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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Diese Entdeckung erregte ihn sehr. Wie und durch welche Bande er mit jenem großen Ereignis, das die Offenbarung voraussagte, verbunden sein sollte, wußte er nicht, aber er zweifelte nicht einen Augenblick daran, daß eine solche Verbindung tatsächlich bestand. Seine Liebe zur Komtesse Rostowa, der Antichrist, der Überfall Napoleons, der Komet, die Zahl 666, le empereur Napoleon und l’Russe Besuhof – all dies zusammen mußte reifen, die Fesseln sprengen, ihn aus jener verwunschenen, nichtigen Moskauer Gewohnheitswelt, als deren Gefangener er sich fühlte, herausreißen und zu einer großen Tat und zu großem Glück führen.

Am Tag vor jenem Sonntag, an dem das Kriegsgebet zum erstenmal verlesen wurde, hatte Pierre den Rostows versprochen, ihnen vom Grafen Rastoptschin, den er sehr gut kannte, sowohl den Aufruf an Rußland als auch die neuesten Nachrichten vom Heer mitzubringen. Als sich Pierre nun am Morgen zum Grafen Rastoptschin begab, traf er dort mit einem soeben erst von der Armee eingetroffenen Kurier zusammen. Dieser Kurier war ein Bekannter Pierres, ein flotter Tänzer auf Moskauer Bällen.

»Um Gottes willen, können Sie mir nicht etwas abnehmen? Ich habe einen ganzen Sack voll Briefe an Eltern und Verwandte«, sagte der Kurier.

Unter diesen Briefen befand sich auch ein Schreiben Nikolaj Rostows an seinen Vater. Pierre nahm diesen Brief an sich. Außerdem gab Graf Rastoptschin Pierre noch den Aufruf des Kaisers an Moskau, der soeben erst gedruckt worden war, sowie die letzten Armeebefehle und seine eigne letzte öffentliche Bekanntmachung.

Als Pierre die Armeebefehle überflog, fand er in einem von ihnen zwischen den Nachrichten über Verwundete, Gefallene, Auszeichnungen und Beförderungen den Namen Nikolaj Rostows, dem seine im Treffen bei Ostrowno bewiesene Tapferkeit das Georgskreuz vierter Klasse eingetragen hatte, und in demselben Armeebefehl war auch Fürst Andrej Bolkonskij genannt, der zum Kommandeur eines Jägerregiments ernannt worden war. Obgleich Pierre die Rostows nicht gern an Bolkonskij ererinnern mochte, konnte er doch dem Wunsch, ihnen durch die Nachricht von der Auszeichnung ihres Sohnes eine Freude zu machen, nicht widerstehen, und so schickte er den einen gedruckten Armeebefehl sowie den Brief Nikolajs sogleich an die Rostows, während er den kaiserlichen Aufruf, die Bekanntmachung und die anderen Armeebefehle bei sich behielt, um sie selber zu Tisch mitzubringen.

Die Unterhaltung mit dem Grafen Rastoptschin, dessen sorgenvolle Miene und Hast, das Zusammentreffen mit dem Kurier, der in leichtfertiger Weise ausplauderte, wie übel es bei den Truppen stand, die Gerüchte von in Moskau aufgegriffenen Spionen, von einem Flugblatt, das in der Stadt von Hand zu Hand ging, in dem gesagt war, Napoleon habe versprochen, bis zum Herbst in beiden Hauptstädten zu sein, das Gerede über die für den folgenden Tag in Aussicht gestellte Ankunft des Kaisers – all dies erweckte in Pierre jenes Gefühl der Erregung und Erwartung mit neuer Kraft, das ihn seit jenem Tag, als er den Kometen gesehen hatte, und besonders seit Anfang des Krieges nicht mehr verlassen hatte.

Schon vor längerer Zeit war Pierre der Gedanke gekommen, ebenfalls in den Kriegsdienst einzutreten, und er hätte diese Absicht auch ausgeführt, wenn ihn nicht verschiedene Gründe daran gehindert hätten: erstens seine Zugehörigkeit zur Freimaurergesellschaft, an die er durch seinen Eid gebunden war und die den ewigen Frieden und die Abschaffung des Krieges predigte, und zweitens der Umstand, daß er sich beim Anblick der zahllosen Moskauer, die nun die Uniform anzogen und den Patriotismus predigten, gewissermaßen schämte, in diesem Augenblick denselben Schritt zu tun. Der Hauptgrund aber, warum er seinen Plan, in den Kriegsdienst zu treten, nicht ausführte, bestand in der dunklen Vorstellung, daß er als l’Russe Besuhof die Bedeutung der Zahl des Tieres 666 in sich trage und ihm somit sein Anteil an der großen Aufgabe, der Macht dieses Tieres, das große Dinge und Lästerungen sprach, eine Grenze zu stecken, von Ewigkeit her vorausbestimmt war, und daß er infolgedessen nichts unternehmen durfte, sondern abwarten mußte, was sich ereignen werde.

20

Wie immer an Sonntagen waren auch heute bei den Rostows einige ihrer nächsten Bekannten zum Mittagessen geladen. Deshalb kam Pierre absichtlich etwas früher, um sie noch allein zu treffen.

Pierre war im letzten Jahr so dick geworden, daß er unförmig ausgesehen hätte, wenn er nicht so groß, breitschultrig und stark gewesen wäre, daß es den Anschein hatte, als trüge er seine Körperlast mit Leichtigkeit.

Pustend und etwas vor sich hinmurmelnd stieg er die Treppe hinauf. Sein Kutscher hatte gar nicht danach gefragt, ob er warten solle, er wußte, daß, wenn der Graf bei den Rostows war, er auch bis gegen zwölf Uhr dort blieb. Dienstfertig eilten die Rostowschen Lakaien herbei, um ihm den Mantel auszuziehen, und nahmen ihm Hut und Stock ab, denn nach alter Sitte des Klubs ließ Pierre auch Hut und Stock im Vorzimmer.

Der erste von der Familie Rostow, den er erblickte, war Natascha. Noch ehe er sie sah, hatte er im Vorzimmer, während er seinen Mantel ablegte, ihre Stimme gehört. Sie sang im Saal Solfeggien. Er wußte, daß sie seit ihrer Krankheit noch nicht wieder gesungen hatte, und deshalb wunderte und freute er sich, als er ihre Stimme hörte. Leise öffnete er die Tür und sah, wie Natascha in ihrem lila Kleid, das sie in der Messe angehabt hatte, singend im Zimmer auf und ab ging. Sie wandte ihm gerade den Rücken zu, während er die Tür aufmachte, als sie sich dann aber jäh umdrehte und in sein erstauntes dickes Gesicht sah, wurde sie rot und eilte rasch auf ihn zu.

»Ich will wieder zu singen versuchen«, sagte sie. »Es ist doch immerhin eine Beschäftigung«, fügte sie wie entschuldigend hinzu.

»Das ist ja schön.«

»Wie freue ich mich, daß Sie gekommen sind! Ich bin heute so glücklich!« sagte sie mit jener früheren Lebhaftigkeit, die Pierre lange nicht an ihr gesehen hatte. »Wissen Sie es schon, Nicolas hat das Georgskreuz bekommen? Ich bin so stolz auf ihn.«

»Und ob ich es weiß, ich habe doch den Armeebefehl erst hergeschickt. Aber ich will Sie nicht stören«, fügte er hinzu und wollte weiter in den Salon gehen.

Natascha hielt ihn zurück.

»Graf, ist das unrecht von mir, daß ich wieder zu singen anfange?« fragte sie und wurde rot, sah aber, ohne die Augen abzuwenden, Pierre fragend an.

»Nein … warum denn? Im Gegenteil … Aber warum fragen Sie mich danach?«

»Ich weiß es selber nicht«, erwiderte Natascha hastig. »Aber ich möchte nichts tun, was Ihnen mißfiele. Ich vertraue Ihnen so in allem. Sie wissen gar nicht, von welcher Bedeutung Sie für mich sind, und wieviel Sie für mich getan haben! …«

Sie sprach sehr schnell und bemerkte gar nicht, wie Pierre bei ihren Worten rot wurde.

»Aus demselben Armeebefehl habe ich auch ersehen, daß er, Bolkonskij« – sie sprach dieses Wort in hastigem Flüsterton aus – »in Rußland und wieder in den Dienst eingetreten ist. Was glauben Sie« – sie sprach sehr schnell und in sichtlicher Hast, weil sie für ihre Kräfte fürchtete – »wird er mir je verzeihen? Wird er nicht immer Groll gegen mich fühlen? Wie denken Sie? Was meinen Sie?«

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