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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Nein«, sagte er und sah sie mit leicht gerunzelter Stirn an. »Du?«

»Nur ein bisschen«, sagte sie und winkte ab. »Nicht ständig. Nicht jetzt. Aber was ist das nur, wenn man im Wald schläft?«

Er setzte sich hin, lehnte sich ein wenig zurück, die kräftigen Hände um ein Knie gelegt, und dachte nach.

»Aye, nun ja …«, sagte er langsam. »Manchmal denke ich an die alten Geschichten – aus Schottland, aye? Und Geschichten, die ich ab und zu gehört habe, als ich bei den Kahnyen’kehaka gelebt habe. Über … Dinge, die einen Menschen im Schlaf überkommen können. Um seine Seele fortzulocken.«

»Dinge?« Trotz der Schönheit der Sterne und des friedlichen Abends spürte sie, wie ihr etwas Kleines, Kaltes über den Rücken glitt. »Was für Dinge?«

Er holte tief Luft und atmete stirnrunzelnd wieder aus.

»Auf Gälisch nennen wir sie sidhe. Die Cherokee nennen sie die Nunnahee. Und die Mohawk haben ebenfalls Namen für sie – mehr als einen. Aber als ich Eats Turtles von ihnen erzählen gehört habe, wusste ich sofort, was sie sind. Es ist dasselbe – das Alte Volk.«

»Feen?«, sagte sie, und ihr Unglaube musste ihr deutlich anzuhören sein, denn er blickte scharf zu ihr auf, eine Spur von Ärger in den Augen.

»Nein, ich weiß, was du damit meinst – Roger Mac hat mir das Bildchen gezeigt, das du für Jem gezeichnet hast, lauter kleine Wesen wie Libellen, die durch die Blumen tanzen …« Er stieß einen verächtlichen Kehllaut aus. »Nein. Diese Dinge sind …« Er machte eine hilflose Geste und starrte stirnrunzelnd ins Gras.

»Vitamine«, sagte er plötzlich und blickte auf.

»Vitamine«, sagte sie und rieb sich die Stelle zwischen den Augen. Es war ein langer Tag gewesen; sie waren wahrscheinlich zwanzig bis fünfundzwanzig Kilometer gewandert, und die Erschöpfung hatte sich wie Wasser in ihren Beinen und ihrem Rücken niedergelassen. Die Prellungen von ihrem Kampf mit den Bibern begannen unterschwellig zu schmerzen.

»Ich verstehe. Ian … bist du sicher, dass dein Kopf nicht immer noch ein bisschen angeknackst ist?« Sie sagte es unbeschwert, aber ihre Angst, dass es stimmen könnte, musste ihr anzuhören sein, denn er gluckste leise und reumütig.

»Nein. Oder wenigstens – glaube ich es nicht. Es war nur – nun ja, weißt du, es ist doch so. Man kann die Vitamine nicht sehen, aber du und Tante Claire, ihr wisst genau, dass es sie gibt. Und Onkel Jamie und ich müssen darauf vertrauen, dass ihr recht habt. Ich weiß genauso viel über die – die Alten. Kannst du mir das nicht auch glauben?«

»Nun, ich –« Sie hatte angesetzt, ihm zuzustimmen, um des lieben Friedens willen – doch dann überkam sie ein Gefühl, plötzlich und kalt wie der Schatten einer Wolke, und ihr verging der Wunsch, diese Vorstellung zu bejahen. Nicht laut. Und nicht hier.

»Oh«, sagte er, als er ihr Gesicht sah. »Dann weißt du es also doch.«

»Ich würde nicht wissen sagen, nein«, erwiderte sie. »Aber ich weiß ebenso wenig, dass es nicht so ist. Und ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, über solche Dinge zu reden, nachts in einem Wald, eine Million Meilen von der Zivilisation entfernt. Verstehst du?«

Bei diesen Worten lächelte er ein wenig und nickte zur Bestätigung.

»Aye. Eigentlich wollte ich das auch gar nicht sagen. Es ist eher …« Er zog konzentriert seine feinen Augenbrauen zusammen. »Als ich noch ein Junge war, bin ich oft im Bett aufgewacht, und dann wusste ich sofort, wo ich war, aye? Da war das Fenster« – er machte eine Geste mit dem Arm –, »und da auf dem Tisch waren die Waschschüssel und der Wasserkrug mit dem blauen Streifen am Rand, und da« – er zeigte auf einen Lorbeerbusch – »war das große Bett, in dem Janet und Michael geschlafen haben, und Jocky, der Hund, hat am Fußende vor sich hin gefurzt, und der Geruch nach Torfrauch vom Kamin und … nun ja, selbst wenn ich um Mitternacht wach geworden bin und es im ganzen Haus still war, wusste ich sofort, wo ich bin.«

Sie nickte, und die Erinnerung an ihr altes Zimmer in ihrem Haus an der Furey Street stieg rings um sie auf, so lebhaft wie eine Vision im Rauch. Die gestreifte Wolldecke, die sie unter dem Kinn kratzte, und die Matratze mit dem Abdruck ihres Körpers in der Mitte, die sie wie eine große, warme Hand umschloss. Angus, der Stoffterrier mit der fadenscheinigen Schottenmütze, der bei ihr im Bett schlief, und das beruhigende Summen der Unterhaltung ihrer Eltern unten im Wohnzimmer, unterbrochen vom Saxophon der Titelmusik von »Perry Mason«.

Und vor allem das Gefühl absoluter Sicherheit.

Sie musste ihre Augen schließen und zweimal schlucken, bevor sie antwortete.

»Ja. Ich weiß, was du meinst.«

»Aye. Nun. In der ersten Zeit, nachdem ich von zu Hause weggegangen bin, habe ich oft mit Onkel Jamie draußen in der Heide geschlafen oder hier und da in einem Wirtshaus. Dort bin ich aufgewacht, ohne zu wissen, wo ich bin – und doch wusste ich, dass ich in Schottland war. Alles war gut.« Er hielt inne und hielt die Unterlippe mit den Zähnen fest, während er um die richtigen Worte rang.

»Dann … ist vieles passiert. Ich war nicht mehr in Schottland, und mein Zuhause war … verloren.« Seine Stimme war sanft, doch sie konnte das Echo des Vergangenen darin hören.

»Ich bin oft aufgewacht, ohne die geringste Ahnung zu haben, wo ich sein könnte – oder wer.«

Er saß jetzt vornübergebeugt, und seine großen Hände hingen lose zwischen seinen Oberschenkeln, während er ins Feuer starrte.

»Aber wenn ich mit Emily geschlafen habe – von Anfang an. Ich habe es gewusst. Wieder gewusst, wer ich war.« Jetzt sah er zu ihr auf, und seine Augen waren dunkel, vom Schatten des Verlustes erfüllt. »Meine Seele ist im Schlaf nicht gewandert – wenn ich mit ihr geschlafen habe.«

»Und jetzt tut sie es?«, fragte sie leise nach einer Pause.

Er nickte wortlos. Der Wind flüsterte über ihnen in den Bäumen. Sie versuchte, ihn zu ignorieren, von einer obskuren Angst erfüllt, dass sie womöglich Worte hören würde, wenn sie genau lauschte.

»Ian«, sagte sie und berührte ihn sacht am Arm. »Ist Emily tot?«

Er saß eine Minute lang ganz still da, dann holte er tief und erschauernd Luft und schüttelte den Kopf.

»Ich glaube nicht.« Doch er klang, als hätte er Zweifel daran, und sie konnte die Sorge in seinem Gesicht sehen.

»Ian«, sagte sie leise. »Komm her.«

Er bewegte sich nicht, wehrte sich aber auch nicht, als sie an seine Seite kroch und die Arme um ihn legte. Sie zog ihn mit sich zu Boden und beharrte darauf, dass er sich neben sie legte, den Kopf in die Rundung zwischen ihrer Schulter und ihrer Brust geschmiegt, während sie den Arm um ihn legte.

Mutterinstinkt, dachte sie voll belustigter Ironie. Ganz gleich, was nicht in Ordnung ist, als Erstes nimmt man sie in den Arm und kuschelt mit ihnen. Und wenn sie zu groß sind, um sie aufzuheben … Und wenn sein warmes Gewicht und das Geräusch seines Atems in ihrem Ohr die Stimmen im Wind von ihr fernhielten, umso besser.

Ihr kam eine bruchstückhafte Erinnerung, ein kurzes, lebhaftes Bild ihrer Mutter, die in der Küche ihres Bostoner Hauses hinter ihrem Vater stand. Er hatte sich auf seinem Stuhl zurückgelehnt, den Kopf an den Bauch ihrer Mutter gelegt und die Augen vor Schmerz oder Erschöpfung geschlossen, während sie ihm die Schläfen rieb. Was war es gewesen? Kopfschmerzen?

Doch das Gesicht ihrer Mutter war sanft gewesen, die Falten der Anstrengung ihres eigenen Tages geglättet durch die Massage, die sie ihm verabreichte.

»Ich komme mir albern vor«, murmelte Ian schüchtern – doch er wich nicht zurück.

»Nein, das tust du nicht.«

Er holte tief Luft, wand sich ein wenig und machte es sich vorsichtig im Gras bequem. Sein Körper berührte den ihren kaum.

»Aye, nun. Dann wohl doch nicht«, sagte er leise. Nach und nach ging sein Argwohn in Entspannung über, sein Kopf wurde schwerer an ihrer Schulter, die Verhärtung seiner Rückenmuskeln ließ unter ihrer Hand langsam nach. Ganz zögernd, als erwartete er, dass sie ihn mit einer Ohrfeige vertreiben würde, hob er einen Arm und legte ihn um sie.

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