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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Fünf Umläufe?« Er hatte geglaubt, nur kurz eingeschlafen zu sein. Sein Bauch grummelte laut. »Ja, ich glaube, ich habe Hunger. Und Durst.« Er lächelte, weil ihn die Schar an sein eigenes Zuhause, an Frala, Sunja und die kleine Ikana erinnerte. »Ihr seht mir naseweis aus.« Damit löste er eine Flut von Fragen aus, die sich nicht mehr aufhalten ließ.

»Aus welchem Zwergenreich kommst du?«

»Bist du reich?«

»Hast du Gold und Diamanten dabei?«

»Wie viele Orks hast du schon getötet?«

»Seid ihr alle so klein, oder gibt es größere als dich?«

»Könnt ihr Felsen mit der bloßen Hand zerschmettern?«

»Warum ist dein Bart nur so kurz?«

»Habt ihr mehrere Namen und...«

»Halt, halt!« Tungdil lachte. »Nicht so schnell auf einmal. Wir fangen der Reihe nach an, aber erst, wenn ich euren Eltern gesagt habe, was in Gutenauen geschah.« Er wollte den Kindern nichts von den Grausamkeiten berichten, sondern die Angelegenheit mit den Erwachsenen besprechen.

Die hellhaarige Frau, die er vor fünf Tagen gesehen hatte, ehe das Fieber ihn endgültig gepackt hatte, betrat die Scheune, einen Korb voller appetitlich riechender Dinge im Arm. »Ich bin Remsa«, stellte sie sich vor.

»Ich heiße Tungdil. Ihr habt mich vor dem Tod bewahrt, und dafür werde ich Euch ein Leben lang dankbar sein, aber nun müsst Ihr die Kinder hinausschicken«, sagte er leise.

»Warum?«, quakte Jemta frech.

Er grinste sie an. »Weil du die schlimmen Dinge nicht hören sollst, von denen ich ihr berichte.«

»Meinst du den Überfall auf Gutenauen?«, fragte die Frau. »Du hast die ganze Zeit darüber phantasiert...«

»Nein, es geschah wirklich! Die Orks haben sich mit den... Ihr müsst weg von hier! Sie wollen nach Süden, Osten und Westen, drei Rotten zu jeweils mindestens einhundert Kriegern. Sie machen Euch und Euer Anwesen mitsamt dem Vieh nieder. Geht!«, beschwor er sie.

Remsa fühlte seine Stirn. »Nein, an der Temperatur kann es nicht liegen, du hast kein Fieber mehr«, meinte sie nachdenklich. »Dann ist es wahr?« Sie packte Brot, Milch, Käse und Speck vor ihm auf die Decke, damit sie nicht ins Stroh rollten. »Ich sage Opatja Bescheid. Wir senden einen Boten nach Turmweihler. Die königliche Administration wird wissen, was zu tun ist.«

»Aber sie kommen hierher!«, beteuerte er kauend; vor Hunger hatte er sich nicht mehr zurückhalten können und sich in eine Wurst verbissen.

»Du lagst fünf Sonnenumläufe im Fieber, Tungdil. Die Orks wären schon längst bei uns angekommen, wenn sie es auf uns abgesehen hätten«, schätzte sie. »Aber wir stellen vorsichtshalber einen Späher ab.«

»Gibt es in Turmweihler Meldeboten?« Ihre Reiter und Brieftauben kannten die schnellsten Wege zu den großen Städten des Geborgenen Landes. Ein Dienst war zwar schmerzlich teuer, aber die Nachrichten wurden wenigstens zügig überbracht.

»Du willst eine Botschaft senden? Ich schicke dir jemand, dem du deine Nachricht sagst, damit er sie...«

»Danke, aber ich kann schreiben«, lehnte er die Hilfe freundlich ab. Er nahm es der Frau nicht krumm, dass sie ihn für ungelehrt hielt, zumal die wenigsten einfachen Menschen die Kunst des Schreibens beherrschten. »Papier und Tinte reichen völlig. Der Bote könnte es in der kleinen Stadt abgeben. Es soll zu dem Magus Lot-Ionan in Ionandar.«

Sie nickte und überprüfte seinen Verband. »Dein Bein wäre beinahe verloren gewesen. Ein Tag später, und wir hätten dir eines aus Holz schnitzen können. Die Wolfsfalle muss alt und verrostet gewesen sein. Iss jetzt und ruh dich aus.«

Die Bäuerin scheuchte die Kinder hinaus, damit er in Ruhe essen konnte, doch nach einer Weile kehrten sie kichernd zurück, Papier und Feder bei sich tragend.

Die Mädchen und Buben wichen bald nicht mehr von seiner Seite. Da sie einen Zwerg nur aus Märchen und Legenden kannten, wollten sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Sie verfolgten jeden Handschwung, als er den Brief an den Magus aufsetzte.

Darin schilderte er in aller Ausführlichkeit, was sich bei Gutenauen zutrug, was die Albae und Orks vereinbart hatten, dass Nôd’onn der Herrscher des Toten Landes war und viele weitere Einzelheiten. Ich hoffe, es kommt rechtzeitig an, dachte er besorgt. Er fertigte sein Schreiben in zweifacher Ausfertigung an, falls eine Taube verloren gehen sollte, und lehnte sich dann müde zurück ins weiche Stroh.

Kaum bemerkten die Kinder, dass er seine Arbeit beendet hatte, begannen sie von neuem, ihn mit ihren Fragen zu löchern, aber der Zwerg antwortete mit einer Gegenfrage. »Wisst ihr denn, wo das Schwarzjoch ist?«

»Ich weiß es«, krähte Jemta stolz. »Von hier aus sind es etwas weniger als dreihundert Meilen. In der Nähe führt eine Straße vorbei, hat Vater gesagt. Er war früher Kaufmann und überall im Geborgenen Land unterwegs.« Sie überlegte. »Warte, ich hole ihn. Er kann das besser erklären als ich.« Sie sprang auf und rannte wie ein Wirbelwind hinaus, um etwas später mit Opatja zurückzukehren, einem gedrungenen grauhaarigen Mann. Zu Tungdils Freude hatte er einen Krug Bier für ihn dabei.

»Zum Schwarzjoch? Ein seltsamer Ort«, sagte er. »Ja, es geht eine Straße daran vorüber, aber du wirst dich auf den letzten Meilen durch den Wald schlagen müssen.« Er nahm die Karte des Zwergs und zeichnete den Weg ungefähr ein. »Du kannst den Berg nicht verfehlen, du siehst seinen flachen, schwarzen Gipfel durch die Wipfel der Bäume.«

»Ein flacher Gipfel?«, wunderte sich der Zwerg und nahm das Bier dankend an. Die Kinder rückten näher zusammen und lauschten.

Opatja nickte. »Er sieht aus wie ein eckiges Seifenstück, das Palandiell einfach in den Wald geworfen hat, vierhundert Schritt hoch, eine Meile und zweihundert Schritt lang und dreihundert Schritt breit.« Zur Erklärung nahm er den Käse und schnitzte ihn in eine rechteckige Form. Dann schnitt er lange Rillen von oben nach unten hinein, sodass ringsherum Furchen entstanden. »Die kommen vom Regen und dem Wind«, sagte er zu den Kindern.

»Ich erinnere mich. Man nennt eine solche Form Tafelberg, weil er oben flach wie ein Tisch, eine Tafel ist«, sagte Tungdil. »Ich kenne sie aus den Büchern meines Magus.« Er versuchte sich vorzustellen, wie der Felsbrocken in Wirklichkeit aussah. Als der Kaufmann den Berg beschrieb, glaubte er, eine Legende darüber gelesen zu haben; sie fiel ihm allerdings nicht ein. Dreihundert Meilen bedeuteten jedoch genug Zeit, sich zu entsinnen.

»Was möchtest du dort?«

»In der Nähe wohnt jemand, ein Einsiedler, ein ehemaliger Schüler meines Magus«, antwortete er. »Mein Herr möchte wissen, wie es ihm geht. Ich soll mich mit eigenen Augen von seinem Wohlbefinden überzeugen.«

Opatja betrachtete Tungdils verletzten Unterschenkel. »Warte noch ein paar Tage, ehe du deine Reise fortsetzt. Wir geben dir genügend Kräuter mit, damit du deine Wunde unterwegs behandeln kannst.« Er nahm die Briefe an Lot-Ionan und verließ die Scheune.

»Ich stehe tief in Eurer Schuld«, sagte Tungdil dankbar.

»Ach was«, winkte der einstige Kaufmann ab und lachte. »So viel Ruhe vor der Rasselbande hatten wir schon lange nicht mehr.«

Er überließ den Gast den fragewütigen Kleinen, die prompt das Verhör fortsetzten. Sie staunten, als sie hörten, dass er schon dreiundsechzig Zyklen alt war.

»Dein Bart müsste doch viel länger sein«, sagte Jemta argwöhnisch. »Großvater erzählt, dass Unterirdische ihre Bärte bis auf den Boden tragen.«

»Wir sind Zwerge, keine Unterirdischen. Ich habe ihn seit dreißig Zyklen, aber ich musste ihn abrasieren, weil ich als Schmied immer Löcher von den Funken bekam und weil ihn mir jemand blau färbte«, erklärte er geduldig, und schon streckte der Junge mit den Segelohren die Hand aus und langte hinein.

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