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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Tha mi gle mhath, athair«, antwortete sie und machte ein etwas überraschtes Gesicht. Mir geht es gut, Vater. Normalerweise begann er die Stunde nach dem Abendessen.

Langsam streckte er die andere Hand aus und legte sie sanft auf ihren Bauch.

»An e’n fhirinn a th’agad?«, fragte er. Sagst du mir die Wahrheit? Ich schloss meine Augen und atmete aus. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich die Luft angehalten hatte. Schließlich musste sie ja nicht mit der ganzen Wahrheit auf einmal herausrücken. Und jetzt kannte ich auch den Grund für seine angespannte Fremdheit; er wusste es, und egal, wie viel Beherrschung ihm dieses Wissen abverlangte, er würde sich beherrschen und sanft zu ihr sein.

Sie konnte noch nicht genug Gälisch, um zu verstehen, was er gefragt hatte, doch sie wusste genau, was er meinte. Sie sah ihn einen Moment lang erstarrt an, dann hob sie seine gesunde Hand an ihre Wange, beugte sich mit dem Kopf darüber, und das lose Haar verbarg ihr Gesicht.

»Oh, Pa«, sagte sie ganz ruhig. »Es tut mir leid.«

Sie saß völlig still und hielt seine Hand fest, als wäre sie ein Rettungsring.

»Aber, aber, m’ annsachd«, sagte er leise, »es wird alles gut.«

»Nein, das wird es nicht«, sagte sie, und ihre Stimme war leise, aber klar. »Es wird nie wieder gut. Das weißt du.«

Er sah mich aus purer Gewohnheit an, aber nur kurz. Ich konnte ihm jetzt nicht sagen, was er tun sollte. Er holte tief Luft, fasste sie an den Schultern und schüttelte sie sacht.

»Ich weiß nur«, sagte er leise, »dass ich hier bei dir bin, und deine Mutter auch. Wir lassen nicht zu, dass man dich beleidigt oder verletzt. Niemals. Hörst du mich?«

Sie antwortete nicht und blickte auch nicht auf, sondern hielt die Augen auf ihren Schoß gerichtet, ihr Gesicht hinter dem dichten Vorhang ihres Haars verborgen. Das Haar einer Jungfrau, dicht und offen getragen. Seine Hand folgte der glänzenden Rundung ihres Kopfes, dann wanderten seine Finger an ihrem Kiefer entlang und hoben ihr Kinn, so dass sie ihn ansah.

»Lizzie hat also recht?«, fragte er sanft. »Es war Vergewaltigung?«

Sie entzog ihm ihr Kinn und blickte auf ihre verknoteten Hände hinab, ihre Geste eine genauso eindeutige Bejahung wie ihr Nicken.

»Ich hätte nicht gedacht, dass sie es wusste. Ich habe es ihr nicht erzählt.«

»Sie hat es erraten. Aber es ist nicht deine Schuld, das darfst du niemals denken«, sagte er eindringlich. »Komm her zu mir, a leannan.« Er streckte die Hände nach ihr aus und setzte sie umständlich auf sein Knie.

Das Eichenholz ächzte alarmierend unter ihrem vereinten Gewicht, doch Jamie hatte die Bank in seiner üblichen stabilen Weise gebaut; sie hätte sechs von seiner Sorte aushalten können. Trotz ihrer Größe sah Brianna in seinen Armen beinahe klein aus, und sie lehnte den Kopf an seine Schulterbeuge. Er strich ihr sanft über das Haar und murmelte ihr Liebkosungen zu, zur Hälfte auf Gälisch.

»Ich sorge dafür, dass du sicher verheiratet wirst und dein Kind einen guten Vater bekommt«, murmelte er ihr zu. »Das schwöre ich dir, a nighean

»Ich kann niemanden heiraten«, sagte sie, und es klang erstickt. »Das wäre unrecht. Ich kann doch keinen anderen nehmen, wenn ich eigentlich Roger liebe. Und Roger wird mich jetzt nicht mehr wollen. Wenn er herausfindet …«

»Dann macht es für ihn keinen Unterschied«, sagte Jamie und hielt sie fester, beinahe heftig, als könnte er die Dinge durch bloße Willenskraft richten. »Wenn er ein anständiger Mann ist, dann spielt es für ihn keine Rolle. Und wenn doch – na, dann verdient er dich nicht, und ich schlage ihn zu Brei und zerstampfe die Überreste, und dann suche ich dir einen besseren Mann.«

Ihr kurzes Lachen verwandelte sich in Schluchzen, und sie vergrub ihren Kopf im Stoff an seiner Schulter. Er liebkoste sie, wiegte sie und murmelte ihr zu, als wäre sie ein kleines Mädchen mit einem aufgeschlagenen Knie, und sein Blick traf über ihren Kopf hinweg den meinen.

Ich hatte nicht geweint, als sie es mir gesagt hatte; Mütter sind stark. Doch jetzt konnte sie mich nicht sehen, und Jamie hatte mir für den Augenblick die Bürde der Stärke von den Schultern genommen.

Auch sie hatte nicht geweint, als sie es mir gesagt hatte. Doch jetzt klammerte sie sich an ihn und weinte, mindestens so sehr aus Erleichterung, dachte ich, wie vor Kummer. Er hielt sie einfach nur und ließ sie weinen, strich ihr wieder und wieder über das Haar, seinen Blick auf mein Gesicht gerichtet.

Ich trocknete mir die Augen an meinem Ärmel, und er lächelte mich schwach an. Briannas Weinen war in lange, seufzende Atemzüge übergegangen, und er klopfte ihr sanft auf den Rücken.

»Ich habe Hunger, Sassenach«, sagte er. »Und ich glaube, ein kleiner Tropfen könnte keinem von uns schaden, aye?«

»Gut«, sagte ich und räusperte mich. »Ich gehe in den Schuppen und hole etwas Milch.«

»Das war aber nicht die Art Getränk, die ich gemeint habe!«, rief er mir in gespielter Entrüstung nach.

Ohne diese Bemerkung oder Briannas ersticktes Lachen zu beachten, schob ich die Tür auf.

Die Nacht draußen war kalt und klar, die herbstlichen Sterne funkelten hell über uns. Ich war nicht für draußen angezogen – mein Gesicht und meine Hände fingen bereits an zu kribbeln –, doch ich stand trotzdem völlig still und ließ den kalten Wind an mir vorbeiwehen und die Anspannung der letzten Viertelstunde mit sich nehmen.

Alles war still; die Grillen und Zikaden waren schon lange tot oder hatten sich mit den raschelnden Mäusen vergraben, mit den Skunks und Opossums, die ihre endlose Nahrungssuche aufgegeben hatten und verschwunden waren, um ihre Winterträume zu träumen, eine wärmende Fettschicht um die Knochen gehüllt. Nur Wölfe jagten in den kalten Sternennächten des Spätherbstes, lautlos und pelzpfotig auf dem gefrorenen Boden.

»Was machen wir nur?«, sagte ich leise an die überwältigenden Tiefen des weiten, dunklen Himmels gewandt.

Ich hörte kein Geräusch außer dem Rauschen des Windes in den Kiefern; keine Antwort, außer der Formulierung meiner eigenen Frage – das schwache Echo des »wir«, das mir in den Ohren klang. So viel stand zumindest fest; was auch immer geschah, keiner von uns musste den Dingen allein gegenübertreten. Und ich dachte mir, dass das eigentlich alles war, was ich im Augenblick als Antwort brauchte.

Als ich hereinkam, saßen sie noch auf der Bank, die rothaarigen Köpfe dicht beieinander und vom Feuer angeleuchtet. Der Geruch der Enziansalbe vermischte sich mit dem durchdringenden Duft brennender Kiefer und dem Aroma des Wildeintopfes, das mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ – ganz plötzlich hatte ich Hunger.

Ich ließ die Tür leise hinter mir zufallen und schob den schweren Riegel vor. Ich schürte das Feuer und deckte den Tisch noch einmal zum Abendessen. Ich holte einen frischen Brotlaib vom Regal und ging in die Vorratskammer, um frische Butter aus dem Steinguttopf zu holen. Dort verweilte ich einen Augenblick und ließ meinen Blick über die vollbeladenen Regalbretter schweifen.

»Vertraut auf Gott und betet um seinen Beistand. Und im Zweifelsfall, esst.« Ein Franziskanermönch hatte mir einst diesen Rat gegeben, und im Großen und Ganzen hatte ich ihn nützlich gefunden. Ich suchte ein Glas schwarze Johannisbeermarmelade, einen kleinen, runden Ziegenkäse und eine Flasche Holunderwein als Beilagen zum Abendessen aus.

Jamie erzählte leise, als ich zurückkam. Ich beendete meine Vorbereitungen und ließ mich genau wie Brianna vom tiefen Rollen seiner Stimme beruhigen.

»Ich habe immer an dich gedacht, als du klein warst«, sagte Jamie gerade zu Brianna. »Als ich in der Höhle gelebt habe; da habe ich mir immer vorgestellt, dich in meinen Armen zu halten, ein kleines Baby. Ich habe dich so gehalten, an meinem Herzen, und dann habe ich dir etwas vorgesungen und oben die Sterne vorbeiziehen gesehen.«

»Was hast du gesungen?« Auch Briannas Stimme war leise, kaum zu hören im Knistern des Feuers. Ich konnte ihre Hand sehen, die auf seiner Schulter ruhte. Ihr Zeigefinger berührte eine lange, leuchtende Strähne seines weichen Haars und streichelte sie zurückhaltend.

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