Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Mann, dem er folgte, hörte ihn kommen, sah sich um, und rannte mit einem Schreckensschrei ungebremst vor einen Baum. Jamie stürzte sich auf seine Beute, landete auf dem Rücken des Mannes und spürte das federnde Knacken der Rippen unter seinem Knie. Er packte eine Hand voll Haar, schlüpfrig und heiß von fettigem Schweiß, und riss den Kopf des Mannes zurück. Nur um Haaresbreite hielt er sich selbst davon ab, die nackte Kehle durchzuschneiden, die jetzt gedehnt und ungeschützt vor ihm lag. Er konnte schon den Schock spüren, mit dem die Klinge die Haut durchdrang, die Hitze des hervorschießenden Blutes, und er gierte danach.
Keuchend schnappte er nach Luft. Ganz langsam zog er die Klinge vom hüpfenden Puls des Mannes fort. Er zitterte vor Begierde, so als hätte man ihn an der Schwelle des Samenergusses von seiner Frau fortgezerrt.
»Ihr seid mein Gefangener«, sagte er.
Der Mann starrte verständnislos zu ihm auf. Der Mann weinte; die Tränen malten Spuren in sein schmutziges Gesicht, und er versuchte zu sprechen, schluchzend, jedoch unfähig, genügend Luft zu holen, um mit zurückgezerrtem Kopf Worte zu bilden. Jamie begriff vage, dass er Gälisch gesprochen hatte; der Mann verstand ihn nicht.
Langsam löste er seinen Griff und zwang sich, den Kopf des Mannes loszulassen. Er suchte nach den englischen Worten, die irgendwo unter dem Blutdurst vergraben waren, der durch sein Hirn pulste.
»Ihr seid … mein … Gefangener«, brachte er schließlich heraus und rang zwischen den einzelnen Worten keuchend nach Luft.
»Ja! Ja! Alles, nur bringt mich nicht um, bitte bringt mich nicht um!« Der Mann kauerte schluchzend unter ihm, die Hände um den Nacken geklammert und die Schultern hochgezogen, als fürchte er, dass Jamie seinen Nacken mit den Zähnen packen und ihm das Genick brechen könnte.
Bei diesem Gedanken verspürte er ein schwaches Verlangen, genau das zu tun, doch das Dröhnen seines Blutes erstarb jetzt allmählich. Er konnte wieder hören, und der Herzschlag in seinen Ohren wurde leiser. Der Wind sang nicht länger für ihn, sondern bahnte sich achtlos und für sich seinen Weg durch das Laub. In der Ferne knallten Gewehrschüsse, doch der Geschützdonner war verstummt.
Schweiß tropfte ihm von Kinn und Augenbrauen, und sein Hemd war damit durchtränkt und stank.
Er glitt langsam von seinem Gefangenen herunter und kniete sich neben den hingestreckten Körper. Seine Oberschenkel zitterten und brannten von der anstrengenden Jagd. Er empfand eine plötzliche, unbeschreibliche Zärtlichkeit für den Mann und streckte die Hand aus, um ihn zu berühren, doch genauso plötzlich folgte Entsetzen auf dieses Gefühl, und genauso plötzlich war es wieder fort. Er schloss die Augen und schluckte. Ihm war übel, und die Stelle, wo er sich auf die Zunge gebissen hatte, pulsierte.
Die Energie, die die Erde ihm verliehen hatte, floss jetzt wieder aus seinem Körper, strömte aus seinen Beinen und ging wieder in den Boden über. Er streckte die Hand aus und klopfte dem Mann befangen auf die Schulter, dann kämpfte er sich hoch, seiner eigenen, bleiernen Erschöpfung zum Trotz.
»Steht auf«, sagte er. Seine Hände zitterten; er brauchte drei Anläufe, um seinen Dolch in die Scheide zu stecken.
»Ciamar a tha thu, Mac Dubh?« Ronnie Sinclair war an seiner Seite und erkundigte sich, ob alles in Ordnung war. Er nickte und trat zurück, als Sinclair den Mann auf die Beine zog und ihn aufforderte, seinen Rock zu wenden. Auch die anderen kamen einzeln oder zu zweit herbei; Geordie, die Lindsays, Gallegher sammelten sich nach und nach um ihn wie Eisenspäne um einen Magnetstahl.
Auch die anderen hatten Gefangene gemacht; es waren insgesamt sechs Männer, die trotzige, ängstliche oder einfach nur erschöpfte Gesichter machten. Fowles war unter ihnen, weiß und am Boden zerstört.
Seine Gedanken waren jetzt wieder klar, obwohl sich sein Körper schlaff und schwer anfühlte. Henry Gallegher hatte eine blutige Schürfwunde an der Stirn; einer der Männer aus Brownsville – Lionel, nicht wahr? – trug einen Arm seltsam abgewinkelt, offenbar gebrochen. Davon abgesehen, schien niemand verletzt zu sein; das war gut.
»Frag, ob sie MacKenzie gesehen haben«, sagte er auf Gälisch zu Kenny Lindsay und wies mit einer kleinen Geste auf die Gefangenen.
Die Schüsse waren jetzt weitgehend verstummt. Es wurde nur noch dann und wann gefeuert, und ein verspätet alarmierter Taubenschwarm flatterte über sie hinweg.
Roger MacKenzie war niemandem bewusst aufgefallen. Jamie nickte, als er das hörte, und wischte sich mit dem Ärmel den letzten Schweiß aus dem Gesicht.
»Entweder ist er heil zurückgekommen, oder er ist es nicht. Aber was geschehen ist, ist jetzt geschehen. Ihr habt eure Sache gut gemacht, Jungs – lasst uns gehen.«
Kapitel 66
Ein unabdingbares Opfer
Heute Abend wurden die Toten mit militärischen Ehren beerdigt; und drei Gesetzlose, die im Lauf der Schlacht gefangen genommen wurden, wurden vor der versammelten Armeeführung gehängt. Dies bereitete den Männern große Genugtuung & war zu diesem Zeitpunkt ein unabdingbares Opfer, um das Raunen unter den Truppen zu besänftigen, welche lauthals forderten, dass einigen der im Kampf festgenommenen Gesetzlosen unverzüglich der Prozess gemacht werde, da man sich diesen unter solch großer Gefahr und unter Verlust so vieler Leben und so viel Blutes entgegen gestellt habe.
»Tagebuch der Expedition gegen die Aufrührer«, Wm. Tryon
Roger zerrte fest an dem Seil an seinen Handgelenken, doch alles, was er damit bewerkstelligte, war, sich den groben Hanf tiefer in die Haut zu bohren. Er konnte spüren, wie seine aufgeschürfte Haut brannte, und das feuchte Gefühl musste von durchsickerndem Blut herrühren, doch seine Hände waren so taub geworden, dass er es nicht mit Sicherheit sagen konnte. Seine Finger fühlten sich an, als hätten sie die Größe von Würsten angenommen, ihre Haut war zum Bersten angespannt.
Er lag im Schatten eines umgestürzten Baumstamms. Buccleigh und seine Freunde hatten ihn dort hingeworfen, nachdem sie ihn an Händen und Füßen gefesselt hatten. Da er nach seinem Bad im Fluss bis auf die Haut durchnässt war, hätte er wohl vor Kälte gezittert, wenn er sich nicht so verzweifelt angestrengt hätte, sich zu befreien. Statt dessen lief ihm der Schweiß über den Hals, seine Wangen brannten, und sein Kopf fühlte sich an, als würde ihn der heftige Blutzufluss gleich zum Platzen bringen.
Sie hatten ihn mit der Parlamentärflagge geknebelt – ihm das Baumwolltuch so tief in den Hals gerammt, dass er dem Ersticken nahe war, und ihm seine eigene Halsbinde um den Mund geknotet. Vorfahr oder nicht, er würde Hackfleisch aus William Buccleigh MacKenzie machen, und wenn es das Letzte war, was er tat.
In seiner Nähe fielen immer noch Schüsse; nicht in Salven, sondern als abgehacktes Popcorngeknatter. Die Luft roch nach Schwarzpulverrauch, und dann und wann kam irgendetwas pfeifend durch die Bäume gesaust und wütete zerstörerisch im Geäst. Kettenschuss? Kanonenkugeln?
Eine Kanonenkugel war vorhin auf das Flussufer gedonnert, hatte sich mit einer kleinen Explosion eingegraben und den Kampf kurzfristig unterbrochen. Einer von Buccleighs Freunden hatte einen Schrei ausgestoßen und war planschend auf den Schutz der Bäume zugerannt, doch der andere war geblieben und hatte weiter boxend mit ihm gerungen, bis es ihm und Buccleigh schließlich gelungen war, Roger den Kopf unter Wasser zu drücken und ihn zu überwältigen. Seine Schleimhäute brannten immer noch vom Flusswasser.
Jetzt hatte er es geschafft, sich auf die Knie aufzurichten, gekrümmt wie ein Mehlwurm, doch er wagte es nicht, den Kopf über den Baumstamm zu heben, weil er Angst hatte, er könnte ihm abgeschossen werden. Heftige Wut durchströmte seine Adern, so dass er eigentlich keine Angst hatte, nicht einmal, als er begriff, dass um ihn herum die Schlacht tobte. Doch ganz hatte er den Verstand nicht verloren.