Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er war klug genug, das zu erkennen und meine Gegenwart nicht weiter anzusprechen. Stattdessen verbannte er mich einfach aus seiner Wahrnehmung und nickte Jamie erneut zu.
»Eure Truppen sind einsatzbereit, Oberst Fraser?« Er sah sich kritisch um. Die einzigen Truppen, die zu sehen waren, waren Kenny, der die Nase in seinem Becher stecken hatte, und Murdo Lindsay und Geordie Chisholm, die im Schatten der Bäume ohne Rücksicht auf Verluste Messerwerfen spielten.
»Aye, Sir.«
Der Gouverneur zog beide Augenbrauen hoch, und seine Skepsis war nicht zu übersehen.
»Ruft sie, Sir. Ich werde ihre Einsatzbereitschaft überprüfen.«
Jamie hielt einen Augenblick inne und nahm die Zügel auf. Er sah blinzelnd in die aufgehende Sonne und betrachtete das Pferd des Gouverneurs abschätzend. »Das ist ein schöner Wallach, den Ihr da habt, Sir. Ist er zuverlässig?«
»Natürlich.« Der Gouverneur runzelte die Stirn. »Warum?«
Jamie warf den Kopf zurück und ließ einen trillernden Highlandruf von der Sorte hören, die dazu gedacht waren, dass man sie über mehrere Morgen Berghang hinweg hörte. Das Pferd des Gouverneurs riss an den Zügeln und rollte mit den Augen.
Milizionäre strömten brüllend wie die Todesfeen aus dem Gebüsch, und eine schwarze Krähenwolke explodierte über ihnen in den Bäumen wie Kanonenrauch und ergriff lautstark die Flucht. Das Pferd stieg, setzte Tryon als wenig würdevolles Häuflein ins Gras und schoss auf die Bäume am anderen Ende der Wiese zu.
Ich trat mehrere Schritte zurück, um nicht im Weg zu sein.
Der Gouverneur setzte sich mit puterrotem Gesicht keuchend auf und sah sich von grinsenden Milizionären umringt, die ihre Waffen auf ihn gerichtet hatten. Der Gouverneur blickte funkelnd in den Gewehrlauf, der ihm ins Gesicht ragte, und schob ihn mit einer Hand zur Seite. Er machte leise Würgegeräusche wie ein wütendes Eichhörnchen. Jamie räusperte sich vielsagend, und die Männer verschmolzen lautlos wieder mit dem Wald.
Im Großen und Ganzen hielt ich es sowohl für einen Fehler, dem Gouverneur eine Hand zum Aufstehen anzubieten, als auch, ihn mein Gesicht sehen zu lassen. Ich wandte mich taktvoll ab und trat ein paar Schritte beiseite, als hätte ich zu meinen Füßen eine faszinierende, neue Pflanze entdeckt.
Mr. Vickers tauchte mit erschrockener Miene wieder aus dem Wald auf, in jeder Hand einen Wassereimer.
»Was ist geschehen?« Er stürzte auf den Gouverneur zu, doch ich legte ihm eine Hand auf den Ärmel, um ihn aufzuhalten. Besser, wenn man Mr. Tryon eine Minute Zeit ließ, zu Atem zu kommen und seine Würde wiederherzustellen.
»Nichts von Bedeutung«, sagte ich und nahm meine Eimer an mich, bevor er sie verschütten konnte. »Äh … wie viele Milizionäre sind hier versammelt, wisst Ihr das?«
»Eintausendachtundsechzig, Ma’am«, sagte er mit durch und durch verwirrter Miene. »General Waddells Truppen natürlich nicht mitgezählt. Aber was –«
»Und Ihr habt Geschütze?«
»Oh, ja, mehrere, Ma’am. Wir haben zwei Abteilungen mit Artillerie. Zwei Sechspfünder, zehn Drehbassen und zwei Acht-Pfund-Mörser.« Vickers nahm eine etwas aufrechtere Haltung an, denn angesichts von so viel Zerstörungspotential kam er sich wohl sehr bedeutsam vor.
»Am anderen Flussufer halten sich zweitausend Männer auf, Sir – aber die meisten von ihnen sind kaum bewaffnet. Viele haben nichts als ein Messer dabei.« Jamies Stimme erklang hinter mir und lenkte Vickers’ Aufmerksamkeit von mir ab. Ich drehte mich um und sah, dass Jamie abgestiegen war und dem Gouverneur gegenüberstand, dessen Hut er in der Hand hielt. Er klopfte ihn beiläufig an seinem Oberschenkel aus und hielt ihn dann seinem Eigentümer hin, der ihn mit aller unter den Umständen möglichen Würde entgegen nahm.
»Das hat man mir bereits mitgeteilt, Mr. Fraser«, sagte er trocken, »wenn es mich auch freut, dass Eure Informationen mit den meinen übereinstimmen. Mr. Vickers, würdet Ihr so freundlich sein und mir mein Pferd holen?« Der Purpurton in Tryons Gesicht war verblasst, und obwohl er immer noch leicht gereizt klang, schien er doch nicht nachtragend zu sein. Tryon hatte sowohl ein Gespür für Fairness als auch – und das war gegenwärtig wichtiger – einen trockenen Sinn für Humor, und beides schien Jamies Demonstration militärischer Einsatzbereitschaft überlebt zu haben.
Jamie nickte.
»Dann haben Euch Eure Agenten vermutlich auch mitgeteilt, dass die Regulatoren keinen richtigen Anführer haben?«
»Im Gegenteil, Mr. Fraser. Ich befinde mich in dem Eindruck, dass Hermon Husband schon seit längerer Zeit einer der Hauptagitatoren dieser Bewegung ist. James Hunter ist ein weiterer Name, den ich oft auf Beschwerdebriefen und den endlosen Petitionen gesehen habe, die mich in New Bern erreichen. Und es gibt noch andere – Hamilton, Gillespie …«
Jamie machte eine ungeduldige Geste, um eine Mückenwolke zu vertreiben, die sein Gesicht umschwebte.
»Unter anderen Umständen würde ich ja gern mit Euch darüber diskutieren, Sir, ob die Feder mächtiger ist als das Schwert – aber nicht am Rand eines Schlachtfeldes, und dort befinden wir uns. Eine kühne Feder beim Verfassen von Pamphleten befähigt einen Mann noch lange nicht zur Truppenführung – und Husband ist Quäker.«
»Das habe ich auch schon gehört«, räumte Tryon ein. Er wies auf den Fluss und zog herausfordernd eine Augenbraue hoch. »Und doch ist er hier.«
»Er ist hier«, pflichtete ihm Jamie bei. Er schwieg kurz und versuchte, die Stimmung des Gouverneurs einzuschätzen, bevor er fortfuhr. Der Gouverneur war aufs Äußerste angespannt; es war nicht zu übersehen, wie gerade er sich hielt und wie seine Augen leuchteten. Dennoch stand die Schlacht noch nicht unmittelbar bevor, und er hatte seine Anspannung gut unter Kontrolle. Er war noch fähig, zuzuhören.
»Der Mann hat an meinem Herd gegessen«, sagte Jamie vorsichtig. »Und ich an seinem. Er macht kein Geheimnis aus seinen Ansichten und seinem Charakter. Wenn er heute hier ist, so bin ich mir sicher, dass ihm dies großes Kopfzerbrechen bereitet.« Jamie holte tief Luft. Er befand sich hier auf schwierigem Terrain.
»Ich habe einen Mann über den Fluss geschickt, Sir, um Husband zu suchen und ihn zu bitten, sich mit mir zu treffen. Vielleicht kann ich ihn ja bewegen, seinen beträchtlichen Einfluss dahingehend zu benutzen, dass diese Männer – diese Bürger –«, er wies mit einer knappen Geste auf den Fluss und die unsichtbaren Kämpfer auf der anderen Seite, »dass sie von ihrem vernichtenden Kurs ablassen, der nur in einer Tragödie enden kann.« Er sah Tryon direkt in die Augen.
»Darf ich Euch bitten, Sir – darf ich Euch anflehen –, wenn Husband kommt, wollt Ihr nicht selbst mit ihm sprechen?«
Tryon stand wortlos da und drehte seinen staubigen Hut geistesabwesend in den Händen. Die Echos seines Unfalls waren verhallt; in den Ästen der Ulme über uns sang ein Grünfink.
»Sie sind Bürger dieser Kolonie«, sagte er schließlich und wies kopfnickend in die Richtung des Flusses. »Ich würde es bedauern, wenn sie Schaden nähmen. Ihre Klagen sind nicht unbegründet; das habe ich bereits – öffentlich! – zugegeben und erste Schritte für eine Wiedergutmachung eingeleitet.« Er blickte in Jamies Richtung, als wollte er sehen, ob seine Worte Gehör fanden. Jamie stand schweigend da und wartete.
Tryon holte tief Luft und klopfte den Hut an seinem Bein aus.
»Doch ich bin Gouverneur dieser Kolonie. Ich kann nicht zulassen, dass der Friede gestört und das Gesetz mit Füßen getreten wird und Aufruhr und Blutvergießen sich ungestraft ausbreiten!« Er sah mich trostlos an. »Und das werde ich auch nicht.«
Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Jamie.
»Ich glaube nicht, dass er kommen wird, Sir. Ihr Kurs steht fest –« Er nickte noch einmal in Richtung der Bäume, die den Alamance säumten. »Und meiner auch. Dennoch …« Er zögerte einen Moment, dann fasste er seinen Entschluss und schüttelte den Kopf.