Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ian spitzte ein wenig die Lippen, und sie konnte ein paar seiner Gedanken über sein Gesicht huschen sehen, bevor er sich zum Sprechen durchrang.
»Du weißt ja, dass ich einmal daran gedacht habe, dich zu heiraten.«
Er warf ihr einen raschen, direkten Blick zu, und ein seltsamer kleiner Ruck durchfuhr sie, als sie begriff. Gut, er hatte daran gedacht. Und sie bezweifelte zwar nicht, dass sein Angebot nur den edelsten Motiven entsprungen war … Doch er war ein junger Mann. Bis zu diesem Moment war ihr nicht klar gewesen, dass er natürlich über alle Details nachgedacht hatte, die dieses Angebot beinhaltete.
Er sah sie direkt an, ein selbstironisches Eingeständnis der Tatsache, dass er sich in der Tat bis ins körperliche Detail ausgemalt hatte, wie es sein würde, ihr Bett zu teilen – und dieser Vorstellung ganz und gar nicht ablehnend gegenübergestanden hatte. Sie widerstand dem Impuls zu erröten und den Blick abzuwenden; das hätte sie beide in Misskredit gebracht.
Unvermittelt – und zum ersten Mal – war sie sich seiner als Mann bewusst und nicht nur als liebenswerter jüngerer Vetter. War sich der Hitze seines Körpers bewusst, die noch in dem weichen Wildleder gespeichert gewesen war, als sie es anzog.
»Es wäre nicht das Schlimmste auf der Welt gewesen«, sagte sie und bemühte sich um einen genauso sachlichen Tonfall wie er. Er lachte, und die getüpfelten Linien seiner Tätowierungen verloren ihre Strenge.
»Nein«, sagte er. »Vielleicht nicht das Beste – das ist schließlich Roger Mac, aye? Aber es freut mich zu hören, dass ich auch nicht der Schlimmste gewesen wäre. Was meinst du, besser als Ronnie Sinclair? Oder schlimmer als der Anwalt Forbes?«
»Ha und nochmals ha.« Sie weigerte sich, sich von seinen Hänseleien aus der Reserve locken zu lassen. »Du wärst mindestens der Dritte auf meiner Liste gewesen.«
»Der Dritte?« Jetzt konnte sie sich seiner Aufmerksamkeit sicher sein. »Was? Wer war denn der Zweite?« Die Vorstellung, dass jemand noch vor ihm kommen könnte, schien ihn tatsächlich zu ärgern, und sie lachte.
»Lord John Grey.«
»Oh? Oh, nun ja. Aye, er käme wohl in Frage«, räumte Ian widerstrebend ein. »Obwohl er natürlich –« Er hielt abrupt inne und bedachte sie mit einem vorsichtigen Blick.
Auch sie durchfuhr ein warnender Stich. Wusste Ian von John Greys privaten Vorlieben? Seinem merkwürdigen Gesichtsausdruck nach glaubte sie es schon – doch wenn nicht, stand es ihr nicht zu, Lord Johns Geheimnisse zu enthüllen.
»Bist du ihm schon einmal begegnet?«, fragte sie neugierig. Ian war mit ihren Eltern zu den Irokesen aufgebrochen, um Roger zu retten, bevor Lord John auf der Plantage ihrer Tante erschienen war, wo sie selbst den Adligen kennengelernt hatte.
»Oh, aye.« Seine Miene war noch argwöhnisch, obwohl er sich etwas entspannt hatte. »Vor ein paar Jahren. Ihm und seinem … Sohn. Stiefsohn, meine ich. Sie waren auf dem Weg nach Virginia und haben in Fraser’s Ridge eine Pause eingelegt. Ich habe ihn mit den Masern angesteckt.« Er grinste ganz plötzlich. »Oder zumindest hatte er die Masern. Tante Claire hat ihn gesund gepflegt. Und du bist ihm auch begegnet?«
»Ja, auf River Run. Ian, der Fisch hat Feuer gefangen.«
So war es, und er riss den Spieß mit einem leisen gälischen Ausruf aus den Flammen und wedelte mit seinen angesengten Fingern, um sie abzukühlen. Nachdem sie die Fische im Gras gelöscht hatten, erwiesen sie sich als gut essbar, wenn auch außen etwas sehr knusprig, und gaben ein ganz passables Abendessen ab, zu dem es Brot und Bier gab.
»Hast du dann auf River Run Lord Johns Sohn kennengelernt?«, nahm er ihr Gespräch wieder auf. »Willie, so heißt er. Ein netter Junge. Er ist in den Abort gefallen«, fügte er nachdenklich hinzu.
»In den Abort gefallen?«, sagte sie lachend. »Das klingt, als wäre er ein Idiot. Oder war er einfach nur so klein?«
»Nein, für sein Alter war er gerade richtig. Und gar nicht so dumm für einen Engländer. Aber eigentlich war es ja auch nicht seine Schuld. Wir haben uns eine Schlange angesehen, und dann ist sie über den Ast auf uns zugekrochen und … Jedenfalls war es ein Unfall«, schloss er und gab Rollo noch ein Stück Fisch. »Aber du selbst bist ihm also noch nicht begegnet?«
»Nein, und ich glaube, dass du absichtlich vom Thema ablenkst.«
»Aye, das stimmt. Möchtest du noch einen Schluck Bier?«
Sie sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an – er brauchte gar nicht zu glauben, dass er so leicht davonkommen würde –, nickte aber und nahm die Flasche entgegen.
Sie schwiegen eine Weile, tranken Bier und sahen zu, wie das letzte Licht in Dunkelheit versank und die Sterne aufgingen.
Der Duft der Kiefern wurde nun intensiver, denn ihr Harz hatte die Wärme des Tages gespeichert, und in einiger Entfernung hörte sie dann und wann einen Biberschwanz wie einen Gewehrschuss auf das Wasser klatschen – offenbar hatten die Biber Wachen aufgestellt, für den Fall, dass sie oder Rollo im Dunklen zurückschlichen, dachte sie ironisch.
Ian hatte sich zum Schutz gegen die zunehmende Kälte seine Decke um die Schultern geworfen und lag flach im Gras und starrte zum Gewölbe des Himmels hinauf.
Sie versuchte erst gar nicht, sich den Anschein zu geben, als beobachtete sie ihn nicht. Und sie war sich sicher, dass er sich dessen bewusst war. Im Moment war sein Gesicht reglos und ließ seine übliche Lebendigkeit vermissen – doch es lag kein Argwohn darin. Er dachte nach, und sie räumte ihm alle Zeit ein, die er brauchte; es war Herbst, und die Nacht würde lang genug sein für viele Dinge.
Sie wünschte, sie wäre auf die Idee gekommen, ihre Mutter ausführlicher nach dem Mädchen zu fragen, das Ian Emily nannte – ihr Mohawk-Name war vielsilbig und unaussprechlich. Klein, hatte ihre Mutter gesagt. Hübsch, auf eine ordentliche, zierliche Art, und ausgesprochen klug.
War sie tot, Emily, die Kleine, Kluge? Sie glaubte es nicht. Sie lebte schon lange genug in dieser Zeit, um mehrfach gesehen zu haben, wie Männer mit dem Tod ihrer Frauen fertigwurden. Man sah ihnen ihren Verlust und ihren Schmerz an – doch sie verhielten sich nicht so, wie Ian es getan hatte.
Ob er vorhatte, sie zu Emily zu bringen? Das war ein bestürzender Gedanke, den sie jedoch gleich wieder verwarf. Bis zum Gebiet der Mohawk war es mindestens eine Monatsreise – wahrscheinlich sogar mehr. Andererseits …
»Weißt du, ich habe mich gefragt«, sagte er plötzlich, den Blick nach wie vor zum Himmel gewandt. »Kommst du dir manchmal … falsch vor?« Er sah sie hilflos an, weil er sich nicht sicher war, ob er ausgedrückt hatte, was er meinte – doch sie verstand ihn bestens.
»Ja, immerzu.« Bei diesem Geständnis empfand sie ein Gefühl sofortiger, unerwarteter Erleichterung. Er sah ihre Schultern zusammensacken und lächelte schwach und schief.
»Nun ja … vielleicht nicht immer«, verbesserte sie sich. »Wenn ich allein im Wald bin, geht es. Oder wenn ich mit Roger allein bin. Obwohl selbst dann …« Sie sah, wie sich Ians Augenbraue hob, und beeilte sich, es zu erklären. »Nicht das. Nicht das Zusammensein mit ihm. Es ist nur, dass wir … Wir unterhalten uns über das, was einmal gewesen ist.«
Er warf ihr einen Blick zu, in dem sich Mitgefühl mit Interesse vermischte. Es war klar, dass er gern erfahren hätte, »was gewesen war«, doch vorerst schob er es beiseite.
»Der Wald, aye?«, sagte er. »Das verstehe ich. Zumindest, wenn ich wach bin. Aber im Schlaf …« Er wandte das Gesicht wieder dem leeren Himmel und den zunehmend stärker leuchtenden Sternen zu.
»Hast du Angst – wenn es dunkel wird?« Sie empfand dann und wann so; einen Augenblick tiefer Angst im Zwielicht – ein Gefühl des Verlassenseins und der elementaren Einsamkeit, wenn die Nacht aus der Erde aufstieg. Ein Gefühl, das manchmal blieb, selbst wenn sie in ihre Hütte gegangen war und die Tür sicher hinter sich verriegelt hatte.