Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
Der Zwerg beherrschte sich. Es hätte die Bestien sicherlich gewundert, wenn die Eiche verdauten Brei aus ihren Zweigen ergossen hätte.
Die zerrissenen Stofffetzen, mit denen die wenigen verletzten Orks ihre Wunden verbunden hatten, trugen die Farben des Regiments von König Tilogorn. Die Gutenauener konnten lange auf Verstärkung warten. Allem Anschein nach hatten die Soldaten Idoslâns die Kampfkraft dieser Horde unterschätzt und den Fehler mit ihrem Leben bezahlt, um anschließend als Speise in hungrigen Orkmägen zu enden.
Was habe ich den Göttern nur getan, grübelte Tungdil, dass sie mich von einem Unglück ins nächste schicken?
Keiner in Gutenauen ahnte etwas von dem grün- und schwarzhäutigen Unheil, das über sie hereinbrechen würde. Es lag an ihm, das Großdorf zu warnen. Das würde ihm jedoch nicht gelingen, solange die Bestien rings um ihn herumhockten; also musste er ruhig abwarten, bis sich eine Gelegenheit ergäbe, unbemerkt von der Eiche zu verschwinden und sich durch ihre Linien zu schleichen.
Dann kam ihm ein anderer Gedanke. Wenn es ihm gelänge, näher an die Feuerstellen zu kriechen, konnte er vielleicht mit anhören, was die Orks beabsichtigten. Schließlich beherrschte er ihren Dialekt. Jedenfalls traute er sich zu, das in Büchern Erlernte auch anzuwenden. Es zahlte sich aus, bei einem Magus mit einer großen Bibliothek aufzuwachsen; Lesen und Lernen war neben dem Schmieden sein liebster Zeitvertreib.
Man sollte es nicht glauben, aber das Grölen, Knurren und Brüllen barg eine gewisse Methode in sich, die eine Unterredung ermöglichte. Die Gelehrten waren durch gefangene Orks hinter die Geheimnisse einer Sprache gekommen, die Unmengen von Drohungen und Schimpfworten beinhaltete.
Das Herz des Zwergs pochte laut bei dem Gedanken, sich durch die Reihen der stinkenden Monstrositäten zu stehlen. Ertappten sie ihn, wäre es um ihn geschehen; aber ein Zwerg durfte nichts unversucht lassen, die Menschen vor ihrer Vernichtung durch die Kreaturen Tions zu bewahren. Das war die Aufgabe, die sein Volk und damit auch er von Vraccas dem Schmied erhalten hatte.
Seine Entscheidung war gefallen. Tungdil betrachtete den Stamm der Eiche und kundschaftete einen lautlosen Weg auf den Boden aus. Er verzurrte sein Gepäck gerade in den Zweigen der Eiche, als eine Bewegung durch die Orks ging. Nach und nach erhoben sie sich an den Lagerfeuern, ihre Gespräche und Rufe wurden lauter. Es trafen Gäste ein.
Die Streitmacht rottete sich nahe der Eiche zusammen. Der Zwerg kroch den Ast entlang, bis er sich wegen des dünner werdenden Holzes nicht weiter nach vorn wagte. Wenn er sich sehr anstrengte, würde er die Reden der Ungeheuer verstehen. Ihre Anführer brüllten, damit sie jeder hörte, und das gereichte ihm zum Vorteil.
Behutsam bog er die grünen Zweige zur Seite. Die Orks bildeten einen großen Kreis, in dem drei einschüchternde Sippenoberhäupter standen, deren gewaltige Hauer angespitzt und bemalt waren. Dann wurde es ruhig, und das Gejohle erstarb von einem Augenblick auf den nächsten.
Tungdil hörte das Klappern von Hufen. Zwei Reiter trabten auf ihren Rappen durch die Reihen; die Augen der schwarzen Pferde leuchteten amarantfarben, und wenn die Hufe den Boden berührten, blitzen weißblaue Funken auf. Die geschmeidige Art, in der sich die Tiere bewegten, erinnerte an Raubkatzen und hatte nichts mit dem schaukelnden Gang eines gewöhnlichen Pferdes gemein.
Die schlanken, hoch gewachsenen Reiter lenkten die Rappen in den Kreis und stiegen ab. Der Zwerg glaubte zu wissen, was sie waren: Albae.
Sie trugen kunstvoll gearbeitete Lederrüstungen unter ihren Mänteln. Tungdil sah lange schwarze Lederhosen, dunkelbraune Stiefel, die bis unter die Knie reichten, und dunkelrote Handschuhe.
Der Alb mit den langen blonden Haaren hielt einen Speer mit einer schmalen Klinge, die nicht dicker als ein kleiner Eiszapfen war; an der linken Seite baumelte ein Schwert.
Sein Begleiter hatte schwarzes Haar, das, zum Zopf geflochten, unter dem Cape verschwand. Er trug einen geschwungenen Langbogen in der Hand und einen Köcher mit Pfeilen auf dem Rücken; zwei Kurzschwerter waren mit Lederriemen an seinen Oberschenkeln befestigt.
Ihn kannte Tungdil. Er hatte versucht, ins Zimmer der Herberge einzudringen. Bitte, Vraccas, lass Friedegard und Vrabor den Albae entkommen sein, bat er stumm.
Der Blonde übernahm die Verhandlungen, die in der Gemeinsprache geführt wurden; offenbar weigerten sich die Albae, die primitiven Laute der Orks von sich zu geben.
»Ich bin Sinthoras von Dsôn Balsur. Mein Meister, Nôd’onn der Zweifache, der Gebieter über das Tote Land, schickt mich, um den drei Fürsten Toboribors die Hand zum Bund zu reichen«, sagte der Alb und gab sich dabei keine Mühe, in irgendeiner Weise freundlich zu klingen. Er überbrachte das Angebot und machte mit seiner Stimme deutlich, dass man es annehmen oder lassen sollte. »Nôd’onn erwählte euch, Fürst Bashkugg, Fürst Kragnarr und Fürst Ushnotz, die Eroberungen zu machen, wie sie keiner vor euch tat. Ihr sollt an der Spitze der Orks stehen und der mächtige Arm des Südens sein, unter dessen Schwert die Schädel der Menschen zerspringen.«
»Wer von uns wird der Oberfürst?«, fragte Kragnarr, der ebenso groß wie die Albae, aber doppelt so breit gewachsen war; die anderen beiden Anführer standen ihm in ihrem Wuchs nicht nach.
Bashkugg versetzte ihm augenblicklich einen harten Stoß. »Willst du besser sein?!«, brüllte er streitbar.
Kragnarr ging auf die Herausforderung ein; er wandte sich schnaubend zu seinem Rivalen um und stellte sich dicht vor ihn, dass sich ihre breiten Stirnplatten berührten. Sie starrten einander an, die Klauen um die Griffe der riesigen Schwerter gelegt. Ushnotz erwies sich als schlauer; er machte einen Schritt zurück und wartete ab, wie sich der Zwist entwickelte.
»Mein Meister schlägt vor, dass ihr alle gleich mächtig sein sollt«, sagte Sinthoras laut, um das Schnauben zu übertönen.
»Nein«, kam es sofort aus dem Maul Kragnarrs, und Bashkugg knurrte seine Zustimmung.
Dem angewidert dreinblickenden Alb sah Tungdil selbst auf diese Entfernung an, dass er die Orks lieber ausgelöscht hätte, als sich mit ihnen zu besprechen, aber er hatte den Befehl jenes Nôd’onn zu befolgen. Der Zwerg hörte den Namen, der wohl hinter allem Übel steckte, zum ersten Mal.
»Dann schlägt mein Meister vor, dass derjenige Oberfürst sein wird, der das meiste Land erobert.« Seine Finger lagen ruhig um den Schaft des Speeres, aber seine Körperspannung zeigte, wie wenig er den grobschlächtigen Kreaturen traute. Sein dunkelhaariger Begleiter wirkte mindestens ebenso wachsam.
»Land?«, grunzte Ushnotz. »Wieso nicht, wer die meisten Fleischlinge erschlägt? Das wäre mehr nach meinem Geschmack«, grunzte er und rieb sich über den Magen. Die beiden anderen Orks waren sofort seiner Meinung.
»Nein«, blieb der Alb hart. »Es geht um Land, nicht um die meisten Getöteten.«
»Warum?«, protestierte Bashkugg polternd. »Die Krieger müssen essen.«
»Haltet euch an die Heere, die euch die Menschen in den Weg stellen«, empfahl er kühl. »Ihr kennt den Wunsch meines Meisters.«
»Du kannst ihm gehorchen, Spitzohr, aber er ist nicht unser Meister«, sagte Ushnotz listig. »Im Süden befiehlt er nicht, im Süden befehlen wir.«
Sinthoras lächelte mitleidig. »Wie lange noch? Mein Meister nähert sich mit den Orks unaufhaltsam aus dem Norden, und sie werden euch den Süden schneller streitig machen, als ihr Keulen aus den Bäumen schnitzen könnt.« Er blickte sie der Reihe nach an. »Entscheidet euch jetzt für den Gehorsam, und ihr werdet mit eigenen Fürstentümern für eure Sippen belohnt werden. Toboribor ist erst der Anfang, bald wird jede Sippe eigenes Land besitzen und die Menschen für sich arbeiten lassen. Oder aber ihr steht anderen eurer Art gegenüber.«