Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Sie werden dann also im Empfangszimmer sein?
Nein, ich habe einen Vetter, der diese traurige Ehre übernimmt. Ich gedenke zu arbeiten, Doktor; wenn ich arbeite, verschwindet alles.
Der Doktor war in der Tat noch nicht vor der Tür, als sich der Staatsanwaltbereits wieder zur Arbeit gesetzt hatte.
Um elf Uhr rollten die Wagen über das Pflaster des Hofes, und die Rue du Faubourg Saint‑Honoré ertönte von dem Gemurmel der auf die Freude wie auf die Trauer der Reichen gleichbegierigen Menge.
Allmählich füllte sich der Trauersaal, und man sah zuerst einige von unseren Freunden, nämlich Debray, Chateau‑Renaud, Beauchamp, sodann hervorragende Vertreter der Gesellschaft, der Anwaltschaft, der Literatur und der Armee. Die, welche sich kannten, winkten sich mit demBlicke und versammelten sich in Gruppen. Eine von diesen Gruppenbestand aus Debray, Chateau‑Renaud undBeauchamp.
Armes Mädchen! sagte Debray. So reich, so schön! Hätten Sie das gedacht, Chateau‑Renaud, als wir vor drei Wochen meine ich, zusammenkamen, um jenen Vertrag zu unterzeichnen, der nicht unterzeichnet wurde?
Meiner Treu! nein, erwiderte Chateau‑Renaud.
Kannten Sie Fräulein von Villefort?
Ich habe einige Male mit ihr gesprochen, sie kam mir reizend vor, obgleich etwas schwermütig. Wo ist die Stiefmutter?
Haben Sie über diesen Tod in Ihrer Zeitung geschrieben?
Der Artikel ist nicht von mir, erwiderteBeauchamp; ich zweifle auch, ober Herrn von Villefort angenehm sein wird. Es ist, glaube ich, darin gesagt, wenn vier aufeinander folgende Todesfälle anderswo als im Hause des Staatsanwalts stattgefunden hätten, so würde der Staatsanwalt sicherlich mehr dadurch inBewegung gesetzt worden sein.
Der Doktor d'Avrigny, der Arzt meiner Mutter, behauptet übrigens, er sei sehr in Verzweiflung, sagte Chateau‑Renaud. Doch was suchen Sie, Debray?
Ich suche Herrn von Monte Christo.
Ich habe ihn unterwegs auf demBoulevard getroffen; ich glaube, er will abreisen, denn er ging zu seinemBankier.
Zu seinemBankier? Ist seinBankier nicht Danglars? fragte Chateau‑Renaud.
Ich glaube, ja, erwiderte der Geheimsekretär mit einer leichten Unruhe. Doch Monte Christo ist nicht der einzige, der hier fehlt, ich sehe auch Morel nicht.
Morel! Kannte er sie? fragte Chateau‑Renaud.
Ich glaube, er ist ihr einmal vorgestellt worden.
Gleichviel, er hätte kommen müssen, sagte Debray; dieseBeerdigung ist das Ereignis des Tages.
Beauchamp hatte wahr gesprochen; als er sich zu der Trauerfeierlichkeitbegab, begegnete er Monte Christo, der auf dem Wege zu Danglars war.
DerBankier sah von seinem Fenster aus den Grafen im Hofe erscheinen und ging ihm rasch entgegen.
Nun, Graf, sagte er, Monte Christo mit einem halbtrübseligen, halbhöflichen Gesichte die Hand reichend, Sie kommen, mir IhrBeileid zubezeigen. In der Tat, das Unglück ist in meinem Hause. Es scheint überhaupt ein unglückliches Jahr zu sein. Nehmen Sie unsern Puritaner von einem Staatsanwalt, den heiligen Villefort, der nun auch seine Tochter verloren hat, nachdem auf seltsam plötzliche Weise drei andere Todesfälle in seinem Hause vorgekommen sind; Morcerf ist entehrt und getötet, und ichbin lächerlich gemacht durch die Verworfenheit diesesBenedetto, und dann…
Was dann?… fragte der Graf.
Ach! Sie wissen nicht, daß uns Eugenie verlassen hat?
Mein Gott, was Sie mir da sagen!
Sie konnte die Schmach nicht ertragen, die ihr dieser Elende angetan, undbat mich, abreisen zu dürfen.
Und sie ist mit Frau Danglars abgereist?
Nein, mit einer Verwandten… Doch wir werden nichtsdestoweniger die liebe Eugenie verlieren; denn ich zweifle, obsiebei ihrem Charakter je wieder einwilligt, nach Frankreich zurückzukehren!
Was wollen Sie, lieberBaron? versetzte Monte Christo, Familienkummer ist niederschmetternd für einen armen Teufel, dessen Kind sein einziges Vermögen darstellt, er ist aber erträglich für einen Millionär. Die Philosophen haben gut reden, die praktischen Menschen werden sie hierin immer Lügen strafen; das Geld tröstet über vielerlei, und Sie müssen schneller getröstet sein, als irgend jemand, Sie, der König der Finanzen.
Danglars warf einen schiefenBlick auf den Grafen, um zu sehen, ober spotte oder im Ernste spreche. Ja, sagte er, es ist wahr, wenn das Vermögen tröstet, sobin ich getröstet; ichbin reich.
So reich, mein lieberBaron, daß Ihr Vermögen den Pyramiden gleicht; wollte man sie zerstören, man würde es doch nicht wagen; und wagte man es, so vermöchte man es nicht.
Danglars lächelte über dieses gutmütige Zutrauen des Grafen und erwiderte: Dies erinnert mich, daß ichbei Ihrem Eintritt damitbeschäftigt war, fünf kleine Anweisungen fertigzustellen. Zwei hatte ichbereits unterzeichnet; wollen Sie mir erlauben, auch die andern drei vollends auszufertigen?
Tun Sie das, lieberBaron.
Es trat ein kurzes Schweigen ein, während dessen man die Feder desBankiers kritzeln hörte.
SpanischeBons, haytischeBons, Bons auf Neapel? fragte Monte Christo.
Nein, antwortete Danglars mit seinem anmaßenden Lachen, Anweisungen auf den Inhaber an dieBank von Frankreich. Hören Sie, fügte er hinzu, Herr Graf, Sie, der Sie Finanzkaiser sind, wie ich nur König, haben Sie viele Papierfetzen von dieser Größe, jeden im Wert von einer Million, gesehen?
Monte Christo nahm die fünf Papierstücke, die ihm Danglars stolz darreichte, in die Hand, als wollte er sie abwägen, und las:
Der Direktor derBankbeliebebezahlen zu lassen an meine Ordre und auf die von mir hinterlegten Fonds die Summe von einer Million, Wert in Rechnung.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sagte Monte Christo, fünf Millionen! Teufel! wie Sie zu Werke gehen, Herr Krösus.
So treibe ich die Geschäfte, sprach Danglars.
Das ist wunderbar, besonders wenn diese Summe, woran ich nicht zweifle, barbezahlt wird.
Sie wird es, versetzte Danglars.
Es ist schön, einen solchen Kredit zu haben; in der Tat, dergleichen sieht man nur in Frankreich, fünf Papierfetzen im Werte von fünf Millionen, und man muß es wohl glauben.
Sie sagen das mit einem Tone… Hören Sie, machen Sie sich das Vergnügen, begleiten Sie meinen Kommis zurBank, und Sie werden ihn mit Anweisungen auf den Staatsschatz für dieselbe Summe herauskommen sehen.
Nein, erwiderte Monte Christo, die fünf Zettel zusammenlegend, die Sache ist zu interessant, und ich will selbst den Versuch machen. Mein Kreditbei Ihnenbetrug sechs Millionen, ich habe 900 000 gezogen, und Sie sind mir folglich noch fünf Millionen und 100 000 Franken schuldig. Ich nehme Ihre fünf Papierstreifen, die mir schon durch Ihre Unterschrift gut sind und gebe Ihnen hier einen allgemeinen Schein für sechs Millionen, wodurch sich unsere Rechnungbegleicht. Ich habe den Schein schon vorher geschrieben, denn ich muß Ihnen sagen, daß ich heute durchaus Geldbrauche.
Mit einer Hand steckte Monte Christo die fünf Papiere in seine Tasche, während er mit der andern demBankier den Empfangschein reichte.
Hätte derBlitz zu Danglars' Füßen eingeschlagen, sein Schrecken konnte nicht größer sein.
Wie? stammelte er, wie, Herr Graf, Sie nehmen dieses Geld? Verzeihen Sie, es ist Geld, das ich den Hospitälern schuldigbin, ein Depositum, das ich heute morgen zubezahlen versprochen habe.
Ah! sagte Monte Christo, das ist etwas anderes; es liegt mir nicht gerade an diesen Papieren. Bezahlen Sie mich in anderen Werten! Ich nahm diese Zettel nur, um überall sagen zu können, ohne fünf Minuten Frist von mir zu verlangen, habe mir das Haus Danglars fünf Millionenbarbezahlt! Das wäre merkwürdig gewesen!
Dabei reichte er die fünf Papiere Danglars, der zuerst seine Hand ausstreckte, wie ein Geier die Klauen durch die Stangen seines Käfigs ausstreckt, um das Fleisch zu packen, das man ihm hinhält.