Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L». Краткое содержание книги:
»Beeil dich!«, sagte Grover. »Reiß nicht das Dach ein, aber beeil dich!«
Endlich gab der Quader mit einem schrecklichen Scharren nach. Tyson schob ihn in eine Nische und wir stürzten weiter.
»Macht den Eingang dicht!«, sagte Annabeth.
Wir liefen hinter den Quader und schoben. Was immer uns jagte, heulte vor Frustration auf, als der Felsbrocken an seine alte Stelle kippte und den Gang versiegelte.
»Wir haben es in die Falle gelockt«, sagte ich.
»Oder uns selbst«, meinte Grover.
Ich drehte mich um. Wir befanden uns in einem knapp sieben Quadratmeter großen Raum aus Beton, und die gegenüberliegende Wand bestand aus Metallgittern. Wir waren zielstrebig in eine Zelle gerannt.
»Was zum Hades!« Annabeth rüttelte an den Gitterstäben. Die bewegten sich nicht. Durch die Gitter konnten wir Reihen von Zellen sehen, die einen dunklen Hof umgaben – mindestens drei Stockwerke mit Stahltüren und Metallsteigen.
»Ein Gefängnis«, sagte ich. »Vielleicht kann Tyson …«
»Pst«, sagte Grover. »Hört mal.«
Von irgendwo über uns kam ein lautes Schluchzen. Und wir hörten noch etwas anderes – eine raue Stimme, die etwas für mich Unverständliches murmelte. Die Wörter klangen seltsam, wie Steine in einer Wäscheschleuder.
»Was ist das für eine Sprache?«, flüsterte ich.
Tysons Auge weitete sich. »Kann nicht sein.«
»Was?«, fragte ich.
Er packte zwei Gitterstäbe unserer Zellentür und bog sie so weit auseinander, dass sogar ein Zyklop durchsteigen konnte.
»Warte!«, rief Grover.
Aber Tyson wollte nicht warten. Wir rannten hinter ihm her. Im Gefängnis war es dunkel, über uns flackerten nur wenige trübe fluoreszierende Lichter.
»Ich weiß, wo wir sind«, sagte Annabeth zu mir. »Das ist Alcatraz.«
»Du meinst, diese Insel vor San Francisco?«
Sie nickte. »Ich war mal mit der Schule hier. Es ist ein Museum.«
Es schien mir unmöglich, dass wir am anderen Ende des Landes aus dem Labyrinth herausgeplatzt sein sollten, aber Annabeth hatte das ganze Jahr in San Francisco verbracht, um den Mount Tamalpais auf der anderen Seite der Bucht im Auge zu behalten. Also wusste sie wohl, wovon sie redete.
»Stehen bleiben«, warnte Grover.
Aber Tyson lief weiter. Grover packte seinen Arm und riss ihn mit aller Kraft zurück. »Halt, Tyson«, flüsterte er. »Kannst du das nicht sehen?«
Ich sah in die Richtung, in die er zeigte, und mein Magen schlug einen Purzelbaum. Auf dem Außengang des zweiten Stocks, auf der anderen Seite des Hofes, stand ein so entsetzliches Monster, wie ich es noch nie gesehen hatte.
Es ähnelte einem Zentauren mit einem Frauenkörper oberhalb der Taille. Aber es hatte keinen Pferdeleib, sondern den eines Drachen – fast sieben Meter lang, schwarz und schuppig, mit riesigen Krallen und einem stachelbewehrten Schwanz. Seine Beine sahen aus wie in Weinranken gewickelt, aber dann ging mir auf, dass das Schlangen waren, Hunderte von Vipern, die um seine Beine wuselten und nach etwas Ausschau hielten, das sie beißen konnten. Die Haare der Frau bestanden ebenfalls aus Schlangen, wie die der Medusa. Das Seltsamste war jedoch ihre Taille, wo der Frauenteil auf den Drachenteil traf; dort warf die Haut Blasen und nahm die Gestalt immer anderer Tierköpfe an – eines wütenden Wolfs, eines Bären, eines Löwen, als trüge die Frau einen Gürtel aus immer wechselnden Wesen. Ich hatte das Gefühl, etwas nur halb Geformtes anzusehen – ein so altes Monster, dass es vom Beginn der Zeit stammte, als die Formen noch nicht endgültig festgelegt waren.
»Das ist sie«, jammerte Tyson.
»Runter!«, sagte Grover.
Wir kauerten uns in den Schatten, aber das Monster achtete überhaupt nicht auf uns. Es schien mit jemandem in einer Zelle im zweiten Stock zu reden. Von dort kam auch das Schluchzen. Die Drachenfrau sagte etwas in ihrer seltsamen dröhnenden Sprache.
»Was sagt sie?«, murmelte ich. »Was ist das für eine Sprache?«
»Die Zunge der alten Zeiten.« Tyson zitterte. »In der Mutter Erde mit den Titanen und … ihren anderen Kindern gesprochen hat. Ehe es die Götter gab.«
»Das verstehst du?«, fragte ich. »Kannst du übersetzen?«
Tyson schloss die Augen und fing an, mit einer grauenhaften rauen Frauenstimme zu sprechen. »Du wirst für den Meister arbeiten oder leiden.«
Annabeth schauderte. »Ich finde es schrecklich, wenn er das macht.«
Wie alle Zyklopen hatte Tyson ein übermenschliches Gehör und eine unheimliche Fähigkeit, Stimmen nachzuahmen. Er schien fast in eine Trance zu fallen, wenn er mit anderen Stimmen sprach.
»Ich werde dir nicht dienen«, sagte Tyson mit tiefer, weher Stimme.
Danach schaltete er wieder auf die Stimme des Monsters um: »Dann werde ich deine Schmerzen genießen, Briareos.« Tysons Stimme versagte, als er diesen Namen sagte. Ich hatte noch nie erlebt, dass er aus der Rolle gefallen wäre, wenn er jemanden nachahmte, aber nun ließ er ein ersticktes Keuchen hören. Danach sprach er mit der Stimme des Monsters weiter: »Du magst ja deine erste Gefangenschaft schon unerträglich gefunden haben, aber wahres Leid steht dir noch bevor. Denk darüber nach, bis ich wiederkomme.«
Die Drachendame stampfte auf die Treppe nach unten zu, Vipern raschelten um ihre Beine wie ein Bastrock. Sie breitete ihre Flügel aus, die ich noch nicht gesehen hatte – riesige Fledermausflügel, die auf ihrem Drachenrücken gefaltet gewesen waren. Dann sprang sie vom Gang und schwebte über den Hof. Wir duckten uns noch tiefer in den Schatten. Ein heißer schwefliger Wind versengte mein Gesicht, als das Monster über uns hinwegflog. Dann verschwand es um die Ecke.
»F-f-furchtbar«, sagte Grover. »Ich habe noch nie so ein starkes Ungeheuer gerochen.«
»Der schlimmste Albtraum der Zyklopen«, murmelte Tyson. »Kampe.«
»Wer?«, fragte ich.
Tyson schluckte. »Jeder Zyklop hat von ihr gehört. Allen Zyklopenkindern wird mit Geschichten über sie Angst gemacht. In den schlimmen Jahren war sie Kerkermeisterin.«
Annabeth nickte. »Jetzt weiß ich es wieder. Als die Titanen noch herrschten, hatten sie die früheren Kinder von Gaia und Uranos eingekerkert – die Zyklopen und die Hekatoncheiren.«
»Die Heka-was?«, fragte ich.
»Die Hunderthändigen«, sagte Annabeth. »So wurden sie genannt, weil … na ja, sie hatten eben hundert Hände. Sie sind die älteren Brüder der Zyklopen.«
»Sehr mächtig«, sagte Tyson. »Wundervoll. So hoch wie der Himmel. So stark, dass sie Berge zermalmen konnten.«
»Super«, sagte ich. »Solange man kein Berg ist.«
»Kampe war die Kerkermeisterin«, sagte er. »Sie arbeitete für Kronos. Sie sperrte unsere Brüder in den Tartarus und quälte sie, bis Zeus kam. Er tötete Kampe und befreite die Zyklopen und Hunderthändigen, weil er ihre Hilfe im großen Krieg gegen die Titanen brauchte.«
»Und jetzt ist Kampe wieder da«, sagte ich.
»Schlimm«, fasste Tyson die Lage zusammen.
»Und wer sitzt in dieser Zelle?«, fragte ich. »Du hast irgendeinen Namen genannt.«
»Briareos!« Tysons Miene hellte sich auf. »Das ist ein Hunderthändiger. Sie sind so hoch wie der Himmel und …«
»Ja«, sagte ich. »Sie zermalmen Berge.«
Ich schaute zu den Zellen über uns hoch und fragte mich, wie etwas, das so hoch wie der Himmel war, in eine so kleine Zelle passen konnte und warum es weinte.
»Ich finde, wir sollten das herausfinden«, sagte Annabeth, »und zwar bevor Kampe zurückkommt.«
Als wir uns der Zelle näherten, wurde das Weinen lauter. Als ich das Wesen darin sah, wusste ich zuerst nicht, was ich da vor mir hatte. Es war so groß wie ein Mensch und seine Haut war sehr blass, wie Milch. Es trug einen Lendenschurz, wie eine große Windel. Seine Füße wirkten zu groß für seinen Körper, und es hatte gesplitterte schmutzige Zehennägel und acht Zehen an jedem Fuß. Aus seiner Brust wuchsen mehr Arme heraus, als ich zählen konnte, in Reihen, um seinen ganzen Leib herum. Die Arme wirkten wie normale Arme, aber es gab so viele, die alle miteinander verknotet waren, dass seine Brust aussah wie eine Gabel voll Spaghetti, die irgendwer aufgewickelt hatte. Mehrere seiner Hände waren vor sein Gesicht geschlagen, während er schluchzte.