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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ein allein stehender Mann mochte im Suff oder aus Langeweile zu seinem Gewehr greifen und sich einem Pöbel anschließen; ein verheirateter Mann mit einem Kind würde das niemals tun. Ein solcher Schritt zeugte von ernsthafter Unzufriedenheit oder ernsthaften Schwierigkeiten. Und die Tatsache, dass er Frau und Kind mit in den Krieg genommen hatte, legte nahe, dass er keinen sicheren Ort hatte, an dem er sie lassen konnte.

Roger hielt es für wahrscheinlich, dass Morag und ihr Mann gegenwärtig gar keinen Wohnsitz hatten, und er konnte ihre Angst gut verstehen. Falls ihr Mann verstümmelt wurde oder umkam, wie sollte sie dann für Jemmy sorgen und für das neue Baby, das unter ihrem Rock heranwuchs? Sie hatte hier niemanden, keine Familie, an die sie sich wenden konnte.

Nur, dass sie doch jemanden hatte und es nur nicht wusste. Er packte sie fest an der Hand und zog sie an sich, überwältigt von dem Bedürfnis, sie und ihre Kinder irgendwie zu beschützen. Er hatte sie schon einmal gerettet; er konnte es wieder tun.

»Morag«, sagte er. »Hört mir zu. Falls irgendetwas geschieht – ganz gleich, was –, kommt zu mir. Wenn Ihr irgendetwas braucht, werde ich mich um Euch kümmern.«

Sie versuchte nicht, sich ihm zu entziehen. Stattdessen sahen ihm ihre braunen, ernsten Augen suchend ins Gesicht, und ihre geschwungene Stirn war leicht gerunzelt. Er hatte das unwiderstehliche Bedürfnis, sie zu berühren, ein körperliches Band zwischen ihnen zu knüpfen – diesmal um ihret- genauso wie um seinetwillen. Er beugte sich vor und küsste sie ganz sanft.

Dann öffnete er die Augen und hob den Kopf – und sah sich über ihre Schulter hinweg dem ungläubigen Gesicht seines Ur-Urgroßvaters gegenüber.

»Hände weg von meiner Frau.« William Buccleigh MacKenzie trat laut raschelnd mit unheilvoller Miene aus dem Gebüsch. Er war ein hochgewachsener Mann, fast so groß wie Roger, und hatte kräftige Schultern. Auf weitere Details seiner Person schien es angesichts der Tatsache, dass er zudem noch ein Messer hatte, jetzt nicht anzukommen. Es steckte zwar noch in der Scheide an seinem Gürtel, doch seine Hand ruhte bedeutungsvoll auf seinem Heft.

Roger unterdrückte seinen ersten Impuls, nämlich zu sagen: »Es ist nicht, was Ihr denkt.« Natürlich war es das nicht, aber er hatte auch keine andere, plausible Erklärung.

»Ich hatte nichts Anrüchiges im Sinn«, sagte er stattdessen und richtete sich vorsichtig auf. Er hatte das Gefühl, dass es unklug sein würde, irgendwelche schnellen Bewegungen zu machen. »Ich bitte um Verzeihung.«

»Ach nein? Was zum Teufel hattet Ihr denn dann vor?« MacKenzie legte seiner Frau besitzergreifend die Hand auf die Schulter und blickte Roger finster an. Sie zuckte zusammen; die Finger ihres Mannes gruben sich in ihre Haut. Roger hätte die Hand gern beiseite geschlagen, doch das hätte ihn wahrscheinlich nur in noch größere Schwierigkeiten gebracht.

»Ich bin Eurer Frau – und Euch –«, fügte er hinzu, »vor ein oder zwei Jahren an Bord der Gloriana begegnet. Als ich sie hier erkannte, wollte ich mich nach dem Wohlergehen Eurer Familie erkundigen. Das ist alles.«

»Er hat es nicht böse gemeint, William.« Morag berührte die Hand ihres Mannes, und er lockerte seinen schmerzhaften Griff. »Was er sagt, stimmt. Erkennst du ihn denn nicht? Er war es, der Jemmy und mich in unserem Versteck im Frachtraum gefunden hat – er hat uns Essen und Wasser gebracht.«

»Ihr habt mich selbst darum gebeten, für sie zu sorgen«, sagte Roger betont. »Während des Kampfes in der Nacht, als die Matrosen die Kranken ins Meer geworfen haben.«

»Oh, aye?« MacKenzies Gesichtszüge entspannten sich ein wenig. »Ihr wart das also? Ich habe im Dunkeln Euer Gesicht nicht gesehen.«

»Ich das Eure auch nicht.« Jetzt dagegen konnte er es deutlich sehen, und trotz der peinlichen Umstände konnte er es sich nicht verkneifen, es interessiert zu betrachten.

Dies war also der – nicht anerkannte – Sohn Dougal MacKenzies, des ehemaligen Kriegshäuptlings der MacKenzies von Leoch. Dem Aussehen nach ja. Sein Gesicht war eine gröbere, kantigere, hellere Version des Familiengesichtes, doch bei sorgsamem Hinsehen war es Roger ein Leichtes, die breiten Wangenknochen und die hohe Stirn auszumachen, die Jamie Fraser vom Clan seiner Mutter geerbt hatte. Das, und die familientypische Körpergröße; MacKenzie war über einsachtzig groß und konnte Roger fast auf gleicher Höhe ins Auge blicken.

Der Mann wandte sich ein Stück ab, weil er ein Geräusch im Unterholz hörte, und die Sonne erleuchtete seine Augen mit einem hellen, moosgrünen Blitz. Roger hatte unvermittelt das Bedürfnis, seine eigenen Augen zu schließen, damit MacKenzie ihn nicht genauso schlagartig erkannte.

Doch MacKenzie hatte andere Sorgen. Zwei Männer, schmutzig vom langen Kampieren, kamen mit argwöhnischen Mienen aus dem Gebüsch. Einer hatte eine Muskete in der Hand; der andere trug als einzige Waffe einen großen Knüppel aus einem abgebrochenen Ast.

»Wer ist das denn, Buck?«, fragte der Mann mit dem Schießeisen und betrachtete Roger misstrauisch.

»Genau das will ich auch gerade herausfinden.« Seine Härte, die vorübergehend nachgelassen hatte, war wieder da, und MacKenzies Gesicht trug einen Ausdruck grimmiger Entschlossenheit. Er drehte seine Frau von sich weg und versetzte ihr einen kleinen Schubs. »Geh wieder zu den anderen Frauen, Morag. Ich kümmere mich um diesen Kerl.«

»Aber William –« Morag ließ den Blick bestürzt von Roger zu ihrem Mann wandern. »Er hat doch nichts getan –«

»Oh, du glaubst also, es ist nichts, wenn sich ein Mann in aller Öffentlichkeit an dich heranmacht wie ein gemeiner Verführer?« William sah sie finster an, und sie wurde plötzlich feuerrot, wohl, weil sie sich an den Kuss erinnerte, doch sie ließ nicht locker.

»Ich – nein, ich meine – das heißt – er ist gut zu uns gewesen, wir sollten nicht –«

»Fort mit dir, habe ich gesagt!«

Sie öffnete den Mund, als wollte sie protestieren und zuckte dann zusammen, als William mit geballter Faust eine überraschende Bewegung in ihre Richtung machte. Ohne auch nur eine Sekunde lang darüber nachzudenken, holte Roger aus der Hüfte aus, und seine Faust traf MacKenzies Kinn mit einem Knacken, das seinen Arm bis zum Ellbogen erschütterte.

William verlor das Gleichgewicht und fiel stolpernd auf das Knie, während er den Kopf schüttelte wie ein niedergeknüppelter Ochse. Morags erschrockenes Aufkeuchen wurde von den erschrockenen Ausrufen der anderen Männer übertönt. Bevor er sich zu ihnen umdrehen konnte, hörte Roger hinter sich ein Geräusch – eigentlich war es leise, doch laut genug, um ihm das Blut gefrieren zu lassen; das leise, kalte Klicken eines Hammers, der gespannt wurde.

Es ertönte ein kurzes Pst!, als sich das Pulver entzündete, dann ein Phfuum!, und die Muskete ging mit einem lauten Knall und einer schwarzen Qualmwolke los. Alle fuhren bei dem Geräusch zusammen und stolperten herum, und Roger fand sich unvermittelt in einen konfusen Ringkampf mit einem der anderen Männer verwickelt; sie husteten beide und waren halb taub. Als er seinen Angreifer wegschubste, fiel sein Blick auf Morag, die im Laub kniete und ihrem Mann mit einem feuchten Wäschestück das Gesicht betupfte. William schob sie grob beiseite, rappelte sich hoch und hielt auf Roger zu. Seine Augen quollen vor, und sein Gesicht war vor Wut rot gefleckt.

Roger machte auf dem Absatz kehrt, rutschte im Laub aus, schüttelte den Griff des Mannes mit der Muskete ab und rannte auf den Schutz der Büsche zu. Dann umfing ihn das Dickicht, und ringsum zersplitterten Zweige und kleine Äste, die ihm Gesicht und Arme zerkratzten, während er sich seinen Weg bahnte. Er hörte, wie es direkt hinter ihm krachte und jemand keuchend atmete, und eine Hand legte sich mit eisernem Griff um seine Schulter.

Er ergriff die Hand und ruckte so fest daran, dass er Gelenke und Knochen knacken hörte. Der Besitzer der Hand fuhr mit einem Aufschrei zurück, und Roger stürzte sich kopfüber in eine Lücke zwischen den Büschen.

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