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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ich blieb still stehen und vergrub die Hände in den Falten meiner Schürze, denn einerseits wollte ich ihn nicht ablenken, andererseits hätte ich aber furchtbar gern seine Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Er bewegte sich gelassen, scherzte, und seine Berührungen waren beiläufig – doch ich konnte sehen, wie angespannt er war. Wann hatte er zuletzt mit einer Armee bereitgestanden und auf den Angriffsbefehl gewartet?

In Culloden, dachte ich, und die Haare an meinen Unterarmen richteten sich auf, bleich leuchtend in der Frühlingssonne.

In meiner Nähe erklang Hufgetrappel, und Pferde brachen durch das Unterholz. Jedermann fuhr erwartungsvoll herum, die Musketen lose in den Händen. Dann folgte allgemeines Luftanhalten und Gemurmel, als der erste Reiter in Sicht kam – und sich duckte, um mit flammend rotem Kopf unter den Ahornzweigen durchzukommen.

»Gott im Himmel«, sagte Jamie so laut, dass man es auf der ganzen Lichtung hören konnte. »Was zum Teufel macht sie denn hier?« Die Männer, die sie kannten, lachten auf, und das löste die Spannung wie Risse im Eis. Jamies Schultern entspannten sich kaum merklich, doch sein Gesicht war ausgesprochen grimmig, als er auf sie zuging.

Bis Brianna ihr Pferd angehalten und sich neben ihm aus dem Sattel geschwungen hatte, war ich ebenfalls bei ihnen angelangt.

»Was –«, setzte ich an, aber Jamie stand schon Nase an Nase mit seiner Tochter. Er hatte die Hand auf ihren Arm gelegt und sprach mit zusammengekniffenen Augen in einem leisen, gälischen Redefluss auf sie ein.

»Tut mir furchtbar leid, Ma’am, aber sie war nicht davon abzubringen.« Ein zweites Pferd trottete aus dem Wald, geritten von einem jungen Schwarzen, der ein entschuldigendes Gesicht zog. Es war Joshua, Jocastas Stallknecht. »Ich konnte es nicht verhindern, und Missus Sherston auch nicht. Wir haben es versucht.«

»Das sehe ich«, sagte ich.

Als Reaktion auf Jamies Worte war Brianna rot geworden, doch sie machte keine Anstalten, wieder auf ihr Pferd zu steigen und davonzureiten. Sie sagte etwas zu ihm, ebenfalls auf Gälisch, so dass ich es nicht mitbekam, und er fuhr zurück, als hätte ihn eine Wespe in die Nase gestochen. Sie nickte heftig, als sei sie mit der Wirkung ihrer Worte sehr zufrieden, und machte auf dem Absatz kehrt. Dann entdeckte sie mich, und ein breites Lächeln verwandelte ihr Gesicht.

»Mama!« Sie umarmte mich. Ihr Kleid roch schwach nach frischer Seife, Bienenwachs und Terpentin. Sie hatte einen kleinen, kobaltblauen Farbklecks am Kinn.

»Hallo Schatz. Wo kommst du denn her?« Ich küsste sie auf die Wange, trat zurück und freute mich allen Umständen zum Trotz über ihren Anblick. Sie war schlicht gekleidet und hatte das grobe, braune Leinenkleid an, das sie normalerweise in Fraser’s Ridge trug, doch die Kleidung war frisch und sauber. Ihr langes, rotes Haar war zu einem Zopf geflochten, und sie hatte einen breitkrempigen Strohhut auf dem Rücken hängen.

»Hillsborough«, sagte sie. »Gestern war jemand bei den Sherstons zum Dinner, der uns erzählt hat, dass die Miliz hier kampierte – also bin ich hergekommen. Ich habe etwas zu essen mitgebracht –«, sie wies mit der Hand auf die vollgestopften Satteltaschen ihres Pferdes, »und ein paar Kräuter aus dem Garten der Sherstons, von denen ich dachte, du könntest sie vielleicht brauchen.«

»Oh? O ja. Wie schön.« Mir war unangenehm bewusst, dass Jamie mit finsterem Gesicht hinter mir stand, doch ich sah mich nicht um. »Äh … ich möchte ja nicht so klingen, als würde ich mich nicht freuen, dich zu sehen, Schatz, aber es könnte sein, dass es hier gleich zum Kampf kommt, und …«

»Das weiß ich.« Ihr Gesicht war immer noch rot, und bei diesen Worten lief es noch dunkler an. Sie hob die Stimme ein wenig.

»Keine Sorge; ich bin nicht gekommen, um mitzukämpfen. Dann hätte ich Hosen angezogen.« Sie warf einen Blick hinter mich, und ich hörte es aus dieser Richtung laut prusten, gefolgt von einem Heiterkeitsausbruch der Lindsay-Brüder. Sie senkte den Kopf, um heimlich zu grinsen, und ich konnte mir ebenfalls ein Lächeln nicht verkneifen.

»Ich bleibe bei dir«, sagte sie mit leiser Stimme und berührte meinen Arm. »Wenn du dich um Verletzte kümmern musst … hinterher – kann ich helfen.«

Ich zögerte, doch es stand außer Frage, dass im Fall eines Kampfes Verletzte zu behandeln sein würden und mir dann ein zusätzliches Paar Hände sehr nützlich sein würde. Brianna war zwar keine erfahrene Krankenschwester, aber sie wusste über Keime und Antisepsis Bescheid, und dieses Wissen war auf seine Weise sehr viel wertvoller als Kenntnisse in Anatomie oder Physiologie.

Brianna hatte sich aufgerichtet. Ihr Blick huschte suchend an den Männern entlang, die im Schatten der Ahornbäume standen.

»Wo ist Roger?«, fragte sie mit leiser, aber fester Stimme.

»Es geht ihm gut«, versicherte ich ihr und hoffte, dass das der Wahrheit entsprach. »Jamie hat ihn heute Morgen mit einer Parlamentärflagge über den Fluss geschickt, um Hermon Husband zu holen, damit er mit dem Gouverneur spricht.«

»Er ist da drüben?« Ihre Stimme wurde unwillkürlich lauter, und sie senkte sie hastig. »Beim Feind? Falls das das richtige Wort ist?«

»Er kommt zurück.« Jamie stand neben mir und betrachtete seine Tochter zwar ohne großes Wohlwollen, doch er hatte sich offensichtlich damit abgefunden, dass sie hier war. »Keine Sorge, Kleine. Niemand wird ihn behelligen, wenn er mit einer Parlamentärflagge unterwegs ist.«

Brianna hob den Kopf und spähte so weit sie konnte über den Fluss hinweg. Ihr Gesicht hatte sich zu einem bleichen Knoten verkrampft.

»Wird ihm eine Parlamentärflagge helfen, falls er noch dort drüben ist, wenn die ersten Schüsse fallen?«

Die Antwort auf diese Frage – die sie offensichtlich schon kannte – lautete »wahrscheinlich nicht«. Auch Jamie sparte sich die Mühe, dies laut zu sagen. Genauso ersparte er sich die Mühe zu sagen, dass ja möglicherweise gar kein Schuss fallen würde. Gespannte Erwartung lag in der Luft, und es roch scharf nach verschüttetem Schießpulver und nervösem Schweiß.

»Er kommt zurück«, wiederholte Jamie, diesmal sanfter. Er berührte ihr Gesicht und strich eine lose Locke zurück. »Ich verspreche es dir, Kleine. Ihm wird nichts geschehen.«

Die Nervosität in ihrer Miene ließ nach, als sie ihm jetzt forschend ins Gesicht sah. Sie schien dort Sicherheit zu finden, denn ihre Anspannung löste sich ein wenig, und sie nickte in stummem Einverständnis. Jamie beugte sich vor und küsste sie auf die Stirn, dann wandte er sich ab, um etwas zu Rob Byrnes zu sagen.

Brianna blieb noch eine Minute stehen und sah ihm nach, dann band sie ihren Hut los und setzte sich neben mir auf einen Felsblock. Ihre Hände zitterten ein wenig; sie holte tief Luft und umklammerte ihre Knie, um sie zur Ruhe zu bringen.

»Kann ich dir im Augenblick irgendwie helfen?«, fragte sie und wies mit einer Kopfbewegung auf meine geöffnete Arzttruhe. »Soll ich dir irgendetwas holen?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Nein. Ich habe alles, was ich brauche. Wir können jetzt nur noch warten.« Ich verzog ein wenig das Gesicht. »Das ist das Schlimmste.«

Mit einem leisen Brummen pflichtete sie mir widerstrebend bei und entspannte sich, was sie sichtlich Mühe kostete. Sie runzelte die Stirn und warf einen abschätzenden Blick auf meine bereitstehende Ausrüstung: das Feuer, das kochende Wasser, den Klapptisch, die große Kiste mit den Instrumenten und das kleinere Bündel mit meiner Notfallausrüstung.

»Was hast du denn da?«, fragte sie und wies mit der Schuhspitze auf den Leinenbeutel.

»Alkohol und Verbandsmaterial, ein Skalpell, eine Zange, eine Amputationssäge, Aderpressen. Sie werden die Verwundeten hierher bringen, wenn sie können, oder zu einem der anderen Ärzte. Aber wenn ich zu einem Mann muss, der verletzt auf dem Feld liegt – jemand, dessen Zustand so schlecht ist, dass er nicht gehen oder transportiert werden kann –, habe ich das zur Hand und kann sofort los.«

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