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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Jamie warf noch einen Blick auf die gescheckte Kuh und stellte sich dann neben Brianna an den Schweinestall.

»Braves Mädchen«, sagte er und nickte der Sau anerkennend zu. Wie zur Antwort ließ die Sau einen langen, geräuschvollen Furz fahren, rutschte ein Stück herum und streckte sich dann mit einem wollüstigen Seufzer im Stroh aus.

»Na ja, auf jeden Fall macht sie den Eindruck, als wüsste sie, was sie tut«, stimmte Brianna zu und biss sich auf die Lippen.

»Das stimmt. Sie ist ein launisches Biest, aber eine fähige Mutter. Das ist ihr vierter Wurf, und bis jetzt hat sie noch keins verloren oder im Stich gelassen.« Er warf der gescheckten Färse einen Blick zu. »Ich hoffe, die hier macht’s nur halb so gut.«

Sie holte tief Atem.

»Und wenn nicht?«

Er antwortete nicht sofort, sondern stand über das Gatter gebeugt und sah dem Gewimmel der Ferkel zu. Dann hoben sich seine Schultern sacht.

»Wenn sie das Kalb nicht allein gebären kann und ich es nicht für sie herausziehen kann, dann werde ich sie schlachten müssen«, sagte er nüchtern. »Wenn ich das Kalb retten kann, kann ich Magdalen vielleicht dazu bringen, dass sie es annimmt.«

Ihr Inneres verkrampfte sich, und das Brot, das sie gegessen hatte, verwandelte sich in Klumpen und Knoten. Natürlich war ihr der Dolch an seinem Gürtel aufgefallen, doch er war so sehr Teil seiner Kleidung, dass sie nicht auf die Idee gekommen war, zu fragen, wozu er in dieser ländlichen Idylle diente. Das kleine runde Wesen in ihrem Bauch war ruhig und schwer wie eine tickende Zeitbombe.

Er kauerte sich neben die Färse und fuhr leicht mit der Hand über ihre gewölbte Flanke. Offensichtlich war er fürs Erste zufrieden. Er kraulte die Kuh zwischen den Ohren und brummte auf Gälisch vor sich hin.

Wie konnte er ihr Liebkosungen zuflüstern, dachte sie, wenn er wusste, dass er ihr in den nächsten Stunden vielleicht ins lebendige Fleisch schneiden musste? Es kam ihr kaltblütig vor; flüsterte ein Metzger seinen Opfern »mein lieber Schatz« ins Ohr? Ein winziger, eisiger Zweifel sank ihr in den Magen und stieß zu den anderen kalten Gewichten, die dort schon lagen wie eine Sammlung von Kugellagern.

Er stand auf und räkelte sich. Seine Wirbelsäule knackte, und er stöhnte. Er streckte seine Schultern, entspannte sich wieder, zwinkerte mit den Augen und lächelte sie an.

»Soll ich mit dir zum Haus gehen, Kleine? Es wird noch eine Weile dauern, bis sich hier etwas tut.«

Zögernd sah sie zu ihm hoch, doch dann fasste sie einen Entschluss.

»Nein. Ich werde noch etwas mit dir warten. Wenn du nichts dagegen hast?«

Jetzt, beschloss sie impulsiv. Sie würde jetzt fragen. Tagelang hatte sie auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, doch welcher Zeitpunkt konnte schon richtig sein für eine Frage wie diese? Zumindest würden sie jetzt allein sein und ungestört bleiben.

»Wie du willst. Ich freue mich über deine Gesellschaft.«

Nicht mehr lange, dachte sie, als er sich umdrehte, um in dem Korb herumzukramen, den sie mitgebracht hatte. Sie hätte die Dunkelheit bevorzugt. Es wäre sehr viel leichter gewesen, das, was sie wissen musste, auf dem dunklen Pfad zum Haus zu fragen. Aber Worte würden nicht genügen; sie musste sein Gesicht sehen.

Ihr Mund war trocken; dankbar nahm sie den Becher mit Apfelwein an, den er ihr anbot. Er war stark und vollmundig, und der leichte Alkohol schien den Druck in ihrem Bauch ein wenig zu lindern.

Sie gab ihm den Becher, wartete aber nicht, bis er trank, denn sie befürchtete, dass die ermutigende Wirkung des Alkohols nachlassen würde, bevor sie die Worte herausbringen konnte.

»Pa …«

»Aye, Kleine?« Er schenkte sich Apfelwein nach, und seine Augen blickten gebannt auf den trüben, goldenen Strahl.

»Ich muss dich etwas fragen.«

»Mm?«

Sie holte tief Luft und brachte es hastig hervor.

»Hast du Jack Randall umgebracht?«

Er erstarrte zunächst, den Krug immer noch über den Becher geneigt. Dann richtete er den Krug sorgsam auf und stellte ihn auf den Boden.

»Und woher kennst du diesen Namen?«, fragte er. Er sah sie direkt an; seine Stimme war so ruhig wie sein Blick. »Vielleicht von deinem Vater? Von Frank Randall?«

»Mama hat mir von ihm erzählt.«

Neben seinem Mundwinkel zuckte ein Muskel, das einzige äußere Anzeichen seiner Erschütterung.

»Hat sie das.«

Es war keine Frage, doch sie beantwortete sie trotzdem.

»Sie hat mir erzählt, was – was passiert ist. Was er d-dir angetan hat. In Wentworth.«

Ihr kurzer Anflug von Mut war erschöpft, doch es war egal; sie war jetzt zu weit gegangen, um noch einen Rückzieher zu machen. Er saß einfach da und sah sie an, den Kürbisbecher vergessen in seiner Hand. Sie hätte ihn gern selbst genommen und ausgetrunken, doch sie traute sich nicht.

Erst jetzt kam ihr der Gedanke, dass er es als Vertrauensbruch ansehen könnte, dass Claire es jemandem erzählt hatte – vor allem ihr. Sie redete schnell weiter und stammelte nervös.

»Nicht jetzt – es war, bevor – ich kannte dich noch nicht – sie dachte, ich würde dir nie begegnen. Ich meine – ich glaube nicht – ich weiß, dass sie nicht vorhatte …« Er sah sie an und zog seine Augenbraue hoch.

»Kannst du bitte still sein?«

Sie war erleichtert, nichts mehr sagen zu müssen. Sie konnte ihn nicht ansehen, sondern saß da und starrte in ihren Schoß, während sie mit den Fingern das rostrote Tuch ihres Rockes in Falten legte. Das Schweigen dauerte an, nur unterbrochen vom Gezappel und gedämpften Quieken der Ferkel und von Magdalens gelegentlichen Verdauungsgeräuschen.

Warum hatte sie keinen anderen Weg gefunden? Die Verlegenheit machte sie wahnsinnig. Du sollst die Nacktheit deines Vaters nicht preisgeben. Jack Randalls Namen heraufzubeschwören, bedeutete, die Bilder von dem heraufzubeschwören, was er getan hatte – wo sie doch nicht einmal den bloßen Gedanken daran ertragen konnte. Sie hätte ihre Mutter fragen sollen, Claire bitten sollen, ihn zu fragen … doch nein. Sie hatte keine Wahl gehabt, nicht wirklich. Er musste es sein, sie musste es von ihm hören …

Seine ruhig gesprochenen Worte unterbrachen den Fluss ihrer Gedanken.

»Warum fragst du das, Kleine?«

Sie riss den Kopf hoch und sah, dass er sie über den unberührten Weinbecher hinweg anblickte. Er sah nicht erbost aus, und der Pudding in ihrer Wirbelsäule festigte sich etwas. Sie legte die geballten Fäuste auf ihre Knie, um sich Mut zu machen, und sah ihn direkt an.

»Ich muss wissen, ob es hilft. Ich will … ihn umbringen. Den Mann, der –« Sie zeigte mit einer unbestimmten Geste auf ihren Bauch und schluckte mühsam. »Aber wenn ich es tue, und es hilft nicht –« Sie konnte nicht mehr weiterreden.

Er schien nicht schockiert zu sein; eher geistesabwesend. Er hob den Becher an seinen Mund und trank langsam einen Schluck.

»Mmphm. Und hast du schon einmal einen Mann umgebracht?« Er formulierte es als Frage, doch sie wusste, dass es keine war. Der Muskel neben seinem Mund zuckte wieder – belustigt, dachte sie, überhaupt nicht schockiert –, und sie spürte einen Anflug von Ärger.

»Du denkst, ich kann das nicht, stimmt’s? Kann ich wohl. Glaub es mir besser, ich kann’s!« Sie spreizte ihre Hände, breit und stark, und umfasste ihre Knie. Sie glaubte, sie könnte es tun, obwohl sich ihre Vorstellung davon, wie es geschehen könnte, ständig veränderte. Wenn sie es kaltblütig betrachtete, schien ein Schuss das Beste zu sein – vielleicht der einzig sichere Weg. Aber als sie versuchte, es sich auszumalen, hatte sie die Wahrheit hinter dem alten Sprichwort »Er ist keinen Schuss Pulver wert« erkannt.

Vielleicht war er keinen Schuss Pulver wert; vielleicht würde sich auch der Schuss für sie nicht bezahlt machen. Wenn sie nachts ihre Decken von sich schleuderte, unfähig, auch nur dieses leichte Gewicht und die Erinnerung an den Zwang zu ertragen, dann wünschte sie sich nicht nur, ihn tot zu sehen – sie wollte ihn umbringen, schlicht, ergreifend und mit ganzer Leidenschaft. Sich mit bloßen Händen zurückholen, was man ihr auf dieselbe Weise genommen hatte.

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