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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ich hörte, wie sie schluckte, und als ich sie genauer betrachtete, malten sich die Sommersprossen auf ihrem Nasenrücken deutlich ab. Sie nickte und holte tief Luft, um etwas zu sagen. Doch plötzlich durchlief ihr Gesicht eine komische Veränderung von einer ernsten zu einer angewiderten Miene. Sie atmete noch einmal schnüffelnd ein und zog ihre lange Nase kraus wie ein Ameisenbär.

Ich konnte ihn auch riechen, den Gestank frischer Fäkalien, der direkt hinter uns aus dem Wald kam.

»Das ist vor einer Schlacht ganz normal«, sagte ich leise, während ich versuchte, nicht über ihre Miene zu lachen. »Dann erwischt es die armen Kerle kalt.«

Sie räusperte sich, ohne etwas zu sagen, doch ich sah, wie ihr Blick über die Lichtung wanderte und sich hier und dort auf einen Mann heftete. Ich wusste, was sie dachte. Wie war es möglich? Wie konnte man etwas so Perfektes, Kompaktes wie einen Menschen ansehen, den Kopf gesenkt, um einem Freund zuzuhören, den Arm nach einer Wasserflasche ausgestreckt, das Gesicht erst lächelnd, dann stirnrunzelnd, die Augen hellwach und die Muskeln fest – und sich vorstellen, wie es blutend zerriss, seine Knochen brachen … der Tod es ereilte?

Es war unmöglich. Es war ein Akt der Vorstellungskraft, der die Fähigkeiten jedes Menschen übertraf, der diese obszöne Transformation noch nie selbst mit angesehen hatte.

Es war allerdings sehr wohl möglich, sich daran zu erinnern. Ich hustete und beugte mich vor, um uns beide auf andere Gedanken zu bringen.

»Was hast du denn zu deinem Vater gesagt?«, fragte ich. »Als du angekommen bist und ihr Gälisch gesprochen habt?«

»Oh, das.« Ihre Blässe wich vorübergehend einer leichten, belustigten Röte. »Er hat mich angefaucht und wollte wissen, was ich mir dabei dächte – und ob ich mein Kind zur Waise machen wollte, hat er gesagt, indem ich mein Leben zusätzlich zu Rogers aufs Spiel setze?« Sie wischte sich eine rote Haarsträhne vom Mund und lächelte mich kurz und ein wenig gereizt an. »Also habe ich zu ihm gesagt, wenn es so gefährlich ist, was er sich dann dabei denkt, dich hierzuhaben und damit zu riskieren, mich zur Waise zu machen, hm?«

Ich lachte, wenn auch sehr leise.

»Es ist doch nicht gefährlich für dich, oder?«, fragte sie und ließ erneut den Blick über das Armeelager schweifen. »Hier im Hintergrund, meine ich?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Nein. Sollten die Kampfhandlungen auch nur ansatzhaft in unsere Nähe kommen, ziehen wir sofort um. Aber ich glaube nicht –«

Ich wurde durch die Geräusche eines Pferdes unterbrochen, das sich schnell näherte, und bis der Bote uns erreicht hatte, war ich gemeinsam mit dem Rest des Lagers auf den Beinen. Es war einer von Tryons milchgesichtigen Adjutanten, der vor unterdrückter Aufregung ganz blass war.

»Haltet Euch bereit«, sagte er und hing halb atemlos im Sattel.

»Und was meint Ihr, was wir seit Sonnenaufgang tun?«, fragte Jamie ungeduldig. »Was in Gottes Namen geht hier vor, Mann?«

Offenbar herzlich wenig, aber das war wichtig genug. Ein Priester war von der Seite der Regulatoren herübergekommen, um mit dem Gouverneur zu sprechen.

»Ein Priester?«, unterbrach Jamie. »Meint Ihr einen Quäker?«

»Nein, Sir«, sagte der Adjutant, verärgert über die Unterbrechung. »Quäker haben keinen Klerus, das weiß doch jeder. Nein, es war ein Priester namens Caldwell, Reverend David Caldwell.«

Tryon hatte sich durch religiöse Verbundenheit nicht beeindrucken lassen und den Appell des Botschafters ungerührt zur Kenntnis genommen. Er könne und wolle nicht mit einem Pöbel verhandeln, und das sei sein letztes Wort. Falls sich die Regulatoren zerstreuten, so verspräche er, alle berechtigten Beschwerden, die ihm auf dem vorschriftsmäßigen Wege vorgelegt würden, wohlwollend zu betrachten. Doch sie müssten sich zerstreuen, und zwar innerhalb einer Stunde.

Zum hundertsten Mal an diesem Morgen spähte ich zu den Weiden hinüber, zwischen denen Roger verschwunden war.

»Eine Stunde«, wiederholte Jamie als Antwort auf die Botschaft des Adjutanten. Er blickte in dieselbe Richtung, zum Fluss hinüber. »Und wie viel Zeit ist davon noch übrig?«

»Vielleicht eine halbe Stunde.« Der Adjutant sah plötzlich viel jünger aus, als er eigentlich war. Er schluckte und setzte seinen Hut auf. »Ich muss gehen, Sir. Achtet auf die Kanonenschüsse, Sir, und viel Glück!«

»Euch auch, Sir.« Jamie berührte zum Abschied den Arm des Adjutanten, dann schlug er seinen Hut auf die Kruppe des Pferdes, so dass es sich in Bewegung setzte.

Als sei das ein Signal gewesen, brach das Lager in hektische Aktivität aus, noch bevor der Adjutant des Gouverneurs zwischen den Bäumen verschwunden war. Waffen, die schon befüllt und geladen waren, wurden wieder und wieder überprüft, Schnallen geöffnet und neu befestigt, Milizabzeichen poliert, Hüte entstaubt, Kokarden befestigt, Strümpfe hochgezogen und befestigt, gefüllte Wasserflaschen geschüttelt, um sicherzugehen, dass ihr Inhalt in der letzten Viertelstunde nicht verdampft war.

Es war ansteckend. Ich ertappte mich dabei, dass ich noch einmal mit den Fingern über die Glasflaschen in meiner Truhe wanderte und in Gedanken die Namen murmelte, bis sie verschwammen wie die Worte eines Rosenkranzes und ihre Bedeutung in der Intensität der Bitte unterging. Rosmarin, Atropin, Lavendel, Gartenraute

Brianna fiel inmitten all dieser Geschäftigkeit durch ihre Reglosigkeit auf. Sie saß auf ihrem Felsen, und das Einzige was sich an ihr regte, waren die vom Wind bewegten Falten ihres Rockes. Ihr Blick war fest auf die ferne Baumlinie geheftet. Ich hörte, dass sie etwas sagte, und drehte mich um.

»Was hast du gesagt?«

»Es steht nicht in den Büchern.« Sie wandte die Augen nicht von den Bäumen ab und hielt die Hände fest in ihrem Schoß verknotet, als könnte sie Roger beschwören, zwischen den Weiden aufzutauchen. Sie hob das Kinn und wies auf das Feld, die Bäume, die Männer ringsum.

»Das hier«, sagte sie. »Es steht nicht in den Geschichtsbüchern. Ich habe über das Massaker von Boston gelesen. Ich habe es dort gesehen, in den Geschichtsbüchern, und ich habe es hier gesehen, in den Zeitungen. Aber das hier habe ich nirgendwo gefunden. Ich habe kein einziges Wort über Gouverneur Tryon gelesen oder über North Carolina oder einen Ort namens Alamance. Also wird auch nichts geschehen.« Ihre Worte klangen heftig und beschwörend. »Wenn es hier eine große Schlacht gäbe, hätte irgendjemand irgendetwas darüber geschrieben. Das hat aber keiner getan – also wird auch nichts geschehen. Gar nichts!«

»Hoffentlich hast du Recht«, sagte ich, und das Kältegefühl in meinem Rücken taute ein wenig auf. Vielleicht stimmte es ja. Zumindest konnte es keine große Schlacht werden. Wir standen keine vier Jahre vor dem Ausbruch der Revolution; selbst die kleineren Scharmützel, die diesem Konflikt vorangingen, waren gut dokumentiert.

Das Massaker von Boston hatte sich vor etwas mehr als einem Jahr ereignet – ein Straßenkampf, ein Zusammenstoß zwischen einem Pöbel und einem Zug nervöser Soldaten. Beleidigungsrufe, ein paar Steine waren geflogen. Ein unautorisierter Schuss, eine panische Salve und fünf Tote. Eine der Bostoner Zeitungen hatte nach heftigen redaktionellen Korrekturen darüber berichtet; ich hatte sie in Jocastas Salon gesehen; einer ihrer Freunde hatte ihr ein Exemplar geschickt.

Und zweihundert Jahre später wurde dieser kleine Zwischenfall als Beweis für die wachsende Unzufriedenheit der Kolonisten in den Schulbüchern der Kinder verewigt. Ich sah die Männer an, die ringsum standen und sich kampfbereit machten. Sollte es hier zu einer bedeutenden Schlacht kommen, in der ein Königlicher Gouverneur einen Aufstand niederschlug, der im Grunde eine Rebellion der Steuerzahler war, war das doch wohl eine Erwähnung wert.

Doch das war alles Theorie. Und mir war unangenehm bewusst, dass weder der Krieg noch die Geschichte sich großartig darum scherten, was geschehen sollte.

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