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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Hinter Smolensk suchte Napoleon eine Schlacht bei Dorogobusch, bei Wjasma und dann bei Zarewo-Saimischtsche, aber es kam infolge eines Zusammentreffens zahlloser Umstände doch so, daß die Russen eine Schlacht nicht früher annehmen konnten als bei Borodino, hundertzwölf Werst von Moskau. Von Wjasma aus befahl Napoleon, geradewegs auf Moskau vorzurücken.

Moscou, la capitale asiatique de ce grand empire, la ville sacrée des peuples d’Alexandre, Moscou, avec ses innombrables églises en forme de pagodes chinoises – dieses Moskau ließ der Phantasie Napoleons keine Ruhe.

Auf dem Marsch von Wjasma nach Zarewo-Saimischtsche ritt Napoleon auf seinem isabellfarbenen, englisierten Paßgänger, begleitet von Gardereitern, seiner Leibwache, Pagen und Adjutanten. Berthier, der Chef des Stabes, war etwas zurückgeblieben, um einen russischen Gefangenen auszufragen, den die Kavallerie soeben eingebracht hatte. Von dem Dolmetscher Lelorme d’Ideville begleitet, holte er soeben im Galopp Napoleon wieder ein und hielt mit vergnügtem Gesicht sein Pferd an.

»Eh bien?« fragte Napoleon.

»Un cosaque de Platow sagt, Platows Korps habe sich mit der großen Armee vereinigt, und Kutusow sei zum Oberkommandierenden ernannt. Très intelligent et bavard!«

Napoleon lächelte und befahl, diesem Kosaken ein Pferd zu geben und ihn herbeizuführen. Er wollte selber mit ihm sprechen. Einige Adjutanten sprengten davon, und nach einer Stunde kam Lawruschka, Denissows Leibeigner, den er Rostow überlassen hatte, in seiner Burschenjacke auf einem französischen Kavalleriepferd mit durchtriebenem, betrunkenem, vergnügtem Gesicht zu Napoleon herangeritten. Napoleon ließ ihn neben sich herreiten und fing an, ihn auszufragen.

»Sie sind Kosak?«

»Zu Befehl, Euer Wohlgeboren.«

»Der Kosak, der nicht ahnte, in welcher Gesellschaft er sich befand, denn Napoleons einfache Art hatte nichts an sich, was einer orientalischen Phantasie die Gegenwart eines Monarchen hätte verraten können, unterhielt sich mit ihm in aller Zutraulichkeit über die Angelegenheiten des laufenden Krieges«, sagt Thiers, der diese kleine Episode erzählt. Lawruschka hatte sich nämlich tags zuvor betrunken, seinen Herrn ohne Mittagessen gelassen und war deshalb ausgepeitscht und in ein Dorf geschickt worden, um dort Hühner zu requirieren. Hier hatte er sich vom Eifer des Marodierens immer weiter fortreißen lassen und war schließlich von den Franzosen gefangengenommen worden. Lawruschka war einer von jenen rohen, frechen, mit allen Hunden gehetzten Bedienten, die es für ihre Pflicht halten, stets niederträchtig und schlau vorzugehen, die bereit sind, jedem Herrn jeden Dienst zu leisten, und pfiffig die schlechten Regungen ihrer Vorgesetzten, besonders Eitelkeit und Kleinlichkeit, zu durchschauen verstehen.

Als Lawruschka in Napoleons Gesellschaft geraten war, dessen Persönlichkeit er sehr wohl und leicht erkannte, wurde er nicht etwa verlegen, sondern bemühte sich nur aus Leibeskräften, sich diesem neuen Herrn dienstbar zu zeigen.

Er wußte genau, daß dies Napoleon selber war, aber die Gegenwart Napoleons konnte ihn ebenso wenig in Verlegenheit bringen wie diejenige Rostows oder des Wachtmeisters mit den Ruten, weil er eben nichts besaß, was ihm der Wachtmeister oder Napoleon hätten wegnehmen können.

Er schwatzte all das zusammen, was gerade unter den Burschen im Umlauf war. Vieles davon stimmte genau. Doch als ihn Napoleon fragte, ob denn die Russen dächten, daß sie Bonaparte besiegen würden, kniff er die Augen zusammen und überlegte. Er erblickte hierin eine feine List, wie Leute seines Schlages immer in allem eine List vermuten, zog die Stirn kraus und schwieg.

»Das heißt«, fing er nachdenklich an, »wenn es zu einer Schlacht kommt, und zwar bald, so siegt ihr. Das ist mal ganz sicher. Wenn aber von heute ab noch drei Tage vergehen, dann bedeutet das so viel, daß sich auch die Schlacht selber noch in die Länge ziehen wird.«

Diese Worte wurden Napoleon so übersetzt: »Wird die Schlacht innerhalb von drei Tagen geliefert, so werden die Franzosen sie gewinnen, wird sie später geschlagen, weiß Gott, was sich ereignen mag.« So gab Lelorme d’Ideville lächelnd den Sinn wieder. Napoleon lächelte nicht, obgleich er sich sichtlich in bester Laune befand, und ließ sich diese Worte wiederholen.

Lawruschka entging dies nicht und um Napoleon einen Spaß zu machen, sagte er, sich stellend, als wisse er nicht, wer er sei: »Wir wissen, daß ihr einen Bonaparte habt, der alle in der Welt geschlagen hat, na, aber mit uns ist das doch eine andere Sache …« fuhr er fort und geriet, ohne selber zu wissen wie und warum, in einen großsprecherischen Patriotismus hinein.

Der Dolmetscher übersetzte diese Worte Napoleon, ließ aber den Schluß weg, und Bonaparte lächelte. »Der junge Kosak brachte seinen mächtigen Fragesteller zum Lächeln«, erzählt Thiers.

Nachdem sie ein paar Schritte schweigend weitergeritten waren, wandte sich Napoleon an Berthier und sagte, er wünsche den Eindruck zu sehen, den die Eröffnung auf cet enfant du Don machen werde, daß jener Mann, mit dem er sich unterhielt, der Kaiser selber war, jener Kaiser, der seinen unsterblich siegreichen Namen auf die Pyramiden geschrieben[157] hatte.

So wurde dem enfant du Don diese Eröffnung gemacht.

Lawruschka durchschaute, daß dies nur geschah, um ihn zu verblüffen, und daß Napoleon glaubte, er werde nun einen tüchtigen Schreck bekommen, und so stellte er sich, um seinem neuen Herrn diesen Gefallen zu tun, sogleich völlig verwirrt und starr vor Staunen, drehte die Augen heraus und machte dasselbe Gesicht, das er gewöhnlich aufsetzte, wenn er zum Auspeitschen abgeführt wurde.

»Kaum hatte Napoleons Dolmetscher dies gesagt«, erzählt Thiers, »als der Kosak wie von einer Art Erstarrung ergriffen wurde: er konnte kein Wort mehr hervorbringen und heftete nur beim Weiterreiten die Augen unablässig auf diesen Eroberer, dessen Name selbst über die Steppen des Ostens bis zu ihm gedrungen war. Seine ganze Beredsamkeit war mit einem Schlag versiegt, um einem Gefühl naiver, stummer Bewunderung Platz zu machen. Nachdem ihn Napoleon belohnt hatte, ließ er ihm die Freiheit schenken, wie man einen Vogel den heimatlichen Gefilden zurückgibt.«

Napoleon ritt weiter und träumte von jenem Moskau, das seine Phantasie so sehr beschäftigte, während der »Vogel, den man seinen heimatlichen Gefilden zurückgegeben hatte«, zu unseren Vorposten zurücksprengte, wobei er sich im voraus allerlei ausdachte, was er gar nicht erlebt hatte, aber seinen Kameraden erzählen wollte. Denn das, was tatsächlich mit ihm geschehen war, mochte er nicht erzählen, hauptsächlich deshalb nicht, weil es ihm nicht der Rede wert schien. Er kam zu den Kosaken, fragte sich durch, wo sein Regiment sei, das zum Platowschen Korps gehöre, und fand noch gegen Abend desselben Tages seinen Herrn Nikolaj Rostow wieder, der in Jankowo einquartiert war und gerade aufs Pferd stieg, um mit Iljin einen Spazierritt durch die umliegenden Dörfer zu machen. Er ließ Lawruschka ein frisches Pferd bringen und nahm ihn mit.

8

Prinzessin Marja war nicht in Moskau und nicht aller Gefahr entronnen, wie Fürst Andrej glaubte.

Nachdem Alpatytsch aus Smolensk zurückgekehrt war, war der alte Fürst plötzlich wie aus einem Schlaf zu sich gekommen. Er ließ in den Dörfern die Landwehrleute einziehen und bewaffnen und schrieb an den Oberkommandierenden einen Brief, in dem er ihm mitteilte, er habe den Entschluß gefaßt, bis zum äußersten in Lysyja-Gory auszuharren und sich zu verteidigen, und stelle es nun seinem Ermessen anheim, zum Schutz von Lysyja-Gory Maßnahmen zu ergreifen oder nicht; im zweiten Fall werde daselbst einer der ältesten russischen Generäle gefangengenommen oder totgeschlagen werden. Seinen Hausgenossen erklärte er, daß er in Lysyja-Gory bleiben werde.

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157

auf die Pyramiden geschrieben: Anspielung auf Napoleons Ägyptenfeldzug und seinen Sieg in der Schlacht bei den Pyramiden 1798.

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