Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Abram nickte widerstrebend und hängte sich das Gewehr wieder über die Schulter.
»Aye, das ist wohl besser. Meint ihr, heute ist es so weit?«
Roger spähte erneut zu den Schösslingen, doch das Reh war verschwunden, lautlos wie Rauch.
»Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht so ist.« Der dritte Mann zog sich ein gelbes Tuch aus dem Ärmel und wischte sich das Gesicht ab; das Wetter war warm und die Luft schwül. »Tryons Kanonen stehen seit Anbruch der Dämmerung bereit; er würde nie zulassen, dass man ihn unvorbereitet trifft. Möglich, dass er noch auf Waddells Männer wartet – aber vielleicht glaubt er ja auch, dass er sie nicht braucht.«
Abram prustete verächtlich.
»Um diesen zusammengewürfelten Haufen zu zerschlagen? Du hast sie doch gesehen, oder? Eine so erbärmliche Truppe habe ich ja noch nie erlebt.«
Der Mann mit dem Tuch lächelte zynisch.
»Nun ja, das mag wohl sein, Abie. Aber du hast doch auch einige der Milizen aus dem Hinterland gesehen, oder? Wo wir von zusammengewürfelten Haufen sprechen. Und was die Regulatoren angeht, sie sind ziemlich viele, zusammengewürfelt oder nicht. Hauptmann Neale sagt, zwei zu eins in der Überzahl.«
Abram grunzte und warf einen widerstrebenden Blick auf den Wald und den Fluss dahinter.
»Erbärmlich«, wiederholte er, diesmal zuversichtlicher, und wandte sich ab. »Dann kommt, lasst uns weiter oben nachsehen.«
Die drei Männer standen auf seiner Seite; sie trugen zwar keine Kokarden, doch er sah ihre Milizmarken an Rock und Hut silbern in der Morgensonne glänzen. Dennoch verharrte Roger im Schatten der Pappel, bis die plaudernden Männer verschwunden waren. Er war sich einigermaßen sicher, dass Jamie ihn in Eigenregie auf diese Mission entsandt hatte; besser, wenn man ihn nicht aufforderte, sich zu erklären.
Die meisten Milizionäre nahmen gegenüber den Regulatoren eine Haltung ein, die bestenfalls verächtlich war. Schlimmstenfalls war sie – unter den oberen Rängen der Befehlshaber – kalt und rachsüchtig.
»Wir müssen sie zertreten, ein für alle Mal«, hatte Caswell am Abend zuvor am Feuer gesagt. Als Plantagenbesitzer aus dem östlichen Teil der Kolonie hatte Richard Caswell keinerlei Verständnis für die Sorgen der Regulatoren.
Roger betastete erneut seine Tasche und überlegte. Nein, besser, wenn er es ließ. Er konnte die Marke vorzeigen, wenn man ihn zur Rede stellte, und er ging nicht davon aus, dass man ihn in den Rücken schießen würde, ohne ihn zumindest vorher warnend anzurufen. Dennoch kam er sich merkwürdig nackt vor, als er jetzt durch das saftige Gras der Uferwiese schritt, und er seufzte unwillkürlich erleichtert auf, als ihn die hängenden Äste der Weiden am Fluss mit ihrem kühlen Schatten umfingen.
Er hatte mit Jamies Zustimmung seine Muskete zurückgelassen und war unbewaffnet aufgebrochen, abgesehen von dem Messer an seinem Gürtel, das für jeden Mann ein normaler Gebrauchsgegenstand war. Sein einziger, weiterer Ausrüstungsgegenstand war ein großes, weißes Halstuch, das er zusammengefaltet in seinem Rock aufbewahrte.
»Wenn man dich bedroht – ganz gleich, wo –, schwenke es und rufe ›Parlamentär‹«, hatte Jamie ihn angewiesen. »Dann sag ihnen, sie sollen mich holen, und kein weiteres Wort, bis ich komme. Wenn dich niemand aufhält, bring mir Husband unter dem Schutz des weißen Tuchs.«
Bei der Vorstellung, dass er Hermon Husband über den Fluss führen und dabei das Tuch an einem Stock über seinem Kopf schwenken würde wie ein Reisebegleiter, der Touristen durch einen Flughafen führt, hätte er am liebsten laut losgelacht. Doch Jamie hatte weder gelacht, noch auch nur eine Miene verzogen, und so hatte er das Tuch ernst entgegengenommen und es sorgfältig verstaut. Er blinzelte durch den Blättervorhang, doch nur der Fluss strömte glitzernd in der Sonne des neuen Tages vorbei, und außer dem Wasser, das über Steine und Lehm rauschte, war nichts zu hören. Es war niemand in Sicht, und der Lärm des Wassers übertönte jedes Geräusch, das von den Bäumen am anderen Ufer hätte kommen können. Unwahrscheinlich zwar, dass ihn die Miliz in den Rücken schoss, doch der Möglichkeit, dass ein Regulator, der ihn von der Regierungsseite herüberkommen sah, ihn von vorne anschoss, blickte er nicht ganz so gelassen entgegen.
Dennoch, er konnte sich nicht den ganzen Tag in den Bäumen herumdrücken. Er trat an das Ufer und ging flussabwärts bis zu der Stelle, auf die die drei Männer gezeigt hatten. Dabei suchte er die Bäume sorgfältig nach Lebenszeichen ab. An dieser Stelle war der Fluss leichter zu überqueren, denn das Wasser war flach und der Grund steinig. Doch wenn die Regulatoren bis hier »vorgerückt« waren, verhielten sie sich verdammt still.
Eine friedvollere Szenerie war kaum vorstellbar, und doch hämmerte ihm das Herz plötzlich in den Ohren. Wieder hatte er das seltsame Gefühl, dass jemand in seiner Nähe stand. Er sah sich in alle Richtungen um, doch außer dem dahinrauschenden Wasser und den herabhängenden Weidenzweigen bewegte sich nichts.
»Bist du das, Pa?«, sagte er ganz leise und kam sich plötzlich albern vor. Dennoch blieb der starke, wenn auch friedliche Eindruck, dass jemand in seiner Nähe war.
Mit einem innerlichen Achselzucken bückte er sich und zog Schuhe und Strümpfe aus. Es musste an seiner Situation liegen, dachte er. Nicht, dass das Durchwaten eines flachen Flüsschens auf der Suche nach einem Unruhe stiftenden Quäker damit zu vergleichen war, des Nachts eine Spitfire zu einem Bombenangriff nach Deutschland über den Kanal zu fliegen. Doch Mission blieb wohl Mission.
Er blickte sich noch einmal um, sah aber nur Kaulquappen in den Untiefen herumzappeln. Mit einem etwas schiefen Lächeln trat er in das Wasser, und die Kaulquappen ergriffen panisch die Flucht.
»Na dann los«, sagte er zu einer Waldente. Der Vogel ignorierte ihn und suchte in den dahintreibenden Kressesträngen nach Nahrung.
Er wurde von keiner Uferseite her aus den Bäumen angerufen; außer dem fröhlichen Lärmen der brütenden Vögel war nicht das Geringste zu hören. Erst als er sich auf einen sonnengewärmten Felsen setzte und sich die Füße trocknete, bevor er seine Schuhe und Strümpfe wieder anzog, hörte er schließlich etwas, das darauf hindeutete, dass das andere Flussufer von Menschen bevölkert war.
»Na, was willst du denn hier, Süßer?«
Die Stimme kam hinter ihm aus dem Gebüsch, und er erstarrte. Das Blut dröhnte ihm in den Ohren. Es war eine Frauenstimme. Doch bevor er sich bewegen oder sich eine Antwort überlegen konnte, hörte er eine tiefere Stimme lachen, und bei ihrem merkwürdigen Tonfall entspannte er sich.
Noch vor seiner Vernunft sagte ihm sein Instinkt, dass eine Stimme, die sich so anhörte, keine Bedrohung darstellte.
»Weiß nicht, Schätzchen, was kostet es denn?«
»Ooh, nun hört euch den an! Jetzt ist doch nicht die Zeit, seine Pennys zu zählen, oder?«
»Oh, keine Sorge, die Damen, wir halten eine Kollekte ab, wenn wir müssen.«
»Oh, so ist das also? Schön und gut, Sir, aber Ihr wisst ja, in dieser Kongregation kommt die Kollekte vor dem Gesang!«
Während er dem gutmütigen Gefeilsche zuhörte, kam Roger zu dem Schluss, dass die fraglichen Stimmen drei Männern und zwei Frauen gehörten, die allesamt sehr zuversichtlich schienen, dass man – unabhängig von den finanziellen Arrangements – drei problemlos durch zwei teilen konnte, ohne dass ein peinlicher Rest blieb.
Er nahm seine Schuhe in die Hand und stahl sich leise davon, um die unsichtbaren Wachtposten – falls sie das waren – ihren Gleichungen zu überlassen. Offensichtlich war die Armee der Regulatoren nicht ganz so gut durchorganisiert wie die Regierungstruppen.
Nicht ganz so gut durchorganisiert war sehr gelinde ausgedrückt, dachte er ein wenig später. Er hatte sich ein Stück weit am Flussufer gehalten, weil er nicht genau wusste, wo sich der Kern der Armee befand. Er war fast eine Viertelmeile weit gegangen, ohne eine Menschenseele zu hören oder zu sehen, von den beiden Huren und ihren Kunden einmal abgesehen. Er kam sich zunehmend surreal vor, während er durch kleine Kiefernhaine und an den Rändern grasbewachsener Wiesen entlangwanderte, einzig vom Liebeswerben der Vögel begleitet – und von kleinen, transparenten Schmetterlingen in Orange- und Gelbtönen.