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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Der Zwerg verbrachte eine kleine Ewigkeit damit, möglichst keinen Lärm beim Abstieg zu verursachen. Das Knacken eines Astes konnte sein unrühmliches Ende bedeuten.

Seine Hände umfassten die raue Rinde. Auf der schattigsten Seite rutschte Tungdil Stück für Stück dem Boden entgegen. Gelegentlich blieb sein Kettenhemd an einem Zweig hängen, doch es gelang ihm jedes Mal, das Holzstückchen vorsichtig aus den Ringen zu befreien und nicht abzubrechen.

Endlich hatte er Boden unter den Füßen und presste sich ins duftende, taunasse Gras; so roch er den üblen Gestank der Orks wenigstens nicht mehr ganz so intensiv.

Er hatte das Schleichen niemals gelernt. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als es einer Raupe gleich zu tun und mit dem Bauch über die Erde zu rutschen, stets darauf achtend, den Hintern nicht in die Höhe zu strecken, während er die Rucksäcke vor sich her schob.

Was Tungdil sich so leicht vorstellte, geriet zu einer Nerven aufreibenden Angelegenheit. Der Axtstiel verklemmte sich immer wieder zwischen seinen Beinen, das Kettenhemd klirrte bei jeder Bewegung, und die Stiefel glitten über die feuchten Halme, ohne Halt zu finden.

Ich bin nicht nur ein schlechter Kletterer, ich bin auch ein mieser Schleicher, dachte er und wischte sich den Schweiß aus den Augenbrauen. Zwerge waren nun mal Geschöpfe, die von Vraccas zum offenen Kampf geschaffen worden waren. Wenn sie irgendwo hinauf wollten, bauten sie eine Treppe, und wenn sie irgendwo hin wollten, liefen sie los. So einfach war das.

Tungdil passierte die dösende Wache in knapp zehn Fuß Entfernung. Im Mondlicht erkannte er jede Einzelheit des hässlichen Ungeheuers: Schmucknarben und bunte Striche prangten in wirren Mustern auf der Fratze. Milchiger Sabber sickerte aus dem Mundwinkel, rann die überstehenden Hauer hinab und tropfte auf die fettbeschmierte Rüstung. Grunzend sog die platte Nase Luft ein.

Es drängte den Zwerg, dem Ork die Axt in den ungeschlachten Schädel zu rammen, aber er hätte sicherlich keinen Erfolg und würde Gutenauen auch kaum vor dem Angriff bewahren.

Erleichtert, dass er die erste Schwierigkeit gemeistert hatte, robbte er weiter, bis er in den Entwässerungsgraben eines Feldes rutschen konnte und sich außerhalb der Sicht des Feindes befand.

Die Vertiefung bot ihm ausreichend Schutz, um in ein nahes Wäldchen zu gelangen, wo er sich endlich aufrichten durfte. Das nenne ich ein Abenteuer. Der Matsch an seiner Kleidung störte ihn nicht, Tungdil hatte andere Sorgen. Er erinnerte sich, dass die Baumgruppe nur sehr klein war und er in gerader Linie hindurchmarschieren konnte. Der Zwerg betete, dass er sich nicht verlief.

Weil er sich weit genug von den Orks entfernt glaubte, nahm er keine Rücksicht auf Geräusche, die er beim Laufen verursachte. Nur wenn er rechtzeitig im Dorf ankäme, bestünde die Hoffnung, dass sich die Menschen in Sicherheit brachten.

Tungdil verfiel in einen lockeren Trab und erreichte bald die andere Seite der Schonung. Erleichtert trat er aus dem Unterholz.

Bei Vraccas! Der unverhoffte Anblick ließ ihn erstarren.

Vierhundert Schritte vor ihm lagerte eine zweite Orkhorde, dreifach so stark wie die erste. Der ganze Acker lag voller schlafender Bestien; sie hatten keine Feuer entzündet, und deshalb war er nicht durch den Schein der Flammen gewarnt worden.

Tungdil machte einen schnellen Satz zurück, ehe ihn eine Wache bemerkte. So sehr er sich umschaute und einen Ausweg suchte, es blieb ihm keine andere Wahl, als mitten durch das Leibergewirr der schlafenden Feinde zu schleichen, um ins Dorf zu gelangen.

Nach anfänglichem Zweifel meldeten sich der zwergische Trotz und zugleich der Wunsch, die Menschen vor der anrückenden Übermacht zu warnen. Tungdil pirschte sich den Waldrand entlang, um im Schutz des Gebüschs nach einer Schneise zwischen den Körpern zu suchen.

Da trat seine Sohle auf etwas Hartes, und es klickte leise. Plötzlich stob Laub vom Boden auf, zwei Metallklammern klappten zu und umschlossen seinen linken Unterschenkel kurz unterhalb des Knies. Die Erde tat sich auf, und Tungdil verschwand in einem Loch. Nach kurzem Fall schlug er kopfüber in der Grube auf und verlor das Bewusstsein.

*

Die Schmerzen holten ihn aus der Ohnmacht.

Tungdil erwachte vom peinigenden Klopfen in seinem linken Bein. Stöhnend setzte er sich auf und schaute nach oben, wo sich die Ränder der Grube als schwarze Umrisse vom hellen Grün darüber abhoben. Der Tag war angebrochen.

Das, was sich mit Gewalt um seinen Unterschenkel klammerte und ihm das Blut abstellte, kannte er: Die Menschen stellten es auf, um Wölfe zu fangen. Zackenbewehrte Stahlkiefer hatten sich durch seine Lederhose gebohrt, dunkelrote Krusten saßen auf seinen Wunden. Der Unterschenkel pochte dumpf.

Tungdil hielt sich nicht damit auf, das Fangeisen auseinander zu drücken. Er biss die Zähne zusammen, nahm die Axt und schlug so lange auf die dünnen Bolzen ein, welche die Federn arretierten, bis sie brachen.

Jeder Stoß gegen die Falle übertrug sich auf sein Bein, und ein unterdrücktes Ächzen drang aus seinem Mund. Entschlossen entfernte er das gewundene Eisenstück, und der Druck der Klammern ließ nach.

Vorsichtig befreite er sich vom Fangeisen und schleuderte es wütend davon. Dann stemmte er sich an der Grubenwand in die Höhe, aber als er das verletzte Bein belastete, schoss ein glühendes Stechen durch den Schenkel. Rennen können würde er damit nicht; wahrscheinlich konnte er sich schon glücklich schätzen, wenn es ihm gelänge, seinem Gefängnis zu entkommen.

Die Sorge um die Menschen in Gutenauen aber verlieh ihm immense Kräfte. Zuerst warf er sein Gepäck hinaus, hing sich den Sack mit den Artefakten auf den Rücken und krallte sich in die Wurzeln, die aus dem Erdreich ragten. Keuchend zog er sich nach oben. Mit letzter Kraft schwang er sich über den Rand und fiel schwer atmend ins Laub.

In Zukunft werde ich besser auf den Untergrund achten, auf dem ich mich bewege, dachte er. Nach einer Weile kroch er zum Waldrand und wusste schon wegen der frischen Luft, die der Frühlingswind herbeitrug, dass die Horden fort waren. Das Ackerland war verlassen.

Eine große schwarze Rauchsäule, die am Horizont stand und die Form einer Gewitterwolke hatte, verriet sie. Tungdil rapppelte sich auf, nahm den Rucksack an sich und marschierte los, Dreck und trockenes Laub aus den Haaren schüttelnd.

Sein Hass und seine Wut verdrängten die Schmerzen in seinem Bein; sie beflügelten ihn, und auf einmal konnte er doch rennen. Wenn er die Gutenauener wegen seiner Unachtsamkeit nicht hatte warnen können, so wollte er ihnen wenigstens beistehen.

Die Warnungen, die ihm sein Verstand einflüsterte, prallten an seiner Sturheit ab. Tungdil konnte nichts davon abbringen, die Siedlung zu erreichen; der nicht enden wollende Qualm peitschte ihn an.

Am Nachmittag traf er nass geschwitzt auf dem Hügel über dem Großdorf ein.

Gutenauen stand in Flammen. In den Holzpalisaden klafften Breschen von mehreren Schritt Breite, an zwei weiteren Stellen waren sie weggebrannt. Überall lagen die verstümmelten Körper und Gliedmaßen der Verteidiger umher.

Er entdeckte die Überreste der Söldner, ihre Köpfe steckten auf den eigenen Speeren. Mit gebrochenem Blick starrten sie von den Holztürmen auf das Brandinferno, das Gutenauen unaufhaltsam in einen Haufen schwarzer Ruinen verwandelte.

Tungdil hörte keine Hilfeschreie, keine Befehle, um das Löschen des Feuers zu koordinieren und die verbliebenen Häuser zu retten. Alles, was er wahrnahm, was das laute Knistern der Flammen, das Knacken des brennenden Holzes und das Rumpeln der einstürzenden Dächer und Häuser. Im Dorf lebte niemand mehr.

Er packte die Axt und marschierte in die vernichtete Siedlung. Vielleicht sind Menschen in den Trümmern eingeklemmt, die ich retten kann. Tungdil klammerte sich an den Stiel und humpelte weiter, durch das Tor hindurch, die Hauptstraße entlang.

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