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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Standing Bear warf Hiram einen nachdenklichen Blick zu und rückte ein Stückchen weiter von ihm fort. Bird beobachtete das, und nach kurzem Schweigen wandte er sich an Jamie. »Ihr seid ein sehr lustiger Mann, Bärentöter«, wiederholte er kopfschüttelnd. »Ihr habt gewonnen.«

An Mr. John Stuart, Superintendent für Indianerangelegenheiten im Südlichen Department

Aus Fraser’s Ridge, 1. Oktober 1774, James Fraser, Esq.

Mein werter Sir,

dies dient dazu, Euch von meiner Abdankung als Indianeragent zu unterrichten, da ich feststelle, dass es mir meine persönlichen Überzeugungen nicht länger erlauben, mein Amt im Namen des Königs guten Gewissens auszuüben.

In Dankbarkeit für Eure gütige Aufmerksamkeit und Gewogenheit und mit den besten Wünschen für Eure Zukunft verbleibe ich

Euer ergebenster Diener, J. Fraser

Neunter Teil

Die Gebeine der Zeit

Kapitel 68

Junge Wilde

Nur noch zwei. Die Pfütze aus flüssigem Wachs wurde durch den flammenden Docht erleuchtet, und langsam kamen die Edelsteine in Sicht, einer grün, einer schwarz, und sie strahlten ihr eigenes, inneres Feuer aus. Jamie tauchte das Federende eines Gänsekiels sachte in das geschmolzene Wachs, fischte den Smaragd heraus und hob ihn ans Licht.

Er ließ den heißen Edelstein auf das Taschentuch fallen, das ich bereithielt, und ich rieb ihn rasch ab, um ihn vom Wachs zu befreien, bevor es erhärtete.

»Unsere Reserven schrumpfen langsam arg zusammen«, scherzte ich beklommen. »Wollen wir hoffen, dass keine teuren Notfälle mehr geschehen.«

»Den schwarzen Diamanten rühre ich auf keinen Fall an«, sagte er entschieden und blies den Docht aus. »Der ist für dich.«

Ich starrte ihn an.

»Was meinst du damit?«

Er zuckte kaum merklich mit den Achseln.

»Falls ich ums Leben komme«, sagte er ganz sachlich. »Dann nimmst du ihn und gehst. Zurück durch die Steine.«

»Oh? Da bin ich mir nicht so sicher«, sagte ich. Ich redete nicht gern über Eventualitäten, die mit Jamies Tod zu tun hatten, doch es war zwecklos, diese Möglichkeit zu ignorieren. Schlachten, Seuchen, Einkerkerung, ein Unfall, ein Mordanschlag …

»Du und Brianna, ihr habt mir mit solchem Nachdruck verboten zu sterben«, sagte ich. »Ich würde dasselbe tun, wenn ich auch nur die geringste Hoffnung hätte, dass du auf mich hörst.«

Er lächelte.

»Ich höre immer auf deine Worte, Sassenach«, versicherte er mir ernst. »Aber du sagst mir doch ständig, dass der Mensch denkt, und Gott lenkt, und sollte Er die Absicht haben, mich zu sich zu holen – gehst du zurück.«

»Warum sollte ich?«, sagte ich gereizt – und beunruhigt. Die Erinnerungen an den Vorabend der Schlacht von Culloden, als er mich durch die Steine zurückgeschickt hatte, rief ich mir nicht gern ins Gedächtnis zurück, und hier stand er nun und hebelte die Tür zu dieser fest versiegelten Kammer in meinem Kopf auf. »Ich würde doch bei Brianna und Roger bleiben, oder nicht? Jem, Marsali und Fergus, Germain und Henri-Christian und die Mädchen – alle sind hier. Was gibt es dort schon für mich, wohin ich zurückkehren könnte?«

Er betrachtete mich nachdenklich, als überlegte er, ob er mir etwas erzählen sollte. Meine Nackenhärchen begannen, sich aufzustellen.

»Ich weiß es nicht«, sagte er schließlich und schüttelte den Kopf. »Aber ich habe dich dort gesehen.«

Die Gänsehaut raste mir über den Hals und an beiden Armen entlang.

»Wo gesehen?«

»Dort.« Er machte eine vage Handbewegung. »Ich habe dich im Traum dort gesehen. Ich wusste nicht, wo es war; ich weiß nur, dass es dort war – in deiner richtigen Zeit.«

»Woher weißt du das?«, fragte ich, und ein Schauder nach dem nächsten überlief mich. »Was habe ich getan?«

Er runzelte die Stirn, während er sich zu erinnern versuchte.

»Ich kann mich nicht genau erinnern«, sagte er langsam. »Aber ich wusste, dass es dann war, weil ich es am Licht sehen konnte.« Seine Stirn glättete sich plötzlich. »Das ist es. Du hast an einem Tisch gesessen und hattest etwas in der Hand; vielleicht hast du etwas geschrieben. Und überall ringsum war Licht, es hat dir ins Gesicht und auf die Haare geschienen. Aber es war kein Kerzenlicht und weder Feuerschein noch Sonne. Und ich erinnere mich daran, dass ich bei diesem Anblick gedacht habe: ›Oh, so sieht also elektrisches Licht aus.‹«

Ich starrte ihn mit offenem Mund an.

»Wie kannst du etwas im Traum erkennen, das du noch nie in Wirklichkeit gesehen hast?«

Das schien er komisch zu finden.

»Ich träume andauernd von Dingen, die ich noch nie gesehen habe – du nicht, Sassenach?«

»Nun ja«, sagte ich unsicher. »Doch. Manchmal. Ungeheuer oder seltsame Pflanzen vielleicht. Oder merkwürdige Landschaften. Und ganz bestimmt Menschen, die ich nicht kenne. Aber das ist doch wohl etwas anderes? Etwas zu sehen, von dessen Existenz man weiß, das man aber noch nie gesehen hat?«

»Nun, vielleicht war das, was ich gesehen habe, ja kein elektrisches Licht, wie es wirklich aussieht«, räumte er ein, »aber das war es, was ich zu mir selbst gesagt habe, als ich es gesehen habe. Und schließlich«, fügte er logisch hinzu, »träume ich doch von der Vergangenheit; warum sollte ich nicht genauso von der Zukunft träumen?«

Es gab keine gute Antwort auf eine durch und durch keltische Bemerkung wie diese.

»Nun ja, du vielleicht«, sagte ich. Ich rieb mir skeptisch über die Unterlippe. »Wie alt war ich denn in deinem Traum?«

Seine Miene war erst überrascht, dann unsicher, und er sah sich mein Gesicht genau an, als versuchte er, es mit dem Bild in seinem Kopf zu vergleichen.

»Nun … das weiß ich nicht«, sagte er und klang zum ersten Mal unsicher. »Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht – und mir ist nicht aufgefallen, dass du weiße Haare hattest oder so etwas – es war einfach nur … du.« Er zuckte verblüfft mit den Achseln und senkte den Blick auf den Edelstein in meiner Hand.

»Fühlt er sich warm für dich an, Sassenach?«, fragte er neugierig.

»Natürlich tut er das«, sagte ich gereizt. »Er ist gerade aus heißem Wachs gekommen, zum Kuckuck.« Und doch schien der Smaragd sanft in meiner Hand zu pulsieren und wie ein winziges Herz zu schlagen, so warm wie mein eigenes Blut. Und als ich ihm den Stein reichte, spürte ich ein leises, merkwürdiges Widerstreben – so als wollte er mich nicht verlassen.

»Gib ihn MacDonald«, sagte ich und rieb mir die Handfläche an meinem Rock. »Ich höre ihn draußen mit Arch reden; er will sicher los.«

MacDonald war tags zuvor inmitten eines Gewitters nach Fraser’s Ridge galoppiert gekommen, das wettergegerbte Gesicht beinahe dunkelrot vor Kälte, Anstrengung und Aufregung, um uns zu berichten, dass er in New Bern eine Druckerei gefunden hatte, die zum Verkauf stand.

»Der Besitzer ist bereits fort – nicht ganz freiwillig«, erzählte er uns, während er tropfend und dampfend am Feuer saß. »Seine Freunde möchten das Gebäude mitsamt der Ausstattung gern schnell verkaufen, bevor es beschlagnahmt oder zerstört wird, und ihm so zu den Mitteln verhelfen, sich in England eine neue Existenz aufzubauen.«

Mit »nicht ganz freiwillig«, so stellte sich heraus, meinte er, dass der Besitzer der Druckerei ein Loyalist war, der durch das örtliche Komitee für die Sicherheit auf offener Straße verschleppt und gegen seinen Willen auf ein Schiff gesteckt worden war, das gerade nach England abreiste. Diese Art spontaner Deportation wurde zunehmend beliebter, und sie war zwar humaner als das Teeren und Federn, doch sie bedeutete auch, dass der Drucker ohne einen Penny in England ankommen und obendrein noch mit dem Geld für die Überfahrt in der Kreide stehen würde.

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