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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Von Bruder Polycarp in der Abtei Ste. Anne«, sagte er, und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln. »Jedes Mal, wenn ich nicht schlafen konnte, ist er zu mir gekommen und hat mir stundenlang Heiligengeschichten erzählt. Ich bin nicht immer davon eingeschlafen, aber wenn ich mir eine Stunde oder so angehört hatte, wie heilige Märtyrer die Brüste amputiert bekamen oder mit Eisenhaken ausgepeitscht wurden, habe ich die Augen geschlossen und wenigstens so getan.«

Jamie zog mir die Haube ab und legte sie auf das Mäuerchen. Der Wind pustete durch meine drei Zentimeter langen Haare und zerzauste sie wie Wiesengras, und Jamie lächelte, als er mich ansah.

»Du siehst aus wie ein Junge, Sassenach«, sagte er. »Obwohl mich der Teufel holen soll, wenn ich je einen Jungen gesehen habe, der einen solchen Hintern hat wie du.«

»Vielen Dank«, sagte ich, von einer absurden Genugtuung erfüllt. Ich hatte während des letzten Monats gegessen wie ein Pferd, des Nachts tief und erholsam geschlafen, und ich wusste, dass ich wieder viel besser aussah, trotz meiner Haare. Aber es schadete nicht, es mir anzuhören.

»Ich will dich so sehr, mo nighean donn«, flüsterte er. Er legte die Finger um mein Handgelenk und ließ sie sanft auf meinem Puls ruhen.

»Also haben die MacKenzies aus Leoch einen Hang zu blinder Eifersucht«, sagte ich. Ich konnte meinen Puls regelmäßig unter seinen Fingern spüren. »Charmante, durchtriebene Betrüger.« Ich berührte seine Lippen und zeichnete sie sanft mit dem Finger nach. Seine winzigen Bartstoppeln fühlten sich angenehm an. »Allesamt?«

Er senkte den Blick und fixierte mich plötzlich mit einem dunkelblauen Blick, in dem sich Humor und Reumut mit einer ganzen Reihe anderer Dinge vermischten, die ich nicht interpretieren konnte.

»Du meinst, ich bin anders?«, sagte er und lächelte ein wenig traurig. »Möge Gott dich segnen, Sassenach.« Und er beugte sich zu mir nieder, um mich zu küssen.

Wir konnten uns nicht länger auf River Run aufhalten. Hier unten im Vorgebirge waren die Felder abgeerntet und untergepflügt, und die Überreste getrockneter Halme sprenkelten den dunklen Boden; in den Bergen würde in wenigen Tagen der Schnee die Wege unpassierbar machen.

Noch war das Wetter zwar schön, aber die Tage waren alarmierend kurz.

Wir hatten die Angelegenheit durchdiskutiert – kamen aber zu keinem brauchbaren Schluss. Es gab nichts mehr, was wir tun konnten, um Phaedre zu helfen – außer zu beten. Darüber hinaus jedoch … galt es, an Duncan zu denken.

Denn uns war beiden der Gedanke gekommen, dass Jocasta, falls sie seine Affäre mit Phaedre entdeckt hatte, ihren Zorn nicht auf die Sklavin beschränken würde. Möglich, dass sie abwarten würde – aber sie würde die Schmach nicht vergessen. Mir war noch kein Schotte begegnet, der das tun würde.

Wir verabschiedeten uns am nächsten Tag nach dem Frühstück von Jocasta, die wir in ihrem persönlichen Salon antrafen, wo sie einen Tischläufer bestickte. Der Korb mit dem Seidengarn stand auf ihrem Schoß, die Farben sorgsam spiralförmig angeordnet, so dass sie die gewünschte Farbe ertasten konnte, und das bestickte Leinen fiel zu einer Seite, anderthalb Meter Stoff, der mit einem komplizierten Muster aus Äpfeln, Blättern und Ranken bestickt war – oder nein, so begriff ich, als ich das Ende des Läufers aufhob, um ihn zu bewundern. Keine Ranken. Schwarzäugige Schlangen, die sich gerissen zusammenrollten und grün geschuppt über den Stoff glitten. Hier und dort hatte eine von ihnen das Maul geöffnet, um ihre Fangzähne zu zeigen, ohne die verstreuten roten Früchte aus den Augen zu lassen.

»Der Garten Eden«, erklärte sie mir und rieb das Stickmuster sacht zwischen den Fingern.

»Oh, wie hübsch«, sagte ich und fragte mich, wie lange sie wohl schon daran arbeitete. Hatte sie vor Phaedres Verschwinden damit begonnen?

Wir plauderten noch ein wenig, und dann erschien Josh, der Stallknecht, um zu sagen, dass unsere Pferde bereit waren. Jamie entließ ihn mit einem Kopfnicken und stand auf.

»Tante Jocasta«, sagte er beiläufig, »es würde mich sehr bestürzen, wenn Duncan etwas zustieße.«

Sie erstarrte, und ihre Finger hielten mit der Arbeit inne.

»Warum sollte ihm denn etwas zustoßen?«, fragte sie und hob das Kinn.

Jamie erwiderte nicht sofort, sondern stand da und betrachtete sie, nicht ohne Mitgefühl. Dann beugte er sich über sie, so dass sie ihn dicht bei sich spüren konnte, sein Mund an ihrem Ohr.

»Ich weiß Bescheid, Tante Jocasta«, sagte er leise. »Und wenn du nicht möchtest, dass ich dieses Wissen mit jemandem teile … gehe ich davon aus, dass ich Duncan bei meiner Rückkehr in bester Gesundheit antreffen werde.«

Sie saß da wie zur Salzsäule erstarrt. Jamie richtete sich auf, wies mit dem Kinn zur Tür, und wir entfernten uns. Im Flur warf ich noch einen Blick zurück und sah sie unverändert wie eine Statue dasitzen. Ihr Gesicht war so weiß wie das Leinen in ihren Händen, und die kleinen Garnknäuel waren ihr vom Schoß gefallen und rollten über den gebohnerten Boden.

Kapitel 73

… und Trug

Nach Marsalis Abreise wurde die Whiskyherstellung schwieriger. Brianna, Mrs. Bug und ich hatten es mit vereinten Kräften geschafft, noch eine Fuhre Malz fertigzubekommen, bevor das Wetter zu kalt und regnerisch wurde, doch es war knapp, und ich war sehr erleichtert, als wir die letzte gemälzte Gerste sicher in die Destille gefüllt hatten. Wenn sie erst einmal fermentierte, fiel sie in Jamies Verantwortungsbereich, da er es niemandem zutraute, Geschmack und Alkoholgehalt zu beurteilen.

Doch das Feuer unter der Destille musste exakt den richtigen Wärmegrad liefern, um die Fermentierung in Gang zu halten, ohne dass die Maische abstarb. Dies bedeutete, dass er jedes Mal tagelang neben der Destille lebte – und schlief –, bis der Prozess abgeschlossen war. Normalerweise brachte ich ihm sein Abendessen und leistete ihm Gesellschaft, bis es dunkel wurde, aber ohne ihn war es einsam im Bett, und ich war mehr als froh, als wir die letzten Tropfen des neuen Whiskys in Fässer abfüllten.

»Oh, das riecht gut.« Ich roch selig an der Innenseite eines leeren Fasses; es war eins der speziellen Fässer, die Jamie über einen von Lord Johns Seefahrerfreunden erworben hatte – innen angekohlt wie ein normales Whiskyfass, zuvor aber zur Lagerung von Sherry verwendet. Die milde Süße des Sherrys, vermischt mit einem Hauch von Holzkohle und dem scharfen Geruch des rohen Whiskys, reichte aus, um mir angenehm den Kopf zu vernebeln.

»Aye, es ist nur eine kleine Ausbeute, aber nicht schlecht«, pflichtete mir Jamie bei, der das Aroma einatmete wie ein Parfumkenner. Er hob den Kopf und betrachtete den Himmel; der Wind wurde zunehmend stärker, und dichte Wolken mit dunklen Bäuchen rasten drohend vorüber.

»Es sind nur die drei Fässer«, sagte er. »Wenn du meinst, du schaffst eins, Sassenach, nehme ich die anderen. Ich hätte sie lieber sicher verstaut, als sie nächste Woche aus einer Schneewehe auszugraben.«

Ein Dreißig-Liter-Fass bei tosendem Wind eine halbe Meile weit zu tragen oder zu rollen, war kein Kinderspiel, aber er hatte recht, was den Schnee anging. Es war noch nicht kalt genug für Schnee, aber das würde sich bald ändern. Ich seufzte, nickte dann aber, und gemeinsam schafften wir es, die Fässer langsam hinauf bis zum Whiskyversteck zu befördern, das unter Felsen und zerzausten Weinranken verborgen lag.

Ich war wieder vollständig bei Kräften, doch trotzdem zitterte und zuckte jeder Muskel in meinem Körper, als wir fertig waren, und ich legte keinerlei Widerrede ein, als Jamie mich niedersitzen ließ, um mich auszuruhen, bevor wir den Heimweg antraten.

»Was hast du damit vor?«, fragte ich und deutete auf das Versteck. »Behalten oder verkaufen?«

Er wischte sich eine wehende Haarsträhne aus dem Gesicht, und ein Ansturm von fliegendem Staub und Laub ließ ihn blinzeln.

»Eins werde ich für die Frühjahrssaat verkaufen müssen. Eins werden wir behalten, um es reifen zu lassen – und ich glaube, für das dritte habe ich eine gute Verwendung. Falls Bobby Higgins noch einmal kommt, bevor es zu schneien anfängt, schicke ich ein halbes Dutzend Flaschen an Ashe, Harnett, Howe und ein paar andere – ein kleines Zeichen meiner ungebrochenen Hochachtung, aye?« Er grinste mich ironisch an.

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