Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Standing Bear umklammerte das Gewehr ekstatisch. Er ließ seine Finger ehrfürchtig über den glänzenden Lauf gleiten und hob sie dann an seine Nase, um das betäubende Parfum von Öl und Schießpulver zu riechen. Dann winkte er seinen Freunden zu, auch einmal daran zu riechen.
Fünf Herren hatten Musketen aus der wohltätigen Hand von Bird-who-sings-in-the-morning erhalten, und ein Gefühl der Wonne durchlief das Haus und breitete sich wellenförmig im Dorf aus. Bird selbst, der immer noch fünfundzwanzig Musketen zu vergeben hatte, war trunken vom Gefühl des unschätzbaren Reichtums und der Macht. Daher war er in der Stimmung, alles und jeden willkommen zu heißen.
»Dies ist Hiram Crombie«, sagte Jamie auf Tsalagi zu Bird und wies auf Mr. Crombie, der blass und nervös neben ihm gestanden hatte, während das Vorgeplänkel stattfand, Jamie die Musketen präsentierte, die Krieger zusammengerufen wurden und allgemeiner Jubel über die Gewehre ausbrach. »Er ist hier, um Euch seine Freundschaft anzubieten und Euch Geschichten von Christus zu erzählen.«
»Oh, Euer Christus? Der in die Unterwelt gegangen und zurückgekommen ist? Ich habe mich oft gefragt, ob er dort Sky-woman getroffen hat oder Mole. Ich bin Mole sehr verbunden; ich wüsste gern, was er gesagt hat.« Bird berührte den steinernen Anhänger, den er um den Hals trug, eine kleine rote gemeißelte Abbildung von Mole, dem Führer in die Unterwelt.
Mr. Crombie hatte die Stirn gerunzelt, doch zum Glück hatte er noch keinerlei Gewandtheit im Umgang mit der Tsalagisprache entwickelt; er war noch nicht über das Stadium hinaus, in dem er jedes Wort im Kopf ins Englische übersetzte, und Bird sprach sehr schnell. Und Ian hatte keine Gelegenheit gehabt, Hiram das Wort für Mole beizubringen.
Jamie hustete.
»Er wird Euch sicher mit Freuden sämtliche Geschichten erzählen, die er kennt«, überbrückte er den Moment auf Englisch, »Tsisqua heißt Euch willkommen.«
Birds Frau Penstemon blähte ein wenig die Nasenlöcher; Crombie schwitzte vor Nervosität und stank wie eine Ziege. Er verbeugte sich ernst, überreichte Bird das gute Messer, das er als Geschenk mitgebracht hatte, und rezitierte dabei langsam die Begrüßungsansprache, die er auswendig gelernt hatte. Und das gar nicht so schlecht, dachte Jamie; er hatte nur ein paar Wörter falsch ausgesprochen.
»Ich komme, um Euch g-große Freude zu bringen«, beendete er seine Rede stotternd.
Bird sah Crombie – schmächtig, sehnig und triefend nass – eine lange Minute unergründlich an, dann richtete er den Blick wieder auf Jamie.
»Ihr seid ein lustiger Mann, Bärentöter«, sagte er resigniert. »Lasst uns essen!«
Es war Herbst; die Ernte war eingebracht, und die Jagd war gut. Und so wurde das Fest der Gewehre ein denkwürdiger Anlass, bei dem Wapitihirsch und Wildschwein dampfend aus Erdgruben gehoben und über prasselnden Feuern gebraten wurden, mit überquellenden Tellern voll Mais und gebratenem Kürbis, schüsselweise mit Zwiebeln und Koriander gewürzten Bohnen und Gemüseeintopf und dutzendweise kleinen Fischen, in Maismehl gewälzt, in Bärenfett gebraten, ihr Fleisch knusprig und süß.
Mr. Crombie, der anfangs sehr steif gewesen war, begann unter dem Einfluss des Essens, des Biers und der schmeichelhaften Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwurde, aufzutauen. Einen gewissen Teil dieser Aufmerksamkeit, dachte Jamie, verdankte er der Tatsache, dass Ian eine Zeitlang bei seinem Schüler blieb und ihn breit grinsend ermutigte und verbesserte, bis Hiram die Sprache leichter über die Lippen ging und er allein zurechtkam. Ian erfreute sich großer Beliebtheit, vor allem bei den jungen Frauen des Dorfes.
Jamie selbst genoss das Fest in vollen Zügen; nun, da er seiner Verantwortung enthoben war, blieb ihm nichts mehr zu tun, als zu reden und zuzuhören und zu essen – und am Morgen würde er gehen.
Es war ein seltsames Gefühl, und er war sich nicht sicher, es schon einmal empfunden zu haben. Er hatte schon viele Abschiede erlebt, meistens bedauernd, manchmal mit einem Gefühl der Erleichterung, ein paar, die ihm das Herz aus der Brust rissen und ihn bluten ließen. Nicht heute Abend. Alles erschien ihm seltsam zeremoniös, etwas, das er bewusst zum letzten Mal tat, und doch lag keine Traurigkeit darin.
Es war wohl eher ein Gefühl der Vollendung. Er hatte getan, was er konnte, und nun musste er es Bird und den anderen überlassen, ihren eigenen Weg zu gehen. Vielleicht würde er einmal wiederkommen, jedoch nie wieder im Dienst, in seiner Rolle als Agent des Königs.
Dies allein war ein merkwürdiger Gedanke. Er hatte noch nie ohne das Bewusstsein gelebt, Untertan eines Königs zu sein – ob freiwillig oder nicht, ob er sich darüber Gedanken machte oder nicht … ob es das Haus des Deutschen Geordie war oder die Stuarts. Und jetzt tat er es.
Zum ersten Mal bekam er eine Ahnung von dem, was seine Frau und seine Tochter ihm zu erklären versucht hatten.
Er begriff, dass Hiram Anlauf nahm, einen der Psalmen zu rezitieren. Er machte seine Sache nicht schlecht, denn er hatte Ian gebeten, den Text zu übersetzen, und hatte ihn dann sorgfältig auswendig gelernt. Allerdings …
»Öl läuft ihm über Kopf und Bart.«
Penstemon warf einen argwöhnischen Blick auf den kleinen Topf mit geschmolzenem Bärenfett, das sie zum Kochen benutzten, und beobachtete Hiram mit zusammengekniffenen Augen, wohl um ihm das Gefäß aus der Hand zu reißen, falls er versuchte, es über seinem Kopf auszugießen.
»Es ist eine Geschichte über seine Vorfahren«, sagte Jamie mit einem kleinen Achselzucken zu ihr. »Nicht seine eigene Sitte.«
»Oh. Hm.« Sie entspannte sich ein wenig, ließ Hiram aber nach wie vor nicht aus den Augen. Er war zwar Gast, aber man konnte sich nicht darauf verlassen, dass sich alle Gäste gut benahmen.
Doch Hiram unternahm nichts Unziemliches, und obwohl er immer wieder versicherte, satt zu sein, und seinen Gastgebern ungeschickte Komplimente machte, überredete man ihn zu essen, bis seine Augen vorquollen, was die Indianer freute.
Ian würde ein paar Tage bleiben, um sicherzugehen, dass Hiram und Birds Leute miteinander auskamen. Allerdings war sich Jamie nicht ganz sicher, dass Ians Sinn für Humor nicht die Oberhand über sein Verantwortungsgefühl erlangen würde – in mancher Hinsicht ähnelte Ians Sinn für Humor dem der Indianer. Womöglich wäre es daher kein Fehler, wenn Jamie etwas zur Verständigung beitrug.
»Er hat eine Frau«, sagte Jamie zu Bird und wies kopfnickend auf Hiram, der jetzt in ein angeregtes Gespräch mit zweien der älteren Männer vertieft war. »Ich glaube, er würde eine junge Frau in seinem Bett nicht willkommen heißen. Möglich, dass er unhöflich zu ihr wäre, weil er das Kompliment nicht versteht.«
»Keine Sorge«, sagte Penstemon, die dies mitbekam. Sie blickte in Hirams Richtung und verzog verächtlich die Lippen. »Niemand würde ein Kind von ihm wollen. Ein Kind von Euch dagegen, Bärentöter …« Sie warf ihm mit gesenkten Lidern einen langen Blick zu, und er lachte und salutierte ihr mit einer Geste des Respekts.
Es war eine perfekte Nacht, kalt und klar, und die Tür stand offen, damit Luft hereinkam. Der Rauch des Feuers stieg gerade und weiß zu dem Loch in der Decke auf wie Geister, die sich froh erheben.
Jedermann hatte gegessen und getrunken, bis ihn angenehme Müdigkeit überkam, und vorübergehend herrschte Stille und ein allgemeines Gefühl des Friedens und des Glücks.
»Es ist gut, wenn Männer als Brüder essen«, sagte Hiram in seinem stockenden Tsalagi zu Standing Bear. Zumindest versuchte er es. Und schließlich, so dachte Jamie, der seine Rippen von der Anstrengung ächzen spürte, war der Unterschied zwischen »als Brüder« und »ihre Brüder« wirklich nicht sehr groß.