Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1968
- Язык: немецкий
- Год: Moewig-Verlag
- Переводчик: Birgit Reß-Bohusch
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]». Краткое содержание книги:
HELAINE: Du weißt schon, der Zettel, den du bei dir hattest. Der Mann wollte dir doch Arbeit verschaffen.
POMRATH: Ach so, der.
Quellen wartete gespannt. Die Geräte zeigten eine ungewöhnliche Erregung bei Pomrath an. Sein Puls stieg an, ebenso seine Körpertemperatur. Dennoch schloß die Unterhaltung, ohne daß ein Wort über Lanoy gefallen wäre. Quellen übersprang wieder ein Stück. Er näherte sich der Direktübertragung.
POMRATH: Sie können mich doch zu Lanoy bringen, nicht wahr?
Der Monitor war so programmiert, daß eine Alarmanlage ausgelöst wurde, sobald das Wort »Lanoy« fiel. Ein winziges Zögern, bis der Komputer das Wort analysiert hatte, und dann ertönte das Zeichen. Ein rotes Licht blinkte auf dem Monitor-Schaltbrett. Eine Warnglocke rasselte. Dong! Dong!
Die Techniker kamen herbeigelaufen.
Dong.
»Schon gut«, sagte Quellen. »Ich überwache das Gerät. Schalten Sie diesen lästigen Alarm ab.«
Dong! Dong!
Quellen beugte sich vor. Auf seinen Handflächen stand Schweiß, als er zuhörte, wie sein Schwager die Familie doch betrog.
Pomrath war an diesem Morgen eine beträchtliche Strecke gefahren, ohne natürlich zu ahnen, daß seine Bewegungen ins Hauptquartier des Kriminalsekretariats übertragen wurden und daß man seine Worte und sogar seinen Herzschlag registrierte.
In den vergangenen Tagen, noch bevor der Horcher angebracht war, hatte er eine Menge Fragen gestellt. Die Zettel, die Lanoys Dienste anboten, waren ziemlich weit verbreitet. Aber eine Auskunft über Lanoys tatsächlichen Aufenthaltsort war nicht so leicht zu bekommen. Doch Pomrath besaß Ausdauer.
Er war jetzt entschlossen zu gehen.
Er konnte nicht mehr. Für Helaine und die Kinder war es natürlich scheußlich. Sie würden ihm sehr fehlen. Aber er hatte die Nase voll, und er spürte selbst, daß er am Rande eines Zusammenbruchs stand. Worte begannen ihre Bedeutung zu verlieren. Er konnte eine halbe Stunde ein Nachrichtenband anstarren, ohne die Bedeutung der Symbole auf dem gelben Kunststoff zu erfassen. Für ihn waren sie zu wimmelnden Mikroben geworden. KLOOFMAN. ARBEITSLOSIGKEIT. STEUERERHÖHUNG. DANTON. MANKLOOF. LOSKEITARBETIG. TONDAN. STEUER. KL. OOF. LOS. Tanzende kleine Tierchen. STEU. HÖH. Er mußte weg von hier. Endgültig weg. ANTO. ARBEI. FLOOK. FLOOK! FLOOK!
KLOOF!
Eine einfachere Welt, das war es, was er brauchte. Er mußte an einen Ort, den die Menschheit noch nicht verseucht hatte. Jawohl. Lanoy war die Antwort. Pomraths Kopf schmerzte. Er hatte das Gefühl, daß seine Stirnadern anschwollen. »Können Sie mir sagen, wo ich Lanoy finde?« Sein Kopf würde platzen. Das Gehirn würde plötzlich auf der Straße liegen. »Ich habe keine Arbeit. Ich muß Lanoy sprechen.« FLOOK! KLOOF! »Lanoy?«
Ein untersetzter Mann mit teigigem Gesicht, dessen untere Zähne herausgefault waren, sagte: »Ich bringe Sie zu Lanoy. Macht vier Units.«
Pomrath gab sie ihm. »Wohin muß ich gehen? Was muß ich tun?«
»Nehmen Sie das Schnellboot. Linie Sechzehn.«
»Und wo steige ich aus?«
»Steigen Sie erst einmal ein. Alles Weitere ergibt sich.«
Pomrath eilte auf die Schnellbootrampe zu. Er ging gehorsam an Bord. Es schien ein angenehmer Zufall, daß ihm jemand so freundlich Auskunft geben konnte, wie er diesen Lanoy erreichte. Doch einen Augenblick später mußte er sich eingestehen, daß es wahrscheinlich kein Zufall gewesen war. Der Mann mit dem teigigen Gesicht war wohl ein Agent von Lanoy, der ihm heimlich gefolgt war. Natürlich. Seine Augen schmerzten. In der Luft lag etwas Rauhes, Körniges. TONDAN! LOSKEIT! Pomrath drückte sich in eine Ecke des Schnellboots. Ein Mädchen in einer Mönchskapuze und mit geschorenem Kopf kam auf ihn zu. »Zu Lanoy?« fragte sie leise.
»Weshalb nicht?«
»Steigen Sie auf die Northpass-Linie um.«
»Wenn Sie meinen.«
»Es ist der einzige Weg.« Sie lächelte ihm zu. Ihre Haut schien die Farbe zu wechseln — von einem sanften Grün zu einem Ultragelb. KLOOF. STEUER. Pomrath zitterte. Er fragte sich, was Helaine sagen würde, wenn sie es erfuhr. Würde sie weinen? Würde sie bald wieder heiraten? Würden die Kinder seinen Namen beibehalten? Oder starb der Name Pomrath aus? Ja. Denn er würde in der Vergangenheit einen anderen Namen annehmen müssen. TONDAN! Sollte er sich Kloofman nennen? Eine raffinierte Ironie. Mein Urenkel ein Mitglied der Hohen Regierung. Die Möglichkeit bestand.
Pomrath verließ das Schnellboot. Das Mädchen in der Mönchskapuze blieb an Bord. Woher wußten sie, wer er war und was er vorhatte? Plötzlich hatte er Angst. Die Welt war voll von Ungereimtheiten. Betet für meine Seelenruhe, dachte er. Ich bin so müde. OOF! TON!
Er wartete an der Rampe. Rings um ihn stachen die Türme der häßlichen Gebäude in die Luft, die man im vorigen Jahrhundert erbaut hatte. Sie rissen Löcher in den Himmel. Er befand sich jetzt am Rande der Slum-Zone. Er hatte keine Ahnung, in welchen stinkenden Stadtteil man ihn schicken würde. Das nächste Schnellboot kam an. Pomrath bestieg es, ohne zu fragen. Ich bin in euren Händen, dachte er. LANOY! YONAL! Es ist mir egal. Ganz egal. Nur fort von hier!
Die Reise ging nach Norden. War er immer noch in Appalachia? Der Himmel war dunkel. Vielleicht auf Regen programmiert. Ein schneller Guß, um die Straßen zu reinigen. Und was geschah, wenn Danton plötzlich einen Regen aus Schwefelsäure befahl? Zischendes, rauchendes Pflaster, schreiende Bürger, die ihre Haut zu schützen versuchten. Das neueste Mittel zur Bevölkerungskontrolle. Tod aus dem Himmel. Geschieht euch ganz recht, wenn ihr ins Freie geht. Das Schnellboot hielt an. Pomrath stieg aus und wartete auf der Rampe. Regen fiel. Die Tropfen klatschten auf den Bürgersteig.
»Ich bin Pomrath«, sagte er zu einer freundlichen alten Dame.
»Lanoy erwartet Sie. Kommen Sie.«
Zehn Minuten später befand er sich in einer ländlichen Umgebung. Am Rand eines Sees stand eine Hütte. Geheimnisvolle Gestalten gingen ein und aus. Pomrath wurde vorwärtsgeschoben. Eine sanfte Stimme sagte: »Lanoy erwartet Sie hinten.«
Er war ein kleiner Mann mit einer großen Nase. Er trug Kleider, die zweihundert Jahre alt zu sein schienen.
»Pomrath?«
»Hm.«
»Was sind Sie? Klasse Zwölf?«
»Vierzehn«, bekannte Pomrath. »Können Sie mich von hier wegbringen? Bitte.«
»Aber selbstverständlich«, sagte Lanoy.
Pomrath warf einen Blick auf den See. Es war ein abscheulicher Ort. Es wimmelte von Mikroben und ähnlichem Getier. Große Inseln mit fleischigen Algen trieben auf der öligen Wasseroberfläche.
»Ist das nicht hübsch?« fragte Lanoy. »Sechs Jahrhunderte fortdauernde Verseuchung, ohne daß die Regierung etwas dagegen tut. Hin und wieder wird eine Rede gehalten. Das ist alles. Die Erneuerungszone wird in frühestens zwanzig Jahren bis hierher ausgeweitet. Möchten Sie ein Bad nehmen?«
Pomrath schauderte. »Ich kann nicht schwimmen. Bitte, sorgen Sie dafür, daß ich schnell von hier wegkomme.«
»Die Algen heißen Cladaphora. Manchmal kommen Biologen her, um sie zu bewundern. Sie erreichen Längen bis zu dreißig Metern. Dann haben wir noch Schlammwürmer hier und Venusmuscheln. Wie in Urzeiten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie hier leben. Sie wären schockiert, wenn Sie den Sauerstoffgehalt des Wassers kennen würden.«
»Mich schockiert nichts mehr«, sagte Pomrath. »Bitte!«
»Die Darmbakterien sind besonders stark vertreten«, fuhr Lanoy fort. »Ich glaube, es sind 10 000 000 pro hundert Milliliter. Das ist zehntausendmal zuviel für die menschliche Sicherheit. Hübsch, nicht wahr? Kommen Sie herein, Pomrath. Es ist nicht so leicht, die Zeitreise zu machen.«
»Heutzutage ist nichts leicht.«
»Aber wägen Sie selbst ab.« Lanoy führte ihn ins Innere der Hütte. Pomrath sah zu seiner Verblüffung, daß hier nichts von Verfall zu entdecken war. Alles blitzte vor Sauberkeit. Eine Wand trennte das Häuschen in zwei große Räume. Lanoy ließ sich in eine Hängematte fallen und schaukelte darin wie eine Spinne in ihrem Netz. Pomrath blieb stehen. »Ich kann Sie ins Jahr 1990 zurückbringen, wenn Sie wollen«, sagte Lanoy. »Oder nach 2076 oder in fast jedes andere Jahr. Lassen Sie sich von den Aufzeichnungen nicht täuschen. Wir haben mehr Möglichkeiten, als die Öffentlichkeit ahnt. Der Prozeß wird laufend verbessert.«