Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Besser, es herauszufordern und ihm offen gegenüberzutreten, als es auf der Lauer liegen zu lassen. Wenn er sich seinen eigenen Dämonen nicht stellen konnte, dann konnte er auch die ihren nicht überwinden. Er berührte eine Prellung an seinem Oberschenkel und fand einen seltsamen Trost in dem Schmerz.
Niemand stirbt daran, hatte er gesagt. Du nicht und ich auch nicht.
Zuerst blieb die Stimme aus; für einen Augenblick hoffte er, dass sie gar nicht kommen würde – vielleicht war es lange genug her … doch dann war sie wieder da und flüsterte ihm ins Ohr, als wäre sie niemals fort gewesen, ihre Anzüglichkeiten eine Liebkosung, die ihm das Gedächtnis verbrannte, so wie sie ihm einst die Haut verbrannt hatte.
»Zuerst sanft«, hauchte sie. »Sachte. Vorsichtig, als wärst du mein neugeborener Sohn. Sanft, aber so lange, dass du vergessen wirst, dass es einmal eine Zeit gab, in der ich deinen Körper nicht besaß.«
Ringsum stand die Nacht still, hielt inne, so wie die Zeit damals innegehalten hatte, als er am Rand eines schreckenerregenden Abgrundes schwebte, abwartete. Die nächsten Worte abwartete, die er schon kannte und mit denen er rechnete, aber dennoch …
»Und dann«, sagte die Stimme liebevoll, »dann werde ich dir große Schmerzen zufügen. Und du wirst mir danken und nach mehr verlangen.«
Er stand völlig still, das Gesicht den Sternen zugewandt. Kämpfte gegen den Sog der Wut an, die ihm ins Ohr murmelte, den Puls der Erinnerung in seinem Blut. Dann ergab er sich, ließ sie kommen. Er zitterte bei der Erinnerung an seine Hilflosigkeit und biss vor Wut die Zähne zusammen – und starrte dennoch reglos zum leuchtenden Himmel empor und beschwor die Namen der Sterne wie die Worte eines Gebetes herauf, gab sich der Leere über ihm hin, während er versuchte, sich hier am Boden zu verlieren.
Beteigeuze. Sirius. Orion. Antares. Der Himmel ist sehr groß, und du bist sehr klein. Ließ sich von den Worten durchfluten, ließ die Stimme und die Erinnerungen über ihn hinweggleiten, auf seiner Haut wie die Berührung eines Geistes erzittern, in der Dunkelheit verschwinden.
Die Pleiaden. Cassiopeia. Das Sternbild des Stiers. Der Himmel ist weit, und du bist sehr klein. Tot, aber deshalb nicht weniger stark. Er spreizte seine Hände, die sich am Zaun festhielten – auch diese waren stark. Genug, um einen Mann totzuschlagen, ihn zu erwürgen. Doch selbst der Tod reichte nicht aus, um die Fesseln der Wut zu lösen.
Mit großer Anstrengung ließ er los. Drehte seine Handflächen himmelwärts, eine Geste der Unterwerfung. Griff suchend über die Sterne hinaus. Die Worte formten sich still in seinem Bewusstsein, gewohnheitsmäßig, so still, dass er sie gar nicht bemerkte, bis er sie als Flüstern von seinen Lippen widerhallen hörte.
»›… Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.‹«
Er atmete langsam und tief. Suchte, rang; kämpfte darum, loslassen zu können. »›Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.‹«
Wartete in Leere, in Zuversicht. Und dann kam die Gnade; die Vision, die er brauchte; die Erinnerung an Jack Randalls Gesicht in Edinburgh, bis ins Innerste erschüttert angesichts der Gewissheit, dass sein Bruder tot war. Und er spürte erneut die Gabe des Mitleids, das ihn so sacht überkam wie die Landung einer Taube.
Er schloss die Augen und spürte, wie sich seine blutenden Wunden wieder reinigten, während der Sukkubus seine Klauen von seinem Herzen nahm.
Er seufzte und spürte das rauhe Holz des Zaunes tröstend und fest unter seinen Handflächen, als er jetzt die Hände wieder umdrehte. Der Dämon war fort. Er war ein Mensch gewesen, Jack Randall; mehr nicht. Und mit der Erkenntnis seiner gemeinen, zerbrechlichen Menschlichkeit löste sich alle Macht vergangener Furcht und vergangenen Schmerzes in Rauch auf.
Seine Schultern fielen herab, von ihrer Bürde befreit.
»Geh in Frieden«, flüsterte er dem Toten und sich selber zu. »Dir ist vergeben.«
Die Nachtgeräusche waren zurückgekehrt; der Ruf einer jagenden Katze stieg abrupt in die Luft, und verrottende Blätter knisterten sanft unter seinen Füßen, als er zum Haus zurückging. Die Ölhaut, die das Fenster bedeckte, glühte golden in der Dunkelheit – die Flamme der Kerzen, die er in der Hoffnung auf Claires Rückkehr hatte brennen lassen. Seine Zuflucht.
Vielleicht hätte er Brianna all das auch sagen sollen, dachte er – doch nein. Sie hatte schon nicht verstehen können, was er ihr gesagt hatte; er hatte es ihr zeigen müssen. Wie sollte er ihr also mit Worten erklären, was er durch Schmerzen und Gnade gelernt hatte? Dass sie nur vergessen konnte, wenn sie vergab – und dass das Vergeben kein einmaliger Akt war, sondern eine Sache ständiger Übung.
Vielleicht konnte sie selbst diese Gnade finden; vielleicht konnte dieser unbekannte Roger Wakefield ihre Zuflucht sein, so wie Claire die seine gewesen war. Er stellte fest, dass sich seine instinktive Eifersucht auf den Mann in dem leidenschaftlichen Wunsch auflöste, dass Wakefield ihr wirklich das geben konnte, was er selbst nicht konnte. Gebe Gott, dass er bald kam; gebe Gott, dass er sich als anständiger Kerl erwies.
In der Zwischenzeit musste er sich um andere Dinge kümmern. Er ging langsam den Hügel hinab, ohne sich am Wind zu stören, der ihm den Kilt um die Knie wehte und ihm Hemd und Plaid aufblähte. Hier war viel zu tun; der Winter stand vor der Tür, und er konnte seine Frauen hier nicht allein lassen, wenn nur Ian für sie jagen und sie verteidigen konnte. Er konnte nicht fortgehen, um nach Wakefield zu suchen.
Doch wenn Wakefield nicht kam? Nun, es gab andere Möglichkeiten; er würde dafür sorgen, dass Brianna und das Kind Schutz fanden, so oder so. Und immerhin war seine Tochter sicher vor dem Mann, der ihr Schaden zugefügt hatte. Für immer sicher. Er rieb sich mit der Hand über das Gesicht. Er roch immer noch das Blut vom Kalben auf seiner Haut.
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Ja, aber was war mit denen, die sich an jenen versündigten, die wir lieben? Er konnte nicht für jemand anderen Vergebung üben – und hätte es selbst dann nicht getan. Aber wenn nicht … wie sollte ihm dann vergeben werden?
Er war an den Universitäten von Paris erzogen worden, war mit Königen vertraut und mit Philosophen befreundet gewesen und war doch immer noch ein Highlander, geboren für seine Sippe, seine Ehre. Hatte den Körper eines Kriegers, den Verstand eines gebildeten Mannes – und die Seele eines Barbaren, dachte er voll Ironie, dem weder Gott noch Menschengesetz heiliger waren als seine Familienbande.
Ja, Vergebung war möglich; sie musste einen Weg finden, dem Mann zu vergeben, um ihrer selbst willen. Doch bei ihm lagen die Dinge anders.
»›Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.‹« Er flüsterte die Worte vor sich hin.
Dann blickte er auf, fort von dem sicheren, kleinen Leuchten von Heim und Herd zu der flammenden Glorie der Sterne über ihm.
»Das ist gar nicht wahr«, sagte er laut, beschämt, aber trotzig. Es war undankbar, das wusste er. Und falsch natürlich. Doch so war es nun einmal, und es war sinnlos, sich selbst oder Gott etwas vorzulügen.
»Das ist gar nicht wahr«, wiederholte er, lauter. »Und wenn ich zur Hölle fahre für das, was ich getan habe – dann soll es eben so sein! Sie ist meine Tochter.«
Er stand einen Augenblick still und blickte empor, doch die Sterne gaben keine Antwort. Er nickte einmal, wie zur Erwiderung, und ging dann den Hügel hinab, den Wind kalt im Rücken.
Kapitel 49
Wer die Wahl hat …
November 1769
Ich öffnete Daniel Rawlings’ Kiste und starrte auf die Reihen der Flaschen, gefüllt mit dem sanften Grün und Braun zerstampfter Wurzeln und Blätter, dem klaren Gold der Destillate. Es war nichts dabei, was helfen konnte. Ganz langsam hob ich die Abdeckung an, die über dem oberen Fach lag, über den Klingen.