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Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo

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Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo
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«Bring Wein, aber beeil dich.»

Er wandte sich an Matteo, der ihn gerade mit einem scharfen Blick gemustert hatte und jetzt ohne sonderliche Eile die Lider niederschlug. «Setz dich, Kapitän.»

Er ist stark wie ein Stier, dachte Pietro Bocco, als er die breiten Schultern mit dem muskulösen Oberarmansatz sah.

Matteo legte im Sitzen die Hände auf die Knie. Es waren ungewöhnlich breite Hände. Pietro Bocco bemerkte mit Staunen, daß ihn ein unangenehmes Gefühl beschlich, als er die stämmige Gestalt vor sich sitzen sah.

Er war froh, als der Diener den Wein brachte.

«Laß uns trinken, Kapitän!» Pietro Bocco hob das Glas und hielt es gegen das Licht. Feine, durchsichtige Perlen stiegen auf. Sie tranken.

Matteo setzte das Glas vorsichtig auf die mit Goldfäden durchwirkte Tischdecke und strich sich mit dem Handrücken über den Mund. Erwartungsvoll sah er Messer Pietro Bocco an.

«Wie steht es, Kapitän, ist dein Schiff bereit?» Pietro Bocco schob sein Kinn mit dem Spitzbart vor und sah seinem Gegenüber mit festem, zwingendem Blick in die Augen.

«Ich habe mein Schiff schwarz anstreichen lassen.» Bedächtig wählte Matteo die Worte. «Das Schiff ist schwarz, und die Segel sind rot — dunkelrot.»

«Gut.»

Pietro Bocco senkte den Kopf und hob ihn plötzlich wieder, als wolle er durch die jähe Bewegung seinen Gesprächspartner in die Enge treiben. «Es handelt sich um Salz, Matteo», sagte er unvermittelt. Prüfend beobachtete er die Hand des Seemanns, die breit auf der Tischdecke lag und sich jetzt zur Faust ballte. Er empfand Genugtuung über die Wirkung seiner Worte.

«Hundert Dukaten für dich, Kapitän! Oder — hast du Angst?» Die letzten Worte schoß er wie einen vergifteten Pfeil ab. Matteos mächtige Schultern bewegten sich. Seine Knollennase schimmerte, wie immer, wenn er aufgeregt war, in allen Regenbogenfarben.

Pietro Bocco achtete auf jede Regung in dem Gesicht seines Gegenübers.

«Hundert Dukaten in einer Nacht! Überleg es dir, Matteo!»

«Wieviel Säcke sind es, Messer Bocco?»

«Fünfzehn!»

Unwillig zog Matteo seine Augenbrauen zusammen. Er hatte das Manöver Pietro Boccos durchschaut, der ihn mit seiner Frage zu einer unbedachten Zusage hinreißen wollte. — «Oder hast du Angst?» — Er schürzte in unmerklichem Spott die Lippen. Es paßte ihm nicht, wie der edle Herr mit ihm umsprang: einmal Kapitän, dann wieder Matteo! Wer war schon Pietro Bocco? Noch nicht einmal Senator…

Kapitän Matteo stand auf und sagte gleichmütig: «Salz ist teuer in Bologna oder Padua, Messer Bocco. Hundert Dukaten in einer Nacht, sagt Ihr. - Verzeiht, es kann auch lebenslängliche Galeerenarbeit einbringen oder sogar den Kopf kosten. Ihr wißt, wie streng das Gesetz den Salzschmuggel bestraft.»

Der Ärger rötete Pietro Boccos Stirn. Er unterdrückte ihn sofort und sagte mit angestrengter Freundlichkeit:

«Setzt Euch doch wieder, Kapitän. Uber den Lohn für Eure Dienste werden wir uns schon einig.»

Mit scheinbarem Widerstreben setzte Matteo sich. «Ein Mann meiner Besatzung ist krank», sagte er knurrend, «solange ich keinen Ersatz habe, kann ich nichts unternehmen.»

Sollte er wirklich Angst haben? fragte sich Pietro Bocco, oder sagt er das nur, um den Preis in die Höhe zu treiben. Er wurde aus dem Burschen nicht schlau und ärgerte sich, daß er ihn unterschätzt hatte.

Matteo saß schweigend auf dem Stuhl.

So kann man mit mir nicht umspringen, wiederholte er in Gedanken und sah mit verschlossenem Gesidit vor sich hin.

Pietro Bocco änderte seine Taktik. Er war sich darüber klargeworden, daß Matteo nicht wie der Schreiber Luigi Farino — Gott hab ihn selig — behandelt werden konnte.

Matteo war der König der Schmuggler, verwegene Gesellen waren bereit, jede seiner Anordnungen zu befolgen. Er wußte manches über die Geschäfte einiger Herren, die in den höchsten Ämtern der Republik saßen. Und er war nicht der grobe Klotz, als der er dem oberflächlichen Betrachter erscheinen mochte. Die tiefliegenden, großen Augen zeigten Mut, Verschlagenheit und eine tüchtige Portion Bauernschlauheit, die er wohl von seinen Vorfahren geerbt hatte.

«Eine gute Idee, Euer Schiff schwarz anstreichen zu lassen», lobte Pietro Bocco. «A la vostre salute, Kapitän!»

Sie tranken.

Wieder floß der goldene Wein in die reichverzierten Gläser. Matteo wartete geduldig. Sein Unmut hatte sich schnell gelegt. Geschäfte machte man mit dem Verstand; Gefühle spielten nur eine nebensächliche Rolle.

Der Wein schmeckte gut.

Während Pietro Bocco über das zweite Angebot nachdachte, das er Matteo sogleich vorschlagen würde, kam ihm unvermutet die breitschultrige, kräftige Gestalt des Dieners Paolo in den Sinn und brachte ihn auf einen Gedanken, der ihn mit einemmal in eine heitere, fast übermütige Laune versetzte.

«Ich hätte einen zuverlässigen Burschen für die nächtliche Fahrt, Kapitän», sagteer.

«Zweihundert Dukaten, Messer Bocco. Keinen Soldo weniger», erwiderte Matteo, ohne auf die Worte einzugehen.

Pietro Bocco drehte das Glas in seinen Händen und versuchte einen Sonnenstrahl einzufangen.

«Gut, Kapitän! Zweihundert Dukaten!»

«Und einen zuverlässigen, kräftigen Helfer!» sagte Matteo.

«Und einen zuverlässigen Helfer! Trinkt, Kapitän!» Der Teufel soll dich holen, sprach er für sich. Und es war nicht klar, ob er Matteo oder Paolo meinte.

Der Kapitän ließ über das Angebot ein zufriedenes Brummen hören. Die beiden äußerlich so ungleichen Männer — Pietro Bocco mit dem länglichen Kopf und Matteo mit dem fleischigen Bauernschädel — rückten zusammen, um die Einzelheiten des Unternehmens zu besprechen.

Es war ein Abend, der sternenlos in die Nacht hineinwuchs. Die Luft war mäßig bewegt. Um diese Stunde gab es kaum noch Fußgänger in den engen Gassen, die alle irgendwo zu einem Kanal führten oder an der Steinmauer eines Hauses endeten.

Paolo verließ das Haus und ging eine Strecke Weges auf der Fondamente neben dem Kanal entlang. Gespensterhaft huschten Kähne und Barken vorbei, leise Gespräche klangen an sein Ohr. Spärliche Lichter spiegelten sich verzerrt in dem gekräuselten Wasser. Eine Frauenstimme rief etwas zum gegenüberliegenden Haus hinüber. An einem Gartenzaun, hart am Wasser, wucherte kugelförmiges Gestrüpp und streifte sein Haar.

Paolo verspürte ein leises Unbehagen. Heute nachmittag war ein Bote Messer Pietro Boccos bei Marco gewesen und hatte um Paolos Dienste für diese Nacht gebeten. Ein Diener sei erkrankt in ihrem Hause, hatte er bestellt. Eigentlich war alles einleuchtend gewesen. Marco hatte keinen Verdacht geschöpft, zumal sein Oheim sich in den letzten Wochen recht wenig um ihn gekümmert hatte. Er fand keinen Grund, ihm seine Bitte abzuschlagen.

Aber warum gerade nachts? Paolos Gedanken kamen nicht zur Ruhe. Am liebsten wäre er zurückgegangen. Er befürchtete einen Anschlag auf seinen Herrn.

Die Wellen plätscherten monoton gegen die Steinstufen, die links und rechts den Kanal säumten und zu den Eingängen der Häuser führten. Eichene Pfosten zum Befestigen der Boote standen in greifbarer Nähe. Paolo ging vorsichtig über einen Laufsteg und kam nach wenigen Schritten an einen breiteren Kanal. Das erste Haus gehörte Pietro Bocco. Die Wasserstraße führte geradewegs zum Canal Grande.

Paolo klopfte an die Tür. Ein Diener öffnete, als hätte er dahinter gestanden und auf den Besucher gewartet. Er hob den zweikerzigen Leuchter in Gesichtshöhe. «Du bis's, Paolo», sagte er mit leiser Enttäuschung. «Und ich dachte…»

Er konnte seinen Satz nicht vollenden. Pietro Boccos Stimme schnitt ihm die Worte ab. «Wer ist da?» «Paolo ist gekommen, Messer Bocco.»

Sie hörten einen unterdrückten Ruch.

Paolo benutzte die Gelegenheit zu einer flüsternden Frage: «Ist ein Diener krank bei euch?»

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