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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Die halblangen dunkelblonden Haare hingen kraftlos bis zu den Ohrläppchen herab, und über dem Grün seiner sonst munter blitzenden Augen lag ein Schatten. Es war das lebensechte Abbild des tatsächlichen Magus, der sich in Wirklichkeit in seiner Residenz in einem Ritualkreis befand und den Zauber wirkte.

Die Illusion war vollkommen. So vollkommen, wie Lot-Ionan sie in seinen zweihundertsiebenundachtzig Jahren noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Üblicherweise schimmerten die magisch erzeugten Nachbildungen durchsichtig oder wiesen andere kleinere Fehler auf. Diese nicht.

Nudin hielt mit der Linken seinen kunstvoll geschnitzten Gehstab aus Ahorn, auf dessen Spitze ein großer Onyx eingefasst war, und wischte sich mit einer lässig anmutenden Handbewegung die letzten blauen Fünkchen ab, die auf seiner stilvollen Robe tanzten. Lot-Ionan kam sich in seiner abgewetzten Robe lächerlich vor.

»Wie schön, dich wiederzusehen, Lot-Ionan. Es ist bestimmt schon eine kleine Ewigkeit her, seit wir uns das letzte Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden«, lächelte er. Seine Stimme klang kratzig, heiser.

»Nimm doch Platz.« Lot-Ionan deutete auf einen Sessel, in dem sich sein Gast anmutig niederließ. Es war eine Abmachung, dass die Illusionen so behandelt wurden, als handelte es sich um die echten Menschen - eine Geste der Höflichkeit und Wertschätzung. »Darf es ein Schlückchen Tee sein, Nudin? Oder lieber etwas anderes?«

Das war kein Gehabe. Ein Magus konnte den Geschmack eines Getränkes, das sein Trugbild kostete, selbst über fünfhundert Meilen Entfernung nachempfinden.

Nudin winkte ab. »Nein, vielen Dank, mein Freund. Die Angelegenheiten sind wichtig und dulden keine weiteren Verzögerungen. Du musst sofort nach Lios Nudin kommen. Das Tote Land regt sich.«

Lot-Ionans Lippen wurden zu dünnen Strichen; die Eröffnung erfolgte für ihn überraschend. »Wann hat es angefangen?«

»Vor ungefähr sechzig Umläufen. Ich entdeckte es bei einem Besuch an der Grenze«, berichtete der Magus besorgt. »Unsere Bannschranken sind aufgeweicht und durchlässig geworden. Ich kann den Schaden daran allein nicht mehr ausgleichen, ich brauche die Macht der Sechs. Die anderen vier sind schon da. Wir warten auf dich.« Er hielt inne.

»Was noch?«, forderte ihn Lot-Ionan freundlich auf, auch auf die Gefahr hin, noch mehr schlechte Nachrichten zu hören.

»Die Albae...«, begann Nudin. »Sie sind weitab von Dsôn Balsur im südlichen Gauragar gesehen worden. Und König Tilogorn ist auf der Suche nach einer großen Rotte Orks, die plündernd und vernichtend durch Idoslân zieht.« Er warf seinem Gastgeber einen besorgten Blick zu. »Das bedeutet nichts Gutes, Lot-Ionan.«

»Denkst du, dass es etwas mit dem Erstarken des Toten Landes zu tun hat?«

»Ich kann nicht leugnen, dass ich es für möglich halte«, antwortete Nudin ausweichend. »Warum hast du dich nicht gemeldet, als der Rat der Magi um eine Besprechung bat?«

»Wie bitte?«, staunte Lot-Ionan. »Ich habe keine Botschaft erhalten.«

»Man sagte mir, die besten Boten seien aus diesem Grund zu dir gesandt worden. Friedegard und Vrabor, du kennst sie.«

»Ja, natürlich kenne ich sie. Aber sie kamen nicht an«, wunderte sich der Magus und machte sich ernsthaft Sorgen um die beiden. Unwillkürlich dachte er an die Albae. »Gut, dass du sicherheitshalber vorbeigeschaut hast«, befand er. »Ich werde mich umgehend auf die Reise machen. In wenigen Sonnenumläufen bin ich in Lios Nudin.« Lot-Ionan rechnete damit, dass sich das magische Abbild des Wissbegierigen auflöste, doch es blieb.

»Ich muss dich um noch eine Sache bitten«, eröffnete ihm der Magus. »Im Vergleich zu dem Voranrücken des Toten Landes ist es eine Lappalie. Meine Utensilien... benötigst du sie noch? Ich hätte sie gern von dir zurück, und du könntest sie mir bei der Gelegenheit mitbringen.«

»Ach, ja. Ich erinnere mich.« Lot-Ionan hatte sich vor ewigen Zeiten mehrere Gegenstände von Nudin für Gorén ausgeliehen: einen kleinen Handspiegel, zwei armlange Stücke Sigurdazienholz und zwei versilberte Glaskaraffen mit seltsamen Gravuren. Gorén hatte in einem Kompendium etwas über die Gegenstände gelesen und sie untersuchen wollen. Der Magus entsann sich nicht mehr, zu welchem Ergebnis sein Famulus gekommen war, vermutlich war es ihm nicht wichtig erschienen. Auf Anhieb wusste er auch nicht, wo er die Sachen aufbewahrte. Er hoffte, dass sie nicht im Laboratorium gestanden hatten, als Tungdil dort gewütet hatte.

»Ich werde daran denken«, versicherte er dem Zauberer.

Nudin aber wollte sich nicht zufrieden geben. »Du hast sie doch noch, Lot-Ionan?« Der Magus nickte und hoffte, dass Nudin ihm sein Geflunkere nicht anmerkte. »Beeile dich, alter Freund. Die Macht der Sechs ist dringend notwendig, um das Geborgene Land vor weiteren Schrecken zu bewahren.«

Das Abbild des Mannes erhob sich, stellte sich in die Mitte des Raumes und stieß mit dem Stab fest auf den Boden. Die Illusion zerbarst funkelnd. Glitzernder Staub rieselte zu Boden, die puderige Substanz löste sich weiter auf, bis man nichts mehr von ihr sah. Die Unterredung endete so spektakulär, wie sie begonnen hatte.

Lot-Ionan verharrte in seinem Sessel. Wenn die Orks Toboribors und die Albae Dsôn Balsurs gemeinsame Sache machen, steht die Sicherheit vieler Menschen infrage.

Er würde die Reise dazu nutzen, um König Tilogorn zu besuchen und ihm seinen Beistand anzubieten. Gut die Hälfte Ionandars lag auf dem Gebiet von Idoslân, da war es nur rechtens, dass er seine Magie gegen die dunkle Brut des Gottes Tion einsetzte. Der Magus stand auf. Eile tut Not, Nudin sprach wahre Worte.

Er rief seine Famuli zusammen und gab Anweisungen, welche Gepäckstücke er benötigte und wer in seiner Abwesenheit das Sagen über die anderen Zauberschüler hatte. Dann tauschte er die gemütliche Robe schweren Herzens gegen die ungewohnten Reisegewänder, die aus schwerem beigefarbenem Stoff geschneidert waren. Darüber trug er ein Cape aus dunkelblauem Leder.

Seine Diener sattelten ihm den Fuchshengst Furo. Das wenige Gepäck fand Platz in den Satteltaschen, denn mehr als zehn Tage würde er für die fünfhundert Meilen bis zum Rat der Magi gewiss nicht benötigen.

Lot-Ionan schwang sich etwas steif in den Sattel. Furo schnaubte voller Vorfreude; der Zauberer beugte sich vor, streichelte ihm über die lange Mähne und raunte ihm eine magische Formel ins Ohr.

Der Hengst wieherte laut und tänzelte los, den Stollen entlang und durch das Tor hinaus. Sobald er die freie Natur und den Weg vor sich erkannte, beschleunigte er sein Tempo. Aus dem Trab wurde ein gestreckter Galopp. Der Körper des Fuchshengstes flog über die Steine hinweg, und mit jedem Hufschlag überwand er Längen von mehreren Schritten. Die Macht des Magus ermöglichte es ihm, schneller als jeder andere Vierbeiner zu laufen, und das genoss er sehr.

So jagte Furo mit seinem Herrn, der alle Mühe hatte, sich im Sattel zu halten, durch Ionandar und trug ihn sicher seinem Ziel entgegen.

Das Geborgene Land, das Königreich Gauragar

im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus, Frühsommer

»Ich kenne kein Schwarzjoch, das dort liegen soll.« Schlechter als mit diesen Worten hätte der Tag wohl kaum beginnen können. Der Wirt stellte Tungdils Frühstück auf dem Tisch neben der Karte ab.

Das Tageslicht schien durch die dicken Scheiben in den Gastraum, Staub flirrte in den breiten, hellen Bahnen. Tungdil stellte voller Freude fest, dass er die Lider nicht mehr zusammenkneifen musste; seine Augen hatten sich der hellen Umgebung angepasst.

In Idoslân und dem Großdorf Gutenauen schien das Schwarzjoch nicht bekannt zu sein, und auch auf der alten Karte an der Wand war es nicht eingezeichnet.

»Weißt du jemanden, der mir behilflich sein könnte?«, versuchte er es aufs Neue. »Hat es hier einen Schreiber oder einen Beamten von Tilogorn?«

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