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Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]

Электронная книга - «Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]». Краткое содержание книги:

Kriminalsekretär Joseph Quellen, Angestellter Klasse VII, besitzt eindeutige Beweise für die Existenz der Zeitspringer: Die alten Polizeiakten des Jahres 1979. Sie berichten vom Auftauchen seltsam gekleideter Frauen und Männer, die nach scharfen Verhören gestehen, aus dem 25. Jahrhundert geflüchtet zu sein, um dem hoffnungslosen Leben unter dem Regime der Maschinen zu entgehen. Kriminalsekretär Quellen befindet sich in einer Zwangslage. Er soll die illegale Organisation der Zeitreisenden zerschlagen — darf aber durch sein Eingreifen kein Zeitparadoxon verursachen, das das Regime in seinen Grundfesten erschüttern würde.
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Brose Cashdans Villa lag gerade noch innerhalb des Appalachia-Bezirks, so daß Quellen sie nicht per Stati-Feld erreichen konnte. Er mußte statt dessen das Schnellboot nehmen. Schade. Er verschwendete damit eine halbe Stunde. Er programmierte seinen Weg nach Norden. Der Sichtschirm im Innern simulierte einen Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Der Hudson lag silbrig im Mondschein. Dann kamen die Waldhänge des Adirondack-Reservats — ein paar tausend Morgen unberührter Wildnis inmitten der Stadt — und schließlich das gleißende Licht der Landerampe. Von der Rampe kam Quellen schnell zu Cashdans Heim. Er wußte, daß er etwas zu spät daran war, aber das bekümmerte ihn nicht weiter.

Es war eine tolle Villa. Quellen war auf eine solche Pracht nicht vorbereitet. Natürlich, Cashdan hatte nur das Recht auf einen einzigen Wohnsitz, im Gegensatz zu den Klasse-Zwei-Leuten, die verschiedene Häuser in der ganzen Welt haben konnten. Dennoch war es ein großartiges Gebäude. Es bestand in der Hauptsache aus Glas und synthetischen Säulen. Quellen zählte zumindest sechs Räume, einen kleinen Garten (!) und einen Landeplatz auf dem Dach. Er trat in die Vorhalle und sah sich nach Judith um.

Ein behäbiger Mann in den Sechzigern mit einer gestärkten weißen Tunika kam heraus, um ihn zu begrüßen. Quer über der Tunika war das goldene Band eingestickt.

»Brose Cashdan«, stellte sich der Fremde vor. Seine Stimme war tief und achtunggebietend. Quellen konnte sich vorstellen, daß der Mann eine Entscheidung nach der anderen mit fester Stimme vorbrachte und sich kaum um die Empfehlung eines Regierungsbeamten kümmerte.

»Joseph Quellen. Ich …«

»Ich weiß. Sie wurden von Judith da Silva eingeladen. Natürlich. Judith ist drinnen. Seien Sie herzlich willkommen, Mister Quellen. Es freut uns, daß Sie sich uns anschließen wollen. Kommen Sie doch herein.«

Cashdan gelang es, seiner Stimme zugleich etwas Schmeichelndes und Befehlendes zu geben. Er schob Quellen in einen Raum, der mindestens sechs mal zehn Meter hatte und von Wand zu Wand mit einem grauen, schaumartigen Stoff ausgelegt war. An diesem Saal war nichts Nüchternes oder Puritanisches.

Acht oder neun Leute hatten sich in der Mitte des Raumes auf dem Boden niedergelassen. Judith war unter ihnen. Zu Quellens großer Überraschung hatte sie kein dunkles Kleid gewählt, wie es bei den meisten Versammlungen dieser Art üblich war. Offensichtlich galten für ein Treffen auf höherer Ebene andere Richtlinien. Sie trug ein Aufsprüh-Kleid mit blauen und grünen Grundtönen. Ein Stoffstreifen hielt die Brüste hoch und wand sich über ihre Hüften. Ihr Körper war mehr oder weniger bedeckt, aber da es sich lediglich um eine Farbschicht handelte, hätte sie ebensogut nackt kommen können. Quellen wußte, daß solche Extravaganzen der Mode nur in Kreisen ab Klasse Fünf vorkamen, und so erschien es ihm etwas gewagt, daß Judith sich derartig zurechtmachte. Quellen hatte das Gefühl, daß sie beide die einzigen Klasse-Sieben-Angehörigen in diesem Saal waren. Er lächelte Judith zu. Sie hatte eine schlanke Figur, wie sie der augenblicklichen Mode entsprach, und sie betonte sie, indem sie ihre Brüste bemalte.

Neben ihr saß ein dicker Mann, dessen Hals praktisch in Speckfalten verschwand. Er hatte einen kurzen, blaugetönten Bart, feuchte Lippen und einen friedlichen Gesichtsausdruck. Er wurde von einer zweiten Frau flankiert, die etwas älter als Judith wirkte und ein ähnlich schamloses Kleid trug. Bei Judith sah es gut aus. Aber die Fremde hatte einen hervorquellenden Busen und viel zu dicke Hüften. Sie sah Quellen mit schmachtenden Augen an, aber er warf ihr nur einen spöttischen Blick zu.

Die übrigen wirkten wohlhabend und intellektuell. Es waren vor allem Männer, alle gut gekleidet und offensichtlich gut genährt. Bei manchen hatte man sogar den Eindruck, sie seien ein wenig weibisch. Judith stand auf und stellte ihn vor. Die Namen glitten an Quellen vorbei, ohne in sein Bewußtsein einzudringen. Der Mann mit dem blauen Bart war Dr. Richard Galuber, Judiths Arzt. Und die schwammige Person neben ihm war seine Frau. Interessant. Quellen hatte nicht gewußt, daß der Arzt verheiratet war. Er hatte insgeheim den Verdacht gehegt, daß Judith seine Freundin war. Vielleicht stimmte es. Aber würde Dr. Galuber seine Geliebte und seine Frau bei so einer Sitzung zusammenbringen? Quellen konnte es sich nicht vorstellen. Aber Ärzte hatten oft verrückte Ansichten, und Quellen hatte erfahren, daß der Arzt seine Frau aus irgendeinem therapeutischen Beweggrund mitgenommen hatte.

Judith entfernte sich mit ihm ein Stückchen von der Gruppe und sagte: »Ich bin so froh, daß du gekommen bist, Joe. Ich dachte schon, du würdest dich wieder drücken.«

»Ich hatte es dir doch versprochen, oder?«

»Ja, ich weiß. Aber du hast die Tendenz, dich von potentiell feindlichen gesellschaftlichen Ereignissen fernzuhalten.«

Quellen war verärgert. »Schon wieder dieses therapeutische Gerede! Hör doch endlich auf damit, Judith. Ich bin ja gekommen.«

»Natürlich.« Ihr Lächeln wurde plötzlich herzlich. »Und ich freue mich darüber. Ich wollte nicht mit dir streiten. Komm, ich stelle dir Dr. Galuber vor.«

»Muß das sein?«

Sie lachte. »Du hast doch die Tendenz …«

»Schon gut, schon gut. Bringe mich zu diesem Dr. Galuber.«

Sie durchquerten den Saal. Quellen war durch Judiths Nacktheit irritiert. Ein Pigmentspray ist keine Kleidung. Er konnte ihre Figur unter der dunkelblauen Deckfarbe genau erkennen. Es war provozierend und beunruhigend.

Der Arzt sah Quellen mit berufsmäßiger Liebenswürdigkeit an. »Freut mich, Sie kennenzulernen, Mister Quellen. Ich habe schon viel von Ihnen gehört.«

»Oh, tatsächlich?« fragte Quellen nervös. Er war enttäuscht, daß Galuber nicht den rituellen mitteleuropäischen Akzent nachahmte, den die meisten anderen Ärzte benutzten. »Ich wußte gar nicht, daß Männer Ihres Berufsstandes Kultgemeinden dieser Art angehörten.«

»Wir stehen geistigen Übungen dieser Art positiv gegenüber«, sagte Galuber. »Weshalb sollten wir sie auch ablehnen?«

»Da haben Sie auch wieder recht.«

Der Arzt deutete auf seine Frau. »Jennifer und ich gehören jetzt seit mehr als einem Jahr dem Erbrechens-Kult an. Er hat uns zu mancher bemerkenswerten Einsicht verholfen, nicht wahr, Liebes?«

Mrs. Galuber schmachtete wieder. Sie sah Quellen so unverhohlen sinnlich an, daß er sich erschrocken zurückzog. »Es war eine große Erleuchtung für uns«, sagte sie. Sie hatte einen warmen, dunklen Alt. »Jede Art menschlichen Kontakts ist wohltuend, finden Sie nicht auch? Wir erlangen die Erfüllung, die unseren Nöten am meisten entgegenkommt.« Jennifer Galubers Fleisch schwabbelte, als sie herzlich lachte. Quellen sah verlegen weg. Er mußte gegen Übelkeit ankämpfen. Die Galubers führten wohl eine merkwürdige Ehe. Aber diese fette Hexe wird mich nicht dazu bringen, in menschlichen Kontakt mit ihr zu treten, dachte er.

Judith mischte sich wieder ein. »Ich rede Dr. Galuber seit Monaten zu, eines unserer Treffen zu besuchen. Aber bis jetzt hat er immer abgelehnt. Er fand, wir müßten warten, bis ich die richtige Stufe seiner Therapie erreicht hätte. Vorher wollte er mit einer Patientin nicht zu vertraulich verkehren.«

»Das ist natürlich nicht der einzige Grund«, meinte der Arzt wohlwollend. »In diesem Fall ging es noch darum, daß ich der Gruppe das Handikap meiner Frau zumuten mußte, was besondere Vorbereitungen erfordert. Sie müssen wissen, Jennifer ist eine Mutantin mit einer Galaktoseabwehr. Sie muß galaktosefreie Kost zu sich nehmen.«

»Ich verstehe«, sagte Quellen höflich.

»Es ist ein Erbfehler«, fuhr Galuber fort. »Sie kann Galaktose überhaupt nicht verdauen. Ein Enzymmangel. Es würden sich Galaktosevorläufer aufbauen und die Zellen zerstören. So lebt sie von Geburt an mit galaktosefreier Diät. Das führt selbstverständlich noch zu anderen Problemen. Da es sich um einen Enzymmangel handelt, kann sie Galaktose auch nicht aus endogenen Karbohydraten vertragen, denn das würde zu einem teilweisen Austausch der Galaktopiliden durch Glukopiliden im Hirn führen, ein äußerst schädliches Blutgruppenspektrum, weiterhin zu Abstoßungsprozessen bei Transplantationen und einer abnormalen Gehirnentwicklung — oh, die Folgen wären nicht auszudenken.«

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