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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Oh, aye?« Sie warf ihm einen argwöhnischen Blick zu. »Worüber denn?«

Er lächelte sie an; er sah, dass sie nach wie vor dünn war, doch ihre Arme waren braun, und ihr schmales Gesicht hatte eine gesunde Farbe – sie war sauber und hatte das blasse, kränkliche Aussehen verloren, das sie an Bord der Gloriana gehabt hatte.

»Ich wollte Euch fragen, ob es Euch gut geht«, sagte er leise. »Und Eurem Kind – Jemmy?« Es versetzte ihm einen seltsamen Schauder, diesen Namen laut auszusprechen, und für den Bruchteil einer Sekunde sah er das Bild Briannas in der Tür vor sich, ihren Sohn im Arm; es überlagerte seine Erinnerung an Morag, die im Zwielicht des Frachtraums ihr Baby im Arm hielt, bereit zu töten oder zu sterben, um es zu behalten.

»Oh«, sagte sie, und ihr Argwohn ließ ein wenig nach und wich dem widerstrebenden Eingeständnis, dass er das Recht hatte, diese Frage zu stellen. »Es geht uns gut … beiden. Und meinem Mann auch«, fügte sie viel sagend hinzu.

»Es freut mich, das zu hören«, versicherte er ihr. »Es freut mich sehr.« Er suchte befangen nach Worten. »Ich – habe dann und wann an Euch gedacht … mich gefragt, ob – ob alles in Ordnung ist. Als ich Euch jetzt gesehen habe … nun, ich dachte, ich erkundige mich, das ist alles.«

»Oh, aye. Aye, ich verstehe. Nun, ich danke Euch wirklich, Mr. MacKenzie.« Bei diesen Worten blickte sie zu ihm auf und sah ihn mit ihren ernsten, braunen Augen direkt an. »Ich weiß, was Ihr für uns getan habt. Ich werde es nicht vergessen; ich schließe Euch jeden Abend in meine Gebete ein.«

»Oh.« Roger fühlte sich, als hätte ihn ein weiches Gewicht vor die Brust getroffen. »Äh … danke.« Er hatte sich dann und wann gefragt, ob sie wohl je an ihn dachte. Erinnerte sie sich an den Kuss, den er ihr gegeben hatte, als er in dem Funken ihrer Wärme nach einem Schild gegen die Einsamkeit suchte? Er räusperte sich, und bei der Erinnerung daran wurde er rot.

»Ihr – lebt in der Nähe?«

Sie schüttelte den Kopf, und irgendein Gedanke, eine Erinnerung verhärtete ihren Mund.

»Wir haben hier gelebt, aber jetzt – nun, das spielt keine Rolle.« Plötzlich sehr sachlich, wandte sie sich ab und begann, ihre nassen Kleider von dem Busch einzusammeln. Sie schüttelte jedes Stück aus, bevor sie es zusammenfaltete. »Ich danke Euch für Euer Interesse, Mr. MacKenzie.«

Damit war er eindeutig entlassen. Er wischte sich die Hände an seiner Hose ab und trat von einem Fuß auf den anderen, denn er wollte nicht gehen. Er musste es ihr sagen – doch jetzt, da er sie wiedergefunden hatte, widerstrebte es ihm seltsam, sie einfach nur zu warnen und zu gehen; er war voller Neugier – voll Neugier und einem seltsamen Gefühl der Verbundenheit.

Vielleicht war es ja auch gar nicht so seltsam; diese kleine, braunhaarige Frau war seine Verwandte, gehörte zu seiner Familie – die einzige Blutsverwandte, der er nach dem Tod seiner Eltern je begegnet war. Zugleich jedoch war ihm klar, dass es ausgesprochen seltsam war, doch da streckte sich seine Hand schon aus und legte sich um ihren Arm. Sie war schließlich seine Ur-Urgroßmutter.

Sie erstarrte und versuchte, sich ihm zu entwinden, doch er hielt sie am Unterarm fest. Ihre Haut war kalt vom Wasser, doch unter seinen Fingern spürte er ihren Puls.

»Wartet«, sagte er. »Bitte. Nur einen Moment. Ich – ich muss Euch … etwas sagen.«

»Nein, das müsst Ihr nicht. Es wäre mir lieber, wenn Ihr es nicht tut.« Sie zog fester, und ihre Hand glitt durch die seine und war frei.

»Euer Mann? Wo ist er?« Etwas spät begann sein Hirn zu arbeiten. Wenn sie nicht in der Nähe wohnte, dann war sie das, was er zuerst gedacht hatte, als er die Frauen sah – sie gehörte zum Tross. Sie war keine Hure, darauf hätte er sein Leben verwettet; also war sie ihrem Mann gefolgt, was bedeutete …

»Er ist ganz in der Nähe!« Sie trat einen Schritt zurück und beäugte den Abstand zwischen ihr und ihrer restlichen Wäsche. Roger stand zwischen ihr und dem Busch; sie musste dicht an ihm vorbei, um ihre Unterröcke und Strümpfe an sich zu bringen.

Da er plötzlich begriff, dass sie sich wohl vor ihm fürchtete, drehte er sich hastig um und ergriff wahllos ein paar von ihren Sachen.

»Es tut mir leid. Eure Wäsche … hier.« Er hielt ihr die Teile entgegen, und sie griff automatisch danach. Etwas fiel zu Boden – ein Babykittelchen –, und sie bückten sich beide, um danach zu greifen, und stießen sich krachend die Köpfe.

»Oh! Oh! Himmel Herrgott!« Morag hielt sich mit der einen Hand den Kopf, mit der anderen drückte sie die nassen Kleidungsstücke an ihre Brust.

»Himmel, habt Ihr Euch verletzt? Morag – Mrs. MacKenzie – seid Ihr verletzt? Es tut mir so leid!« Roger berührte ihre Schulter und blinzelte sie an, wobei seine Augen vor Schmerzen tränten. Er bückte sich, um das winzige Kleidungsstück aufzuheben, das zwischen sie gefallen war, und versuchte vergeblich, die Schmutzstreifen von dem nassen Stoff abzuwischen. Sie blinzelte ihn mit ähnlich tränenden Augen an und lachte über sein bestürztes Gesicht.

Der Zusammenstoß hatte irgendwie die Spannung zwischen ihnen gelöst; sie trat zurück, schien sich jetzt aber nicht mehr bedroht zu fühlen.

»Nein, es ist nichts passiert.« Sie zog die Nase hoch und wischte sich über die Augen, dann berührte sie vorsichtig die Stelle an ihrer Stirn. »Mama hat immer gesagt, ich hätte einen Dickschädel. Habt Ihr Euch denn weh getan?«

»Nein, es geht.« Roger fasste sich ebenfalls an die Stirn, und in ihm regte sich das prickelnde Bewusstsein, dass der runde Stirnknochen in dem Gesicht vor seinen Augen ein Spiegelbild des seinen war. Ihrer war zwar kleiner und leichter – aber er sah genauso aus.

»Ich habe auch einen Dickschädel.« Er grinste sie an und empfand eine geradezu lächerliche Freude. »Das liegt bei uns in der Familie.«

Er reichte ihr vorsichtig das schlammbefleckte Hemd.

»Es tut mir wirklich leid«, sagte er erneut entschuldigend – und zwar nicht nur wegen der ruinierten Wäsche. »Euer Mann. Ich habe nach ihm gefragt, weil – gehört er etwa zu den Regulatoren?«

Sie sah ihn neugierig an und zog eine Augenbraue hoch.

»Natürlich. Gehört Ihr denn etwa nicht dazu?«

Natürlich. Was denn sonst, hier auf dieser Seite des Alamance? Jenseits des Flusses waren Tryons Truppen in perfekter Militärordnung auf dem Feld aufmarschiert; hier drüben schwärmten die Regulatoren wie die Bienen durcheinander, ohne Anführer oder Ziel, eine wütende Masse kurz vor dem Gewaltausbruch.

»Nein«, sagte er. »Ich bin mit der Miliz hier.« Er wies mit einer Geste auf einen dunklen Fleck weit jenseits des Flusses, wo der Rauch von Tryons Lagerfeuern hing. Argwohn regte sich erneut in ihrem Blick, jedoch keine Angst; er war nur ein Mann, allein.

»Das ist es, was ich Euch sagen wollte«, sagte er. »Ich wollte Euch und Euren Mann warnen. Diesmal meint der Gouverneur es ernst; er hat organisierte Truppen und Kanonen dabei. Haufenweise Truppen, alle bewaffnet.« Er beugte sich zu ihr hinüber und hielt ihr die restlichen, nassen Strümpfe hin. Sie streckte eine Hand aus, um sie ihm abzunehmen, doch ihr Blick haftete wartend auf ihm.

»Er ist fest entschlossen, diese Rebellion mit allen Mitteln niederzuschlagen. Er hat den Befehl zum Töten gegeben, falls es Widerstand gibt. Versteht Ihr mich? Ihr müsst es Eurem Mann sagen, ihn zum Gehen bewegen, bevor – bevor etwas geschieht.«

Sie erbleichte, und ihre Hand fuhr automatisch an ihren Bauch. Die Feuchtigkeit der nassen Kleider war durch ihr Musselinkleid gedrungen, und er sah die kleine Rundung, die dort verborgen gewesen war, fest und glatt wie eine Melone unter dem nassen Stoff. Er spürte, wie ihre Angst auch ihn wie ein Blitz durchfuhr, so als hätten die nassen Strümpfe in ihrer Hand elektrischen Strom geleitet.

»Wir haben hier gelebt, aber jetzt…«, hatte sie gesagt, als er danach gefragt hatte. Möglich, dass sie gemeint hatte, dass sie umgezogen waren, doch … in ihrer Wäsche befanden sich Babykleider; ihr Sohn war mit ihr hier. Ihr Mann hielt sich irgendwo in dieser brodelnden Menschenmasse auf.

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