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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Die Drohung mit den schwarz- und grünhäutigen Verwandten aus dem Norden, die ihnen womöglich ihren Besitz streitig machen würden, verfehlte ihre Wirkung nicht. Die drei Orks schwiegen; ihre Gemüter waren so sehr aufs Nachdenken fixiert, dass sie ihren Streit wieder vergaßen.

Tungdil spähte durch die Blätter und wollte seinen Augen und Ohren nicht trauen. Dieser Nôd’onn, oder wer auch immer das Zepter über das Tote Land schwang, holte sich den nächsten Schrecken in seine Reihen, um die südlichen Reiche zu bedrohen. Den Menschen und Elben standen verheerende Zyklen ins Haus.

»Ich mache es so, wie dein Meister es vorschlägt«, verkündete Ushnotz, dem der Kompromiss sichtlich nicht behagte. »Und ich werde Großfürst werden.«

Kragnarr funkelte ihn böse an. »Dann mache ich es auch so«, verkündete er grölend. »Die Sippe der Kragnarr-Shorr wird mehr Land als eure Männer zusammen erobern«, verhöhnte er die beiden Fürsten. »Ich werde Großfürst! Über alle Sippen!«

»Niemals«, grunzte Bashkugg gereizt. »Wir überrennen die Städte der Rotbluter schneller als ihr!«

»Das werden wir bald sehen. Ihr teilt euch auf und dringt in drei verschiedene Himmelsrichtungen vor«, sagte Sinthoras und langte in seine Gürteltasche, aus der er drei schlichte, dunkelblaue Kristallamulette hervorzog, die er den Orks zuwarf. »Sie sind von meinem Meister für euch. Es sind Geschenke, die ihr immer tragen sollt und die euch vor den Zauberkräften der Feinde schützen.«

Ein mutiger Ork trat unterdessen näher an die Pferde heran und schnupperte prüfend in deren Richtung.

Der Schädel des Rappen ruckte herum, die Kiefer öffneten sich und schnappten zu. Scharfe Zähne schlossen sich um die Schulter des Scheusals und rissen einen ordentlichen Brocken Fleisch heraus.

Hellgrünes Blut quoll aus der tiefen Wunde. Schreiend sprang der Verletzte zurück. Ein Zweiter zückte grunzend sein Schwert und hob es, um das bissige Pferd zu schlagen.

Da zuckte die rechte Hinterhand nach hinten, der Huf traf das Ungeheuer gegen die breite Brust. Es blitzte grell auf, und der Ork wurde mehrere Schritte durch die Luft geschleudert, wo er hart zu Boden fiel.

Ehe er sich aufstemmen konnte, stand das zweite Tier über ihm und stampfte ihm die Vorderläufe in den Wanst. Die Rüstung wurde verbogen, und ein berstendes Geräusch erklang, als die Bauchdecke platzte. Der schwarze Kopf stieß nieder, die Zähne gruben sich in die verwundbare Kehle und fassten zu. Es knirschte laut, und das angst- und schmerzerfüllte Schreien des Orks riss ab.

Der Zwerg traute seinen Augen nicht, als das Tier das abgebissene Stück Hals verschlang, während der zweite Rappe laut und schadenfroh wieherte.

Der blonde Alb wandte sich um und rief etwas Unverständliches; die Wesen, die nur äußerlich Pferden glichen, beruhigten sich augenblicklich und trotteten gehorsam zu ihren Herren, die sich elegant in die Sättel schwangen.

»Ihr wisst, was von euch erwartet wird. Seid schnell und haltet euch an die Abmachung«, sprach Sinthoras düster und wendete sein Reittier. Die Albae rückten ab.

Die Umstehenden wichen hastig vor den Rappen zurück und bildeten eine breite Gasse, um den scharfen Zähnen nicht zu nahe zu kommen. Nach und nach fanden die Orks ihre Stimmen wieder.

Der Verwundete drängte sich nach vorn. »Schau, was sie gemacht haben, die Spitzohren!«, schrie er wütend auf Bashkugg ein und presste ihm seine blutverschmierte Klaue ins Gesicht. »Sie haben Rugnarr getötet, dafür müssen wir sie töten!«

Der stämmige Anführer wischte sich das Blut aus den Augen. »Halt’s Maul, dämlicher Idiot«, brüllte er zurück und setzte eine Reihe von Schimpfworten hinterher. »Sie gehören zu uns.«

»Die? Zu uns? Wir werden sie genauso fressen wie die Rotbluter«, zeterte der Ork weiter und erhielt Unterstützung von drei weiteren seiner Sippe. Derart ermutigt, schickte er sich an, seinen Kurzbogen zu spannen und nach den Boten zu zielen. »Ich will wissen, wie sie und ihre Pferde schmecken!«

Der Zwerg wusste, dass es keine Pferde waren. Er erinnerte sich: Die Bücher Lot-Ionans nannten sie Nachtmahre, ehemalige Einhörner, denen das Böse die reine Seele, das weiße Fell und zu guter Letzt das Horn genommen hatte, um sie zu Wesen der ewigen Nacht zu machen. Sie fraßen Fleisch und trugen einen unstillbaren Hass auf alles und besonders auf das Gute in sich, was sie zu gefürchteten Jägern machte.

Bashkugg wurde die Schreierei zu dumm. Er griff sein grob geschmiedetes Schwert und hieb dem Aufsässigen von schräg oben in den Hals; die Klinge drang bis zur Mitte ein und wurde mit brachialer Gewalt herausgerissen. Dann packte der Fürst einen weiteren Ork am Hals und schlug ihm den Kopf ab. Er reckte den triefenden Schädel weithin sichtbar in die Luft, stieß einen langen Warnschrei aus und zeigte seine Hauer, ehe er ihn zu Boden warf und zerstampfte. Der Schädelknochen zerbrach in viele kleine Stückchen, die in der dunkelgrauen Hirnmasse versanken. Auch die letzten beiden Aufständischen starben durch das Schwert. So lösten die Orks ihre Streitigkeiten.

Die eingeschüchterte Horde beruhigte sich, die Krieger kehrten grunzend zu ihren Feuerstellen zurück und widmeten sich ihrer Siegesfeier. Der vom Nachtmahr niedergemetzelte Artgenosse und die vier vom Schwert Getöteten blieben ausblutend im Staub liegen; niemand kümmerte sich um sie.

»Und jetzt?«, wollte Ushnotz wissen.

»Ich gehe in den Süden, und du«, Kragnarr zeigte auf Bashkugg, »gehst in den Westen. Für dich, Ushnotz, bleibt der Osten.« Die anderen nickten ihre Zustimmung. »Was ist mit der Stadt der Rotbluter?«

»Sie liegt schön nahe«, quiekte Ushnotz unbeherrscht. »Ich sage, wir greifen sie gemeinsam an und holen uns ihr Fleisch, bevor wir uns trennen.«

Bashkugg kratzte sich verlegen am Kinn. »Der Alb hat doch verboten...«

»Wir sind im Süden, noch befehlen wir. Und unser Wettstreit hat noch nicht begonnen«, meinte Ushnotz listig. »Das Spitzohr hat Eroberung von neuem Land gemeint, aber das Land hier gehört uns doch schon.« Er lachte grunzend.

»Außerdem haben sie die Köpfe meiner Leute auf die Palisaden gespießt. Ich will Rache«, röhrte Kragnarr und schlug sich auf die breite Brust, dass die Panzerung klirrte. »Die lasse ich mir von einem Spitzohr nicht nehmen.«

»Bei Sonnenaufgang?«, fragte Bashkugg und erntete bejahendes Schnauben.

Tungdil ließ die Zweige langsam los und kroch leise rückwärts. Unheilvolles ging im Geborgenen Land vor, aber zuerst musste Gutenauen gewarnt werden, ehe er Lot-Ionan nach seiner Rückkehr vom Schwarzjoch von Nôd’onn berichtete, dem seltsamen Herrscher des Toten Landes. Der Zauberer würde wissen, was zu tun war, und bestimmt den Rat der Magi einberufen. Noch besser wäre es, wenn er alle Könige und Königinnen einlüde, um ihnen davon zu erzählen.

Der Zwerg fand es an der Zeit, dass sich Menschen und Magi gemeinsam ein für alle Mal gegen das Tote Land stemmten. Wenn die Menschen sein Volk um Hilfe baten und die Stämme Abordnungen schickten, stünden die Aussichten auf einen Sieg gewiss recht gut.

Tungdil wartete, bis die Mehrzahl der Orks eingeschlafen war. Dennoch war es nicht leicht zu entkommen, denn drei Dutzend Wachen sorgten dafür, dass sich keiner dem Lager unbemerkt annäherte.

Entschlossen wählte der Zwerg sich die Stelle aus, an der ein Wache haltender Ork einen besonders müden und gelangweilten Eindruck machte; er stützte sich auf den Schaft seines angerosteten Speeres, und die Augen fielen ihm immer wieder zu.

Tungdil rang sich dazu durch, sein Gepäck und den Sack mit den Artefakten doch mitzunehmen. Bei seinem Glück würden die Bestien die wertvollen Gegenstände sicherlich entdecken, und damit wären sie für immer verloren, was er Lot-Ionan und Gorén gegenüber keinesfalls zugeben wollte.

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