Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ulysses, dem man außer einer gewissen Schwere seiner Augenlider keine Spur der langen Reise ansah, trat schweigend vor, ergriff den Sahnekrug, stellte ihn wieder zurück und setzte das Marmeladentöpfchen neben meinen Teller.
»Danke«, sagte ich, und er neigte elegant den Kopf.
»Möchtet Ihr noch Räucherhering, Madam?«, erkundigte er sich. »Oder noch Schinken?«
Ich schüttelte den Kopf, da ich den Mund voller Toast hatte, und er glitt davon und ergriff ein Tablett, das voll beladen neben der Tür stand und wahrscheinlich für Jocasta, Duncan oder beide bestimmt war.
Jamie sah ihm mit geistesabwesender Miene nach.
»Ich habe nachgedacht, Sassenach«, sagte er.
»Darauf wäre ich nie gekommen«, versicherte ich ihm. »Worüber denn?«
Im ersten Moment war seine Miene überrascht, doch dann begriff er und lächelte.
»Du weißt doch, was ich dir gesagt habe, Sassenach, über Brianna und die Witwe McCallum? Dass sie nicht lange zaudern würde zu handeln, falls sich Roger Mac um Dinge kümmert, die er lieber lassen sollte?«
»Ja«, sagte ich.
Er nickte, als sähe er etwas bestätigt.
»Nun, ich weiß, von wem sie das hat. Die MacKenzies aus Leoch sind allesamt stolz wie Luzifer und unglaublich eifersüchtig dazu. Man gerät ihnen besser nicht in die Quere, geschweige denn, Verrat an ihnen zu begehen.«
Ich fixierte ihn argwöhnisch über meine Teetasse hinweg und fragte mich, worauf er hinauswollte.
»Ich dachte, ihre bezeichnendste Eigenschaft wäre ihr Charme, gepaart mit Gerissenheit. Und was den Verrat angeht, so waren deine Onkel doch beide Meister darin.«
»Das lässt sich doch nicht trennen, oder?«, fragte er und streckte die Hand aus, um einen Löffel in die Marmelade zu tauchen. »Erst muss man jemanden umgarnen, bevor man ihn verraten kann, oder? Und ich bin der Meinung, dass ein Verräter den Verrat selbst umso mehr verabscheut. Oder eine Verräterin«, fügte er vorsichtig hinzu.
»Ach, wirklich«, sagte ich und nippte genussvoll an meinem Tee. »Du meinst Jocasta.« Wenn man es so formulierte, konnte ich es verstehen. Die MacKenzies aus Leoch besaßen sehr ausgeprägte Persönlichkeiten – ich fragte mich, was für ein Mensch wohl Jamies Großvater mütterlicherseits, der berüchtigte Rote Jacob, gewesen war –, und mir waren schon öfter Gemeinsamkeiten zwischen Jocastas Verhalten und dem ihrer älteren Brüder aufgefallen.
Colum und Dougal waren einander in unerschütterlicher Loyalität ergeben – aber sonst niemandem. Und Jocasta war im Prinzip allein, seit ihrer ersten Ehe mit fünfzehn von ihrer Familie getrennt. Da sie eine Frau war, war es nur natürlich, dass der Charme bei ihr ausgeprägter war – doch das bedeutete nicht, dass die Gerissenheit fehlte. Oder auch die Eifersucht.
»Nun, sie hat eindeutig gewusst, dass Hector sie betrogen hat – und ich frage mich, ob sie dieses Porträt von Phaedre gemalt hat, um die Welt darauf hinzuweisen, dass sie es wusste, oder nur als private Botschaft an Hector – aber was hat das mit der gegenwärtigen Lage zu tun?«
Er schüttelte den Kopf.
»Nicht Hector«, sagte er. »Duncan.«
Ich starrte ihn mit weit offenem Mund an. Von allen anderen Überlegungen abgesehen, war Duncan impotent; er hatte es Jamie am Vorabend seiner Heirat mit Jocasta erzählt. Jamie lächelte schief und streckte die Hand über den Tisch, um mir den Daumen unter das Kinn zu legen und mir sanft den Mund zu schließen.
»Ich sage ja nur, dass es ein Gedanke ist, Sassenach. Aber ich glaube, ich werde mich mit dem Mann unterhalten müssen. Begleitest du mich?«
Duncan befand sich in dem kleinen Zimmer, das er als Privatbüro benutzte. Es lag über den Stallungen, zusammen mit den Zimmerchen, in denen die Pferdepfleger und Stallburschen wohnten. Er saß zusammengesunken auf einem Stuhl und starrte hoffnungslos auf die unordentlichen Stapel von Papieren und verstaubten Kontenbüchern, die sich auf jeder horizontalen Oberfläche angesammelt hatten.
Er sah furchtbar müde aus und viel älter als bei unserer letzten Begegnung auf Flora MacDonalds Empfang. Sein graues Haar wurde allmählich schütter, und als er sich umwandte, um uns zu begrüßen, schien ihm die Sonne ins Gesicht, und ich sah die schmale Narbe der Hasenscharte, von der Roger gesprochen hatte, unter seinem buschigen Schnurrbart.
Etwas Lebensnotwendiges schien ihm verlorengegangen zu sein, und als Jamie vorsichtig das Thema anschnitt, das der Grund unseres Kommens war, machte er nicht den geringsten Versuch, es abzuleugnen. Eigentlich schien er sogar eher froh zu sein, damit herauszurücken.
»Dann hast du also mit ihr geschlafen, Duncan?«, fragte Jamie unverblümt, um eine Gesprächsgrundlage zu haben.
»Nun, nein«, sagte er vage. »Das hätte ich natürlich gern getan – aber da sie in Jos Ankleidezimmer schläft …« Bei dieser Erwähnung seiner Frau nahm sein Gesicht eine ungesunde, tiefrote Farbe an.
»Ich meine, du hast der Frau doch beigewohnt, oder nicht?«, sagte Jamie, der sich beherrschen musste, um nicht die Geduld zu verlieren.
»Oh, aye.« Er schluckte. »Aye. Das habe ich.«
»Wie?«, fragte ich unverblümt.
Seine Röte nahm noch mehr zu, so sehr, dass ich schon fürchtete, er könnte auf der Stelle einen Schlaganfall erleiden. Doch er schnaufte nur wie ein Orca vor sich hin, und schließlich nahm sein Gesicht wieder eine normalere Farbe an.
»Sie hat mich gefüttert«, sagte er schließlich und rieb sich müde die Augen. »Jeden Tag.«
Jocasta stand spät auf und frühstückte in ihrem Wohnzimmer, wo ihr Ulysses Gesellschaft leistete und sie den Tag planten.
Duncan, der jeden Tag seines Lebens vor Anbruch der Dämmerung aufgestanden war, üblicherweise in Erwartung einer trockenen Brotkruste oder vielleicht eines Breis aus Hafermehl und Wasser, fand jetzt beim Erwachen eine dampfende Teekanne an seinem Bett vor, dazu eine Schüssel cremigen Porridge, großzügig mit Honig und Sahne garniert, vor Butter triefenden Toast und Rührei mit Schinken.
»Manchmal ein kleiner Fisch in Maismehl gerollt, knusprig und süß«, erinnerte er sich traurig.
»Nun, das ist wirklich sehr verführerisch, Duncan«, sagte Jamie nicht ohne Mitgefühl. »Männer sind verletzlich, wenn sie Hunger haben.« Er warf mir einen ironischen Blick zu. »Aber trotzdem …«
Duncan war Phaedre für ihre Freundlichkeit dankbar gewesen und hatte – da er schließlich ein Mann war – ihre Schönheit bewundert, wenn auch auf rein desinteressierte Weise, wie er uns versicherte.
»Sicher«, sagte Jamie hörbar skeptisch. »Was ist dann passiert?«
Die Antwort lautete, dass Duncan die Butter hingefallen war, während er versucht hatte, einhändig seinen Toast zu bestreichen. Phaedre hatte sich beeilt, die Stücke des hingefallenen Schälchens aufzusammeln, und dann ein Tuch geholt, um die Butterspuren vom Fußboden aufzuwischen – und dann von Duncans Brust.
»Nun, ich war im Nachthemd«, murmelte er und wurde wieder rot. »Und sie war – sie hatte –« Seine Hand erhob sich und machte vage Bewegungen in der Gegend seiner Brust, die ich so verstand, dass Phaedres Leibchen ihm so dicht vor seinem Gesicht besonders vorteilhafte Einblicke in ihr Dekolleté gewährt hatte.
»Und?«, drängte Jamie gnadenlos.
Und, so schien es, Duncans Anatomie hatte davon Notiz genommen – ein Umstand, der mit solch erstickter Scham eingeräumt wurde, dass wir ihn kaum hören konnten.
»Aber ich dachte, Ihr könntet nicht –«, begann ich.
»Oh, das konnte ich auch nicht«, versicherte er mir hastig. »Nur des Nachts, im Traum. Aber nicht, wenn ich wach war, nicht mehr seit dem Unfall. Vielleicht war es, weil es noch so früh am Morgen war und mein Schwanz dachte, ich schlafe noch.«
Jamie stieß ein leises schottisches Geräusch aus, das beträchtlichen Zweifel an dieser Theorie ausdrückte, drängte Duncan jedoch ungeduldig fortzufahren.
Wie sich herausstellte, hatte auch Phaedre Notiz genommen.
»Sie hatte einfach nur Mitleid mit mir«, sagte Duncan offen. »Das konnte ich spüren. Aber sie hat ihre Hand auf mich gelegt, ganz sanft. So sanft«, wiederholte er beinahe unhörbar.