Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Er hat wohl Zähne!«, wandte Aidan tapfer ein und hielt zum Beweis seinen angebissenen Zeigefinger hoch. »Da!«
»Er isst Brei«, sagte Germain, allerdings mit einem unsicheren Unterton. »Wir würden ihm Brötchen in Milch einweichen.«
»Henri-Christian braucht seine Mutter«, wiederholte Roger entschieden, »und deine Mutter braucht dich. Du erwartest doch wohl nicht, dass sie einen Wagen, zwei Maultiere und deine Schwestern ganz allein nach New Bern befördert, oder?«
»Aber Papa kann ihr doch helfen«, protestierte Germain. »Die Mädchen hören auf ihn wie auf niemanden sonst!«
»Dein Papa ist schon fort«, erinnerte ihn Ian. »Er ist vorgeritten, um eine Wohnung für euch zu suchen. Eure Mutter soll ihm mit euren Sachen folgen. Roger Mac hat recht, a bhailach – deine Mutter braucht dich.«
Germains schmales Gesicht erbleichte ein wenig. Er sah hilflos auf Jemmy nieder, der immer noch an ihm hing, dann hügelauf zu Aidan, und er schluckte. Der Wind war stärker geworden und blies ihm die blonden Fransen aus dem Gesicht, so dass er sehr klein und zerbrechlich wirkte.
»Nun denn«, sagte er, dann hielt er inne und schluckte. Ganz sanft legte er Jemmy die Arme um die Schultern und küsste ihn auf seinen runden roten Kopf.
»Ich komme wieder, Vetter«, sagte er. »Und du wirst mich am Meer besuchen. Du kommst dann auch mit«, versicherte er, an Aidan gerichtet. Aidan zog die Nase hoch, nickte und kam langsam den Abhang herunter.
Roger streckte die freie Hand aus und löste Jemmy sanft von Germain. »Komm auf meinen Rücken, mo chuisle«, sagte er. »Der Berg ist steil; ich trage dich huckepack.«
Ian ließ sich gar nicht erst fragen, sondern bückte sich und hob Aidan auf, der ihm die Beine um die Hüften schlang und sein tränenüberströmtes Gesicht an Ians Lederhemd verbarg.
»Sollen wir dich auch tragen?«, fragte Roger Germain, während er vorsichtig unter dem Gewicht seiner doppelten Last aufstand. »Ian kann das machen, wenn du möchtest.«
Ian nickte und streckte die Hand aus, doch Germain schüttelte den Kopf, so dass sein blondes Haar hin- und herflog.
»Non, Onkel Roger«, sagte er so leise, dass man ihn kaum hören konnte. »Ich gehe zu Fuß.« Damit machte er kehrt und begann vorsichtig, den abschüssigen Hang hinunterzusteigen.
Kapitel 69
Die Biberattacke
25. Oktober 1774
Sie waren schon eine Stunde unterwegs, als Brianna allmählich klarwurde, dass sie nicht auf Wild aus waren. Sie hatten die Spur eines kleinen Rotwildrudels gekreuzt, dessen Kot so frisch war, dass die Kügelchen noch feucht und formbar waren, aber Ian beachtete dieses Zeichen gar nicht, sondern drängte zielsicher und entschlossen weiter bergauf.
Rollo war mit ihnen gekommen, doch nach wiederholten vergeblichen Versuchen, die Aufmerksamkeit seines Herrchens auf vielversprechende Gerüche zu lenken, hatte er sie im Stich gelassen und war durch das aufwirbelnde Laub davongestürmt, um für sich selbst zu jagen.
Der Aufstieg war zu steil, um sich zu unterhalten, selbst wenn Ian den Eindruck gemacht hätte, als sei ihm danach zumute. So folgte sie ihm mit einem geistigen Achselzucken, behielt jedoch das Gewehr in der Hand und hielt ein Auge auf das Gebüsch gerichtet – nur für alle Fälle.
Sie waren in der Morgendämmerung in Fraser’s Ridge aufgebrochen; es war weit nach Mittag, als sie endlich am Ufer eines kleinen, namenlosen Flüsschens haltmachten. Wilder Wein umrankte den Stamm eines Dattelpflaumenbaums, dessen Zweige über das Ufer hingen; die meisten Trauben waren von Tieren gefressen worden, aber ein paar Büschel baumelten noch über dem Wasser, wo sie höchstens für die waghalsigsten Eichhörnchen zu erreichen waren – oder für eine hochgewachsene Frau.
Sie schlüpfte aus ihren Mokassins, trat in den Bach und schnappte nach Luft, als das eiskalte Wasser ihre Waden traf. Die Trauben waren zum Platzen reif, so dunkelrot, dass sie fast schwarz waren, und sie klebten vor Saft. Es hatten sich zwar keine Eichhörnchen daran vergriffen, aber die Wespen hatten es getan, und sie hielt vorsichtig nach den kleinen Beutesuchern mit den dolchförmigen Bäuchen Ausschau, während sie den Stiel einer ganz besonders fetten Traube abbrach.
»Und, hast du vor, mir zu erzählen, was wir wirklich suchen?«, fragte sie mit dem Rücken zu ihrem Vetter.
»Nein«, sagte er mit einem Lächeln in der Stimme.
»Oh, eine Überraschung, wie?« Sie knickte den Stengel ab, drehte sich um und warf ihm die Trauben zu. Er fing sie mit einer Hand und legte sie neben den abgenutzten Rucksack, in dem er ihre Vorräte transportierte.
»Etwas in der Art.«
»Solange wir nicht einfach nur einen Spaziergang machen.« Sie brach noch eine Traube ab und watete planschend ans Ufer, wo sie sich neben ihn setzte.
»Nein, das tun wir nicht.« Er warf sich zwei Trauben in den Mund, zerdrückte sie und spuckte die Häutchen und Kerne mit der Leichtigkeit langer Übung aus. Sie knabberte graziöser an ihren Trauben, die sie in zwei Hälften biss, um dann die Kerne mit den Fingernägeln herauszupicken.
»Du solltest die Häutchen mitessen, Ian; sie stecken voller Vitamine.«
Er zog skeptisch eine Schulter hoch, schwieg aber. Sowohl sie als auch ihre Mutter hatten ihm schon mehrfach Vorträge über Vitamine gehalten – mehr oder minder ohne Wirkung. Die Existenz von Krankheitskeimen hatten Jamie und Ian widerstrebend akzeptieren müssen, weil Claire ihnen unter ihrem Mikroskop ganze Meere von Mikroorganismen zeigen konnte. Vitamine dagegen waren unglücklicherweise unsichtbar und ließen sich daher gefahrlos ignorieren.
»Ist es noch sehr viel weiter bis zu dieser Überraschung?« Die Traubenschalen waren in der Tat ziemlich bitter. Ihr Mund verzog sich unwillkürlich, als sie daraufbiss. Ian, der wie am Fließband aß und spuckte, bemerkte es und grinste sie an.
»Aye, noch ein Stück.«
Sie warf einen Blick zum Horizont; die Sonne hatte den Zenit schon weit überschritten. Wenn sie jetzt den Rückweg antraten, würden sie erst im Dunklen nach Hause kommen.
»Wie viel weiter?« Sie spuckte die zerquetschte Traubenschale in ihre Handfläche und warf sie ins Gras.
Ian warf ebenfalls einen Blick auf die Sonne und spitzte die Lippen.
»Nun ja … ich denke, morgen Mittag sind wir da.«
»Wir sind was? Ian!« Er machte ein verlegenes Gesicht und senkte den Kopf.
»Tut mir leid, Cousinchen. Ich weiß, dass ich es dir besser vorher gesagt hätte – aber ich dachte, du kommst vielleicht nicht mit, wenn ich dir verraten hätte, wie weit es ist.«
Eine Wespe landete auf den Trauben in ihrer Hand, und sie verscheuchte sie gereizt.
»Du weißt genau, dass ich nicht mitgekommen wäre. Ian, was hast du dir nur dabei gedacht? Roger wird einen Anfall bekommen!«
»Einen Anfall? Roger Mac? Das glaube ich nicht.«
»Na ja, schön, keinen Anfall – aber er wird sich Sorgen machen. Und Jemmy wird mich vermissen!«
»Nein, sie kommen schon zurecht«, versicherte Ian ihr. »Ich habe Onkel Jamie gesagt, dass wir drei Tage bleiben, und er hat gesagt, er nimmt den Kleinen mit ins Haupthaus. Wenn ihn deine Mutter und Lizzie und Mrs. Bug verwöhnen, wird der kleine Jem gar nicht merken, dass du nicht da bist.«
Das stimmte wahrscheinlich, dämpfte ihren Ärger aber nicht im Geringsten.
»Du hast Pa davon erzählt? Und er hat einfach nur ›schön‹ gesagt, und ihr wart beide der Meinung, dass absolut nichts Bedenkliches dabei ist, mich – mich – für drei Tage in den Wald zu schleppen, ohne mir zu sagen, was eigentlich los ist? Ihr – ihr –«
»Arroganten, unerträglichen verflixten Schotten«, vollendete Ian und imitierte dabei den englischen Akzent ihrer Mutter so perfekt, dass sie trotz ihrer Verärgerung in Gelächter ausbrach.