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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Brianna stieß ein leises Knurren aus, das nichts Gutes für Jemmy oder Germain verhieß, wenn sie sie fand. Doch bevor sie den Weg wieder hinaufstapfen konnte, tauchten Roger und Ian auf. Jeder von ihnen trug ein Ende von Marsalis Webstuhl, den sie für den Transport zu einem großen Bündel aus schweren Holzbalken zusammengelegt hatten. Doch angesichts des Verkehrsstaus auf der Straße blieben sie stehen und stellten ihre Last mit erleichterten Seufzern ab.

»Stimmt etwas nicht?«, fragte Roger, der von einem Gesicht zum nächsten blickte und schließlich stirnrunzelnd bei der Ziege verweilte. »Wo sind Jem und Germain?«

»Ich wette, diese kleinen Ungeheuer haben sich irgendwo versteckt«, sagte Brianna und strich sich das wirre rote Haar aus dem Gesicht. Ihr Zopf hatte sich gelöst, und flüchtige Haarsträhnen klebten ihr feucht am Gesicht. Im Moment war ich ganz dankbar für mein kurzes Lockendickicht; ganz gleich, wie es aussah, es war auf jeden Fall praktisch.

»Soll ich nachsehen?«, fragte Ian und kam unter der hölzernen Puddingschüssel hervor, die er umgekehrt auf dem Kopf getragen hatte. »Sie können ja nicht weit sein.«

Beim Geräusch hastiger Schritte von unten wandte sich alles erwartungsvoll in diese Richtung – doch es waren nicht die Jungen, sondern Marsali, atemlos und mit großen Augen.

»Henri-Christian«, keuchte sie, und ihr Blick hastete suchend über die Anwesenden hinweg. »Hast du ihn, Mutter Claire? Brianna?«

»Ich dachte, du hättest ihn«, sagte Brianna angesichts der Not in Marsalis Stimme.

»Ich hatte ihn ja auch. Der kleine Aidan McCallum hat für mich auf ihn aufgepasst, während ich den Wagen beladen habe. Aber dann habe ich Pause gemacht, um ihn zu füttern« – ihre Hand fuhr kurz an ihre Brust –, »und sie waren beide verschwunden! Ich dachte, vielleicht …« Ihre Worte erstarben, als sie die Büsche am Wegrand abzusuchen begann, und ihre Wangen waren rot vor Anstrengung und Ärger.

»Ich werde ihn erwürgen«, zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen. »Und wo ist eigentlich Germain?«, fragte sie, als sie Mirabel entdeckte, die die Pause nutzte, um am Weg köstliche Disteln zu knabbern.

»Allmählich sieht es so aus, als steckte ein Plan dahinter«, merkte Roger sichtbar belustigt an. Auch Ian schien irgendetwas an der Situation komisch zu finden, doch funkelnde Blicke der aufgebrachten Weiblichkeit wischten ihnen das Grinsen aus den Gesichtern.

»Dann geht sie bitte suchen«, sagte ich, weil ich sah, dass Marsali im Begriff war, entweder in Tränen auszubrechen oder durchzudrehen und mit Gegenständen zu werfen.

»Aye, bitte«, sagte sie gereizt. »Und verpasst ihnen eine Tracht Prügel, wenn ihr schon dabei seid.«

»Du weißt, wo sie sind?«, fragte Ian und hielt sich eine Hand über die Augen, um durch eine Felsenrinne bergauf zu spähen.

»Aye, wahrscheinlich. Hier entlang.« Gefolgt von Ian, schob sich Roger durch ein Ilexgestrüpp und kam am Ufer des kleinen Bachs raus, der hier parallel zum Pfad verlief. Unter sich erhaschte er einen Blick auf Aidans Lieblingsangelplatz an der Furt, doch dort unten war keine Spur von Leben zu sehen.

Stattdessen wandte er sich bergauf und bahnte sich seinen Weg durch dichtes, trockenes Gras und loses Gestein am Bachufer entlang. Die meisten Blätter waren jetzt von den Kastanien und den Pappeln gefallen und lagen als rutschige Matten in Braun und Gold am Boden.

Aidan hatte ihm das Geheimversteck vor einiger Zeit gezeigt; eine kleine Höhle, kaum einen Meter hoch, die an der Oberkante eines Steilhangs lag und von einem Dickicht aus Eichenschösslingen zugewuchert war. Jetzt waren die Eichen kahl, und wenn man wusste, wo man suchen musste, war die Öffnung der Höhle leicht zu finden. Im Moment war sie besonders gut zu sehen, weil Rauch daraus hervordrang, der wie ein Schleier über die Felsen oberhalb der Höhle wehte und seinen scharfen Geruch in der kalten, trockenen Luft hinterließ.

Ian zog eine Augenbraue hoch. Roger nickte und stieg bergan, wobei er sich keine Mühe gab, geräuschlos vorzugehen. Im Inneren der Höhle erscholl ein wildes Durcheinander aus Gerumpel und leisen Ausrufen, und der Rauchschleier stockte und verschwand, um lautem Zischen und einer dunkelgrauen Wolke aus der Höhlenöffnung zu weichen, weil jemand Wasser auf das Feuer goss.

Ian war unterdessen lautlos zur Oberseite der Höhle geklettert, wo er eine kleine Felsspalte sah, aus der sich ein Rauchwölkchen kräuselte. Mit einer Hand an einen Hartriegelstrauch geklammert, der aus dem Felsen wuchs, beugte er sich gefährlich weit vor, hielt sich die Hand um den Mund und stieß einen grauenvollen Mohawk-Schrei direkt in die Felsspalte hinein.

Noch schrillere Schreckensschreie kamen aus der Höhle, kurz darauf gefolgt von einem Gewirr kleiner Jungen, die sich gegenseitig schubsten und übereinanderstolperten, so eilig hatten sie es.

»O-ho!« Roger packte seinen eigenen Nachwuchs zielsicher am Kragen, als dieser vorbeistürzte. »Der Ausflug ist vorbei, Kumpel.«

Germain, der Henri-Christians stabiles Körperchen an sich geklammert hielt, versuchte, bergab zu fliehen, doch Ian sprang wie ein Panther an ihm vorbei und nahm ihm das Baby ab, was ihn widerstrebend zum Stehen brachte.

Nur Aidan erwischten sie nicht. Doch als er sah, dass seine Kameraden gefangen waren, zögerte er am Rand des Abhangs und wäre sichtlich gern geflohen, gab aber ritterlich auf und kam schleppenden Schrittes zurück, um ihr Schicksal zu teilen.

»Nun gut, Jungs; tut mir leid, aber es geht nicht.« Roger sprach nicht ohne Mitgefühl; Jemmy war schon seit Tagen außer sich über die Tatsache, dass Germain gehen würde.

»Aber wir möchten nicht weg, Onkel Roger«, sagte Germain und brachte mit Rehaugen seinen unwiderstehlichsten Bettelblick zur Anwendung. »Wir werden hierbleiben; wir können in der Höhle wohnen und unser Essen jagen.«

»Aye, Sir, und ich und Jem, wir geben ihnen etwas von unserem Essen ab«, stimmte Aidan ein, der darauf brannte, sie zu unterstützen.

»Ich habe ein paar von Mamas Streichhölzern mitgebracht, damit sie Feuer haben, um sich warm zu halten«, fiel nun auch Jemmy ein, »und einen Laib Brot!«

»Du siehst also, Onkel Roger« – Germain breitete zur Illustration anmutig die Hände aus –, »wir werden niemandem zur Last fallen!«

»Oh, niemandem, wie?«, sagte Ian nicht weniger mitfühlend. »Erzähl das deiner Mutter, aye?«

Germain legte die Hände in seinen Rücken und umklammerte instinktiv schützend seine Pobacken.

»Und was hast du dir nur dabei gedacht, deinen kleinen Bruder hier heraufzuschleifen?«, fragte Roger ein kleines bisschen strenger. »Er kann doch kaum laufen! Zwei Schritte da hinaus« – er wies kopfnickend auf die Höhle –, »und er stürzt bis zum Bach hinunter und bricht sich den Hals.«

»Oh, nein, Sir!«, sagte Germain schockiert. Er fingerte in seiner Tasche herum und zog ein Stück Leine heraus. »Ich würde ihn anbinden, wenn ich nicht da wäre, damit er nicht davonspaziert oder fällt. Aber ich konnte ihn doch nicht dalassen; ich habe es Maman bei seiner Geburt versprochen; ich habe gesagt, ich würde ihn nie allein lassen.«

Tränen begannen Aidan über die schmalen Wangen zu laufen. Henri-Christian begann völlig verwirrt aus lauter Sympathie mitzuheulen, woraufhin auch Jems Unterlippe bebte. Er entwand sich Rogers Griff, rannte auf Germain zu und klammerte sich heftig an ihn.

»Germain darf nicht gehen, Papa, bitte zwinge ihn nicht zu gehen!«

Roger rieb sich die Nase, wechselte einen kurzen Blick mit Ian und seufzte.

Er setzte sich auf einen Felsen und winkte Ian zu, der gewisse Schwierigkeiten damit hatte zu entscheiden, wie herum er Henri-Christian halten sollte. Ian überreichte ihm das Baby mit spürbarer Erleichterung, und Henri-Christian, der das Bedürfnis nach Sicherheit verspürte, griff Roger mit einer Hand an die Nase und mit der anderen in die Haare.

»Hör zu, a bhailach«, sagte er und löste sich unter Schwierigkeiten von Henri-Christian. »Der kleine Henri-Christian braucht seine Mutter zum Trinken. Er hat ja kaum Zähne, zum Kuckuck – er kann nicht hier oben in der Einöde leben und mit euch Wilden rohes Fleisch essen.«

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