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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Endlich kam der Tag des Abschieds, was vor allem die Kinder sehr bedauerten. Sie hatten den kleinen Mann, der ihnen so schöne Schmuckstücke schmiedete, ins Herz geschlossen.

Tungdil bedankte sich ausgiebig bei seinen Rettern. »Ich bin mir sicher, dass ich ohne Eure Heilkünste an der schwärenden Wunde gestorben wäre«, beteuerte er und drückte ihnen die Münzen, die er den Söldnern zu viel abgeknöpft hatte, in die Hand.

»Das können wir nicht annehmen«, widersprach Opatja.

»Ich werde sie nicht wieder einstecken. Wenn sich ein Zwerg von Gold trennt, ist das eine Besonderheit, die nicht alle Umläufe vorkommt«, bestand er mit einer solchen Hartnäckigkeit darauf, dass die Münzen letztlich doch in die Beutel der Dörfler wanderten.

Remsa reichte ihm ein Säckchen mit Kräutern. »Die legst du auf die nicht ganz verheilten Stellen, abends, wenn du rastest. Bald wird von deinen Verletzungen nichts mehr zu sehen sein.« Sie reichten ihm zum Abschied die Hände, dann setzte er seinen Weg fort; die Buben und Mädchen begleiteten ihn ein Stück, bis sich der Himmel verfinsterte und es zu regnen drohte.

»Kommst du uns auf dem Rückweg besuchen?«, fragte Jemta niedergeschlagen.

»Sicher, Kleines. Ich habe mich sehr gefreut, eure Bekanntschaft zu machen. Wenn du fleißig übst, wirst du eine gute Schmiedin.« Er wollte ihr die Hand reichen, aber sie wich aus und drückte ihn stattdessen an sich.

»Jetzt sind wir Freunde«, verabschiedete sie ihn, winkte und rannte den Weg zurück. »Vergiss nicht, uns zu besuchen«, mahnte sie, dann war sie verschwunden.

Er stand immer noch da, die Hand ausgestreckt und von der Herzlichkeit völlig überrumpelt. »Schau an, Vraccas«, murmelte er gerührt. »Wer hätte gedacht, dass ich ein Frauenherz erobere?« Gut gelaunt und gedanklich bei den freundlichen Menschen des Gehöftes, stapfte er voran.

Doch die angenehmen Frühlingstage schienen vorüber. Der Himmel klarte nicht mehr auf, und es regnete ununterbrochen. Tungdils Lederstiefel weichten allmählich durch, seine Füße quollen auf und waren ständig kalt.

Abgesehen von den widrigen Umständen seines Marsches, kam er recht gut voran. Er machte sich jedoch immer noch Gedanken über die Orks und das Vordringen des Toten Landes, wie es der Alb vorhergesagt hatte.

Lot-Ionan hatte ihm einst erklärt, wie weit der Schrecken aus dem Norden vorgedrungen war. An der breitesten Stelle, rund um das Fünfte Zwergenreich, nahm es sechshundertfünfzig Meilen in Beschlag und ragte vierhundert Meilen weit bis in den Süden, wo es sich an seiner Front auf die Hälfte verjüngte.

Während einer Rast unter einem schützenden Felsvorsprung nahm er die Karte zur Hand und stellte sich vor, wie sich die unheimliche Macht gleich einem Keil vorwärts schob. Die Spitze prallte gegen die Kräfte der Magi, wurde stumpf und flachte ab, das Vordringen hatte ein Ende.

Nun aber schien es, dass der rätselhafte Herrscher des Toten Landes, Nôd’onn, nicht aufgab; seine Erfolge ließen sich trotz der Barrieren aus Magie nicht bestreiten. An der östlichen Seite wucherte das Albaereich Dsôn Balsur gleich einem Geschwür zweihundert Meilen lang und siebzig Meilen breit in Gauragar hinein. Und solange der Steinerne Torweg nicht geschlossen wurde, walzte der Nachschub an widerlichsten Ungeheuern über den Nordpass herein.

Wenn sich die Orks aus Toboribor auch noch auf die Seite des Toten Landes stellen, geraten die Magi in Bedrängnis, dachte Tungdil besorgt. Sie vermochten mit ihrer Zauberkraft vieles, aber an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, das war auch ihnen nicht möglich.

Wenigstens wissen sie nun, dass sich die Orks mit dem Toten Land verbündet haben! Seine Nachricht müsste inzwischen bei Lot-Ionan angekommen sein.

Der Weg durch die abwechslungsreiche gauragarische Landschaft tat sein Möglichstes, Tungdil für die Ereignisse am Anfang seiner Reise zu entschädigen. Der Frühling brachte die Natur dazu, sich trotz des Regens in satten, vollen Farben zu zeigen, aber der Zwerg achtete kaum auf die bunte Pracht der Hügel, Wälder und Ebenen. Bald kam er an einem verlassenen Palandiell-Heiligtum vorbei, einem kleinen, hellen Bau mit vielen Fenstern und eingemeißelten Ornamenten, die für Schutz und Fruchtbarkeit standen.

Es war ein Schrein jener Göttin, an welche die überwiegende Mehrheit der Menschen glaubte. Sie war Tungdil zu sanft, zu beliebig; er hielt es eher mit Vraccas, dessen Tempel man nur gelegentlich in größeren Städten sah, wie er aus Büchern wusste.

Einige Menschen verehrten die Wassergöttin Elria, manche den Gott Samusin, der für den Wind sorgte und auf den Ausgleich zwischen Gut und Böse bedacht war. Ihm waren die Bestien ebenso recht wie die Menschen, Elben und Zwerge. Tion aber, der Erschaffer der schlimmsten Ungeheuer, war mehr verhasst, als dass er verehrt wurde. Ich kenne niemanden, der sich zu ihm bekennen würde, dachte Tungdil. Die Bediensteten Lot-Ionans, darunter auch Frala, beteten Palandiell an.

Er selbst hatte sich einen kleinen Vraccas-Altar in seiner Schmiede eingerichtet und opferte dem Schöpfer der Zwerge, der die fünf Stammväter aus dem härtesten Granit geschlagen und ihnen Leben gegeben hatte, gelegentlich ein wenig Gold, das er in seiner Esse verbrannte. Er wusste nicht, ob die anderen Zwerge das ebenso hielten wie er, aber er fand es angemessen, Vraccas nur das Edelste darzubieten.

Seine braunen Zwergenaugen schweiften über den einsamen Schrein, an dem Ranken emporwuchsen. Die Menschen werden bald wieder öfter zu ihr beten, schätzte er.

Wenig später musste er den Weg verlassen, um einem gewaltigen Trupp schwer gepanzerter Reiterei König Brurons Platz zu machen. Scheppernd und rasselnd zogen die Kämpfer an ihm vorüber; der Schlamm spritzte hoch und beschmutzte seinen Umhang. Er zählte zweihundert Soldaten. Ob sie gegen eine Rotte Orks ausreichten?

Die Kunde über die große Zahl von Bestien in Idoslân hatte sich in Windeseile verbreitet; der Zwerg erkannte es daran, dass ihm immer häufiger Patrouillen begegneten. König Bruron von Gauragar wollte sich nicht darauf verlassen, dass König Tilogorn die Orks niederwarf, sondern traf eigene Vorkehrungen, um sie aufzuspüren und anzugreifen.

Tungdil freute sich, dass seine Botschaft von den Menschen ernst genommen wurde. Sicher, in den Geschichtsbüchern würde später wohl kaum erwähnt werden, dass er, Tungdil Bolofar, der Zwerg ohne Stamm und Clan, einer Bauernfamilie vom Untergang Gutenauens erzählt und diese es der königlichen Administration zu Turmweihler gemeldet hatte. Darauf kam es ihm auch nicht an, aber er wusste es, und es gefiel ihm.

Der Zwerg übernachtete meist im Freien, nahm gelegentlich eine Scheune in Anspruch und gönnte sich nur einmal einen weiteren Aufenthalt in einer Schenke. Lieber sparte er seine schwindende Barschaft.

Die Wunde war nach neun Sonnenumläufen vollständig verheilt. Die Strapazen der Reise hatten ihn etwas von seinem Gewicht gekostet, der Gürtel saß zwei Löcher enger als gewöhnlich. Er schnaufte nicht mehr so, wenn er Anhöhen hinaufstieg; das Laufen kam der Ausdauer zu Gute, und die Füße hatten sich ebenfalls an das tagtägliche Marschieren gewöhnt. Nachts befielen ihn gelegentlich Erinnerungen an das zerstörte Gutenauen. Diese Grausamkeit musste sein Verstand noch verarbeiten.

Nach einigen weiteren Sonnenumläufen entdeckte er endlich den Tafelberg. Der Felsbrocken sah wirklich so aus, wie ihn Opatja ehrfurchtslos mithilfe des Käses dargestellt hatte, nur dass er nicht gelb war, ganz im Gegenteil.

Das Licht beschien die breiten, schluchtartigen Risse in der glatten Wand, die senkrecht nach unten abfiel. Der düstere Felsbrocken lag wie ein Stück hingeworfener Stein in der Landschaft und wurde von dunkelgrünen Tannen umschlossen. Angesichts der Ausmaße des Schwarzjochs wirkten sie klein und zerbrechlich, obwohl ihre Höhe sicherlich fünfzig Schritt und mehr betrug.

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