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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Und dennoch … was würde es nützen, ihn zu ermorden, wenn er sie dann immer noch heimsuchte? Es gab keine Möglichkeit, das herauszufinden, außer, wenn ihr Vater es ihr sagen konnte.

»Wirst du es mir sagen?«, platzte sie heraus. »Hast du ihn am Ende umgebracht – und hat es geholfen?«

Er schien darüber nachzudenken. Seine Augen wanderten langsam über sie hinweg, abschätzend zusammengekniffen.

»Und was würde es nützen, wenn du einen Mord begehst?«, fragte er. »Es wird das Kind nicht aus deinem Bauch holen – oder dir deine Unschuld zurückgeben.«

»Das weiß ich!« Sie fühlte, wie ihr Gesicht heiß und rot wurde, und wandte sich ab, über ihn genauso verärgert wie über sich selbst. Sie sprachen von Vergewaltigung und Mord, und sie wurde verlegen, weil er ihre verlorene Unschuld erwähnte? Sie zwang sich, ihn wieder anzusehen.

»Mama hat gesagt, du hast versucht, Jack Randall umzubringen – bei einem Duell in Paris. Was hast du dir davon erhofft?«

Er rieb sich das Kinn, dann atmete er durch die Nase ein und langsam wieder aus und starrte dabei auf die fleckige Felsendecke.

»Ich wollte mir meine Männlichkeit zurückholen«, sagte er leise. »Meine Ehre.«

»Und du denkst, meine Ehre ist es nicht wert, zurückgewonnen zu werden? Oder denkst du, sie ist ein und dasselbe wie meine Unschuld?« Gehässig imitierte sie seinen Tonfall.

Seine scharfen blauen Augen fuhren zurück zu den ihren.

»Ist es für dich dasselbe?«

»Nein«, zischte sie durch zusammengebissene Zähne.

»Gut«, sagte er kurz.

»Dann antworte mir, verdammt noch mal!« Sie hieb mit der Faust auf das Stroh, doch der lautlose Schlag brachte ihr keine Genugtuung. »Hat dir sein Tod deine Ehre wiedergegeben? Hat es geholfen? Sag mir die Wahrheit!«

Schwer atmend hielt sie inne. Sie sah ihn wütend an, und seine Augen starrten kalt in die ihren. Dann hob er den Becher abrupt an seinen Mund, kippte den Apfelwein in einem Zug hinunter und stellte den Becher neben sich ins Heu.

»Die Wahrheit? Die Wahrheit ist, ich hab keine Ahnung, ob ich ihn umgebracht habe oder nicht.«

Vor Überraschung klappte ihr der Mund auf.

»Du weißt nicht, ob du ihn umgebracht hast?«

»Das habe ich gesagt.« Ein leichtes Zucken seiner Schultern verriet seine Ungeduld. Er stand plötzlich auf, als könnte er nicht länger stillsitzen.

»Er ist in Culloden gestorben, und ich war dabei. Nach der Schlacht bin ich auf dem Moor aufgewacht, und Randalls Leiche hat auf mir gelegen. So viel weiß ich – aber nicht viel mehr.« Wie in Gedanken hielt er inne, kam zu einem Entschluss und schob das eine Knie vor. Er zog seinen Kilt hoch und wies mit einem Nicken nach unten. »Da.«

Es war eine alte Narbe, aber ihr Alter machte sie nicht weniger eindrucksvoll. Sie verlief an der Innenseite seines Oberschenkels und war gut dreißig Zentimeter lang. Ihr unteres Ende war so knotig wie das Kopfende einer Keule, der Rest eine geradere, wenn auch wulstige und gewundene Linie.

»Ein Bajonett, schätze ich«, sagte er und sah die Narbe leidenschaftslos an. Dann bedeckte er sie wieder mit seinem Kilt.

»Ich kann mich erinnern, wie es sich anfühlte, als die Klinge den Knochen traf, sonst nichts. Weder vorher noch nachher.«

Er holte tief und hörbar Luft, und erst jetzt erkannte sie, dass es ihn beträchtliche Mühe kostete, seine äußere Ruhe zu bewahren.

»Ich hielt es für einen Segen – dass ich mich nicht erinnern konnte«, sagte er schließlich. Er sah nicht sie an, sondern die Schatten am anderen Ende des Stalls. »Damals sind großartige Männer gestorben. Männer, die ich sehr geliebt habe. Solange ich nichts über ihren Tod wusste – mich nicht daran erinnern oder es vor meinem inneren Auge sehen konnte –, so lange musste ich sie mir auch nicht als Tote vorstellen. Vielleicht war das feige, vielleicht auch nicht. Vielleicht habe ich mich bewusst entschlossen, mich nicht an diesen Tag zu erinnern – vielleicht könnte ich es nicht einmal, wenn ich es wollte.« Er sah zu ihr hinunter; sein Blick war weicher geworden. Doch dann wandte er sich mit einem Schwung seines Plaids ab, ohne eine Antwort abzuwarten.

»Danach – aye, gut. Rache kam mir damals nicht wichtig vor. Es lagen tausend Tote auf diesem Feld, und ich dachte, ich würde in wenigen Stunden dazugehören. Jack Randall …« Mit einer seltsamen, ungeduldigen Geste schob er den Gedanken an Jack Randall wie eine lästige Pferdebremse von sich. »Er war einer davon. Ich dachte, ich könnte ihn Gott überlassen. Damals.«

Sie holte tief Luft und versuchte, die Kontrolle über ihre Gefühle zu behalten. Neugier und Mitgefühl rangen mit einem überwältigenden Gefühl der Ohnmacht.

»Du bist aber … geheilt. Ich meine – trotz allem – was er dir angetan hat?«

Er sah sie an, als triebe sie ihn zur Verzweiflung, und das Verständnis in seinem Blick mischte sich mit halb verärgerter Belustigung.

»Nicht viele sterben daran, Kleine. Ich nicht. Und du auch nicht.«

»Noch nicht.« Unwillkürlich legte sie eine Hand auf ihren Bauch. Sie starrte zu ihm hoch. »Wir werden ja in sechs Monaten sehen, ob ich daran sterbe.«

Das saß; sie konnte es sehen. Er atmete aus und fuhr sie an.

»Du machst das schon«, sagte er barsch. »Du hast breitere Hüften als unsere Färse da.«

»Aha. So wie deine Mutter? Jeder sagt mir, wie ähnlich ich ihr bin. Ich schätze, sie hatte auch breite Hüften, aber es hat ihr nicht geholfen, oder?«

Er fuhr zusammen. Kurz und heftig, als hätte sie ihm eine Brennnessel ins Gesicht geschlagen. Perverserweise erfüllte sie der Anblick mit Panik anstelle der Genugtuung, mit der sie gerechnet hatte.

In diesem Moment wurde ihr klar, dass sein Versprechen, sie zu beschützen, größtenteils Wunschdenken war. Er würde für sie töten, ja. Bereitwillig selbst sterben, daran gab es keinen Zweifel. Wenn sie ihn ließ, würde er ihre Ehre rächen und ihre Feinde vernichten. Aber er konnte sie nicht vor ihrem eigenen Kind schützen; gegenüber dieser Bedrohung war er so machtlos, als hätte sie ihn gar nicht erst gefunden.

»Ich werde sterben«, sagte sie, und kalte Gewissheit erfüllte ihren Bauch wie gefrorenes Quecksilber. »Ich weiß es.«

»Wirst du nicht!« Er fuhr sie heftig an, und sie spürte, wie sich seine Hände in ihre Oberarme krallten. »Ich werde es nicht zulassen!«

Sie hätte alles darum gegeben, ihm zu glauben. Ihre Lippen waren taub und steif; ihre Wut wich kalter Verzweiflung.

»Du kannst mir nicht helfen«, sagte sie. »Du kannst nichts tun!«

»Aber deine Mutter«, sagte er, doch es klang nur halb überzeugt. Seine Umklammerung wurde schwächer, und sie riss sich los.

»Nein, das kann sie nicht – nicht ohne Krankenhaus, Medikamente und so. Wenn es – wenn es schiefgeht, kann sie nur versuchen, das B-Baby zu retten.« Unwillkürlich huschte ihr Blick zu seinem Dolch, dessen Klinge kalt im Stroh glänzte, wo er ihn liegen gelassen hatte.

Sie hatte weiche Knie und setzte sich abrupt hin. Er griff nach dem Krug und goss Apfelwein in einen Becher, den er ihr dann unter die Nase hielt.

»Trink«, sagte er. »Trink aus, Kleine. Du bist ja so bleich wie mein Hemd.« Er legte seine Hand hinter ihren Kopf und drängte sie. Sie nahm einen Schluck, verschluckte sich aber und wich hustend zurück. Sie fuhr sich mit dem Ärmel über das feuchte Kinn und wischte den verschütteten Apfelwein weg.

»Weißt du, was das Schlimmste ist? Du sagst, es ist nicht meine Schuld, aber das ist es doch.«

»Ist es nicht!«

Mit einer Handbewegung bat sie ihn, still zu sein.

»Du hast von Feigheit gesprochen; du weißt, was das ist. Nun, ich war ein Feigling. Ich hätte kämpfen sollen, ich hätte es nicht zulassen dürfen … aber ich hatte Angst. Wenn ich mutig genug gewesen wäre, wäre das alles nicht passiert, aber ich hatte Angst. Und jetzt habe ich noch mehr Angst«, sagte sie, und ihre Stimme brach. Sie holte tief Luft, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, und stützte sich mit den Händen im Stroh auf.

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