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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Ich musste ihr versprechen, ihn dir nicht zu sagen«, platzte ich heraus. »Ich habe ihr gesagt, dass du merken würdest, dass ich etwas vor dir verberge; aber Jamie, ich hab’s versprochen – zwing mich bitte nicht, ihn dir zu sagen!«

Er schnaubte wieder, von halb belustigtem Abscheu erfüllt.

»Aye, ich kenne dich gut, Sassenach; du könntest nichts vor irgendjemandem geheim halten, der dich auch nur im Geringsten kennt. Sogar unser kleiner Ian kann dich lesen wie ein Buch.«

Er winkte ab.

»Belaste dein Gewissen nicht. Sie soll es mir selbst sagen, wenn sie will.« Seine verletzte Hand krümmte sich langsam auf seinem Kilt, und ein kleiner Schauer lief mir über den Rücken.

»Deine Hände«, sagte ich noch einmal.

Er holte tief Luft und hielt sie mit dem Handrücken nach oben vor sich. Er spannte sie langsam an.

»Erinnerst du dich, Sassenach, als wir uns anfangs kennengelernt haben? Dougal hat mich so gereizt, dass ich dachte, ich müsste auf ihn loshämmern, doch zu dem Zeitpunkt konnte ich es nicht. Du hast mir gesagt, ›Schlag auf irgendetwas ein, dann geht’s dir besser‹.« Er lächelte mich schief und ironisch an. »Und ich habe gegen einen Baum geschlagen. Es hat weh getan, aber du hattest recht, nicht wahr? Es ging mir besser, zumindest fürs Erste.«

»Oh.« Ich atmete auf, erleichtert, dass er nicht vorhatte, weiter in mich zu dringen. Sollte er doch warten; ich bezweifelte, dass ihm schon aufgegangen war, dass seine Tochter genauso stur sein konnte, wie er selbst war.

»Hat sie – hat sie dir erzählt, was passiert ist?« Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, doch das Zögern in seiner Stimme war unüberhörbar. »Ich meine –« Er holte mit einem kräftigen Zischen Luft. »Hat der Mann ihr weh getan?«

»Nein, nicht körperlich.«

Ich zögerte meinerseits und bildete mir ein, ich könnte das Gewicht des Ringes in meiner Tasche spüren, obwohl das natürlich nicht stimmte. Brianna hatte mich nur gebeten, Bonnets Namen für mich zu behalten, doch ich würde Jamie auch die Details nicht weitersagen, die sie mir erzählt hatte, es sei denn, er fragte danach. Und ich glaubte nicht, dass er fragen würde; es war das Letzte, was er hören wollte.

Er fragte nicht; murmelte nur auf Gälisch vor sich hin und ging mit gesenktem Kopf weiter.

Nachdem die Stille einmal gebrochen war, stellte ich fest, dass ich sie nicht mehr ertragen konnte. Besser, zu explodieren als zu ersticken. Ich nahm meine Hand von seinem Arm.

»Was denkst du gerade?«

»Ich frage mich – ob es genauso schlimm ist – vergewaltigt zu werden … wenn es – wenn es nicht … wenn man nicht … verletzt wird.« Er zuckte unruhig mit den Schultern, als wäre ihm sein Rock zu eng.

Ich wusste genau, woran er dachte. Das Gefängnis von Wentworth und die verblichenen Narben, die seinen Rücken überzogen, ein Netz aus furchtbaren Erinnerungen.

»Schlimm genug, schätze ich«, sagte ich. »Obwohl ich denke, dass du recht hast, es ist vielleicht einfacher zu ertragen, wenn man keine körperlichen Spuren davonträgt. Andererseits trägt sie eine«, fühlte ich mich verpflichtet hinzuzufügen. »Und zwar eine ziemlich unübersehbare, was das angeht!« Seine rechte Hand rollte sich an seiner Seite ein und ballte sich unwillkürlich.

»Aye, das stimmt«, brummte er. Er sah mich unsicher an, und das Licht des Halbmondes vergoldete die Flächen seines Gesichtes. »Aber trotzdem – er hat ihr nicht weh getan, das ist immerhin etwas. Wenn er es getan hätte … dann wäre der Tod viel zu gut für ihn«, schloss er abrupt.

»Du musst das nicht ganz unwesentliche Detail bedenken, dass man sich von einer Schwangerschaft nicht wieder ›erholt‹«, sagte ich mit einem hörbar gereizten Unterton in der Stimme. »Wenn er ihr die Knochen gebrochen oder ihr Blut vergossen hätte, dann würde das wieder heilen. So aber – wird sie es niemals mehr vergessen, weißt du?«

»Ich weiß!«

Ich zuckte leicht zusammen, und er sah es. Er machte eine angedeutete Geste der Entschuldigung.

»Ich wollte dich nicht anschreien.«

Ich nahm die Entschuldigung mit einem kurzen Kopfnicken an, und wir gingen weiter, Seite an Seite, doch ohne uns zu berühren.

»Es –«, begann er und brach dann ab und sah mich an. Er zog eine Grimasse, unzufrieden mit sich selbst.

»Ich weiß es«, sagte er, diesmal ruhiger. »Du musst entschuldigen, Sassenach, ich weiß eine verdammte Menge mehr darüber als du.«

»Ich wollte mich nicht mit dir streiten. Aber du hast noch nie ein Kind bekommen; du kannst nicht wissen, wie das ist. Es ist –«

»Du streitest dich wohl mit mir, Sassenach. Tu’s nicht.« Er drückte fest meinen Arm, dann ließ er los. Es lag eine Spur von Humor in seiner Stimme, doch eigentlich war er todernst.

»Ich versuche, dir zu sagen, was ich weiß.« Er blieb eine Minute lang still stehen und sammelte seine Gedanken.

»Ich habe schon sehr lange nicht mehr an Jack Randall gedacht«, sagte er schließlich. »Ich will es auch jetzt nicht. Aber so ist es nun einmal.« Er zuckte erneut mit den Schultern und rieb sich fest mit der Hand über die Wange.

»Es gibt den Körper, und es gibt die Seele, Sassenach«, sagte er. Er redete langsam, legte sich seine Gedanken zusammen mit seinen Worten zurecht. »Du bist Ärztin; du kennst das eine gut. Aber das andere ist wichtiger.«

Ich öffnete den Mund, um zu sagen, dass ich das genauso gut wusste wie er – schloss ihn dann aber wieder, ohne etwas zu sagen. Er bemerkte es nicht; er sah weder das dunkle Maisfeld noch den Ahornwald, dessen Blätter im Mondlicht zu Silber geworden waren. Sein Blick war auf einen kleinen Raum mit dicken Steinwänden gerichtet, der mit einem Tisch und Hockern und einer Lampe ausgestattet war. Und mit einem Bett.

»Randall«, sagte er, und seine Stimme klang gedankenverloren. »Das meiste von dem, was er mir angetan hat – ich hätte es aushalten können.« Er spreizte die Finger seiner rechten Hand; der Verband an seinem angebrochenen Finger leuchtete weiß.

»Ich hätte Angst und Schmerzen gehabt; ich hätte den Wunsch verspürt, ihn dafür umzubringen. Aber ich hätte danach weiterleben können, ohne ständig seine Berührung auf mir zu spüren, ohne mich vor mir selbst zu ekeln – wäre es nicht so gewesen, dass er sich nicht mit meinem Körper zufriedengegeben hat. Er wollte meine Seele – und er hat sie bekommen.« Der weiße Verband verschwand, als sich seine Faust schloss.

»Aye, nun gut – das weißt du alles schon.« Er wandte sich abrupt ab und ging weiter. Ich musste mich beeilen, um ihn einzuholen.

»Was ich sagen will, ist, glaube ich – war dieser Mann ein Fremder, der sie nur für einen Augenblick der Lust genommen hat? Wenn es nur ihr Körper war, den er wollte … dann glaube ich, dass sie bald darüber hinwegkommen wird.«

Er holte tief Luft und atmete wieder aus; ich sah, wie der schwache, weiße Nebel seinen Kopf einen Augenblick lang umschwebte, das sichtbar gewordene Dampfen seiner Wut.

»Aber wenn er sie kannte – er ihr nah genug war, um sie zu wollen und nicht nur irgendeine Frau –, dann könnte es sein, dass er an ihre Seele gerührt und sie wirklich verletzt hat –«

»Du glaubst nicht, dass er sie wirklich verletzt hat?« Ich hob unwillkürlich die Stimme. »Ob er sie kannte oder nicht –«

»Es ist ein Unterschied, ich sage es dir!«

»Nein, das ist es nicht. Ich weiß, was du meinst –«

»Nein!«

»Doch! Aber warum –«

»Weil es nicht dein Körper ist, der zählt, wenn ich dich nehme«, sagte er. »Und das weißt du ganz genau, Sassenach!«

Er drehte sich um und küsste mich heftig. Es kam völlig überraschend. Er presste meine Lippen gegen meine Zähne und nahm dann meinen ganzen Mund mit dem seinen, beinahe ein fordernder Biss.

Ich wusste, was er von mir wollte; dasselbe, was ich so verzweifelt von ihm brauchte – Rückhalt. Doch keiner von uns konnte ihn dem anderen in dieser Nacht geben.

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