grenzt das an Hochverrat, Sassenach«, merkte er an, obwohl ich das Gefühl hatte, dass es ein Scherz sein sollte.

»Diese Listen, von denen er spricht – weißt du etwas davon?«

Er zuckte mit den Achseln und stocherte mit dem Zeigefinger in einem der ungeordneten Stapel herum, bis er ein verschmiertes Blatt hervorzog, das offenbar zwischendurch in einer Pfütze gelegen hatte.

»So etwas, nehme ich an«, sagte er und reichte es mir. Es war unsigniert und beinahe unleserlich, eine von Hass – und Schreibfehlern – erfüllte Denunziation diverser »Missetaten und Missetäter« – hier aufgelistet –, deren Worte, Taten und Erscheinung eine Bedrohung für jeden darstellten, dem an Frieden und Wohlstand gelegen war. Diesen, so empfand es der Verfasser, sollte »man’s zeigen«, am besten, indem man sie auspeitschte, ihnen lebendig die Haut abzog, sie »in kochendem Teer wälzte und aufs Rad flocht« oder sie in besonders verwerflichen Fällen »ohne Umschweife an ihrem eignen Dachbalken erhängte«.

»Woher hast du das denn?« Ich ließ es mit spitzen Fingern auf den Tisch fallen.

»Campbelton. Jemand hat es Farquard geschickt, weil er der Friedensrichter ist. Er hat es mir gegeben, weil mein Name darauf steht.«

»Ach ja?« Ich blinzelte die krakeligen Buchstaben an. »Oh, ja. ›J. Frayzer.‹ Bist du sicher, dass du das bist? Es gibt schließlich haufenweise Frasers, und nicht wenige namens John, James, Jacob oder Joseph.«

»Relativ wenige, auf die die Beschreibung ›rothaariger Halunke und Wucherer, der in Bordellen herumlungert, wenn er nicht im Suff auf offener Straße für Aufruhr sorgt‹ zutrifft, nehme ich an.«

»Oh, das hatte ich übersehen.«

»Es steht weiter unten.« Er warf einen kurzen, gleichgültigen Blick auf das Blatt. »Ich persönlich gehe davon aus, dass Metzger Buchan es geschrieben hat.«

»Wie kommt er denn auf ›Wucherer‹? Du hast doch gar kein Geld, das du verleihen könntest.«

»Ich glaube nicht, dass es unter den gegebenen Umständen erforderlich ist, dass der Inhalt auf Wahrheit beruht, Sassenach«, sagte er sehr trocken. »Und dank MacDonald und dem guten Bobby gibt es genug Leute, die glauben, dass ich Geld habe – und wenn ich nicht bereit bin, es ihnen zu leihen, nun, dann kann das nur daran liegen, dass ich es den Juden und den Whigs zum Spekulieren überlassen habe, um zu meinem eigenen Profit die Wirtschaft zu ruinieren.«

»Was?«

»Das war ein Versuch mit größeren literarischen Ambitionen«, erklärte er und durchwühlte den Stapel, bis er ein elegantes Stück Pergament in Kupferdruck-Ausführung hervorzog. Dieses Exemplar war an eine Zeitung in Hillsboro geschickt worden, mit »Ein Freund der Gerechtigkeit« unterzeichnet, und es nannte Jamie zwar nicht namentlich, doch es war klar, wer der Gegenstand seiner Anklagen war.

»Es sind deine Haare«, sagte ich und betrachtete ihn kritisch. »Wenn du eine Perücke tragen würdest, hätten sie es nicht so leicht.«

Er zog sardonisch eine Schulter hoch. Die allgemeine Ansicht, dass rote Haare auf einen schlechten Charakter und moralische Grobschlächtigkeit, wenn nicht sogar Dämonenbesessenheit hinwiesen, wurde längst nicht nur von anonymen Verunglimpfern geteilt. Das Wissen um diese Ansicht – und seine persönliche Abneigung gegen Perücken – hatte einiges damit zu tun, dass er niemals eine Perücke trug oder sich das Haar puderte, selbst bei Anlässen, zu denen ein Gentleman dies getan hätte.

Ohne zu fragen, griff ich nach einem Papierstapel und begann, ihn durchzublättern. Jamie machte keine Anstalten, mich daran zu hindern, sondern sah mir wortlos zu und lauschte dem Tosen des Regens.

Draußen ging ein kräftiger Frühlingsschauer nieder, und die Luft war frisch und feucht, erfüllt von den grünen Düften des Waldes, die sich durch die Ritzen der Türen und Fenster stahlen. Manchmal, wenn der Wind durch die Bäume fuhr, hatte ich das plötzliche Gefühl, dass die Wildnis hier einzudringen versuchte, um durch das Haus zu marschieren, es zu vernichten und jede Spur von uns zu verwischen.

Die Briefe waren eine bunte Mischung. Manche stammten von den Mitgliedern des Korrespondenzkomitees in North Carolina und enthielten Neuigkeiten, meistens aus dem Norden. In New Hampshire und New Jersey hatten sich Komitees für eine Kontinentalvereinigung gegründet, die jetzt mehr oder minder begannen, die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, da die königlichen Gouverneure jede Kontrolle über Versammlung, Gericht und Zollbehörden verloren hatten und auch der Rest offizieller Organisation immer tiefer ins Chaos stürzte.

Boston wurde nach wie vor von Gage und seinen Truppen belagert, und etliche der Briefe enthielten die üblichen Appelle, seinen Bürgern Lebensmittel und andere Vorräte zu schicken. Wir hatten im Lauf des Winters zwei Zentner Gerste geschickt, und einer der Woolams hatte es auf sich genommen, sie zusammen mit drei Wagenladungen an anderen Lebensmitteln, die die Bewohner von Fraser’s Ridge gespendet hatten, in die Stadt zu befördern.

Jamie hatte seinen Federkiel ergriffen und schrieb etwas, langsam, weil es seine steife Hand nicht anders zuließ.

Der nächste Brief war eine Notiz von David Putnam, die über Massachusetts zu uns gelangt war und von der Formierung von Milizkompanien in der ganzen Kolonie berichtete und um Waffen und Pulver bat. Sie war von einem Dutzend anderer Männer unterschrieben, die jeweils bestätigten, dass dies auch auf ihre Heimatorte zutraf.

Ein Zweiter Kontinentalkongress wurde vorgeschlagen, der an einem noch unbestimmten Datum in Philadelphia zusammentreffen sollte.

Georgia hatte einen Provinzkongress gegründet, doch wie der loyalistische Briefschreiber – der eindeutig davon ausging, dass Jamie seine Ansichten teilte – triumphierend anmerkte, »gibt es hier keine Klagen gegenüber Großbritannien wie anderswo; die loyalistische Gesinnung ist so vorherrschend, dass nur fünf von zwölf Gemeinden jemanden zu diesem dreisten und ungesetzlichen Kongress entsandt haben.«

Ein zerfleddertes Exemplar der Massachusetts Gazette vom 6. Februar enthielt einen mit Tinte eingekreisten Brief mit dem Titel »Die Herrschaft des Gesetzes und die Herrschaft der Menschen«. Er war mit »Novanglus« unterzeichnet – wahrscheinlich Küchenlatein für »Neuengländer« – und als Antwort auf eine Reihe vorhergegangener Briefe eines Torys gedacht, dessen Signatur ausgerechnet »Massachusettensis« lautete.

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