Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Während er über die Pflastersteine des Hofes schritt, die die Füße unzähliger Pilger glattpoliert hatten, empfand Morgan ein plötzliches und für ihn ganz uncharakteristisches Gefühl der Unentschlossenheit. Er stand im Begriff, im Namen des Fortschritts etwas Uraltes, Vornehmes zu zerstören — etwas, das er nie völlig verstehen würde.
Der Anblick der großen Bronzeglocke, aufgehängt in einem Turm, der aus der Wand des Klosters wuchs, ließ ihn seine Gedanken vergessen. Er blieb stehen. Im Handumdrehen hatte sein Ingenieurverstand das Gewicht der Glocke auf nicht weniger als fünf Tonnen geschätzt; außerdem war sie offenbar sehr alt. Wie um alles in der Welt …?
Der Mönch bemerkte seine Neugierde und lächelte verständnisvoll.
»Sie ist zweitausend Jahre alt«, sagte er. »Eine Gabe Kalidasas, des Fluchbeladenen, die anzunehmen wir für klug hielten. Nach der Legende brauchte man zehn Jahre, sie den Berg heraufzuschleppen, und hundert Menschen starben dabei.«
»Wozu wird sie gebraucht?«, fragte Morgan, nachdem er diese Information verdaut hatte.
»Infolge ihrer unliebsamen Herkunft wird sie nur in Unglücksfällen geläutet. Ich selbst habe sie niemals gehört, und auch sonst kein Lebender. Sie ertönte von selbst während des großen Erdbebens von 2017. Und davor wurde sie geläutet im Jahre 1522, als die portugiesischen Eindringlinge den Tempel des Zahnes niederbrannten und die Heilige Reliquie raubten.«
»Nach all der Mühe ist sie nie benützt worden?«
»Vielleicht ein Dutzend Mal in den letzten zweitausend Jahren. Kalidasas Fluch liegt noch immer auf ihr.«
Das war vielleicht gutes religiöses Denken, überlegte Morgan, aber kein wirtschaftliches. Er fragte sich insgeheim, wie viel Mönche im Lauf der Jahrhunderte der Versuchung erlegen sein mochten, ganz sacht an die Glocke zu klopfen, um wenigstens einmal das Summen ihrer verbotenen Stimme zu hören.
Sie schritten jetzt einen riesigen Felsklotz entlang, über dessen Flanke eine Treppe zu einem vergoldeten Pavillon hinaufführte. Dies, nahm Morgan zur Kenntnis, war der eigentliche Berggipfel. Er wusste, was der Schrein angeblich enthalten sollte, aber der Mönch ließ ihm ein zweites Mal von seinem Wissen zukommen.
»Der Fußabdruck«, sagte er. »Die Moslems glaubten, er rühre von Adam her. Er stand hier, nachdem er aus dem Paradies vertrieben worden war. Die Hindus schrieben ihn Shiva oder Saman zu. Für die Buddhisten aber war er natürlich der Abdruck des Erleuchteten.«
»Sie benutzen die Vergangenheit«, antwortete Morgan vorsichtig mit neutralem Tonfall. »Was ist der heutige Glaube?«
Das Gesicht des Mönchs war ausdruckslos, als er antwortete: »Buddha war ein Mensch wie Sie und ich. Der Abdruck im Felsen — und der Felsen ist äußerst hart — misst zwei Meter.«
Damit schien die Angelegenheit erledigt. Morgan stellte keine weiteren Fragen, während er einen kurzen Gang entlanggeführt wurde, der vor einer offenen Tür endete. Der Mönch klopfte und winkte Morgan einzutreten, ohne auf eine Antwort zu warten.
Morgan hatte halb erwartet, den Mahajanake Thero mit untergeschlagenen Beinen auf einer Matte hockend vorzufinden, umgeben von Weihrauch und den Gesängen der Akoluthen. Es lag in der Tat ein Hauch von Weihrauch in der Luft, aber der Oberpriester des Tempels von Sri Kanda saß hinter einem vollkommen normalen Büroschreibtisch, der mit den üblichen Kommunikations- und Speichergeräten ausgestattet war. Das einzig Ungewöhnliche in diesem Raum war ein Buddhakopf, etwas überlebensgroß, der in einer Ecke auf einem Piedestal stand. Morgan konnte nicht erkennen, ob er echt war oder nur eine Projektion.
Trotz dieser konventionellen Einrichtung bestand wenig Gefahr, dass man den Klostervorsteher mit einem modernen Manager verwechseln würde. Abgesehen von der unvermeidlichen gelben Toga besaß er zwei Merkmale, die in diesem Zeitalter ausgefallen wirkten. Er trug eine Brille, und sein Schädel war völlig kahl.
Beides, nahm Morgan an, war Absicht. Da sich Haarlosigkeit leicht heilen ließ, war die glänzende Schädelkuppe entweder rasiert oder enthaart. Und wann er das letzte Mal eine Brille gesehen hatte, dessen konnte sich Morgan vollends nicht erinnern, wenn er von historischen Aufzeichnungen oder Schauspielen absah.
Die Kombination faszinierte Morgan und brachte ihn gleichzeitig ein wenig aus dem Gleichgewicht. Er fand es unmöglich, das Alter des Priesters zu schätzen. Es lag irgendwo zwischen vierzig und achtzig. Und die Gläser verbargen, wie durchsichtig sie auch sein mochten, Mahajanake Theros Gedanken und Empfindungen.
»Aju Bowan, Dr. Morgan«, sagte der Priester, wobei er seinem Besucher mit einer Geste den einzig verfügbaren Stuhl anbot. »Das hier ist mein Sekretär, der Ehrwürdige Parakarma. Ich nehme an, Sie haben nichts dagegen, dass er Notizen von unserem Gespräch anfertigt.«
»Nicht das Geringste«, antwortete Morgan, wobei er den Kopf in der Richtung des Genannten neigte. Er nahm zur Kenntnis, dass der junge Mönch langes Haar und einen wallenden Bart trug. Es war anscheinend jedem selbst überlassen, ob er sich den Schädel rasierte oder nicht.
»Also, Dr. Morgan«, fuhr der Mahajanake Thero fort, »Sie wollen unseren Berg.«
»So ist es, Euer — äh — Hochwürden. Einen Teil davon wenigstens.«
»Von der ganzen Erdoberfläche ausgerechnet diese paar Hektar?«
»Die Wahl wird nicht von uns bestimmt, sondern von der Natur. Die Bodenstation muss sich am Äquator befinden, und zwar in der größtmöglichen Höhe, wo den Windkräften durch die geringe Luftdichte Grenzen gesetzt sind.«
»Es gibt sowohl in Afrika als auch in Südamerika höhere Berge in der Äquatorialzone.«
Da geht's schon wieder los!, stöhnte Morgan im Geist. Bittere Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass es nahezu unmöglich war, Laien, selbst wenn sie noch so viel Intelligenz und Wissbegierde besaßen, das komplexe Problem zu erläutern. Bei diesen beiden Mönchen versprach er sich noch weniger Erfolg. Wenn nur die Erde ein wahrhaft runder, symmetrischer Körper gewesen wäre, ohne Kerben und Beulen in ihrem Schwerefeld!
»Glauben Sie mir«, sagte er voller Eifer, »wir haben alle Alternativen sorgfältig untersucht. Der Cotopaxi und der Mount Kenia, selbst der Kilimandscharo, obwohl dieser drei Grad südlich liegt, wären für unsere Zwecke hervorragend geeignet. Das heißt, wenn es dieses eine kritische Problem nicht gäbe. Wenn ein Satellit in eine stationäre Umlaufbahn gebracht wird, bleibt er nicht stets genau am selben Ort. Infolge der Unregelmäßigkeit des Schwerefelds, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, treibt er langsam den Äquator entlang. Infolgedessen verbrennen alle unsere geosynchronen Satelliten und Raumstationen Treibstoff, um sich an Ort und Stelle zu halten. Glücklicherweise handelt es sich nur um geringe Mengen. Aber man kann nicht mehrere Millionen Tonnen hin und her rücken, um sie auf Position zu halten — besonders dann nicht, wenn diese gewaltige Masse aus schlanken Röhren mit mehreren zehntausend Kilometern Länge besteht. Aber das ist auch gar nicht nötig. Zu unserem Glück …«
»… nicht zu unserem«, warf der Mahajanake Thero ein und hätte fast damit erreicht, dass Morgan den Faden verlor.
»… gibt es zwei stabile Punkte im Synchronorbit. Ein Satellit, der dort in Position gebracht wird, treibt nicht ab. Er verhält sich, als befände er sich auf dem tiefsten Punkt eines unsichtbaren Tales. Einer dieser Orte befindet sich über dem Pazifik, also ist er für uns wertlos. Der zweite liegt geradewegs über uns.«
»Ein paar Kilometer hierhin oder dorthin würden doch sicherlich keinen großen Unterschied machen. Es gibt viele Berge in Taprobane.«
»Aber keinen, der mehr als halb so hoch ist wie Sri Kanda. Damit befinden wir uns auf einer Höhe, in der die Windkräfte eine kritische Rolle spielen. Zugegeben, es kommt unmittelbar am Äquator nur selten zu kräftigen Wirbelstürmen. Aber es gibt ihrer genug, so dass sie für die Struktur eine ernsthafte Gefahr darstellen, und zwar an deren schwächstem Punkt.«