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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Seien Sie unbesorgt, mein Herr, es soll Gerechtigkeit geübt werden, sprach Villefort. Mein Vater hat mir den Namen des Schuldigen genannt, es dürstet ihn nach Rache, wie Sie, und dennochbeschwört Sie mein Vater, wie ich, das Geheimnis des Verbrechens zubewahren. Nicht wahr, Vater?

Ja, antwortete Noirtier energisch.

Morel machte eineBewegung des Abscheus und des Unglaubens.

Oh! rief Villefort, Maximilian am Arm zurückhaltend, oh! mein Herr, wenn mein Vater, dessen unbeugsame Natur Sie kennen, dieseBitte an Sie richtet, so tut er dies nur, imBewußtsein, daß Valentine furchtbar gerächt werden wird. Nicht wahr, mein Vater?

Der Greis machte einbejahendes Zeichen.

Villefort fuhr fort: Er kennt mich, und ich habe ihm mein Wort verpfändet. Beruhigen Sie sich also, meine Herren; drei Tage, nur drei Tage verlange ich von Ihnen, das ist weniger, als das Gericht von Ihnen verlangen würde, und in drei Tagen wird die Rache, die ich für die Ermordung meines Kindes nehme, die gleichgültigsten Menschenbis in die tiefste Tiefe des Herzens erzittern lassen. Nicht wahr, mein Vater?

Und während er diese Worte sprach, knirschte er mit den Zähnen und schüttelte die gelähmten Hände des Greises.

Wird alles, was versprochen ist, gehalten werden? fragte Morel.

Ja, machte Noirtier mit einemBlicke finsterer Freude.

Schwören Sie also, meine Herren, sagte Villefort, d'Avrignys und Morels Hände fassend, schwören Sie, daß Sie Mitleid mit der Ehre meines Hauses haben und mir die Sorge der Rache überlassen werden!

D'Avrigny wandte sich abund murmelte ein sehr schwaches Ja. Morel aber riß seine Hände weg, stürzte nach demBette, drückte seine Lippen auf Valentines eisige Lippen und entfloh mit dem langen Seufzer einer Seele, die sich in Verzweiflung versenkt.

Da die Diener sämtlich verschwunden waren, sah sich Herr von Villefort genötigt, Herrn d'Avrigny zubitten, die Schritte zu übernehmen, die ein Todesfall undbesonders unter so verdächtigen Umständen nach sich zieht.

Nach einer Viertelstunde kehrte Herr d'Avrigny mit dem Totenbeschauer zurück; man hatte die Tür nach der Straße geschlossen, und da der Portier mit den andern Dienern geflohen war, mußte Villefort selbst öffnen.

Doch erbliebauf dem Vorplatze stehen, da ihm der Mut fehlte, wieder in das Sterbezimmer zu treten.

Diebeiden Ärzte gingen allein zu Valentine.

Noirtier saß noch immer amBette, bleich wie der Tod, unbeweglich und stumm wie er.

Der Totenarzt näherte sich mit der Gleichgültigkeit eines Menschen, der die Hälfte seines Lebens mit Leichnamen zu tun hat, hobdas Tuch auf, mit dem das Mädchenbedeckt war, und öffnete nur ein wenig die Lippen.

Oh! sagte d'Avrigny seufzend, die Arme ist tot.

Ja, antwortete lakonisch der Arzt und ließ das Tuch wieder fallen; dann schrieber die Todeserklärung nieder und entfernte sich, von d'Avrigny zur Tür geleitet.

Villefort hörte sie hinabgehen und erschien wieder an der Tür seines Kabinetts. Mit einigen Worten dankte er dem Arzte und sagte sodann, sich an d'Avrigny wendend: Und nun der Priester; gehen Sie zum nächsten!

Der nächste, sagte der Arzt, ist ein italienischer Abbé, der seit kurzem im anstoßenden Hause wohnt. Soll ich ihn im Vorbeigehenbenachrichtigen?

D'Avrigny, sagte Villefort, ichbitte Sie, begleiten Sie diesen Herrn. Hier ist der Schlüssel, damit Sie nachBelieben aus- und eingehen können. Siebringen den Priester her und führen ihn in das Zimmer meines armen Kindes.

Wünschen Sie ihn zu sprechen, mein Freund?

Ich wünsche, allein zu sein. Nicht wahr, Sie werden mich entschuldigen? Ein Priester muß alle Schmerzenbegreifen, selbst den väterlichen Schmerz.

Hierauf gabHerr von Villefort Herrn d'Avrigny einen Schlüssel und kehrte in sein Kabinett zurück, wo er zu arbeiten anfing.

Als die Ärzte auf die Straße kamen, sahen sie einen Mann in einer Soutane auf der Schwelle des nächsten Hauses stehen.

D'Avrigny ging auf den Geistlichen zu und sagte: Mein Herr, wären Sie geneigt, einem unglücklichen Vater, der soeben seine Tochter verloren, dem Herrn Staatsanwalt von Villefort, einen großen Dienst zu leisten?

Ah! mein Herr, antwortete der Priester mit stark italienischem Akzent, ja, ich weiß, der Tod ist in seinem Hause.

Dannbrauche ich Ihnen nicht zu sagen, welchen Dienst er von Ihnen wünscht. Ich wollte mich soeben hierzu anbieten; es ist unsere Aufgabe, unsern Pflichten entgegenzukommen.

Es handelt sich um ein junges Mädchen.

Ja, ich weiß. DieBedienten, die aus dem Hause fortliefen, haben es mir gesagt. Ich hörte, daß sie Valentine hieß, undbetete für sie.

Ich danke, mein Herr, und da Sie schon Ihr heiliges Amt zu versehen angefangen, so haben Sie die Güte, es fortzusetzen. Nehmen Sie den Platzbei der Toten ein, und eine in Trauer versunkene Familie wird Ihnen dankbar sein.

Ich gehe, mein Herr, und glaube, daß nie ein Gebet glühender gewesen ist, als das meinige sein wird. D'Avrigny nahm den Abbébei der Hand und führte ihn in Valentines Zimmer. Als sie eintraten, traf NoirtiersBlick den des Abbés, und ohne Zweifel glaubte der Greis etwas Seltsames darin zu lesen, denn er ließ ihn nicht mehr aus den Augen.

D'Avrigny empfahl dem Priester nicht nur die Tote, sondern auch den Lebenden, und der Priester versprach, seine Gebete Valentine und seine Sorge Noirtier zu weihen, und schloß, ohne Zweifel, damit er in seinen Gebeten und Noirtier in seinem Schmerze nicht gestört würde, sobald Herr d'Avrigny das Zimmer verlassen hatte, nicht nur den Riegel der Tür, durch die der Doktor weggegangen war, sondern auch den Riegel der zu Frau von Villefort führenden.

Danglars' Unterschrift.

Der Morgen des nächsten Tagesbrach traurig und wolkig an. Man hatte während der Nacht den auf demBette liegenden Körper in das Schweißtuch genäht.

Im Verlaufe des Abends hatten zu diesemBehufe herbeigerufene Männer Noirtier aus Valentines Zimmer in das seinige getragen, und der Greis machte, gegen alle Erwartung, keine Schwierigkeiten, sich von dem Leichname seines Kindes zu trennen.

Der AbbéBusoni hattebis zum Morgen gewacht und sichbei Tagesanbruch zurückgezogen.

Gegen acht Uhr morgens kam d'Avrigny wieder. Erbegegnete Villefort, der zu Noirtier ging, undbegleitete ihn, um zu erfahren, wie der Greis die Nacht zugebracht habe. Sie fanden ihn in seinem großen Lehnstuhle, der ihm alsBett diente, in sanftem Schlummer ruhend und mitbeinahe lächelnder Miene. Beideblieben erstaunt auf der Schwelle stehen.

Sehen Sie, sagte d'Avrigny zu Villefort, der seinen entschlummerten Vaterbetrachtete, sehen Sie, die Natur weiß die heftigsten Schmerzen zu stillen; gewiß wird niemand sagen, Herr Noirtier habe seine Enkelin nicht geliebt, und dennoch schläft er.

Ja, Sie haben recht, sagte Villefort, er schläft, und das ist seltsam, denn der geringste Verdruß hält ihn sonst die ganze Nacht hindurch wach. Der Schmerz hat ihn niedergeschmettert, versetzte d'Avrigny, woraufbeide nachdenklich in das Kabinett des Staatsanwalts zurückkehrten.

Sehen Sie, ich habe nicht geschlafen, sagte Villefort, auf sein unberührtesBett deutend; der Schmerz schmettert mich nicht nieder; ich habe zwei Nächte nicht geschlafen; dagegen schauen Sie meinBüro an; mein Gott! Wie habe ich diese zwei Tage und diese zwei Nächte hindurch geschrieben! Wie habe ich diese Papiere durchwühlt und die Anklageschrift des MördersBenedetto mit Noten versehen!.. Oh, Arbeit, Arbeit! meine Leidenschaft, meine Freude, meine Wut, du mußt mir alle meine Schmerzen niederschlagen!

Und er drückte d'Avrigny krampfhaft die Hand.

Bedürfen Sie meiner? fragte der Doktor.

Nein, sagte Villefort, ichbitte Sie nur, um elf Uhr zurückzukommen; zur Mittagsstunde findet die Abfahrt statt. Mein Gott! mein armes Kind, mein armes Kind!

Und wieder Mensch werdend, schlug der Staatsanwalt die Augen zum Himmel auf und stieß einen Seufzer aus.

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