Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Was ist denn das für eine Art, einen Krieg zu führen, zum Teufel?«, knurrte er vor sich hin, während er sich durch ein Brombeergebüsch schob. Er fühlte sich an eine dieser Science-Fiction-Geschichten erinnert, in denen jedermann außer dem Helden plötzlich vom Antlitz der Erde verschwunden ist. Er wurde langsam nervös; was, wenn es ihm nicht gelang, den verdammten Quäker – oder auch nur die Armee – zu finden, bevor das Gefecht begann?
Dann gelangte er um eine Biegung des Flusses und bekam seine ersten, echten Regulatoren zu Gesicht: eine Gruppe von Frauen, die neben einer Felsenansammlung im dahinströmenden Wasser ihre Wäsche wuschen.
Er duckte sich wieder ins Unterholz, bevor sie ihn sahen, und wandte sich zuversichtlich vom Fluss ab. Wenn die Frauen hier waren, waren die Männer nicht fern.
So war es auch. Nur ein paar Meter weiter hörte er die Geräusche eines Lagers – plaudernde Stimmen, das Scheppern von Löffeln und Teekesseln und rumpelndes Holzhacken. Er bog um ein Weißdorndickicht und wurde fast von einer Horde junger Männer umgelaufen, die johlend und lärmend an ihm vorbeirannten und einem weiteren Mann aus ihrer Mitte hinterherjagten, der einen frisch abgeschnittenen Waschbärenschwanz über seinem Kopf wehen ließ.
Sie schossen an Roger vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, und als er jetzt weiterging, ließ sein Argwohn ein wenig nach. Er wurde nicht angehalten; es gab keine Wachtposten. Im Gegenteil, ein fremdes Gesicht schien hier weder etwas Besonderes zu sein noch eine Bedrohung darzustellen. Ein paar Männer warfen ihm beiläufige Blicke zu, vertieften sich dann aber wieder in ihre Gespräche, offenbar ohne etwas Seltsames an seinem Erscheinen zu finden.
»Ich suche Hermon Husband«, sagte er unverblümt zu einem Mann, der über den bleichen Flammen eines Feuers ein Eichhörnchen briet. Der Mann machte zunächst ein verständnisloses Gesicht.
»Den Quäker?«, half ihm Roger auf die Sprünge.
»Oh, aye, den«, sagte der Mann, und seine Miene klärte sich auf. »Er ist ein Stück weiter – diese Richtung, glaube ich.« Er gestikulierte hilfsbereit mit seinem Stock, und das angekohlte Eichhörnchen wies Roger mit den Stummeln seiner geschwärzten Vorderbeine den Weg.
Das »Stück weiter« war ein beträchtliches Stück. Roger passierte drei weitere, in der Gegend verstreute Lagerplätze, bevor er das erreichte, was die eigentliche Armee zu sein schien – wenn ein solcher Ausdruck denn nicht zu viel der Ehre war. Zwar schien die Atmosphäre hier zunehmend von Ernsthaftigkeit geprägt zu sein, und er sah weniger Männer beim sorglosen Spiel als unten am Fluss. Dennoch, mit dem strategischen Hauptquartier des Gouverneurs hatte es nicht die geringste Ähnlichkeit.
Allmählich wuchs in ihm die Hoffnung, dass Gewalttätigkeiten immer noch zu vermeiden waren, obwohl sich die Armeen direkt gegenüberstanden und die Artillerie einsatzbereit war. Doch während er jetzt weiterdrängte und an jedem Lagerfeuer, das er passierte, nach dem Weg fragte, begann er, etwas anderes in der Luft zu spüren – ein zunehmendes Gefühl der Not, das an Verzweiflung grenzte. Keine Spur mehr von den Albereien, die er in den äußeren Lagern beobachtet hatte; die Männer standen dicht gedrängt beieinander und hatten die Köpfe im Gespräch zusammen gesteckt – oder sie saßen für sich allein und luden grimmig ihre Schusswaffen oder schärften ihre Messer.
Als er jetzt weiter vordrang, kannte jeder den Namen Hermon Husband, und die Finger, die ihm die Richtung wiesen, wurden bestimmter. Der Name schien beinahe so etwas wie ein Magnet zu sein, der ihn tiefer und tiefer in eine immer dichter gedrängte Masse von Männern und Jungen hineinzog, die alle nervös – und bewaffnet waren. Der Lärm nahm beständig zu, und die Stimmen prasselten auf seine Ohren ein wie Hämmer auf einen Amboss.
Schließlich fand er Husband, der isoliert auf einem Felsen stand wie ein großer, grauer Wolf, umgeben von einer Traube von dreißig oder vierzig Männern, die alle wütend und aufgebracht herumbrüllten. Sie gestikulierten mit den Armen und stampften mit den Füßen, ohne Rücksicht auf ihre Nebenmänner zu nehmen. Es war deutlich, dass sie eine Antwort verlangten, jedoch nicht lange genug Ruhe geben konnten, um sie auch zu hören.
Husband brüllte in Hemdsärmeln und mit hochrotem Gesicht auf die Männer ein, die ihm am nächsten waren, doch Roger konnte in dem allgemeinen Tumult kein Wort verstehen. Er schob sich durch den äußeren Ring der Zuschauer, doch dichter im Zentrum kam er nicht mehr weiter, weil die Männer zu sehr drängelten. Immerhin konnte er hier ein paar Worte auffangen.
»Wir müssen es tun! Du weißt es, Hermon, wir haben keine Wahl!«, rief ein schlaksiger Mann mit einem zerknautschten Hut.
»Wir haben immer eine Wahl!«, bellte Husband zurück. »Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir sie treffen müssen, und gebe Gott, dass wir es weise tun!«
»Aye, während die Kanonen auf uns gerichtet sind?«
»Nein, nein, drauf zu, wir müssen gegen sie marschieren, sonst ist alles verloren!«
»Verloren? Wir haben doch schon alles verloren! Wir müssen –«
»Der Gouverneur lässt uns keine Wahl, wir müssen –«
»Wir müssen –«
»Wir müssen –!«
Die einzelnen Worte gingen in einem allgemeinen Aufschrei der Wut und Frustration unter. Da er sah, dass es zwecklos war, auf eine Audienz zu warten, schob sich Roger rücksichtslos zwischen zwei Farmern hindurch und ergriff Husband am Hemdsärmel.
»Mr. Husband – ich muss mit Euch sprechen!«, rief er dem Quäker ins Ohr.
Husband warf ihm einen glasigen Blick zu und war schon im Begriff, ihn abzuschütteln, doch dann hielt er inne und kniff die Augen zu, als er ihn erkannte. Sein kantiges Gesicht war oberhalb der Bartstoppeln rot angelaufen, und sein ungeflochtenes Haar stand von seinem Kopf ab wie die Stacheln eines Stachelschweins. Er schüttelte den Kopf und schloss die Augen, dann öffnete er sie wieder und starrte Roger an wie ein Mensch, der versucht, eine unmögliche Vision abzuschütteln, und es nicht schafft.
Er packte Roger am Arm, wies mit einer ruckartigen Geste auf die Menge, sprang von seinem Felsen und hielt auf den Schutz einer verfallenen Blockhütte zu, die wie betrunken im Schatten eines Ahornhaines lehnte. Roger folgte ihm und sah die Männer, die ihm am nächsten waren, mit funkelnden Blicken an, um sie von einer Verfolgung abzuschrecken.
Einige folgten ihnen dennoch und fuchtelten laut rufend mit den Armen, doch Roger schlug ihnen die Tür vor der Nase zu. Dann verriegelte er sie und lehnte sich zur Sicherheit noch mit dem Rücken dagegen. Im Inneren der Hütte war es kühler, doch die Luft war verbraucht und roch nach Holzasche und verbranntem Essen.
Husband blieb keuchend in der Mitte des Raumes stehen, dann ergriff er eine Schöpfkelle und trank in tiefen Zügen aus einem Eimer, der auf dem Herd stand – der einzige Gegenstand, der sich noch in der Hütte befand, wie Roger feststellte. Husbands Rock und Hut hingen ordentlich an einem Haken neben der Tür, doch auf dem Lehmboden lagen Abfälle verstreut. Wer auch immer der Besitzer der Hütte gewesen war, er hatte seine Zelte offenbar in aller Eile abgebrochen und sämtlichen tragbaren Besitz mitgenommen.
Ruhiger jetzt, da er ein bisschen Luft holen konnte, zog sich Husband das zerknitterte Hemd zurecht und ordnete sein Haar, so gut er konnte.
»Was führt Euch hier her, Freund MacKenzie?«, fragte er in seinem typischen, milden Tonfall. »Ihr seid doch sicher nicht hier, um Euch der Sache der Regulatoren anzuschließen?«
»Das bin ich in der Tat nicht«, versicherte Roger ihm. Er warf einen argwöhnischen Blick zum Fenster, denn er befürchtete, dass die Menge versuchen könnte, sich auf diese Weise Zutritt zu verschaffen. Zwar argumentierten die dröhnenden Stimmen draußen weiter, doch es hörte sich nicht so an, als sei ein unmittelbarer Sturm auf das Gebäude im Gange. »Ich bin gekommen, um Euch zu fragen, ob Ihr mit mir den Fluss überqueren würdet – im Schutz einer Parlamentärflagge, so dass Eure Sicherheit gewährleistet ist –, um mit Jamie Fraser zu reden.«