Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nun, ich habe schon von schlechteren Vertrauensbeweisen gehört«, sagte ich belustigt. Es hatte ihn beträchtlichen Einsatz gekostet, sich die Gunst des Korrespondenzkomitees von North Carolina wieder zu erschleichen, doch mehrere Mitglieder beantworteten seine Briefe jetzt wieder – vorsichtig, aber respektvoll.
»Ich glaube nicht, dass während des Winters irgendetwas Wichtiges geschieht«, sagte er nachdenklich und rieb sich die von der Kälte gerötete Nase.
»Wahrscheinlich nicht.« Massachusetts, wo der Großteil des Aufruhrs stattgefunden hatte, war jetzt durch einen gewissen General Gage besetzt, und das Letzte, was wir gehört hatten, war, dass er den Boston Neck befestigt hatte, jene schmale Landzunge, die die Stadt mit dem Festland verbindet – was bedeutete, dass Boston nun vom Rest der Kolonie abgeschnitten war und sich im Belagerungszustand befand.
Bei diesem Gedanken verspürte ich einen leisen Stich; ich hatte fast zwanzig Jahre in Boston gelebt und liebte diese Stadt – wenn ich auch wusste, dass ich sie jetzt nicht wiedererkennen würde.
»John Hancock – ein Kaufmann – führt dort das Komitee für die Sicherheit an, sagt Ashe. Sie sind entschlossen, zwölftausend Milizionäre zu rekrutieren, und wollen fünftausend Musketen kaufen! Viel Glück, kann ich nur sagen, wenn ich nur daran denke, welche Schwierigkeiten ich hatte, dreißig aufzutreiben.«
Ich lachte, doch bevor ich antworten konnte, erstarrte Jamie.
»Was ist das?« Sein Kopf wandte sich abrupt, und er legte mir die Hand auf den Arm. So plötzlich zum Schweigen gebracht, hielt ich den Atem an und lauschte. Der Wind ließ das trockene Laub der wilden Weinranken hinter mir rascheln wie Papier, und in der Ferne zog ein Krähenschwarm vorbei, der sich unter schrillem Gekrächze zankte.
Dann hörte ich es auch; ein leises, trostloses und ausgesprochen menschliches Geräusch. Jamie war schon auf den Beinen und lief vorsichtig zwischen den umgestürzten Felsbrocken hindurch. Er duckte sich unter dem Türsturz, der aus einer an die Wand gelehnten Granitplatte bestand, und ich folgte ihm. Er blieb abrupt stehen, so dass ich fast mit ihm zusammengeprallt wäre.
»Joseph?«, sagte er ungläubig.
Ich spähte an ihm vorbei, so gut ich konnte. Zu meinem nicht minder großen Erstaunen war es Mr. Wemyss, der vornübergebeugt auf einem Felsen saß, einen Steingutkrug zwischen den knochigen Knien. Er hatte geweint; seine Nase und seine Augen waren rot, was ihm noch mehr als sonst das Aussehen einer weißen Maus verlieh. Außerdem war er extrem betrunken.
»Oh«, sagte er und blinzelte uns bestürzt an. »Oh.«
»Geht es … Euch nicht gut, Joseph?« Jamie trat näher und streckte vorsichtig die Hand aus, als hätte er Angst, dass Mr. Wemyss bei der kleinsten Berührung in Stücke springen könnte.
Sein Instinkt trog ihn nicht; als er den schmächtigen Mann berührte, zerfiel sein Gesicht wie zerknittertes Papier, und seine schmalen Schultern begannen hemmungslos zu zittern.
»Es tut mir so leid, Sir«, sagte er unaufhörlich, völlig in Tränen aufgelöst. »Es tut mir so leid!«
Jamie warf mir einen flehenden »Tu etwas, Sassenach«-Blick zu, und ich kniete mich rasch hin, legte Mr. Wemyss die Arme um die Schultern und tätschelte seinen Rücken.
»Aber, aber«, sagte ich und warf Jamie meinerseits einen »Und jetzt?«-Blick über Mr. Wemyss’ Schulter hinweg zu. »Es wird sicher wieder gut.«
»Oh, nein«, sagte er hicksend. »Oh, nein, das ist unmöglich.« Er wandte Jamie sein von Schmerz überflutetes Gesicht zu. »Ich kann es nicht ertragen, Sir, ich kann es einfach nicht.«
Mr. Wemyss’ Knochen fühlten sich dünn und spröde an, und er zitterte. Er trug nur ein dünnes Hemd und eine Kniehose, und der Wind begann, unheimlich zwischen den Felsen hindurch zu heulen. Über uns verdichteten sich die Wolken, und das Licht verschwand so plötzlich aus der kleinen Mulde, als hätte jemand einen schwarzen Vorhang darübergeworfen.
Jamie löste seinen Umhang und legte ihn Mr. Wemyss umständlich um, dann ließ er sich vorsichtig auf einen anderen Felsen sinken.
»Erzählt mir, wo Euch der Schuh drückt, Joseph«, sagte er sanft. »Ist etwa jemand gestorben?«
Mr. Wemyss senkte das Gesicht in seine Hände und schüttelte den Kopf hin und her wie ein Metronom. Er murmelte etwas vor sich hin, das für mich wie »besser, wenn sie es wäre« klang.
»Lizzie?«, fragte ich und wechselte einen verwunderten Blick mit Jamie. »Ist es Lizzie, die Ihr meint?« Beim Frühstück war es ihr noch bestens gegangen; was in aller Welt …
»Zuerst Manfred McGillivray«, sagte Mr. Wemyss und hob das Gesicht aus seinen Händen, »und dann Higgins. Als ob ein Sittenstrolch und ein Mörder nicht schlimm genug gewesen wären – jetzt das!«
Jamies Augenbrauen hoben sich abrupt, und er sah mich an. Ich zuckte sacht mit den Achseln. Der Kies bohrte sich scharf in meine Knie; ich erhob mich steif und entfernte die kleinen Steinchen.
»Wollt Ihr damit sagen, dass Lizzie, äh … jemanden liebt, der … nicht für sie taugt?«, fragte ich vorsichtig.
Mr. Wemyss erschauerte.
»Nicht taugt«, echote er mit hohler Stimme. »Gütiger Himmel. Nicht taugt!«
Ich hatte noch nie ein gotteslästerliches Wort aus Mr. Wemyss’ Munde gehört; es war verstörend.
Er richtete seine wild funkelnden Augen auf mich, und in die Tiefen von Jamies Umhang gekauert, sah er aus wie ein Sperling, der den Verstand verloren hatte.
»Ich habe alles für sie aufgegeben!«, sagte er. »Ich habe mich verkauft – und zwar mit Freuden! –, um sie vor der Ehrlosigkeit zu bewahren. Ich habe meine Heimat verlassen, habe Schottland verlassen, obwohl ich wusste, dass ich es nie wiedersehen würde, dass meine Knochen in fremdem Boden zurückbleiben würden. Und doch habe ich nie ein tadelndes Wort zu ihr gesagt, meiner lieben Kleinen, denn welche Schuld hatte sie denn daran? Und jetzt …« Er richtete seinen hohlen, gehetzten Blick auf Jamie.
»Mein Gott, mein Gott? Was soll ich tun?«, flüsterte er. Eine Bö donnerte zwischen den Felsen hindurch und peitschte den Umhang um ihn, so dass er ein paar Sekunden in einer grauen Hülle verschwand, als hätte ihn sein Kummer völlig umfangen.
Auch ich hielt meinen Umhang fest, damit er mir nicht vom Leib gerissen wurde; der Wind war so stark, dass ich fast den Halt verloren hätte. Jamie blinzelte in den Regen aus Staub und feinem Kies, der um uns tobte, und biss unbehaglich die Zähne zusammen. Er schlug zitternd die Arme um sich selbst.
»Ist die Kleine schwanger, Joseph?«, fragte er, denn er wäre der Sache offensichtlich gern auf den Grund gegangen, weil er nach Hause wollte.
Mr. Wemyss’ Kopf tauchte aus den Falten des Umhangs auf, das blonde Haar zerzaust wie Besenstroh. Mit blinzelnden roten Augen nickte er, dann brachte er den Krug zum Vorschein, hob ihn mit zitternden Händen und trank mehrere Schlücke. Ich sah das einzelne »X«, mit dem der Krug markiert war; in seiner typischen Bescheidenheit hatte er den frischen Rohwhisky genommen, nicht die im Fass gereifte, bessere Qualität.
Jamie seufzte, streckte die Hand aus, nahm ihm den Krug ab und trank seinerseits einen herzhaften Schluck.
»Wer?«, fragte er und reichte den Krug zurück. »Ist es mein Neffe?«
Mr. Wemyss starrte ihn mit Eulenaugen an.
»Euer Neffe?«
»Ian Murray«, warf ich helfend ein. »Ein hochgewachsener junger Mann mit braunen Haaren? Tätowierungen?«
Jamie warf mir einen Blick zu, der andeutete, dass ich vielleicht doch nicht so hilfreich war, wie ich dachte, doch Mr. Wemyss’ Miene blieb verständnislos.
»Ian Murray?« Dann schien der Name den Alkoholnebel zu durchdringen. »Oh. Nein. Himmel, wäre es doch so! Ich würde den Jungen segnen«, brach es leidenschaftlich aus ihm heraus.