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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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»Vielleicht verbleichen Monster deshalb«, sagte ich. »Vielleicht kommt es gar nicht darauf an, was die Sterblichen glauben. Vielleicht liegt es daran, dass ihr euch selbst aufgebt.«

Seine vollkommen braunen Augen sahen mich an. Sein Gesicht hatte jetzt einen Ausdruck, den ich erkannte – er schämte sich. Dann drehte er sich um und trottete den Gang entlang, bis er sich in den Schatten verlor.

Tyson schluchzte auf.

»Ist schon gut.« Grover streichelte ihm zögernd die Schulter, und das musste all seinen Mut fordern.

Tyson nieste. »Ist gar nicht gut, Ziegenjunge. Er war mein Held.«

Ich hätte ihn gern getröstet, aber ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Endlich stand Annabeth auf und schulterte ihren Rucksack. »Los, Leute. Diese Pfütze macht mich nervös. Lasst uns einen besseren Lagerplatz für die Nacht finden.«

Wir ließen uns in einem Gang aus riesigen Marmorblöcken nieder. Er sah aus wie ein Teil eines griechischen Grabes, mit seinen an den Wänden befestigten bronzenen Fackelhaltern. Wir mussten in einem älteren Abschnitt des Labyrinths sein, und Annabeth beschloss, das für ein gutes Zeichen zu halten.

»Wir müssten jetzt in der Nähe von Dädalus’ Werkstatt sein«, sagte sie. »Also lasst uns alle eine Runde ausruhen. Morgen früh gehen wir weiter.«

»Woher wissen wir, wann Morgen ist?«, fragte Grover.

»Ruh dich einfach aus.«

Grover ließ sich das nicht zweimal sagen. Er zog ein Bündel Stroh aus seinem Rucksack, aß etwas davon, machte sich aus dem Rest ein Kissen und schnarchte bald darauf. Tyson brauchte länger zum Einschlafen. Er machte sich für eine Weile an Metallresten aus seinem Baukasten zu schaffen, aber was immer er herstellte, gefiel ihm nicht und er nahm es gleich wieder auseinander.

»Tut mir leid, dass ich den Schild verloren habe«, sagte ich zu ihm. »Du hast dir solche Mühe gegeben, ihn zu reparieren.«

Tyson schaute auf. Sein Auge war vom Weinen gerötet. »Mach dir keine Sorgen, Bruder. Du hast mich gerettet. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn Briareos geholfen hätte.«

»Er hatte einfach Angst«, sagte ich. »Ich bin sicher, er wird sie überwinden.«

»Er ist nicht stark«, sagte Tyson. »Er ist nicht mehr wichtig.«

Er seufzte tief und traurig auf, dann schloss er sein Auge. Die Metallstücke fielen aus seiner Hand und er fing an zu schnarchen.

Ich versuchte, ebenfalls einzuschlafen, aber das gelang mir nicht. Irgendwie machte es das Entspannen schwer, von einer riesigen Drachendame mit Giftschwertern gehetzt zu werden. Ich nahm meinen Schlafsack und zerrte ihn zu der Stelle, wo Annabeth saß und Wache hielt.

Ich setzte mich neben sie.

»Du solltest schlafen«, sagte sie.

»Kann ich nicht. Geht’s dir gut?«

»Sicher. Erster Tag der Einsatzleitung. Große Klasse.«

»Wir werden es schaffen«, sagte ich. »Wir werden die Werkstatt vor Luke finden.«

Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht. Sie hatte Dreck am Kinn, und ich stellte mir vor, wie sie als kleines Kind ausgesehen haben musste, als sie mit Thalia und Luke durch das Land gezogen war. Einmal, mit nur sieben Jahren, hatte sie die beiden aus dem Haus des bösen Zyklopen gerettet. Sogar, wenn sie so verängstigt aussah wie jetzt, wusste ich, dass sie jede Menge Mut besaß.

»Ich wünschte nur, der Auftrag wäre logisch«, sagte sie ärgerlich. »Ich meine, wir laufen, haben aber keine Ahnung, wo wir herauskommen. Wie kann man an einem einzigen Tag von New York nach Kalifornien laufen?«

»Im Labyrinth ist Raum nicht dasselbe.«

»Ich weiß, ich weiß. Es ist nur …« Sie schaute mich zögernd an. »Percy, ich habe mich selbst belogen. Trotz all meinem Planen und Lesen habe ich keine Ahnung, wohin wir gehen.«

»Du machst das aber großartig. Außerdem wissen wir doch nie, was wir tun. Und es klappt immer. Denk doch nur mal an Circes Insel!«

Sie schnaubte.

»Als Meerschweinchen warst du süß.«

»Und weißt du noch, im Waterland, wie du uns aus diesem Boot katapultiert hast?«

»Ich hab uns rausgeworfen? Das war ganz allein deine Schuld!«

»Siehst du? Alles wird gut.«

Sie lächelte und ich war froh über diesen Anblick, aber das Lächeln verschwand gleich wieder.

»Percy, was hat Hera damit gemeint, als sie gesagt hat, du wüsstest den Weg durch das Labyrinth?«

»Ich weiß es nicht«, gab ich zu. »Ehrlich.«

»Du würdest es mir sagen, wenn du es wüsstest?«

»Sicher. Vielleicht …«

»Vielleicht was?«

»Vielleicht könnte es helfen, mir die letzte Zeile der Weissagung zu verraten.«

Annabeth zitterte los. »Nicht hier. Nicht im Dunkeln.«

»Und was ist mit der Entscheidung, die Janus erwähnt hat? Hera hat gesagt …«

»Hör auf«, fauchte Annabeth. Dann holte sie zitternd Atem. »Tut mir leid, Percy, ich bin einfach gestresst. Aber ich kann nicht … ich muss darüber nachdenken.«

Wir schwiegen und lauschten seltsamen Ächz-und Stöhnlauten im Labyrinth, dem Echo von Steinen, die aneinanderrieben, während die Tunnel sich veränderten, wuchsen und sich dehnten. Die Dunkelheit erinnerte mich an meine Visionen von Nico di Angelo, und plötzlich kam mir eine Erkenntnis.

»Nico ist irgendwo hier unten«, sagte ich. »Auf diese Weise ist er aus dem Camp verschwunden. Er hat das Labyrinth gefunden. Dann ist er auf einen Weg gestoßen, der noch tiefer nach unten führte – in die Unterwelt. Aber jetzt ist er wieder im Labyrinth. Er sucht mich.«

Annabeth schwieg lange. »Percy, ich hoffe, du irrst dich. Aber wenn du Recht hast …« Sie starrte den Strahl der Taschenlampe an, der einen trüben Kreis an die Mauer malte. Ich hatte das Gefühl, dass sie an ihre Weissagung dachte. Ich hatte sie noch nie so müde gesehen.

»Soll ich die erste Wache übernehmen?«, fragte ich. »Ich wecke dich, wenn etwas passiert.«

Annabeth schien widersprechen zu wollen, aber dann nickte sie nur, ließ sich auf ihren Schlafsack fallen und schloss die Augen.

Als ich mit Schlafen an der Reihe war, träumte ich, ich sei wieder bei dem alten Mann im Labyrinthgefängnis.

Jetzt sah es eher aus wie eine Werkstatt. Messinstrumente bedeckten die Tische. In der Ecke glühte eine Esse. Der Junge, den ich im letzten Traum gesehen hatte, betätigte den Blasebalg, aber er war jetzt größer, fast in meinem Alter. Ein seltsamer Trichter war am Schornstein der Schmiede befestigt, fing Rauch und Hitze ein und leitete sie durch ein Rohr in den Boden, gleich neben einem großen Gullydeckel aus Bronze.

Es war Tag. Der Himmel war blau, aber die Wände des Labyrinths warfen schwarze Schatten auf die Werkstatt. Nach der langen Zeit in den Tunneln fand ich es seltsam, dass sich ein Teil des Labyrinths unter freiem Himmel befand. Irgendwie wirkte es dadurch nur noch grausamer.

Der alte Mann sah kränklich aus. Er war entsetzlich dünn, seine Hände aufgeschürft und rot von der Arbeit. Weiße Haare fielen ihm in die Augen und sein Kittel war speckig vor Schmutz. Er beugte sich über einen Tisch und arbeitete an einer Art langem Metallgeflecht – wie ein Kettenhemd. Er nahm eine winzige Bronzeschlinge und brachte sie im Geflecht unter.

»Geschafft«, sagte er dann. »Es ist geschafft.«

Er hob sein Werk hoch. Es war so schön, dass mein Herz einen Sprung machte – Metallflügel, aus Tausenden von ineinander verschlungenen Bronzefedern. Es gab zwei Flügelpaare. Das eine lag noch immer auf dem Tisch. Dädalus klappte den Rahmen auseinander und die Flügel öffneten sich zu einer Spanne von fast sieben Metern. Ein Teil von mir wusste, dass sie niemals fliegen könnten. Sie waren zu schwer und es gab keine Möglichkeit, vom Boden abzuheben. Aber die Handwerkskunst war umwerfend. Die Metallfedern fingen das Licht ein und ließen dreißig Goldtöne aufleuchten.

Der Junge ließ den Blasebalg los und kam neugierig herübergelaufen. Er war verschmutzt und schweißnass, aber er grinste. »Vater, du bist ein Genie!«

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