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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Ja«, sagte sie und wischte sich den verspritzten Traubensaft vom Kinn. »Ganz genau!«

Er lächelte immer noch, doch sein Ausdruck hatte sich verändert; jetzt zog er sie nicht mehr auf.

»Brianna«, sagte er leise in diesem Highland-Singsang, der ihren Namen in etwas Seltsames, Anmutiges verwandelte. »Es ist wichtig, aye?«

Jetzt lächelte er gar nicht mehr. Seine Augen waren fest auf die ihren gerichtet, warm, aber ernst. Seine rehbraunen Augen waren das einzige Merkmal in Ian Murrays Gesicht, das man als schön bezeichnen konnte, doch ihr Blick war von solch unverblümter, liebenswerter Offenheit, dass der Betrachter das Gefühl hatte, Ian hätte ihn ins Innere seiner Seele blicken lassen, nur für einen Moment. Sie fragte sich nicht zum ersten Mal, ob er sich dieser Wirkung bewusst war – doch selbst wenn er es war, war es schwer, ihm zu widerstehen.

»Nun gut«, sagte sie und verscheuchte eine kreisende Wespe. Sie war zwar noch verärgert, hatte sich aber in ihr Schicksal ergeben. »Nun gut. Aber du hättest es mir trotzdem sagen sollen. Und du verrätst es mir immer noch nicht?«

Er schüttelte den Kopf, den Blick auf die Traube gerichtet, die er gerade mit dem Daumen von ihrem Stiel löste.

»Es geht nicht«, sagte er schlicht. Er steckte die Traube in den Mund und drehte sich seinem Rucksack zu, um ihn zu öffnen. Jetzt, da sie bewusst hinsah, stellte sie fest, dass er verdächtig prall war. »Möchtest du ein Stück Brot, Cousinchen, oder etwas Käse?«

»Nein. Lass uns gehen.« Sie stand auf und strich sich das Laub von der Hose. »Je eher wir dort sind, desto eher sind wir wieder zurück.«

Eine Stunde vor Sonnenuntergang hielten sie an, solange es noch hell genug war, um Holz zu sammeln. Es hatte sich herausgestellt, dass der prall gefüllte Rucksack zwei Decken enthielt, außerdem etwas zu essen und eine Flasche Bier – mehr als willkommen, nachdem sie fast den ganzen Tag bergauf gegangen waren.

»Oh, das ist aber gut«, sagte sie beifällig und schnupperte nach einem langen, aromatischen, hopfen-herben Schluck am Hals der Flasche. »Wer hat es gebraut?«

»Lizzie. Sie hat bei Frau Ute abgeschaut, wie es geht. Vor dem … äh … mpfm.« Ein diskretes schottisches Geräusch umschrieb die schmerzlichen Umstände, die die Auflösung von Lizzies Verlobung begleitet hatten.

»Mmm. Das war wirklich schade, nicht wahr?« Sie senkte die Wimpern und beobachtete ihn unauffällig, um zu sehen, ob er über Lizzie sprechen wollte. Es hatte einmal den Anschein gehabt, als wären Lizzie und Ian einander zugetan – doch zuerst war er zu den Irokesen gegangen, und dann war sie bei seiner Rückkehr Manfred McGillivray versprochen gewesen. Jetzt, da sie beide wieder frei waren …

Doch er tat ihre Bemerkung über Lizzie einfach mit einem zustimmenden Achselzucken ab, während er sich auf die mühselige Arbeit des Feuermachens konzentrierte. Der Tag war warm gewesen, und ihnen blieb noch eine Stunde Tageslicht, doch die Schatten unter den Bäumen waren schon blau; die Nacht würde kühl werden.

»Ich werde einmal einen Blick auf den Bach werfen«, verkündete sie und zog eine zusammengerollte Schnur und einen Haken aus dem Häufchen der Gegenstände, die Ian aus seinem Rucksack geholt hatte. »Es sah so aus, als wäre da vor der Biegung ein Forellenbecken, und die Fliegen werden jetzt aufsteigen.«

»Oh, aye.« Er nickte, beachtete sie jedoch kaum, während er sein Zunderhäufchen geduldig noch etwas vergrößerte, bevor er seinen Feuerstein erneut Funken regnen ließ.

Als sie der Biegung des kleinen Bachs folgte, entdeckte sie, dass es nicht nur ein Forellenbecken war – es war ein Biberteich. Der hügelförmige Bau spiegelte sich im reglosen Wasser, und am anderen Ufer konnte sie zwei heftig zitternde Weidenschösslinge sehen, die offenbar gerade verspeist wurden.

Sie bewegte sich langsam und blieb argwöhnisch auf der Hut. Biber würden ihr nichts tun, aber sie würden sich ins Wasser stürzen, wenn sie sie erspähten, und dabei mit ihren Schwänzen nicht nur Wasser verspritzen, sondern es regelrecht peitschen. Sie hatte das einmal gehört; es war erstaunlich laut und klang wie eine Gewehrsalve – und es würde garantiert jeden Fisch im Umkreis mehrerer Meilen in ein Versteck treiben.

Das diesseitige Ufer war mit angenagten Stöckchen übersät, deren inneres, weißes Holz mit der Präzision eines Zimmermanns freigemeißelt worden war. Doch keins davon war frisch, und das Einzige, was sie in ihrer Nähe hörte, war das Seufzen des Windes in den Bäumen. Biber waren keine Heimlichtuer; es waren keine da.

Den Blick achtsam auf das andere Ufer gerichtet, steckte sie ein Stückchen Käse als Köder an den Haken, ließ ihn langsam über ihrem Kopf wirbeln, dann schneller, ließ die Schnur dabei länger werden, dann ließ sie ihn fliegen. Der Haken landete mit einem leisen Plop! in der Teichmitte, doch das Geräusch war nicht laut genug, um die Biber in Alarm zu versetzen; die Weidenschösslinge am anderen Ufer zitterten und bebten weiterhin unter dem Ansturm geschäftiger Zähne.

Die Larven stiegen gerade auf, ganz wie sie es Ian vorhergesagt hatte. Die Luft war angenehm kühl in ihrem Gesicht, und die Wasseroberfläche kräuselte sich und glitzerte wie graue Seide, auf der das Licht spielt. Mücken schwebten in kleinen Wolken in der reglosen Luft unter den Bäumen, Beute für die insektenfressenden Köcherfliegen, Steinfliegen und Seejungfern, die jetzt frisch geschlüpft und heißhungrig die Oberfläche durchbrachen.

Es war eine Schande, dass sie weder Angelrute noch geknotete Fliegen hatte – doch den Versuch war es trotzdem wert. Köcherfliegen waren nicht die einzigen Lebewesen, die im Dämmerlicht hungrig an die Oberfläche stiegen, und gefräßige Forellen bissen im Allgemeinen nach allem, was vor ihrer Nase trieb – ihr Vater hatte einmal eine Forelle an einem Haken gefangen, der nur mit ein paar Strähnen seines leuchtenden Haars bestückt war.

Das war eine Idee. Sie lächelte vor sich hin und strich sich eine Haarsträhne zurück, die aus ihrem Zopf entwischt war, und begann, die Schnur langsam wieder ans Ufer zu ziehen. Aber wahrscheinlich gab es hier ja mehr als nur Forellen, und Käse war …

Etwas zog fest an der Schnur, und sie fuhr überrascht zusammen. Hatte sie sich verfangen? Die Schnur ruckte zurück, und ein Stoß aus der Tiefe fuhr ihr wie ein Stromschlag durch den Arm.

Die nächste halbe Stunde verbrachte sie ohne jeden bewussten Gedanken mit der zielstrebigen Jagd auf flossige Beute. Sie war nass bis zu den Oberschenkeln, mit Mückenstichen übersät, und ihr Handgelenk und ihre Schulter schmerzten, aber zu ihren Füßen im Gras glänzten drei fette Fische; sie verspürte die tiefe Genugtuung eines Jägers – und ein paar Käsekrümel waren noch in ihrer Tasche.

Gerade holte sie mit dem Arm aus, um den Angelhaken noch einmal auszuwerfen, als ein plötzlicher Chor von Quiek- und Zischlauten die Abendstille erschütterte und eine durchgehende Biberschar ihre Deckung verließ und das gegenüberliegende Ufer hinunterpolterte wie eine Kolonne kleiner pelziger Panzer. Sie starrte sie mit offenem Mund an und trat automatisch einen Schritt zurück.

Dann tauchte hinter den Bibern etwas Großes, Dunkles zwischen den Bäumen auf, und ein weiterer Reflex pumpte ihr das Adrenalin in die Glieder und ließ sie zur Flucht herumfahren. Sie wäre in Sekunden im Schutz der Bäume gewesen, wenn sie nicht auf einen ihrer Fische getreten wäre, der glitschig wie Butter unter ihrem Fuß wegrutschte, so dass sie ohne Umschweife auf dem Hintern landete. Dort befand sie sich in der idealen Position, um mit anzusehen, wie Rollo als langgezogener, geduckter Blitz aus den Bäumen geschossen kam und sich in gebogener Flugbahn von der Oberkante der Böschung abstieß. Elegant wie ein Komet sauste er durch die Luft und landete klatschend wie ein abgestürzter Meteor zwischen den Bibern im Teich.

Ian sah mit offenem Mund zu ihr auf. Langsam ließ er den Blick von ihren triefenden Haaren über ihre klatschnassen, schlammverschmierten Kleider bis hinunter zu den Fischen wandern, die – einer davon etwas zerdrückt – an einem Lederriemen in ihrer Hand baumelten.

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