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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L

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Percy Jackson 04 - Die Schlacht Um Das L
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»Entweder ist der Himmel nicht mehr so hoch wie früher«, murmelte ich, »oder der hier ist klein ausgefallen.«

Tyson achtete nicht auf mich. Er fiel auf die Knie.

»Briareos«, rief er.

Das Schluchzen verstummte.

»Großer Hunderthändiger«, sagte Tyson. »Hilf uns.«

Briareos schaute auf. Sein Gesicht war lang und traurig, und er hatte eine krumme Nase und schlechte Zähne. Seine Augen waren tiefbraun – und ich meine vollständig braun, ohne Weiß oder schwarze Pupillen, es waren Augen wie aus Lehm geformt.

»Lauf weg, solange es noch geht, Zyklop«, sagte Briareos traurig. »Ich kann nicht einmal mir selber helfen.«

»Du bist ein Hunderthändiger«, beharrte Tyson. »Du kannst alles.«

Briareos wischte sich mit fünf oder sechs Händen die Nase ab. Mehrere andere machten sich an kleinen Metall-und Holzstücken zu schaffen, die von einem zerbrochenen Bett stammten, so, wie auch Tyson immer mit irgendwelchen Sachen spielte. Es war ein faszinierender Anblick. Die Hände schienen ein Eigenleben zu haben. Sie bauten aus Holz ein kleines Boot und nahmen es dann genauso schnell wieder auseinander. Andere Hände kratzten ohne ersichtlichen Grund am Betonboden herum. Wieder andere spielten Schere, Stein, Papier oder warfen Enten-und Hundeschatten gegen die Wand.

»Das kann ich nicht«, stöhnte Briareos. »Kampe ist wieder da. Die Titanen werden sich erheben und uns abermals in den Tartarus werfen.«

»Mach dein tapferes Gesicht!«, sagte Tyson.

Sofort verwandelte Briareos’ Gesicht sich in etwas anderes – mit denselben braunen Augen, ansonsten aber gänzlich anderen Zügen. Er hatte eine Himmelfahrtsnase, geschwungene Augenbrauen und ein seltsames Lächeln, als ob er den Mutigen spielte. Aber dann sah sein Gesicht plötzlich wieder so aus wie zuvor.

»Hilft nichts«, sagte er. »Mein Angstgesicht kommt immer wieder.«

»Wie hast du das gemacht?«, fragte ich.

Annabeth versetzte mir einen Rippenstoß. »Sei nicht unhöflich. Die Hunderthändigen besitzen fünfzig verschiedene Gesichter.«

»Da ist es bestimmt schwer, ein Klassenfoto zu machen«, sagte ich.

Tyson war noch immer hin und weg. »Alles wird gut, Briareos. Wir helfen dir. Gibst du mir ein Autogramm?«

Briareos schniefte. »Hast du hundert Kugelschreiber?«

»Leute«, schaltete Grover sich ein. »Wir müssen weg von hier. Kampe kommt zurück. Früher oder später wird sie uns wittern.«

»Zerbrich das Gitter«, sagte Annabeth.

»Ja!«, sagte Tyson mit stolzem Lächeln. »Das kann Briareos machen. Er ist sehr stark. Sogar stärker als ein Zyklop. Ihr werdet es gleich sehen!«

Briareos wimmerte. Ein Dutzend Hände spielten Backe, backe, Kuchen, aber keine unternahm einen Versuch, das Gitter zu zerbrechen.

»Wenn er so stark ist«, sagte ich, »warum sitzt er dann im Gefängnis?«

Wieder versetzte Annabeth mir einen Rippenstoß. »Er ist außer sich vor Angst«, flüsterte sie. »Kampe hatte ihn für Jahrtausende im Tartarus eingesperrt. Wie wäre dir da zu Mute?«

Der Hunderthändige schlug wieder die Hände vors Gesicht.

»Briareos?«, fragte Tyson. »Was … was ist los? Zeig uns deine Kraft.«

»Tyson«, sagte Annabeth. »Ich glaube, du solltest das Gitter zerbrechen.«

Tysons Lächeln verschwand langsam.

»Ich werde das Gitter zerbrechen«, sagte er. Er packte die Zellentür und riss sie aus den Angeln, als ob sie aus feuchtem Lehm wäre.

»Na los, Briareos«, sagte Annabeth. »Nichts wie weg.«

Sie streckte die Hand aus. Für eine Sekunde nahm Briareos’ Gesicht einen hoffnungsvollen Ausdruck an. Er streckte mehrere Arme aus, aber doppelt so viele schlugen sie herunter.

»Ich kann nicht«, sagte er. »Sie würde mich bestrafen.«

»Alles wird gut«, versprach Annabeth. »Du hast schon mal gegen die Titanen gekämpft und gewonnen, weißt du noch?«

»Ich erinnere mich an diesen Krieg.« Wieder verwandelte sich sein Gesicht – Stirnrunzeln und Schmollmund. Sein düsteres Gesicht, nahm ich an. »Blitze erschütterten die Welt. Wir warfen viele Felsen. Die Titanen und die Monster hätten fast gewonnen. Jetzt werden sie wieder stark. Das hat Kampe gesagt.«

»Hör nicht auf sie«, sagte ich. »Komm schon.«

Er bewegte sich nicht. Ich wusste, dass Grover Recht hatte; uns blieb nicht viel Zeit bis zu Kampes Rückkehr. Aber ich konnte ihn nicht einfach hier sitzenlassen. Tyson würde wochenlang weinen.

»Eine Runde Schere, Stein, Papier«, platzte es aus mir heraus. »Wenn ich gewinne, dann kommst du mit. Wenn ich verliere, lassen wir dich in der Zelle.«

Annabeth sah mich an, als ob ich den Verstand verloren hätte.

Briareos’ Gesicht wechselte zu zögernd. »Ich gewinne immer bei Schere, Stein, Papier!«

»Dann los!« Ich schlug dreimal mit der Faust in meine Handfläche.

Briareos tat mit allen hundert Händen dasselbe, und das hörte sich an wie eine Armee, die drei Schritte vorrückte. Er lieferte eine Lawine von Steinen, eine Klassenausrüstung an Scheren und genug Papier für eine ganze Flugzeugflotte.

»Ich hab es dir doch gesagt«, sagte er traurig. »Immer …« Sein Gesicht wechselte zu verwirrt. »Was hast du da gemacht?«

»Eine Pistole«, sagte ich und zeigte ihm meine Fingerpistole. Diesen Trick hatte Paul Blofis mir gezeigt, aber das würde ich Briareos nicht verraten. »Eine Pistole schlägt alles.«

»Das ist nicht fair.«

»Ich habe auch nichts von fair gesagt. Kampe wird auch nicht fair sein, wenn wir noch lange hier herumhängen. Sie wird glauben, du hättest das Gitter ruiniert. Also los.«

Briareos schniefte. »Halbgötter sind Betrüger.« Aber langsam erhob er sich und folgte uns aus der Zelle.

Ich schöpfte Hoffnung. Jetzt brauchten wir nur noch nach unten zu gehen und den Eingang zum Labyrinth zu finden. Aber da erstarrte Tyson.

Vom Boden, direkt unter uns, knurrte Kampe uns an.

»Andere Richtung«, sagte ich.

Wir rannten über den Außengang. Diesmal kam Briareos nur zu gern mit uns. Er sprintete sogar vor uns her, und seine hundert Arme fuchtelten voller Panik.

Hinter uns hörte ich das Rauschen von riesigen Flügeln, als Kampe abhob. Sie zischte und knurrte in ihrer uralten Sprache, aber ich brauchte keine Übersetzung, um zu verstehen, dass sie vorhatte, uns umzubringen.

Wir taumelten die Treppen hinunter, durch einen Gang und vorbei an einem Wachhäuschen – und erreichten einen weiteren Gefängnisblock.

»Links«, sagte Annabeth. »Das weiß ich noch vom Schulausflug.«

Wir stürzten hinaus und fanden uns auf dem Gefängnishof wieder, umgeben von Wachttürmen und Stacheldraht. Nach der langen Zeit im Labyrinth wurde ich vom Tageslicht fast geblendet. Überall wimmelte es nur so von Touristen, die Fotos machten. Kalter Wind wehte von der Bucht herüber. Im Süden leuchtete San Francisco weiß und schön, aber im Norden, über dem Mount Tamalpais, wirbelten riesige Sturmwolken. Der Himmel kam mir vor wie ein schwarzer Kreisel, der über dem Berg tanzte, auf dem Atlas eingesperrt war und wo sich nun abermals der Titanenpalast Othrys erhob. Es fiel mir schwer zu glauben, dass die Touristen den heraufziehenden übernatürlichen Sturm nicht sehen konnten, aber ihnen war nichts anzumerken.

»Es ist noch schlimmer geworden«, sagte Annabeth und starrte gen Norden. »Die Stürme waren das ganze Jahr schon übel, aber das hier …«

»Weiter«, jammerte Briareos. »Sie ist hinter uns.«

Wir rannten auf die andere Seite des Hofes, so weit vom Zellenblock entfernt wie überhaupt nur möglich.

»Kampe ist zu groß, um durch die Türen zu passen«, sagte ich hoffnungsvoll.

Und dann explodierte die Mauer.

Die Touristen schrien, als Kampe aus Staub und Schutt auftauchte und ihre Flügel über dem ganzen Hof ausspannte. Sie hatte zwei Schwerter in den Händen – bronzene Krummsäbel, die von einer seltsamen grünlichen Aura umgeben waren; glühenden Dampfschwaden, die bis zur anderen Hofseite stanken.

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