Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Wie Ihr wollt«, sagte er so kühl wie möglich. »Mr. Husband hat Euch einen guten Rat gegeben – ich bekräftige ihn.« Er wandte sich zum Gehen, doch ein Händepaar senkte sich auf seine Schultern und drehte ihn gewaltsam um, so dass er sich erneut dem Ring der Fragesteller gegenüber sah.
»Nicht so schnell, Freundchen«, sagte der Mann mit der Lederweste. Er war nach wie vor rot angelaufen vor Wut und Aufregung, doch seine Fäuste waren nicht länger geballt. »Dann habt Ihr also mit Tryon gesprochen?«
»Nein«, gab Roger zu. »Man hat mich geschickt –« Er zögerte. War es ratsam, Jamie Frasers Namen zu erwähnen? Nein, besser nicht; es konnte genauso gut sein, dass dies zu neuen Schwierigkeiten führte, wie, dass es sie verhinderte. »Ich bin hier, um Hermon Husband zu bitten, auf die andere Seite des Flusses zu kommen und sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Stattdessen hat er sich auf meine Beschreibung der Situation verlassen. Ihr habt ja gesehen, wie er darauf reagiert hat.«
»Das sagt Ihr!« Ein rundlicher Mann mit einem roten Backenbart hob kampflustig das Kinn. »Und warum sollte sich irgendjemand auf Eure ›Beschreibung der Situation verlassen‹?« Er äffte Rogers schottischen Akzent auf eine Weise nach, die seine Kameraden in Gelächter ausbrechen ließ.
Die Ruhe, die er aus der Blockhütte mitgebracht hatte, war nicht völlig von ihm gewichen; Roger raffte ihre Reste zusammen und ergriff leise das Wort.
»Ich kann Euch nicht zwingen, mir zuzuhören, Sir. Doch wer von Euch Ohren hat – hört dies.« Er blickte von einem Gesicht zum anderen, und sie verstummten zögernd, einer nach dem anderen, bis er im Zentrum eines Kreises widerstrebender Aufmerksamkeit stand.
»Die Truppen des Gouverneurs stehen gut bewaffnet bereit.« Seine Stimme klang ihm seltsam in den Ohren, ruhig, aber irgendwie gedämpft, so als spräche jemand anders, der ein Stück weit weg stand. »Ich habe den Gouverneur nicht selbst gesprochen, aber ich habe gehört, was seine ausdrückliche Absicht ist: Er wünscht kein Blutvergießen, doch er ist entschlossen, zu tun, was er für nötig hält, um diese Zusammenkunft zu zerstreuen. Doch wenn Ihr friedlich nach Hause zurückkehrt, ist er zur Milde bereit.«
Es folgte ein Augenblick der Stille, der von einem hustenden Geräusch unterbrochen wurde. Ein vom Tabaksaft braun gestreifter Schleimklecks landete klatschend vor Rogers Schuh im Dreck.
»Das«, merkte der Spucker kurz und präzise an, »ist für die Milde des Gouverneurs.«
»Und das ist für dich, du Schwein!«, sagte einer seiner Kameraden und holte mit der geöffneten Handfläche nach Rogers Gesicht aus.
Er wich dem Schlag aus, senkte die Schulter und ging auf den Mann los, der das Gleichgewicht verlor und ihm Platz machte. Doch hinter ihm standen noch mehr; Roger hielt mit geballten Fäusten inne, bereit, sich nötigenfalls zu verteidigen.
»Tut ihm nichts, Jungs«, rief der Mann mit der Lederweste. »Jedenfalls noch nicht.« Er umrundete Roger, wobei er sich außer Reichweite seiner Fäuste hielt, und betrachtete ihn argwöhnisch.
»Ob Ihr Tryons Visage gesehen habt oder nicht – seine Truppen habt Ihr aber doch gesehen, oder?«
»Ja.« Rogers Herz schlug schnell, und das Blut rauschte in seinen Schläfen, doch seltsamerweise hatte er keine Angst. Die Männer waren feindselig, aber nicht blutrünstig – noch nicht.
»Und wie viele Männer hat Tryon?« Der Mann beobachtete ihn genau, und seine Augen glitzerten. Besser, wenn er eine ehrliche Antwort gab; höchstwahrscheinlich kannte der Mann die Antwort schon; es gab schließlich nichts, was die Regulatoren daran hinderte, den Alamance zu überqueren und sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.
»Etwas über tausend«, sagte Roger und beobachtete das Gesicht des Mannes aufmerksam. Keine Überraschung; er hatte es gewusst. »Aber es sind gut ausgebildete Milizionäre«, fügte Roger viel sagend hinzu und warf einen Seitenblick auf eine Anzahl von Regulatoren, die das Interesse an ihm verloren und einen Ringkampf begonnen hatten. »Und sie haben Artillerie. Wie ich glaube, habt Ihr keine, oder, Sir?«
Das Gesicht des Mannes verschloss sich wie eine Faust.
»Glaubt, was Ihr wollt«, sagte er knapp. »Aber Ihr könnt Tryon sagen, dass wir zweimal so viele Männer sind. Und ob wir nun ausgebildet sind oder nicht –« Er verzog ironisch den Mund. »Wir sind alle bewaffnet, jeder Mann hat seine Muskete.« Er warf den Kopf zurück und sah blinzelnd zum Licht des diesigen Himmels hinauf. Die Sonne brannte hoch oben durch den Wolkenschleier.
»Eine Stunde, ja?«, fragte er, leiser jetzt. »Eher noch, denke ich.« Er senkte den Blick und sah Roger in die Augen.
»Dann kehrt auf die andere Seite des Flusses zurück, Sir. Sagt Gouverneur Tryon, dass wir vorhaben, uns Gehör zu verschaffen, und zwar so, wie wir es wollen. Wenn er zuhört und tut, was wir fordern, schön und gut. Wenn nicht …« Er berührte den Kolben der Pistole in seinem Gürtel und nickte, während sein Gesicht einen grimmigen Ausdruck annahm.
Roger sah sich im Kreis der schweigenden Gesichter um. Einige sahen unsicher aus, doch die meisten waren mehr oder weniger trotzig. Er machte wortlos kehrt und schritt davon, und die Blätter der Bäume, unter denen er vorbeikam, flüsterten die Worte des Reverends.
Selig die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen.
Er hoffte, dass auch der Versuch zählte.
Kapitel 63
Das Logbuch des Chirurgen I
Punkt 28 – Jeder Chirurg ist angewiesen, Buch zu führen und jeden Mann einzutragen, der in seine Obhut übergeben wird, mit seinem Namen, der Kompanie, der er angehört, dem Tag seiner Aufnahme und dem Tag seiner Entlassung.
»Dienstregeln im Feldlager«
Ich spürte einen kühlen Lufthauch auf meiner Wange und erschauerte, obwohl der Tag sehr warm war. Ich konnte mich des plötzlichen Gedankens nicht erwehren, dass es die beiläufige Berührung einer Schwingenfeder war, so als sei der Todesengel schweigend an mir vorübergestrichen, in Gedanken schon ganz bei seinem finsteren Handwerk.
»Unsinn«, sagte ich laut. Evan Lindsay hörte mich; ich sah, wie er sich kurz umwandte, dann aber wieder nach vorne blickte. Genau wie alle anderen, hatte er den Kopf gen Osten gerichtet.
Menschen, die nicht an Telepathie glauben, haben noch nie einen Fuß auf ein Schlachtfeld gesetzt oder in einer Armee gedient. Etwas Unsichtbares wandert von Mann zu Mann, wenn eine Armee im Begriff ist, sich in Bewegung zu setzen; selbst die Luft fühlt sich lebendig an. Halb von Furcht, halb von Ungeduld erfüllt, tanzt sie über die Haut und flutet das Rückgrat mit einem Drängen, das an plötzliche Lust erinnert.
Es war noch kein Bote eingetroffen, doch er würde kommen, das wusste ich. Irgendwo hatte sich etwas getan.
Alle standen wie angewurzelt da und warteten. Ich verspürte ein überwältigendes Bedürfnis, mich zu bewegen, diesen Bann zu brechen, und drehte mich abrupt um. Meine Hände zuckten vor Bewegungsdrang und Tatendurst. Der Kessel hatte gekocht, das Wasser stand bereit und war mit einem sauberen Stück Leinen abgedeckt. Ich hatte meine Arzneitruhe auf einen Baumstumpf gestellt; ich klappte den Deckel auf und fing an, sinnloserweise ihren Inhalt zu prüfen, obwohl ich wusste, dass alles in bester Ordnung war.
Ich berührte die glänzenden Flaschen, eine nach der anderen, und ihre Namen waren eine beruhigende Litanei.
Atropin, Belladonna, Laudanum, Lavendelöl, Wacholderöl, Poleiminze, Frauenmantel … und die eckige, braune Glasflasche mit dem Alkohol. Ohne Alkohol ging gar nichts. Ich hatte ein ganzes Fass auf dem Wagen.
Mir fiel eine Bewegung ins Auge – es war Jamie; die Sonnenstrahlen fielen wie Funken durch das Laub auf sein Haar, als er jetzt gelassen unter den Bäumen umherging und sich hier bückte, um jemandem etwas ins Ohr zu sagen, und dort eine Schulter berührte wie ein Zauberer, der Statuen zum Leben erweckte.