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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ich wechselte erneut einen Blick mit Jamie. Die Sache schien ernst zu sein.

»Joseph«, sagte er mit einem winzigen Hauch von Bedrohung. »Es ist kalt.« Er wischte sich mit dem Handrücken die Nase ab. »Wer hat Eure Tochter entehrt? Nennt uns seinen Namen, und ich sorge dafür, dass er sie morgen früh heiratet oder tot zu ihren Füßen liegt, was immer Euch lieber ist. Aber lasst uns das drinnen am Feuer besprechen, aye?«

»Beardsley«, sagte Mr. Wemyss in einem Ton, der auf Visionen äußerster Verzweiflung schließen ließ.

»Beardsley?«, wiederholte Jamie. Er sah mich verdutzt an. Es war nicht das, was ich erwartet hätte, aber es schockierte mich nicht besonders, es zu hören.

»Welcher der Beardsleys?«, fragte er relativ geduldig. »Jo? Oder Kezzie?«

Mr. Wemyss stieß einen Seufzer aus, der von den Sohlen seiner Füße kam.

»Sie weiß es nicht«, sagte er flach.

»Himmel«, sagte Jamie unwillkürlich. Er griff noch einmal nach dem Whisky und trank einen tiefen Schluck.

»Hm-mm«, räusperte ich mich mit einem vielsagenden Blick, als er den Krug sinken ließ. Er reichte ihn mir kommentarlos. Dann richtete er sich auf, das Hemd vom Wind an die Brust geklebt, das Haar wild verweht.

»Nun denn«, sagte er entschlossen. »Wir holen die beiden her und finden die Wahrheit heraus.«

»Nein«, sagte Mr. Wemyss, »das werden wir nicht. Sie wissen es genauso wenig.«

Ich hatte gerade den Mund voll rohem Alkohol. Bei diesen Worten verschluckte ich mich und spritzte Whisky über mein Kinn.

»Sie was?«, krächzte ich und wischte mir mit einer Ecke meines Umhangs über das Gesicht. »Ihr meint … alle beide?«

Mr. Wemyss sah mich an. Doch anstatt zu antworten, blinzelte er. Dann verdrehte er die Augen und stürzte, wie mit der Axt gefällt, kopfüber von seinem Felsen.

Es gelang mir, Mr. Wemyss wieder halb zu Bewusstsein zu bringen, doch nicht so weit, dass er laufen konnte. Daher war Jamie gezwungen, sich den schmächtigen Mann wie ein erlegtes Reh über die Schultern zu schwingen und ihn zu tragen; keine Kleinigkeit angesichts des zerklüfteten Bodens zwischen dem Whiskyversteck und der Mälzerei und des Windes, der uns mit Kies, Laub und fliegenden Kiefernzapfen bombardierte. Hinter dem Bergrücken hatten sich Wolken aufgetürmt, finster und schmutzig wie Waschwasser, und sie breiteten sich rapide am ganzen Himmel aus. Wir würden nass werden, wenn wir uns nicht beeilten.

Das Gehen wurde einfacher, als wir den Fußweg zum Haus erreichten. Doch es trug nicht zur Verbesserung von Jamies Laune bei, dass Mr. Wemyss an diesem Punkt plötzlich zu sich kam und sich auf sein Hemd übergab. Nach einem hastigen Versuch, die Sauerei wegzuwischen, änderten wir unsere Strategie und nahmen Mr. Wemyss für den Rest des Weges schwankend zwischen uns. Jeder von uns packte einen seiner Ellbogen, während er rutschte und stolperte und seine spindeldürren Knie in unerwarteten Momenten nachgaben, als hätte man Pinocchio die Schnüre durchtrennt.

Jamie sprach auf diesem Abschnitt des Wegs lautstark auf Gälisch mit sich selbst, verstummte aber abrupt, als wir auf den Hof kamen. Einer der Beardsley-Zwillinge fing dort für Mrs. Bug vor dem Sturm die Hühner ein; er hielt gerade zwei davon kopfunter an den Beinen wie einen sperrigen braungelben Blumenstrauß. Als er uns sah, blieb er stehen und glotzte Mr. Wemyss neugierig an.

»Was –«, begann der Junge. Weiter kam er nicht. Jamie ließ Mr. Wemyss’ Arm los, ging mit zwei Schritten auf den Beardsley-Zwilling zu und boxte ihn so heftig in den Magen, dass sich dieser vornüber krümmte, die Hühner fallen ließ, rückwärtsstolperte und zu Boden fiel. Die Hühner flatterten in einer Wolke verstreuter Federn gackernd davon.

Der Junge wand sich am Boden und öffnete und schloss vergeblich den Mund, um Luft zu bekommen, doch Jamie achtete nicht darauf. Er bückte sich, packte den Jungen an den Haaren und sprach ihm laut und direkt ins Ohr – vermutlich für den Fall, dass es Kezzie war.

»Holt Euren Bruder. In mein Studierzimmer. Sofort.«

Mr. Wemyss hatte dieses interessante Schauspiel mit offenem Mund beobachtet, einen Arm um meine Schulter geschlungen. Sein Mund blieb weiter offen stehen, als er den Kopf wandte und Jamie folgte, der jetzt wieder auf uns zuschritt. Doch dann schloss er ihn blinzelnd, weil Jamie seinen anderen Arm packte, ihn mir zielsicher abnahm und ihn ins Haus schob, ohne hinter sich zu sehen.

Ich warf dem am Boden liegenden Beardsley einen tadelnden Blick zu.

»Wie konntet ihr nur?«, sagte ich.

Er sah mich unter geräuschlosen Fischmaul-Bewegungen an, die Augen weit aufgerissen, das Gesicht dunkelrot, dann gelang es ihm, mit einem langen Hiiieee einzuatmen.

»Jo? Was ist, bist du verletzt?« Lizzie kam zwischen den Bäumen hervor, in jeder Hand ein Hühnerpaar, das sie an den Beinen hielt. Sie blickte mit sorgenvoll gerunzelter Stirn auf – nun, es war wohl Jo; wenn irgendjemand sie auseinanderhalten konnte, war es mit Sicherheit Lizzie.

»Nein, ihm fehlt nichts«, versicherte ich ihr. »Noch nicht.« Ich wies mahnend mit dem Finger auf sie. »Du, junge Dame, bringst jetzt diese Hühner in den Stall, und dann –« Ich zögerte mit einem Blick auf den Jungen am Boden, der jetzt wieder so weit zu Atem gekommen war, dass er keuchen konnte, und sich vorsichtig hinsetzte. Ich wollte sie nicht in mein Sprechzimmer bringen, nicht, wenn Jamie und Mr. Wemyss auf der anderen Flurseite Hackfleisch aus den Beardsleys machten.

»Ich gehe mit dir«, entschied ich hastig und scheuchte sie von Jo fort. »Kusch.«

»Aber –« Sie warf einen verwirrten Blick auf Jo – ja, es war Jo; er fuhr sich mit der Hand durch das Haar, um es sich aus dem Gesicht zu streichen, und ich sah die Narbe an seinem Daumen.

»Ihm fehlt nichts«, sagte ich und legte ihr entschlossen die Hand auf die Schulter, um sie zum Hühnerstall zu dirigieren. »Geh.«

Als ich zurückblickte, sah ich, dass Jo sich aufgerappelt hatte, sich eine Hand vor die empfindliche Körpermitte presste und auf den Stall zuhielt, wahrscheinlich, um wie befohlen seinen Zwillingsbruder zu holen.

Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf Lizzie und betrachtete sie genau. Wenn Mr. Wemyss recht hatte und sie schwanger war, war sie offensichtlich eine jener glücklichen Personen, die weder unter morgendlichem Erbrechen noch unter den üblichen Verdauungssymptomen der Frühschwangerschaft litt; sie sah sogar ausgesprochen gesund aus.

Das allein hätte mich eigentlich schon alarmieren sollen, so blass und schwächlich, wie sie normalerweise war. Jetzt, da ich sorgfältig hinsah, schien sie eine sanfte Röte auszustrahlen, und ihr blassblondes Haar, das an einigen Stellen unter der Haube hervorlugte, glänzte.

»Wie weit bist du?«, fragte ich, während ich einen Ast für sie beiseitehielt. Sie warf mir einen raschen Blick zu, schluckte sichtlich, dann duckte sie sich unter dem Ast hindurch.

»Ungefähr vier Monate, glaube ich«, antwortete sie zaghaft, ohne mich anzusehen. »Ähm … Pa hat es Euch gesagt, nicht wahr?«

»Ja. Dein armer Vater«, sagte ich streng. »Stimmt es, was er sagt? Beide Beardsleys?«

Sie zog ein wenig den Kopf ein, nickte aber beinahe unmerklich.

»Was – was wird Ehrwürden mit ihnen machen?«, fragte sie mit leiser, bebender Stimme.

»Ich weiß es wirklich nicht.« Ich bezweifelte, dass Jamie schon irgendwelche konkreten Vorstellungen hatte – obwohl er etwas davon gesagt hatte, Lizzie den Übeltäter, der an ihrer Schwangerschaft schuld war, tot zu Füßen zu legen, falls ihr Vater dies wünschte.

Jetzt, da ich darüber nachdachte, war die Alternative – sie bis zum Morgen unter die Haube zu bringen – wahrscheinlich um einiges problematischer, als es sein würde, die Zwillinge schlicht abzumurksen.

»Ich weiß es nicht«, wiederholte ich. Wir waren am Hühnerstall angelangt, einer stabilen Konstruktion, die geschützt unter der ausladenden Krone eines Ahorns stand. Mehrere der Hennen, die einen Hauch weniger dumm waren als ihre Schwestern, schliefen wie übergroße reife Früchte auf den niedrigeren Ästen, die Köpfe in den Federn vergraben.

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