Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Der Tag war hell und heiß, die Gerüche nach Gras und Laub waren mit dem durchdringenden Aroma aufsteigender Säfte versetzt. Doch seine Eile und seine Erinnerung an die Regulatoren, die wie ein Hornissenschwarm gesummt hatten, ließen jetzt nicht zu, dass er sich an der Schönheit der Natur erfreute. Dennoch trug er immer noch einen Rest jenes Friedens in sich, als er jetzt zum Fluss eilte; ein schwaches Echo dessen, was er in der Hütte empfunden hatte.
Dieses merkwürdige Ehrfurchtsgefühl war nicht von ihm gewichen; er trug es verborgen, aber fassbar wie einen glatten Stein in seiner Tasche bei sich. Er dachte darüber nach, während er weiterlief, ohne sich groß an den Brombeerranken und Büschen zu stören, die ihm den Weg versperrten.
Wie seltsam, dachte er. Es war überhaupt nichts geschehen, und eigentlich hatte sich die ganze Erfahrung ganz alltäglich angefühlt – sie hatte nichts Gespenstisches oder Übernatürliches an sich gehabt. Und doch, jetzt, da er die Welt in diesem besonderen, klaren Licht gesehen hatte, konnte er es nicht vergessen. Konnte er es Brianna erklären?, fragte er sich.
Ein tief hängender Ast streifte sein Gesicht, und als er die Hand ausstreckte, um ihn beiseitezuschieben, spürte er ein schwaches Gefühl der Überraschung über den kühlen, grünen Glanz der Blätter, über ihre feinen Kanten, die wie Messer gezackt und doch leicht wie Papier waren. Ein schwaches, aber erkennbares Echo dessen, was er gesehen hatte, jener durchdringenden Schönheit. Sah Claire das?, fragte er sich plötzlich. Sah sie die Spur der Schönheit in den Körpern unter ihren Händen? War das vielleicht die Art, wie – und der Grund, warum – sie heilte?
Husband hatte es auch gesehen, das wusste er; er hatte die gleiche Wahrnehmung gehabt. Und war dadurch in seinen Quäkerprinzipien bekräftigt worden und hatte das Feld verlassen, da er sich weder im Stande sah, sich an der Gewalt zu beteiligen noch ihr Einhalt zu gebieten.
Und was war mit seinen eigenen Prinzipien? Sie waren mehr oder minder unverändert; er hatte ja vorher schon nicht vorgehabt, jemanden zu erschießen, und konnte es jetzt noch weniger.
Die Gerüche des Frühlings hingen nach wie vor in der Luft, und ein kleiner, blauer Schmetterling schwebte sorglos an seinem Knie vorbei. Es war ein schöner Frühlingstag, doch jede Illusion der Ruhe war verschwunden. Der Geruch nach Schweiß und Schmutz, Angst und Wut, der im Lager in der Luft gehangen zu haben schien, klebte in seinen Nasenlöchern und vermischte sich mit den reineren Gerüchen von Trilliumkraut und Wasser.
Was war mit Jamie Frasers Prinzipien?, fragte er sich, während er sich anschickte, das Weidendickicht zu umrunden, welches die Furt markierte. Er fragte sich oft, was Frasers Triebfeder war – sowohl, weil er den Mann gern mochte, als auch, weil seine kühlere Historikerneugier ihn dazu anstiftete. Roger hatte seine Entscheidung getroffen, was diesen Konflikt betraf – oder sie war für ihn getroffen worden. Er konnte nicht guten Gewissens die Absicht hegen, jemandem Schaden zuzufügen, selbst wenn er davon ausging, dass er nötigenfalls sein Leben verteidigen konnte. Doch Jamie?
Er war sich ziemlich sicher, dass Jamies Sympathien bei den Regulatoren lagen. Er hielt es auch nicht für unwahrscheinlich, dass sein Schwiegervater keine persönliche Loyalität gegenüber der Krone empfand; ob er nun einen Eid geschworen hatte oder nicht, es war doch wohl nicht möglich, dass jemand Culloden und die Folgen überlebt und mit dem Gefühl daraus hervorgegangen war, dem König Treue schuldig zu sein, geschweige denn etwas noch Substantielleres. Nein, nicht der Krone, aber vielleicht William Tryon?
Auch ihm gegenüber hegte er keine persönliche Loyalität – doch es stand fest, dass er sich ihm verpflichtet fühlte. Tryon hatte Jamie Fraser gerufen, und dieser war gekommen. Unter den gegebenen Bedingungen war ihm kaum etwas anderes übriggeblieben. Doch nun, da er gekommen war – würde er auch kämpfen?
Was konnte er sonst tun? Er musste seine Männer führen, und wenn es zur Schlacht kam – Roger blickte hinter sich, als könnte die Wut, die über dem Lager der Regulatoren hing, von hier aus als Wolke sichtbar sein, die sich dunkel über den Wipfeln erhob –, ja, er würde kämpfen müssen, ganz gleich, was er persönlich über die ganze Sache dachte.
Roger versuchte, sich vorzustellen, wie er eine Muskete auf einen Mann richtete, mit dem er keinen Streit hatte, und abzog. Oder schlimmer noch, wie er mit dem Schwert in der Hand einen Nachbarn niederritt. Wie er Kenny Lindsay den Schädel spaltete, zum Beispiel? Seine Vorstellungskraft ließ ihn im Stich. Kein Wunder, dass Jamie versucht hatte, den Konflikt mit Husbands Hilfe zu beenden, bevor er begann!
Doch Claire hatte ihm einmal erzählt, dass Jamie als junger Mann in Frankreich als Söldner gekämpft hatte. Er hatte wahrscheinlich Männer umgebracht, mit denen er keinen Streit hatte. Wie …
Er schob sich zwischen den Weiden hindurch und hörte ihre Stimmen, bevor er sie sah. Eine Gruppe von Frauen, die zum Tross des Lagers gehörten, war am Ufer beschäftigt. Einige hockten mit nackten Beinen in den Untiefen und wuschen Wäsche, andere trugen die nasse Wäsche die Böschung hinauf, um sie an den Bäumen und Büschen aufzuhängen. Sein Blick wanderte beiläufig von einer zur anderen, dann fuhr er mit einem Ruck zurück, weil ihm ins Auge fiel … was? Was war es?
Da. Er konnte gar nicht sagen, warum er sie überhaupt bemerkt hatte – sie hatte nichts Auffälliges an sich. Und doch stach sie aus der Gruppe der anderen Frauen heraus, als hätte jemand ihre Umrisse mit schwarzer Tinte nachgezeichnet, um sie vom Hintergrund des Flusses und der knospenden Blätter abzuheben.
»Morag«, flüsterte er, und sein Herz machte plötzlich einen kleinen Freudensprung. Sie lebte noch.
Er hatte den Weidenvorhang schon halb durchquert, als er auf die Idee kam, sich zu fragen, was er hier eigentlich machte, und warum überhaupt. Doch da war es schon zu spät; er befand sich schon am Ufer und ging offen auf sie zu.
Mehrere der Frauen sahen ihn an; einige erstarrten voll Wachsamkeit. Doch er war nur ein einzelner Mann, der noch dazu unbewaffnet war. Die Frauen am Fluss zählten über zwanzig, und ihre Männer waren in der Nähe. Sie sahen ihm neugierig zu, als er durch den flachen Fluss plätscherte, machten aber keinen alarmierten Eindruck.
Sie stand stocksteif da, knietief im Wasser, die Röcke gerafft, und beobachtete, wie er auf sie zukam. Sie erkannte ihn, das konnte er sehen, doch sie grüßte ihn nicht.
Die anderen Frauen wichen argwöhnisch ein Stück zurück. Libellen sausten um Morag herum, ein paar braune Haarsträhnen lugten unter ihrer Haube hervor, und sie hielt ein nasses Kittelchen vergessen in der Hand. Er trat aus dem Wasser und stellte sich nass bis zu den Knien vor sie hin.
»Mrs. MacKenzie«, sagte er leise. »Was für ein Zufall.«
Ein kleines Lächeln umspielte ihren Mundwinkel. Ihre Augen waren braun; das war ihm zuvor nicht aufgefallen.
»Mr. MacKenzie«, sagte sie und nickte. Sein Verstand arbeitete auf Hochtouren, und er überlegte, was er tun sollte. Er musste sie warnen, doch wie? Nicht vor all den anderen Frauen.
Ein paar Sekunden stand er hilflos und befangen da, ohne zu wissen, was er tun sollte, dann kam ihm eine Idee. Er bückte sich und ergriff eine Ladung der triefenden Wäsche, die im Wasser ihre Beine umwirbelte. Damit drehte er sich um und kletterte die Böschung hinauf. Morag folgte ihm in plötzlicher Hast.
»Was macht Ihr da?«, wollte sie wissen. »Halt, kommt mit meinen Kleidern zurück!«
Er trug den feuchten Kleiderballen ein kleines Stück in den Wald, dann ließ er ihn lässig auf einen Busch fallen. Da er wusste, wie mühsam das Waschen war, achtete er darauf, die Kleidungsstücke nicht durch den Schmutz zu schleifen. Morag folgte ihm auf dem Fuße, das Gesicht rot vor Entrüstung.
»Was glaubt Ihr denn, was Ihr da macht, Ihr gemeiner Dieb?«, fragte sie hitzig. »Gebt das zurück!«
»Ich wollte sie nicht stehlen«, versicherte ihr Roger. »Ich wollte nur kurz allein mit Euch sprechen.«