Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Seine Finger gruben sich in meine Schultern, glitten höher und ergriffen meinen Hals. Die Haare auf meinen Armen sträubten sich, als er mich an sich drückte – und dann hielt er inne.
»Ich kann’s nicht«, sagte er. Er drückte meinen Nacken fest und ließ dann los. Sein Atem kam stoßweise. »Ich kann’s nicht.«
Er trat zurück, wandte sich von mir ab und tastete wie blind nach dem Zaun vor ihm. Er packte das Holz fest mit beiden Händen und stand mit geschlossenen Augen da.
Ich zitterte, und meine Beine gaben unter mir nach. Ich schlug die Arme unter dem Umhang um mich und setzte mich zu seinen Füßen nieder. Und wartete, während mir das Herz schmerzhaft laut in den Ohren schlug. Der Nachtwind wehte durch die Bäume auf dem Kamm und murmelte in den Kiefern. Irgendwo weit weg in den dunklen Hügeln schrie ein Berglöwe. Es klang wie eine Frau.
»Es ist nicht so, dass ich dich nicht will«, sagte er schließlich, und ich hörte leise seinen Rock rascheln, als er sich mir zuwandte. Er stand einen Augenblick still, den Kopf gesenkt, das zusammengebundene Haar glänzend im Mondschein, das Gesicht im Dunkeln verborgen, denn der Mond war hinter ihm. Schließlich bückte er sich, nahm meine Hand in seine verletzte Hand und zog mich hoch.
»Ich will dich vielleicht mehr als je zuvor«, sagte er leise. »Und Himmel! Ich brauche dich, Claire. Doch ich kann es im Augenblick nicht ertragen, mich als Mann zu betrachten. Ich kann dich nicht berühren, ohne daran zu denken, was er – ich kann’s nicht.«
Ich berührte seinen Arm.
»Ich verstehe«, sagte ich, und so war es auch. Ich war froh, dass er nicht nach den Details gefragt hatte; ich wünschte mir, ich würde sie auch nicht kennen. Wie würde es sein, mit ihm zu schlafen und gleichzeitig einen Akt vor Augen zu haben, der in seinen Bewegungen identisch war, aber von einer absolut anderen Essenz?
»Ich verstehe, Jamie«, sagte ich noch einmal.
Er öffnete die Augen und sah mich an.
»Aye, das tust du, nicht wahr? Und das ist es, was ich meine.« Er nahm meinen Arm und zog mich an sich.
»Du könntest mich in Stücke reißen, Claire, ohne mich zu berühren«, flüsterte er, »denn du kennst mich.« Seine Finger berührten meine Wange. Sie waren kalt und steif. »Und ich könnte das Gleiche mit dir tun.«
»Das könntest du«, sagte ich, und mir war ein wenig schwindelig. »Aber mir wäre wirklich lieber, du tätest es nicht.«
Er lächelte kurz, neigte den Kopf und küsste mich ganz sanft. Wir standen zusammen da, berührten uns nur mit den Lippen und atmeten den Atem des anderen.
Ja, sagten wir schweigend zueinander. Ja, ich bin immer noch da. Es war keine Rettung, aber immerhin ein dünnes Seil, das sich über den Abgrund spannte, der zwischen uns lag. Ich wusste in der Tat, was er mit dem Unterschied zwischen Verletzungen an Körper und Seele meinte; was ich ihm nicht erklären konnte, war die Verbindung, die beide in der Gebärmutter eingingen. Schließlich trat ich zurück und sah zu ihm auf.
»Brianna ist sehr stark«, sagte ich ruhig. »Genau wie du.«
»Wie ich?« Er schnaubte leise. »Dann steh Gott ihr bei.«
Er seufzte, dann wandte er sich um und begann, langsam am Zaun entlangzugehen. Ich folgte ihm und musste mich ein wenig beeilen, um mitzuhalten.
»Dieser Mann, dieser Roger, von dem sie spricht. Wird er zu ihr stehen?«, fragte er abrupt.
Ich holte tief Luft und atmete langsam wieder aus. Ich wusste nicht, wie ich antworten sollte. Ich hatte Roger nur ein paar Monate lang erlebt. Ich mochte ihn; hatte ihn sogar sehr gern. Nach allem, was ich von ihm wusste, war er ein durch und durch anständiger, ehrenhafter junger Mann – doch wie konnte ich auch nur so tun, als wüsste ich, was er denken, tun oder fühlen würde, wenn er erfuhr, dass Brianna vergewaltigt worden war? Schlimmer noch, dass sie möglicherweise ein Kind von dem Vergewaltiger bekam?
Der beste aller Männer war unter Umständen nicht in der Lage, mit so einer Situation fertigzuwerden; in den Jahren, die ich als Ärztin gearbeitet hatte, hatte ich selbst eingefahrene Ehen unter viel geringerem Druck zerbrechen sehen. Und solche, die nicht zerbrachen, sondern durch Misstrauen verkrüppelt wurden … Ich presste unwillkürlich die Hand gegen mein Bein und spürte den Goldring winzig und hart in meiner Tasche. Von F. für C. in Liebe. Immer.
»Würdest du es tun?«, sagte ich schließlich. »Wenn ich es wäre?«
Er sah mich scharf an und öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen. Dann schloss er ihn und sah suchend in mein Gesicht, die Augenbrauen sorgenvoll verzerrt.
»Ich hätte beinahe ›Aye, natürlich!‹ gesagt«, sagte er schließlich langsam. »Aber ich habe dir einmal Ehrlichkeit versprochen, nicht wahr?«
»Das ist wahr«, sagte ich und spürte mein Herz unter der Last meiner Schuld sinken. Wie konnte ich ihn zur Ehrlichkeit zwingen, wenn ich sie nicht erwidern konnte? Und doch hatte er gefragt.
Er versetzte dem Zaunpfahl einen leichten Faustschlag.
»Ifrinn! Ja, verdammt – das würde ich. Du wärst die Meine, auch wenn das Kind es nicht wäre. Und wenn du – ja. Das würde ich«, wiederholte er fest. »Ich würde dich nehmen, und das Kind zusammen mit dir, und der Rest der Welt wäre mir egal!«
»Und später nie mehr darüber nachdenken?«, fragte ich. »Es nie im Kopf haben, wenn du in mein Bett kämst? Niemals den Vater sehen, wenn du das Kind ansiehst? Es mir nie vorwerfen, es nie zwischen uns kommen lassen?«
Er öffnete den Mund, um zu antworten, schloss ihn dann aber wieder, ohne etwas zu sagen. Dann sah ich, wie eine Veränderung in seine Gesichtszüge trat, ein plötzlicher Schock erschrockenen Begreifens.
»Oh, Himmel«, sagte er. »Frank. Nicht ich. Es ist Frank, von dem du sprichst.«
Ich nickte, und er packte meine Schultern.
»Was hat er dir angetan?«, fragte er fordernd. »Was? Sag es mir, Claire!«
»Er hat zu mir gestanden«, sagte ich, und es hörte sich sogar in meinen Ohren erstickt an. »Ich habe versucht, ihn fortzuschicken, doch er wollte es nicht. Und als das Baby – als Brianna kam – er hat sie geliebt, Jamie. Er war sich nicht sicher, er glaubte nicht, dass er es könnte – und ich auch nicht –, doch er hat sie wirklich geliebt. Es tut mir leid«, fügte ich hinzu.
Er holte tief Luft und ließ meine Schultern los.
»Das darf dir nicht leidtun«, sagte er schroff. »Niemals.« Er rieb sich mit der Hand über das Gesicht, und ich konnte hören, wie er leise über seine Bartstoppeln kratzte.
»Und was ist mit dir, Sassenach?«, sagte er. »Was du gesagt hast – wenn er zu dir ins Bett gekommen ist. Hat er gedacht …« Er brach abrupt ab und ließ all seine Fragen zwischen uns in der Luft hängen, unausgesprochen, aber dennoch gestellt.
»Es könnte an mir gelegen haben – meine Schuld, meine ich«, sagte ich schließlich in die Stille. »Ich konnte nicht vergessen, verstehst du? Wenn ich es gekonnt hätte … wäre es vielleicht anders gewesen.« Ich hätte es dabei belassen sollen, doch ich konnte es nicht; die Worte, die sich den ganzen Abend über aufgestaut hatten, brachen in einer Flut hervor.
»Es wäre vielleicht einfacher – besser – für ihn gewesen, wenn es eine Vergewaltigung gewesen wäre. Das ist es, was sie ihm gesagt haben, weißt du – die Ärzte; dass ich vergewaltigt und missbraucht worden war und dass ich Wahnvorstellungen hatte. Das ist es, was alle geglaubt haben, aber ich habe ihm immer wieder gesagt, nein, so war es nicht, habe darauf bestanden, ihm die Wahrheit zu sagen. Und nach einiger Zeit – hat er mir geglaubt, zumindest ein Stück weit. Und das war das Problem; nicht, dass ich ein Kind von einem anderen hatte – sondern dass ich dich liebte. Und nicht aufhörte, dich zu lieben. Ich konnte es nicht«, fügte ich leiser hinzu. »Er war besser als ich, Frank. Er konnte die Vergangenheit von sich schieben, zumindest um Briannas willen. Aber für mich …« Die Worte blieben mir im Hals stecken, und ich hielt inne.
Da wandte er sich um und sah mich lange an, sein Gesicht völlig ausdruckslos, die Augen unter den Schatten seiner Brauen verborgen.